Die Flügel – Das Wunder des Hummelflugs

Lange Zeit hielt sich hartnäckig der Mythos, dass Hummeln nach den Gesetzen der Aerodynamik eigentlich gar nicht fliegen könnten. Ihre Körper seien zu schwer und die Flügel im Verhältnis dazu viel zu klein. Diese vermeintliche Erkenntnis stammte jedoch aus einer Zeit, in der die Wissenschaft den Flug von Insekten mit den starren Tragflächen eines Flugzeugs verglich. Inzwischen ist das Geheimnis gelüftet, und es zeigt sich, dass die Flügel der Hummel Meisterwerke der Evolution sind.

Die Anatomie und die faszinierende Mechanik

Hummeln besitzen wie alle Hautflügler vier Flügel, also zwei Paare. Das vordere Paar ist deutlich größer als das hintere. Beim Fliegen bleiben diese Paare jedoch keine getrennten Einheiten. Über eine Reihe mikroskopisch kleiner Haken, die sogenannten Hamuli, festigt die Hummel die Vorder- und Hinterflügel miteinander. Dadurch entsteht auf jeder Körperseite eine einzige, stabile Tragfläche, die eine optimale Kraftübertragung ermöglicht.

Die Flügel selbst bestehen aus Chitin, demselben Material, das auch den Panzer des Insekts bildet. Sie sind von einem Netz aus feinen Flügeladern durchzogen. Diese Adern pumpen direkt nach dem Schlüpfen Hämolymphe, also Insektenblut, in die Struktur, um sie aufzupumpen und zu härten. Im fertigen Zustand sind die Flügel extrem leicht, aber durch die strategische Anordnung der Adern gleichzeitig hochgradig stabil und flexibel.

Der entscheidende Unterschied zum Flugzeug liegt in der Bewegung. Hummeln schlagen ihre Flügel nicht einfach nur auf und ab. Ein Hummelflügel führt eine komplexe, achtförmige Drehbewegung aus. Dabei schlägt er bis zu zweihundertmal pro Sekunde. Durch diese rasche Rotation und das ständige Wenden der Flügelkanten entstehen an den Rändern winzige Luftwirbel.

Diese Luftwirbel erzeugen einen permanenten Unterdruck auf der Oberseite des Flügels. Dieser Unterdruck saugt die Hummel quasi nach oben und liefert den notwendigen Auftrieb, der selbst bei starkem Wind oder zusätzlichem Gewicht durch gesammelten Pollen stabil bleibt. Die Flexibilität des Chitins sorgt zudem dafür, dass sich der Flügel bei jedem Schlag elastisch verformt, was den Energieaufwand für das Insekt erheblich verringert.

Quellen

  • Nachtigall, W.: Insektenflug: Konstruktionsmorphologie, Biomechanik, Flugverhalten. Springer-Verlag.
  • Ellington, C. P.: The aerodynamics of hovering insect flight. Philosophical Transactions of the Royal Society of London.
  • Goulson, D.: Bumblebees: Behaviour, Ecology, and Conservation. Oxford University Press.

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Stefan

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Töging am Inn (Südostbayern), 398m