Nahrungsmangel bei Hummeln durch Dürre – und warum Zuckerwasser keine wirkliche Lösung ist

AckerhummelDer stetige Klimawandel stellt auch eine große Herausforderung für Bestäuber wie Hummeln dar. Steigende Temperaturen, veränderte Niederschlagsmuster und immer häufigere extreme Wetterereignisse – insbesondere Dürren – beeinflussen ihre Lebensbedingungen stark. Da Hummeln eine wichtige Rolle bei der Bestäubung von Pflanzen in der Natur, Landwirtschaft und in Gärten spielen, sind diese Veränderungen besonders problematisch.

Eine Studie von der Universität Würzburg untersuchte, wie sich Dürre auf Hummelkolonien auswirkt. Dafür wurden Kolonien der Ackerhummel, einer eigentlich robusten Hummelart, in 25 naturnahen Graslandschaften in Unter- und Oberfranken beobachtet. Die Forscher verglichen dabei ein extremes Dürrejahr, nämlich 2022, mit einem klimatisch normalen Jahr.

Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede: Im Dürrejahr waren die Kolonien viel kleiner, lebten kürzer und produzierten weniger Nachwuchs. Während Kolonien im normalen Jahr deutlich größer wurden, erreichten sie während der Dürre nur einen Bruchteil ihrer üblichen Größe. Das bedeutet auch, dass weniger Arbeiterinnen vorhanden waren, die Pflanzen bestäuben konnten.

Hauptgrund dafür ist der Nahrungsmangel, denn bei Trockenheit bilden Pflanzen weniger Blüten und produzieren weniger Nektar. Um dies zu untersuchen, erhielten einige Kolonien zusätzlich Zuckerwasser. Diese Zufütterung führte im Dürrejahr zwar zu größeren Kolonien und zu einer erhöhten Produktion von Drohnen, konnte aber die negativen Auswirkungen nicht vollständig ausgleichen.

Legosteine zur HummelfütterungBesonders kritisch ist die Entwicklung der Königinnen. Die Produktion neuer Königinnen blieb trotz Zufütterung stark eingeschränkt. Das deutet darauf hin, dass neben Nektar auch Pollen fehlt, der für die Entwicklung von Königinnen notwendig ist. Da nur Königinnen den Winter überleben und im nächsten Jahr neue Kolonien gründen, stellt dies eine große Gefahr für die Zukunft der Hummelpopulationen dar.

Die Studie zeigt insgesamt, dass häufigere und stärkere Dürren eine ernsthafte Bedrohung für Hummeln darstellen – selbst in eigentlich geeigneten, blütenreichen Lebensräumen. Dadurch wird auch die Bestäubungsleistung beeinträchtigt, was langfristig Auswirkungen auf Ökosysteme und Landwirtschaft haben kann.

Als mögliche Lösungen schlagen die Forscher ein angepasstes Naturschutzmanagement vor. Dazu gehört zum Beispiel, mehr Bäume in offenen Landschaften zu pflanzen, um Schatten zu spenden, sowie Feuchtgebiete wiederherzustellen, damit Böden mehr Wasser speichern können.

Quelle

royalsocietypublishing.org


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Stefan

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Töging am Inn (Südostbayern), 398m