Bombus pensylvanicus

Unter den über 40 Hummelarten Nordamerikas nimmt Bombus pensylvanicus – historisch schlicht als American Bumblebee (Amerikanische Hummel) bezeichnet – eine Sonderstellung ein. Sie ist ein Paradebeispiel für eine Art, die eng mit der Weite der nordamerikanischen Prärie verwoben ist und gleichzeitig im Zentrum einer hochaktuellen ökologischen Debatte steht.
Im Vergleich zu den bunten, oft rötlich oder orange gemusterten Hummeln setzt Bombus pensylvanicus auf ein strenges, kontrastreiches Farbmuster. Kopf und Gesicht sind tiefschwarz behaart. Der vordere Teil des Rückens (Thorax) glänzt in einem kräftigen Schwefelgelb, während der hintere Teil durch ein breites, schwarzes Band abgesetzt ist. Der Hinterleib (Abdomen) zeigt eine markante Dreiteilung: Die vorderen drei Segmente sind gelb, die hinteren Segmente komplett schwarz.
Auffällig ist zudem ihre physische Statur: Es handelt sich um eine verhältnismäßig große Hummelart mit einem auffallend langgestreckten Körperbau, was ihr im Flug ein besonders kraftvolles Erscheinungsbild verleiht.
Offene Landschaft und Prärien
Während viele verwandte Arten dichte Wälder oder alpine Zonen bevorzugen, ist Bombus pensylvanicus eine echte Bewohnerin der offenen Landschaft. Ihr historisches Verbreitungsgebiet erstreckte sich von den weiten Steppen Kanadas über fast die gesamten USA (mit Ausnahme des Nordwestens) bis tief nach Mexiko.
Sie ist perfekt an heiße, trockene Sommer angepasst und nistet fast ausschließlich in offenen Graslandschaften und Feldern. Dabei nutzt sie als sogenannte „Oberflächen-Nisterin“ dichte Grasbüschel direkt am Boden oder verlassene Nester von Feldmäusen, die sie mit Pflanzenfasern und Haaren sorgfältig tarnt.
Bombus pensylvanicus gehört zu den langrüsseligen Hummelarten. Diese evolutionäre Anpassung macht sie zur exklusiven Schlüssel-Bestäuberin für tiefkehlige Blüten, die für andere Insekten unzugänglich sind. Zu ihren Hauptnahrungsquellen gehören:
- Prärie-Leguminosen: Insbesondere der Blaue Indigo (Baptisia) und verschiedene Kleearten, deren Blütenkonstruktion eine enorme Kraft und einen langen Rüssel erfordert, um an den Nektar zu gelangen.
- Nachtschattengewächse und Sonnenblumen: Im Hochsommer sichert sie die Fortpflanzung von wilden Sonnenblumen (Helianthus).
Da sie die Blüten nicht beschädigt, sondern aufgrund ihrer Rüssellänge regulär bestäubt, ist sie für die genetische Vielfalt der amerikanischen Prärie unverzichtbar.
Auf dem Rückzug: Warum eine häufige Art plötzlich verschwindet
Die Entwicklung von Bombus pensylvanicus in den letzten Jahrzehnten alarmiert die Wissenschaft. Seit Ende der 1990er-Jahre bricht die Population in einem historisch beispiellosen Ausmaß ein. In einstigen Kerngebieten wie Ontario, Pennsylvania oder New York ist die Hummel heute so gut wie ausgestorben.
Dass es ausgerechnet diese Art so hart trifft, liegt am Zusammenspiel zweier Ursachen: Zum einen raubt ihr die moderne Landwirtschaft den Lebensraum, da wilde Prärien massenhaft in riesige Mais- und Sojamonokulturen umgewandelt wurden. Zum anderen macht ihr ein eingeschleppter Darmparasit (Crithidia bombi) zu schaffen, gegen den diese Hummelart kaum Abwehrkräfte besitzt. Inzwischen wird sie auf der Roten Liste der IUCN als stark gefährdet geführt und gilt in Nordamerika als das Paradebeispiel für das Insektensterben.



