Laesushummel – Bombus laesus

Bombus laesus, im Deutschen als Laesushummel oder Steppenhummel bezeichnet, besiedelt vor allem die Steppen und Waldsteppen Ost- und Südosteuropas sowie West- und Zentralasiens. Die Hauptvorkommen liegen in Ungarn, Rumänien, Moldau, der Ukraine, im südlichen Russland entlang der Wolga, im Kaukasus, in Anatolien und im Nordwesten Irans. Einzelne Nachweise liegen auch aus dem Südosten Polens, aus Serbien und Nordmazedonien vor. Nach Osten reicht das Areal über Kasachstan bis in die Steppen Zentralasiens; ältere, taxonomisch nicht einheitliche Angaben nennen sogar Vorkommen bis in den Fernen Osten Russlands und die Gebirge Zentralchinas.

bombus laesusInnerhalb dieses weiten Gebiets tritt die Art nur in wenigen Regionen regelmäßig auf, vor allem in Ungarn und im Übergangsraum zwischen der Türkei und dem Iran. In den ursprünglichen Steppenlandschaften Ungarns und der Ukraine war sie früher weit verbreitet und stellenweise häufig. Die großflächige Umwandlung dieser Steppen in Ackerland hat ihren Lebensraum seither erheblich verkleinert.

Als Lebensraum nutzt sie offene, blütenreiche Flächen: echte Steppe, extensiv bewirtschaftete Wiesen, Waldränder, größere Lichtungen und Kleefelder. Vereinzelt wurde sie auch in trockenen Kiefernwäldern nachgewiesen.

info hummelGenetische Untersuchungen aus dem Jahr 2021 ergaben, dass die bislang als eigenständig geltende Art Bombus mocsaryi in Wirklichkeit zu Bombus laesus gehört. Im selben Zug wurde eine bis dahin kaum beachtete Population aus Nordafrika als eigene Unterart, Bombus laesus aliceae, anerkannt. Damit reicht das Verbreitungsgebiet der Art entgegen älteren Annahmen sogar bis nach Marokko und Algerien.

Bestimmung und Körpermerkmale

Königinnen erreichen eine Körperlänge von etwa 16 bis 19 Millimetern, Drohnen bleiben mit 13 bis 15 Millimetern deutlich kleiner. Rücken und Hinterleib sind überwiegend gelblich bis rötlichbraun behaart, ohne das kontrastreiche Streifenmuster vieler anderer Hummelarten.

Königin 16–19 mm
Drohn 13–15 mm

Im Freiland ist die Art kaum von der Mooshummel (Bombus muscorum) zu unterscheiden, deren Königinnen und Arbeiterinnen ihr in Färbung und Größe stark ähneln. Wo beide Arten gemeinsam vorkommen, gelingt eine zuverlässige Bestimmung meist nur anhand der Drohnen oder durch Vermessung der Wangenlänge, die bei Bombus laesus etwas kürzer ausfällt als die Breite der Mandibelbasis.

Nahrung und Bestäubung

Bombus laesus sammelt Nektar und Pollen an einer breiten Palette von Blütenpflanzen und zählt zu den polylektischen Hummelarten. Bevorzugt werden Korbblütler (Asteraceae) und Raublattgewächse (Boraginaceae) sowie Schmetterlingsblütler (Fabaceae) mit langen Blütenkronen, etwa Luzerne und Klee, die sie mit ihrer mittellangen Zunge gut erreicht. In landwirtschaftlich geprägten Teilen ihres Verbreitungsgebiets bestäubt sie auch Kürbisgewächse wie Gurken und Kürbisse und gilt dort als wichtiger Bestäuber von Feldfrüchten.

Verglichen mit vielen anderen sozialen Hummelarten bildet Bombus laesus eher kleine Völker. Pro Jahr entwickelt sich nur eine Generation.

Bestand und Gefährdung

In den letzten Jahrzehnten ist der Bestand der Laesushummel deutlich zurückgegangen. Besonders betroffen sind die früheren Kernvorkommen in Ungarn und der Ukraine, wo die Umwandlung der Steppe in intensiv genutzte Agrarflächen den Lebensraum stark reduziert hat. Heute besiedelt die Art nur noch einen kleinen Teil ihres ehemaligen Verbreitungsgebiets.

In der Roten Liste der europäischen Bienen der International Union for Conservation of Nature wird Bombus laesus als „potenziell gefährdet” (Near Threatened) eingestuft. In mehreren Ländern ihres Verbreitungsgebiets, darunter Russland und die Ukraine, ist sie in den jeweiligen nationalen Roten Büchern verzeichnet.

Quellen

  • Rasmont, P. et al. (2015): Climatic Risk and Distribution Atlas of European Bumblebees. BioRisk 10, geonature.arb-idf.fr/sites/default/files/articles/documents/2015Rasmontal.Clim.riskatlasEurop.bbees.pdf
  • Brasero, N. et al. (2021): Resolving the species status of overlooked West-Palaearctic bumblebees (u. a. zur Zusammenlegung von Bombus mocsaryi mit B. laesus und zur Unterart B. laesus aliceae), researchgate.net
  • Atlas Hymenoptera: Bombus laesus, atlashymenoptera.net/pagetaxon.aspx?TX_ID=4076
  • Wildbienen.de: Übersicht der Hummel-Arten (Bombus/Psithyrus), wildbienen.de/hua-intr.htm
  • Шмель лезус, russischsprachige Wikipedia, ru.wikipedia.org/wiki/Bombus_laesus
  • Bild: Wikimedia Commons, Kategorie Bombus, Creative-Commons-Lizenz

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