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Christian F.: Goulson: bumblebees

Tja bei so viel reißender Nachfrage nach einer Rezension kann ich ja nun nicht anders ;).

Dave Goulson bumblebees behaviour and ecology 2003

Die Internetseite des Autors:
http://www.sbes.stir.ac.uk/people/goulson.html

Dave Goulson hat ein Buch -wie der Titel besagt- über das Verhalten und die „Ökologie“ von Hummeln geschrieben.
Es hat 15 Kapitel und in dieser Ordnung beschreibe ich es.
Im ersten Kapitel wird recht ausführlich auf ca. 10 Seiten der Lebenszyklus der H. dargestellt.
Viel oder fast alles kennen wir aus dem deutschsprachigen Klassiker von E. v. Hagen. Aber die Darstellung Goulsons finde ich recht gut:
„Bumblebees can be divided into two groups according to the way the larvae are fed. In so-called „pocket makers“ (Section Odontobombus Krüger) fresh pollen is forced into one or two pockets on the underside of the growing brood clump, forming a cushion beneath the larvae on which they graze. The larvae continue to feed collectivle. In the later stages of larval development, the queen pierces holes in the wax cap over the clump and regurgiates [würgt hoch] a mix of pollen and nectar onto the larvae…“ (S.5 Anm. in Klammern von mir) Das ganze ist mit anschaulichen Grafiken versehen.

Kapitel 2: Thermoregulation
In diesem Kapitel wird sehr gut erklärt wie Hummeln sich aufwärmen, dass sie eben nur bedingt „wechselwarm“ sind. Dabei gibt es zwei konkurrierende Modelle. Das des Muskelzitterns, dessen bloße Existenz man mit einem wirklich tollen Experiment auch nachweisen konnte; und eines, das auf einem Enzym fußt, welches man in unterschiedlichen Hummelarten in unterschiedlicher Konzentration nachweisen und deren charakteristischen Blütenbesuch-verhalten zuordnen konnte.
Was letztlich ausschlaggebend ist und ob es vielleicht einfach eine Kombination aus beidem ist lässt er offen.

Kapitel 3: Caste Determination
Im dritten Kapitel geht er auf die Kasteneinteilung der Hummeln ein. Hier ist die Wissenschaft noch nicht sehr weit. Es gibt einige Spekulationen darüber wie und wann sich denn nun Jungköniginnen statt Arbeiterinnen entwickeln.

Kapitel 4: Finding a mate
Hier wird beschrieben wie die Hummelmännchen zu ihren Weibchen kommen. Dass es eben dieses Verhalten der „Duftbahnen“ gibt (,die auch der Mensch riechen kann), die manche Drohnen anlegen und dann regelmäßig abfliegen. Er spekuliert, dass diese auch die Hummelköniginnen anlocken, kann aber selbst nur belegen, dass andere Männchen darauf reagieren (Auch Stein schreibt in seiner Doktorarbeit genau das. Durch diese Bahnen werden seltsamerweise scheinbar nur Männchen angelockt.) Er stellt auch ein paar Mechanismen vor, mit denen Inzucht verhindert werden soll und erläutert die Vor- und Nachteile von Mon- und Polyandrie.

Kapitel 5: Natural enemies
Dieser Teil ist den natürlichen Feinden gewidment. Es ruht vor allem auf den Arbeiten Schmid-Hempels.

Kapitel 6: Foraging economics
Hier werden Gedanken darüber angestellt, wie effektiv eine Hummel denn beim Blütenbesuch arbeiten muss.

Kapitel 7: Foraging range
In diesem Kapitel findet sich zum Beispiel der noch nicht ganz erfolgreiche Versuch die Reichweite der Hummeln beim Blütenbesuch mit „harmonic radar“ zu bestimmen. (Dafür bekommen die Hummeln kleine Antennen aufgesetzt.)

Kapitel 8: Exploitation of patchy resources
Wie meistern Hummeln die Verteilung ihrer Blüten auf viele kleine Flächen?

Kapitel 9: Choice of flower species
Einige Informationen darüber für welche Blüten sich die H. beim Suchflug entscheiden.
Das richtet sich auch nach dem Untergrund. Einige Blüten lassen sich bei bestimmten Hintergrundfarben nicht so gut erkennen. Andere sind einfach vergleichsweise schwer zu handhaben

Kapitel 10: Intraspecific flower choices
Inwieweit kommunizieren Pflanzen mit den Hummeln (innerhalb der Art der Pflanze).
Und für was für Blüten entscheiden sich die H. innerhalb einer Pflanzenart?
(Die Blüten von Beinwell und Lungenkraut verfärben sich zum Beispiel im Alter: Kann man das als Kommunikation deuten?)

Kapitel 11: Communication during foraging
H. kommunizieren miteinander beim Blütenbesuch. Sie lassen Markierungen an den Blüten, die von den Besuchern nach ihnen genutzt werden können.

Kaptitel 12:Competition in bumblebee communities
Wie weit geht die Konkurrenz innerhalb der Gattung Bombus? Gibt es einen starken Einnischungsdruck auf die verschiedenen Arten? Auch Abhängigkeiten in Bezug auf Anpassung auf das Terrain und andere Faktoren, zwischen den Hummelarten werden besprochen.

Kapitel 13:Bumblebees as pollinators
Welche Rolle spielen H. als Bestäuber, sowohl in der Landwirtschaft wie auch in der Wildnis.

Kapitel 14: Conservation
Hier versucht er Antworten auf die Fragen zu finden, wie man H. unterstützen kann; weshalb manche Arten doch noch so häufig sind.

Kapitel 15: Bumblebees abroad
Welchen Einfluss haben Hummeln auf Ökosysteme in denen sie nicht ursprünglich vorhanden waren. (In diese Ökosysteme wurden eigentlich auch immer Hummelpflanzen eingeführt.)

Insgesamt ist das Buch wirklich lesenswert. Man erfährt einiges neues und das Englisch ist meistens nicht zu schwer. Ich hoffe ich habe ein wenig neugierig gemacht und ermuntert es zu lesen. Ich habe dabei natürlich nicht alles augezählt (aufzählen können), was er so mitteilt.

Grüße,
Christian

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