Gelbe Alpenkuckuckshummel (Bombus flavidus)
Bombus flavidus, im Deutschen meist Gelbe Alpenkuckuckshummel genannt, gehört zur Untergattung Psithyrus innerhalb der Gattung Bombus. Wie alle Vertreter dieser Untergattung gründet sie keine eigenen Völker, sondern dringt in die Nester anderer Hummelarten ein und lässt deren Arbeiterinnen die eigene Brut aufziehen. Eversmann beschrieb die Art 1852 anhand von Tieren aus Irkutsk. Seither wurden ihr im Lauf der Taxonomiegeschichte rund 26 verschiedene Namen als Art, Unterart, Varietät oder Form zugeordnet, ein Ausmaß, das vor allem der stark schwankenden Färbung der Tiere geschuldet ist.
Bis vor kurzem galten die nordamerikanischen Populationen unter dem Namen Bombus fernaldae als eigene Art. Eine genetische, chemische und morphometrische Untersuchung aus dem Jahr 2021 kam zu dem Schluss, dass beide Formen zu einer einzigen Art gehören. Innerhalb dieser Art wurde jedoch eine östliche, auf die Appalachen und angrenzende Waldgebiete Kanadas beschränkte Population als eigene Unterart beschrieben, Bombus flavidus appalachiensis. Nach den mitochondrialen Daten trennten sich die östliche und die westliche nordamerikanische Population vor schätzungsweise 0,85 bis 1 Million Jahren, vermutlich im Zuge der pleistozänen Vereisung.
Das am weitesten verbreitete Hummeltier überhaupt
Mit der Zusammenlegung beider Formen besitzt Bombus flavidus das größte bekannte Verbreitungsgebiet aller Hummelarten, größer als das jeder nicht parasitischen Hummel. In der Alten Welt reicht das Vorkommen von Skandinavien durch Sibirien bis an die russische Pazifikküste einschließlich Kamtschatka und der Kurilen. Die Südgrenze verläuft über die Pyrenäen und die Alpen. In Nordamerika besiedelt die Art Alaska, weite Teile Kanadas sowie im Westen der USA die Rocky Mountains, die Kaskadenkette und die Sierra Nevada, im Osten reicht sie bis in die südlichen Appalachen.
Boreale Nadelwälder und subalpine Zonen
In Europa ist Bombus flavidus vor allem in der borealen Taiga des Nordens sowie in der subalpinen Stufe der Gebirge zu finden. In den Pyrenäen tritt die Unterart Bombus flavidus lutescens auf, in den Alpen die Unterart Bombus flavidus alpium. Über die genaue Flugzeit im Alpenraum liegen bislang kaum gesicherte Daten vor. In Skandinavien fliegen überwinterte Weibchen von Juni bis August, Jungköniginnen und Männchen folgen von Juli bis September. Die Art bildet vermutlich nur eine Generation pro Jahr.
Wirtinnen aus der Untergattung Pyrobombus
Bombus flavidus parasitiert nach bisherigem Kenntnisstand Arten der Untergattung Pyrobombus. Tatsächlich in einem Nest nachgewiesen wurde sie jedoch nur ein einziges Mal, bei der Heidehummel Bombus jonellus in Schwedisch-Lappland. Als weitere mögliche Wirtinnen im europäischen Verbreitungsgebiet gelten Bombus sporadicus, Bombus cingulatus, Bombus lapponicus, Bombus monticola und Bombus balteatus, deren Vorkommen sich geografisch weitgehend mit dem von Bombus flavidus deckt. Für Nordamerika ist bislang keine Wirtsart direkt belegt, auch dort werden Pyrobombus-Arten vermutet.
Verwandte Kuckuckshummeln wie Bombus sylvestris und Bombus norvegicus sind auf jeweils eine oder wenige Wirtsarten spezialisiert. Bombus flavidus dagegen könnte ein breiteres Wirtsspektrum nutzen. Diese geringere Bindung an eine einzelne Wirtsart gilt als möglicher Grund für das außergewöhnlich große Verbreitungsgebiet der Art.
Bestimmung erschwert durch hohe Farbvariabilität
Wie andere Kuckuckshummeln besitzt Bombus flavidus keine Pollenkörbchen an den Hinterbeinen. Der Körperbau ist kräftiger als bei nichtparasitischen Hummeln, mit verstärkten Kiefern und einer dickeren Körperoberfläche, Anpassungen, die den Weibchen beim gewaltsamen Eindringen in fremde Nester helfen.
Die Farbzeichnung der Männchen schwankt innerhalb des gesamten Verbreitungsgebiets erheblich zwischen überwiegend gelb und überwiegend schwarz. Konstant gelb gefärbt sind bei allen untersuchten Tieren nur das erste Segment des Rückenschilds und das vierte Hinterleibssegment, alle übrigen Abschnitte variieren stark. Diese Variabilität tritt selbst innerhalb einzelner Regionen auf und macht die Farbe allein zu einem unzuverlässigen Bestimmungsmerkmal. Ein zuverlässigeres Unterscheidungsmerkmal gegenüber der ähnlich gefärbten Wald-Kuckuckshummel Bombus sylvestris ist der Fühlerschaft: Er ist bei Bombus flavidus dicht behaart, bei Bombus sylvestris dagegen nur spärlich.
Gefährdung und Bestand
Die IUCN führt Bombus flavidus weltweit mit unzureichender Datenlage, da für eine genauere Einstufung zu wenige Bestandsdaten vorliegen. Die Rote Liste der Bienen Deutschlands stuft die Art in die Kategorie Gefährdung unbekannten Ausmaßes ein. Der aktuelle Bestand gilt als selten, zum langfristigen Bestandstrend liegen keine ausreichenden Daten vor, beim kurzfristigen Trend wird von einem Rückgang unbekannten Ausmaßes ausgegangen. Für die nordamerikanische Unterart appalachiensis gibt es Hinweise auf einen tatsächlichen Rückgang, sie gilt im östlichen Nordamerika als seltener als die westliche Stammform.
Quellen
- Lhomme, P.; Williams, S. D.; Ghisbain, G.; Martinet, B.; Gérard, M.; Hines, H. M. (2021): Diversification Pattern of the Widespread Holarctic Cuckoo Bumble Bee, Bombus flavidus (Hymenoptera: Apidae): The East Side Story. Insect Systematics and Diversity, Band 5, Heft 2, Artikel 5, doi.org/10.1093/isd/ixab007
- Rote-Liste-Zentrum: Bombus flavidus Eversmann, 1852, basierend auf Westrich, P.; Frommer, U.; Mandery, K.; Riemann, H.; Ruhnke, H.; Saure, C. & Voith, J. (2011): Rote Liste und Gesamtartenliste der Bienen (Hymenoptera, Apidae) Deutschlands, rote-liste-zentrum.de
- Atlas Hymenoptera, STEP project (Rasmont, P. et al.): Bombus flavidus, atlashymenoptera.net
- Wildbienenwelt.de: Bombus flavidus, Artsteckbrief, wildbienenwelt.de
- Familiengarten-tipps.de: Kuckuckshummeln, Unterschiede zur Hummel, Arten & mehr, familiengarten-tipps.de
- Bild: Wikimedia Commons
- Bild: M. Keil – observation.org
- https://www.inaturalist.org/observations/392240591
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