Biene des Jahres 2026: Die Blaue Holzbiene
Die Blaue Holzbiene kann zwischen zwei und drei Zentimeter groß werden und gehört damit zu den größten Wildbienen Europas. Durch ihren schwarz glänzenden Körper und die schimmernd blau-violetten Flügel fällt sie sofort auf. Viele Menschen halten sie wegen ihres lauten Brummens zunächst für eine Hummel oder sogar für ein gefährliches Insekt, doch die blaue Holzbiene ist äußerst friedlich.
Ursprünglich war die Blaue Holzbiene vor allem im Mittelmeerraum verbreitet und kam in Deutschland nur in wenigen warmen Flusstälern im Südwesten vor. Seit den 1980er-Jahren hat sie sich durch die Erwärmung des Klimas deutlich nach Norden ausgebreitet und ist heute auch im Flachland, in Mittelgebirgslagen wie der Schwäbischen Alb und im Norden Deutschlands zu finden. Damit zählt sie zu den Insektenarten, an denen sich die Folgen des Klimawandels für die heimische Fauna besonders gut beobachten lassen.
Ihren Namen verdankt sie ihrer besonderen Lebensweise: Sie baut ihre Nester in Holz. Nach der Überwinterung und der Paarung im Frühjahr nagt das Weibchen mit kräftigen Mundwerkzeugen einen bis zu 30 Zentimeter langen Gang in morsches oder abgestorbenes Holz. Darin legt sie mehrere Brutzellen hintereinander an, die durch Trennwände aus einer Mischung von Speichel und Holzspänen voneinander getrennt sind. Jede Zelle wird mit einem Vorrat aus Pollen und Nektar gefüllt. Danach legt die Biene ein Ei hinein und verschließt die Kammer. Die Larve ernährt sich von diesem Vorrat und entwickelt sich innerhalb von sechs bis acht Wochen zur fertigen Biene. Es entsteht nur eine Generation pro Jahr. Anders als bei den einjährigen Staaten der Hummeln überwintern bei der Blauen Holzbiene sowohl Männchen als auch Weibchen als fertige Bienen, geschützt in Baumhöhlen oder Mauerspalten.
Die Blaue Holzbiene liebt sonnige und warme Orte. Besonders wohl fühlt sie sich in naturnahen Gärten, Weinbergen, Streuobstwiesen und an Waldrändern. Wichtig ist dabei, dass genügend Blütenpflanzen und geeignetes Holz zum Nestbau vorhanden sind.
Blaue Holzbiene Trachtpflanzen
Besonders gerne besucht sie große und tief geformte Blüten. Zu ihren Lieblingspflanzen gehören Lavendel, Salbei, Glyzinien und verschiedene Lippenblütler. Mit ihrem langen Saugrüssel erreicht sie auch Nektar, der tief in der Blüte verborgen liegt. Da sie polylektisch ist, sammelt sie darüber hinaus Pollen vieler weiterer Pflanzenfamilien, etwa von Schmetterlingsblütlern und Korbblütlern. Beim Sammeln bleibt viel Pollen an ihrem Körper haften. Dieser wird von Blüte zu Blüte transportiert und sorgt dafür, dass Pflanzen bestäubt werden können.
Damit leistet die Blaue Holzbiene einen wichtigen Beitrag zur Bestäubung von Wild- und Nutzpflanzen. Da sie auf ausreichend Totholz und ein reiches Blütenangebot angewiesen ist, ist sie vor allem dort anzutreffen, wo naturnah gepflegte Gärten, Streuobstwiesen oder Waldränder vorhanden sind.
Gefährdung und Schutz der blauen Holzbiene
Auch wenn sich die Blaue Holzbiene derzeit ausbreitet und in der aktuellen Roten Liste Deutschlands als ungefährdet eingestuft ist, bleibt sie auf geeignete Lebensräume angewiesen. Probleme entstehen vor allem durch den Verlust von Blühpflanzen, den Einsatz von Pestiziden, die Versiegelung von Flächen und das Entfernen von Totholz. 2024 wurde sie vom Netzwerk Blühende Landschaft zur Wildbiene des Jahres gekürt, um auf diese Lebensraumansprüche aufmerksam zu machen.
Menschen können der Holzbiene jedoch helfen. Wer einen naturnahen Garten anlegt, viele Trachtpflanzen anbietet und abgestorbenes Holz liegen lässt, schafft gute Lebensbedingungen für Wildbienen. Besonders wichtig ist es außerdem, auf chemische Pflanzenschutzmittel zu verzichten, da diese den Insekten schaden können.
Quellen
- Paul Westrich: Steckbrief Xylocopa violacea. wildbienen.info, https://www.wildbienen.info/steckbriefe/xylocopa_violacea.php
- Paul Westrich: Gattung Xylocopa – Holzbienen. wildbienen.info, https://www.wildbienen.info/system/gattung_xylocopa.php
- Netzwerk Blühende Landschaft: Blauschwarze Holzbiene – Wildbiene des Jahres 2024. https://bluehende-landschaft.de/insekt/blauschwarze-holzbiene/
- Museum für Naturkunde Berlin: Wie überwintern Bienen? https://www.museumfuernaturkunde.berlin/index.php?id=265
- Nationalpark Donau-Auen: Große Holzbiene (Xylocopa violacea). https://www.donauauen.at/wissen/natur-wissenschaft/fauna/grosse-holzbiene-xylocopa-violacea
- Lucas A. Garibaldi et al.: Wild Pollinators Enhance Fruit Set of Crops Regardless of Honey Bee Abundance. Science, Bd. 339, Nr. 6127, 2013, S. 1608–1611.
- arthropodafotos.de: Xylocopa violacea – Große Holzbiene. https://arthropodafotos.de/dbsp.php?lang=deu&sc=0&ta=t_43_hym_apo_api&sci=Xylocopa&scisp=violacea


