Bombus pomorum
Die Obsthummel (Bombus pomorum) gehört innerhalb der Gattung Bombus zur Untergattung Thoracobombus und wurde 1805 von Georg Wolfgang Franz Panzer beschrieben. Ihr Verbreitungsgebiet reichte einst von Nordfrankreich über weite Teile Mittel- und Osteuropas bis in die Westtürkei und zum Uralgebiet bei Perm in Russland. Seit einigen Jahrzehnten schrumpft dieser Raum deutlich. Heute kommt die Art nur noch in zentralen und östlichen Teilen Europas vor, die Nordgrenze liegt im südlichen Dänemark, die Südgrenze an den Alpen. Die IUCN führt Bombus pomorum als gefährdet (Vulnerable).
Merkmale
Die Obsthummel zählt zu den mittelgroßen Hummelarten. Wildbienen.de gibt für Königinnen eine Länge von 18 bis 20 Millimetern an, für Arbeiterinnen 12 bis 14 Millimeter und für Drohnen 15 bis 17 Millimeter. Deutsche und englische Wikipedia nennen für die Königin dagegen 20 bis 22 Millimeter. Die Grundfärbung ist bei allen Kasten schwarz, die Tergite 3 bis 6 des Hinterleibs sind rötlichgelb bis orangerot gefärbt, bei manchen Tieren beginnt diese Färbung schon am zweiten Tergit. Drohnen tragen zusätzlich zwei graue Querbinden am Vorderkörper und wirken dadurch insgesamt heller als Königinnen und Arbeiterinnen. Im Feld lässt sich die Obsthummel leicht mit der Steinhummel (Bombus lapidarius) verwechseln, doch bei ihr nimmt der rotbraune Anteil des Hinterleibs deutlich mehr Fläche ein. Ein zuverlässiges Bestimmungsmerkmal ist der für Hummeln ungewöhnlich lange Rüssel: Bei Königinnen misst er etwa 8 Millimeter, bei Arbeiterinnen 6 bis 8,5 Millimeter und bei Drohnen 6 bis 7 Millimeter.
Lebensraum und Nahrung
Bombus pomorum bevorzugt Waldränder und offene, extensiv bewirtschaftete Agrarflächen mit einem hohen Anteil an Schmetterlingsblütlern und Lippenblütlern. Welche Pflanzenarten die Obsthummel im Einzelnen bevorzugt, ist nicht im Detail erforscht. Als polylektische Art besucht sie grundsätzlich viele verschiedene Pflanzenfamilien, doch ihre Auswahl wird wahrscheinlich durch die Länge des Rüssels bestimmt, der ihr Zugang zu langröhrigen Blüten verschafft, die für kurzrüsselige Hummelarten unerreichbar bleiben. Genau solche Pflanzen verschwinden mit der Umstellung auf Monokulturen zuerst, sodass intensiv bewirtschaftete Flächen für die Art kaum noch Nahrung bieten. Die Flugzeit beginnt bei den überwinterten Königinnen Ende April bis Mitte Mai, Arbeiterinnen erscheinen von Mitte Mai bis Ende August, Jungköniginnen und Drohnen ab Anfang Juli. In Österreich wird die Art nach Beobachtungen des Naturschutzbunds erst ab Juni aktiv, fliegt dafür aber bis in den Oktober hinein.
Nest und Fortpflanzung
Ihr Nest legt die Obsthummel unterirdisch an, meist in verlassenen Nestern von Mäusen oder anderen Kleinsäugern. Ein Volk umfasst bis zu 50 Tiere. Beim Wabenbau zählt Bombus pomorum zu den Pocketmakern: Die Arbeiterinnen legen den Pollen in Taschen an der Außenseite der Brutzellen ab, statt eigene Vorratszellen anzulegen. Als Kuckuckshummel nutzt die Feld-Kuckuckshummel (Bombus campestris) die Nester der Obsthummel, um darin ihre eigene Brut aufziehen zu lassen.
Gefährdung
Die Bestände von Bombus pomorum sind über weite Teile ihres Verbreitungsgebiets stark zurückgegangen. In Deutschland und Litauen gilt die Art als stark gefährdet, in Lettland als akut gefährdet. Forscher aus Ungarn haben vorgeschlagen, sie dort als akut gefährdet einzustufen. In Tschechien wird sie in der Roten Liste als vom Aussterben bedroht geführt, in Schweden gilt sie seit der Roten Liste 2025 als regional ausgestorben. In Großbritannien wurde die Obsthummel letztmals 1864 in der Grafschaft Kent gesichtet. Dieselbe Entwicklung zeigt sich in den Niederlanden, wo sie zuletzt 1948 beobachtet wurde, in Belgien mit dem letzten Auftreten 1946 und im zentralen Dänemark, wo der letzte Fund 1937 bei Skallingen auf Jütland gelang. Im damaligen Königsberg verschwand die Art bereits 1924. Mit dem Beitritt osteuropäischer Länder zur EU verändern sich dort die Landwirtschaftsmethoden zunehmend nach westeuropäischem Muster, was die verbliebenen Vorkommen zusätzlich unter Druck setzt.
Nachweise in Österreich
In Österreich zählt die Obsthummel zu den seltensten Hummelarten des Landes. Trotz intensiver Nachsuche gelangen den Experten des Naturschutzbunds in den zehn Jahren vor 2018 nur vier Nachweise. Im August 2018 fotografierte die Naturbeobachterin Maria Zacherl im burgenländischen Apetlon eine Drohne, die von den Hummelexperten Johann Neumayer und Walter Wallner anhand der Bilder bestimmt wurde. Im Mai 2019 gelang am selben Ort, an der Langen Lacke, zusätzlich der Nachweis einer Königin. Als Schutzmaßnahme empfiehlt der Naturschutzbund vor allem eine späte und zeitlich abgestufte Mahd der Blumenwiesen, damit die von der Obsthummel benötigten Nahrungspflanzen erhalten bleiben.
- Extrem seltene Hummelart in Apetlon entdeckt
- Obsthummel: Sensationeller Fund einer extrem seltenen Art
Quellen
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- Hans-Jürgen Martin, Johann Neumayer: Hummel-Arten: Bombus pomorum, wildbienen.de/b-pomoru.htm
- Naturschutzbund Österreich: Obsthummel: Sensationeller Fund einer extrem seltenen Art, naturschutzbund.at
- Wikidata: Bombus pomorum (IUCN- und Rote-Liste-Einstufungen), wikidata.org/wiki/Q821219
- inaturalist.org
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Stefan aktualisiert.
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