Bombus pensylvanicus

Bombus pensylvanicus, im englischen Sprachraum als American bumble bee bekannt, gehörte bis in die späten 1990er Jahre zu den häufigsten Hummelarten im Osten und in der Mitte der Vereinigten Staaten. In musealen Sammlungen machte sie über weite Strecken des 20. Jahrhunderts oft mehr als zehn Prozent aller registrierten Hummel-Exemplare aus. Ihr historisches Verbreitungsgebiet reichte von Québec bis nach Florida, westlich bis South Dakota und südlich bis in die zentralen Gebirgsregionen Mexikos. Im Nordosten ihres Areals und westlich bis etwa Illinois gilt sie inzwischen als sehr selten oder ausgerottet. Beständiger vorhanden ist sie im Süden ihres früheren Verbreitungsgebiets, von Florida über Texas und New Mexico bis nach Colorado.

bombus pensylvanicus2021 reichten das Center for Biological Diversity und die Bombus Pollinator Association of Law Students der Albany Law School bei der US-amerikanischen Fish and Wildlife Service einen Antrag ein, die Art unter dem Endangered Species Act zu schützen. Die Behörde stellte daraufhin ein positives 90-Tage-Gutachten aus und leitete eine formale Statusprüfung ein. Ein gesetzlicher Schutzstatus besteht bislang weder auf Bundesebene noch in einem Einzelstaat der USA.

Merkmale zur Bestimmung

Taxonomisch wird die Art der Untergattung Thoracobombus zugeordnet, zu der auch die nahe verwandten Arten Bombus fervidus und Bombus californicus zählen. Königinnen erreichen eine Körperlänge von 22 bis 26 Millimetern, Arbeiterinnen bleiben mit 13 bis 19 Millimetern deutlich kleiner, Männchen liegen mit 16 bis 22 Millimetern dazwischen. Der Kopf ist schwarz behaart, der Rücken des Brustabschnitts trägt gelbe Behaarung, das dahinterliegende Schildchen ist meist schwarz, gelegentlich mit einzelnen gelben Haaren durchmischt. Am Hinterleib sind das zweite und dritte Segment sowie der hintere Teil des ersten Segments gelb gefärbt, die übrigen Segmente schwarz. Die Behaarung ist kurz und gleichmäßig, das Gesicht auffallend lang gestreckt. Diese Kombination aus Farbmuster und Kopfform erlaubt eine Unterscheidung von den ähnlich gefärbten Arten Bombus fervidus und Bombus auricomus, wobei Verwechslungen im Feld häufig vorkommen. Manche Autoren führen die im Südwesten der USA verbreitete Bombus sonorus als Synonym von Bombus pensylvanicus, andere als eigenständige Art.

info hummelBombus pensylvanicus war bis in die 1990er Jahre eine der häufigsten Hummelarten Nordamerikas. In den vergangenen zwanzig Jahren ist ihre Häufigkeit um schätzungsweise 89 Prozent zurückgegangen, ein Ausmaß, wie es nur wenige nordamerikanische Hummelarten erreichen.

Nistweise und Koloniegröße

bombus pensylvanicusDie Art nistet bevorzugt oberirdisch in Büscheln aus hohem Gras, seltener unterirdisch in verlassenen Nagetierbauten. Begattete Jungköniginnen überwintern einzeln, meist unterirdisch oder in morschem Holz. Die Kolonien bleiben mit 60 bis 120 Individuen vergleichsweise klein gegenüber vielen anderen Hummelarten. Der Jahreszyklus verläuft kürzer als bei vielen verwandten Arten, vermutlich als Anpassung an die wärmeren Regionen, in denen die Art vorkommt. Im späten Frühjahr gründet die Königin allein ein Nest, im Sommer folgt die Produktion von Arbeiterinnen, in der Mitte bis zum Ende des Sommers die Produktion von Männchen und neuen Königinnen.

