Baltische Hummel (Bombus semenoviellus)

semenoviellusDie Baltische Hummel (Bombus semenoviellus) ist eine wenig bekannte Art aus der Familie der Echten Bienen und gehört dort zur Untergattung Cullumanobombus. Der russische Entomologe Alexander Skorikov beschrieb die Art 1910, ihr ursprüngliches Vorkommen lag in der Taiga Osteuropas und Sibiriens. Seit Ende der 1990er Jahre hat sich das Verbreitungsgebiet deutlich nach Westen ausgedehnt: 1998 wurde die Art bei Lübeck gefunden, der erste Nachweis für Mitteleuropa überhaupt. In den folgenden Jahren kamen weitere Funde aus Polen sowie aus zahlreichen deutschen Bundesländern hinzu, darunter Brandenburg, Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Bayern, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen. 2009 wurde sie erstmals im niederösterreichischen Waldviertel nachgewiesen, 2013 dann auch in Norwegen. Diese rasche Ausbreitung macht die Art für die Forschung interessant, weil sie zeigt, wie unterschiedlich Hummelarten auf veränderte Umweltbedingungen reagieren können.

Baltische HummelÄußerlich ist die Baltische Hummel unauffällig gefärbt: Thorax und die vorderen Hinterleibssegmente tragen eine braun-gelbe bis rostfarbene Behaarung, der hintere Teil des Hinterleibs ist heller. In Größe und Farbmuster ähnelt sie der Heidehummel (Bombus jonellus). Königinnen und Arbeiterinnen beider Arten lassen sich anhand des Fellmusters unterscheiden, bei den Männchen liefern die Genitalstrukturen ein eindeutiges Merkmal: Die Volsellen sind bei Bombus semenoviellus deutlich länger, und die Gonostyli tragen an der Innenseite eine Zähnung, die bei Bombus jonellus fehlt.

Bombus semenoviellusDie Baltische Hummel besiedelt offene Landschaften mit einem ausreichenden Blütenangebot, etwa Wiesen, extensiv genutzte Agrarflächen, Wegränder, Gärten und naturnahe Graslandschaften. Ursprünglich war sie an lichte Kiefernwälder der südlichen Taiga gebunden, inzwischen tritt sie auch in Waldsteppen und auf Ruderalflächen auf. Wie andere Hummeln ernährt sie sich von Nektar und Pollen. Die ökologischen Ansprüche der Art sind bislang wenig erforscht, weshalb auch die genauen Gründe für ihre Bestandszunahme nicht abschließend geklärt sind.

In wissenschaftlichen Arbeiten wird Bombus semenoviellus regelmäßig im Zusammenhang mit Arealerweiterungen untersucht. Mehrere Publikationen dokumentieren, dass die Art ihr Verbreitungsgebiet innerhalb Europas in wenigen Jahrzehnten deutlich ausgedehnt hat. Als mögliche Ursachen werden steigende Temperaturen, veränderte Landnutzung und eine hohe ökologische Anpassungsfähigkeit diskutiert. Damit steht sie im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Hummelarten, deren Bestände seit Jahrzehnten zurückgehen.

Nach der Roten Liste gilt die Baltische Hummel in Deutschland als ungefährdet, wenn auch als sehr selten mit deutlicher kurzfristiger Bestandszunahme. Ihre Ausbreitung liefert Hinweise darauf, wie sich Insektenpopulationen unter veränderten klimatischen Bedingungen entwickeln können, und zeigt, dass nicht jede Hummelart durch Umweltveränderungen ausschließlich unter Druck gerät.

Quellen

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