Pyrenäenhummel (Bombus pyrenaeus)

Die Pyrenäenhummel (Bombus pyrenaeus) erreicht bei den Weibchen eine Körperlänge von 18 bis 20 Millimetern; Arbeiterinnen bleiben mit 9 bis 12 Millimetern deutlich kleiner. Kennzeichnend sind drei graugelbe Querbinden: eine am Kragen, eine auf dem Schildchen und eine dritte zwischen dem ersten und zweiten Hinterleibssegment. Vom dritten bis zum sechsten Tergit trägt der Hinterleib einen orangeroten Pelz. Dieses Muster erlaubt eine recht zuverlässige Bestimmung im Feld, auch wenn Populationen südlich der Alpen insgesamt dunkler und einheitlicher gefärbt auftreten. Die Art besiedelt mehrere europäische Hochgebirge, jeweils mit einer eigenen Unterart.

info hummelVier Gebirgszüge, vier Unterarten: In den Pyrenäen fliegt die Nominatform Bombus pyrenaeus pyrenaeus, in den Alpen die Unterart tenuifasciatus, in der Tatra afasciatus und auf dem Balkan balcanicus. Zwischen diesen Gebirgsinseln besteht kein direkter Austausch, die Populationen sind seit langer Zeit voneinander getrennt.

Lebensraum in den Hochgebirgen

Pyrenäenhummel (Bombus pyrenaeus)Bombus pyrenaeus besiedelt Höhenlagen zwischen etwa 1900 und 2700 Metern und zählt damit zu den wenigen Hummelarten, die dauerhaft oberhalb der Baumgrenze vorkommen. Bevorzugte Lebensräume sind alpine Rasen, Bergmatten und offene, blütenreiche Hanglagen. Untersuchungen zu Hummelgemeinschaften in den Pyrenäen zeigen, dass die Zahl der vorkommenden Hummelarten auf Weiden und Wiesen deutlich höher liegt als in bewaldeten oder verbuschten Flächen. Mit zunehmender Höhe sinkt die Häufigkeit blütenbesuchender Insekten insgesamt, während der Anteil an Fliegen wächst und der Anteil an Bienen zurückgeht. Bombus pyrenaeus gehört zu den wenigen Bienenarten, die auch in den kühlsten und höchstgelegenen Abschnitten dieses Gradienten noch regelmäßig gefunden werden.

Nahrungspflanzen und Nestwahl

Als polylektische Art nutzt die Pyrenäenhummel Blüten aus vielen verschiedenen Pflanzenfamilien. Zu den regelmäßig besuchten Pflanzen zählen Enzianarten, Glockenblumen, Krokusse, Goldrute, Heidelbeere, Steinklee und Teufelskralle. Fotografisch belegt sind außerdem Besuche an Kratzdisteln und Skabiosen.

Beim Nestbau nutzt die Art sowohl vorhandene Hohlräume als auch selbst angelegte Nester, unterirdisch in verlassenen Nagergängen ebenso wie oberirdisch in alten Vogelnestern, Heuschobern oder dichten Grasbüscheln. In der Fachliteratur wird sie deshalb sowohl als Nestbezieherin wie als Nestbauerin geführt. Pollen lagert sie nicht direkt in den Brutzellen, sondern in eigens dafür angelegten Wachstaschen; Fachleute bezeichnen solche Arten als Pollenstorer.

Volksgröße und Jahreszyklus

Die Kolonien bleiben mit 50 bis 120 Tieren vergleichsweise klein, was für Hummelarten kurzer alpiner Vegetationsperioden typisch ist. Überwinterte Königinnen erscheinen erst von Anfang bis Ende Mai, deutlich später als bei den meisten Tieflandarten. Arbeiterinnen sind von Anfang Juni bis Ende September aktiv, Jungköniginnen und Männchen von Ende Juli bis Ende September. Pro Jahr bildet die Art nur eine Generation.

Gefährdung durch den Klimawandel

Weltweit stuft die Weltnaturschutzunion Bombus pyrenaeus als nicht gefährdet ein. In einzelnen Ländern am Rand ihres Verbreitungsgebiets, etwa in Tschechien, gilt sie dagegen als gefährdet. Als Hochgebirgsspezialistin hat die Art kaum Ausweichmöglichkeiten, wenn sich ihr klimatisches Fenster verschiebt: Oberhalb ihres heutigen Vorkommens bleibt oft nur noch wenig zusätzlicher Höhenraum, bevor Grate oder Gipfel erreicht sind.

Eine Auswertung von Fundpunkten in den Pyrenäen über einen Zeitraum von 115 Jahren zeigt, dass Hummeln dort im Mittel um rund 130 Meter in höhere Lagen gewandert sind, begleitet von einer noch stärkeren Verschiebung bei den von ihnen besuchten Pflanzenarten. Für die Westalpen sagen Modellrechnungen voraus, dass mehrere hochalpine Spezialisten, darunter Bombus pyrenaeus, bis zum Jahr 2085 mehr als 80 Prozent ihres derzeitigen Verbreitungsgebiets verlieren könnten, sollte die Erwärmung im bisherigen Tempo fortschreiten.

Quellen

  • Martin, Hans-Jürgen & Neumayer, Johann: Bombus pyrenaeus – Pyrenäenhummel. Wildbienen.de, https://www.wildbienen.de/b-pyrena.htm
  • Rasmont, P. et al. (2015): Bombus pyrenaeus. The IUCN Red List of Threatened Species, iucnredlist.org
  • Marshall, L. et al. (2020): Bumblebees moving up: shifts in elevation ranges in the Pyrenees over 115 years. Proceedings of the Royal Society B, 287(1938), royalsocietypublishing.org/doi/10.1098/rspb.2020.2201
  • Rasmont, P. et al. (2014): Functional homogenization of bumblebee communities in alpine landscapes under projected climate change. Climate Change Responses 1:1, climatechangeresponses.biomedcentral.com/articles/10.1186/s40665-014-0001-5
  • Wikipedia: Bombus pyrenaeus (Unterarten und Verbreitung), en.wikipedia.org/wiki/Bombus_pyrenaeus

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