Nahrungspflanzen und Bestäubungsleistung

Bombus pensylvanicus gilt als Nahrungsgeneralist und besucht ein breites Spektrum an Blütenpflanzen, darunter Wicken, Klee, Goldruten, Johanniskraut, Wasserdost, Tragant, Disteln, Hartriegel, Prärieklee und Sonnenblumen. Der vergleichsweise lange Rüssel erlaubt ihr den Zugang zu tiefen Blütenkelchen. Wie andere Hummeln beherrscht die Art die Vibrationsbestäubung, bei der schnelles Anspannen der Flugmuskulatur Pollen aus den Staubbeuteln schüttelt. Diese Technik ist bei Tomaten und Auberginen erforderlich, deren Pollen sich nicht durch Wind oder einfaches Anfliegen lösen lässt, und macht die Art zu einer wichtigen Bestäuberin in der Landwirtschaft. Bei der Rückkehr zum Nest wurden einzelne Tiere aus bis zu 2,4 Kilometern Entfernung beobachtet, wobei die tatsächliche Reichweite je nach Individuum stark schwankt.

Der Sozialparasit Bombus variabilis

Nester von Bombus pensylvanicus werden von der Kuckuckshummel Bombus variabilis befallen. Deren Weibchen dringen in fremde Nester ein, töten die dortige Königin und übernehmen deren Platz, sodass die Arbeiterinnen des Wirtsvolkes fortan den Nachwuchs der Parasitin aufziehen. Bombus variabilis besitzt keine Pollenkörbchen mehr, da die Art selbst keinen Pollen zur Versorgung von Nachwuchs sammelt. Mit dem Rückgang von Bombus pensylvanicus ist auch diese auf sie spezialisierte Art selten geworden: Seit über zwanzig Jahren liegen aus den USA keine gesicherten Nachweise mehr vor, die Art gilt möglicherweise als regional ausgestorben.

Ursachen des Rückgangs

Für den Bestandsrückgang werden mehrere Faktoren diskutiert, deren jeweiliger Anteil sich schwer trennen lässt. Dazu zählen die Umwandlung von Grasland und Brachflächen in landwirtschaftliche Nutzflächen, der Einsatz von Pestiziden, insbesondere Neonicotinoiden, sowie die Ausbreitung von Krankheitserregern wie dem Mikrosporidium Nosema bombi. Ein möglicher Übertragungsweg dieses Erregers wird im Import kommerziell gezüchteter Hummeln zur Bestäubung von Gewächshaustomaten vermutet.

Quellen

  • U.S. Fish & Wildlife Service: American Bumble Bee (Bombus pensylvanicus), https://www.fws.gov/species/american-bumble-bee-bombus-pensylvanicus
  • U.S. Fish & Wildlife Service: American Bumble Bee Field Guide (PDF), https://www.fws.gov/sites/default/files/documents/American%20Bumble%20Bee%20Field%20Guide.pdf
  • NatureServe Explorer: Bombus pensylvanicus, https://explorer.natureserve.org/Taxon/ELEMENT_GLOBAL.2.744953/Bombus_pensylvanicus
  • Michigan Natural Features Inventory: Bombus pensylvanicus, https://mnfi.anr.msu.edu/species/description/365143/Bombus-pensylvanicus
  • Montana Field Guide: American Bumble Bee, https://fieldguide.mt.gov/speciesDetail.aspx?elcode=IIHYM24260
  • USDA Forest Service: The American Bumble Bee, Pollinator of the Month, https://www.fs.usda.gov/wildflowers/pollinators/pollinator-of-the-month/american-bumble-bee.shtml
  • Xerces Society: The American Bumble Bee Takes an Important Step Toward Federal Protection, https://xerces.org/press/american-bumble-bee-takes-important-step-toward-federal-protection
  • National Wildlife Federation: American Bumble Bee (Bombus pensylvanicus), https://nwlfd.org/species/american-bumble-bee
  • Foto: Gregory Steiger (steigerg), Beobachtung vom 08.06.2026, Eldorado at Santa Fe. inaturalist.org/observations/369864916, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert
  • Foto: JLackey (jlackey), Beobachtung vom 08.06.2026, Creek County, US-OK, US. inaturalist.org/observations/369740702, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert

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