Kategoriearchiv: Hummeln aus aller Welt
Bombus pauloensis
Bombus pauloensis zählt zu den am weitesten verbreiteten Hummelarten Südamerikas. Ihr Vorkommen reicht von Venezuela und Kolumbien über Peru, Bolivien und Brasilien bis nach Argentinien und Uruguay. Sie besiedelt dabei ein außergewöhnlich breites Höhenspektrum: Nachweise liegen zwischen 150 und 3500 Metern über dem Meeresspiegel, die meisten Beobachtungen stammen jedoch aus Lagen zwischen 1800 und 2800 Metern in den Anden. Die Art gilt als anpassungsfähig und besiedelt neben naturnahen Habitaten auch stark veränderte Flächen wie Stadtgärten, Parks und Weideland.
Der heute gültige Name Bombus pauloensis geht auf eine Beschreibung des Entomologen Heinrich Friese aus dem Jahr 1913 zurück. Über weite Teile des 20. Jahrhunderts war die Art unter dem Namen Bombus atratus bekannt, einer Bezeichnung, die ebenfalls 1913 vergeben wurde, jedoch schon 1911 für eine andere Hummelart verwendet worden war. Wegen dieser Doppelbelegung setzten brasilianische Forscher 2012 den älteren, zulässigen Namen pauloensis als gültige Bezeichnung durch. In älterer Fachliteratur taucht die Art deshalb noch häufig unter Bombus atratus auf. Innerhalb der Gattung Bombus gehört sie zur Untergattung Thoracobombus und ist dort eng mit Bombus transversalis und Bombus pullatus verwandt.
Färbung und Bestimmung
Bombus pauloensis zeigt eine für Hummeln ungewöhnlich große Variationsbreite in der Körperfärbung. Innerhalb der Art kommen vollständig schwarze (melanische) Tiere ebenso vor wie Individuen mit gelben Bändern an Thorax und Hinterleib (flavinische Form) und solche mit rötlichen Bändern an den hinteren Hinterleibssegmenten (ferruginöse Form). Diese Vielfalt macht die Art zur am stärksten polytypischen Hummel Brasiliens und erschwert eine Bestimmung allein nach dem äußeren Erscheinungsbild, da sich Populationen aus unterschiedlichen Regionen deutlich in ihrer Farbausprägung unterscheiden können.
Nestbiologie und Königinnenzahl
Eine Kolonie von Bombus pauloensis beginnt in der Regel mit einer einzelnen begatteten Königin, die ein Nest gründet und die ersten Arbeiterinnen aufzieht. Im weiteren Verlauf kann die Kolonie jedoch zwischen einer monogynen Phase mit nur einer Königin und einer polygynen Phase mit mehreren gleichzeitig eierlegenden Königinnen wechseln. Untersuchungen an Nestern in den Anden Kolumbiens und Ecuadors registrierten zwischen einer und acht aktiven Königinnen sowie bis zu 80 Arbeiterinnen pro Nest. In tieferen Lagen Südamerikas wachsen die Kolonien noch deutlich größer und erreichen häufig 400 Arbeiterinnen, ein Wert, den die meisten anderen Hummelarten nicht annähernd erreichen. In polygynen Phasen bildet sich eine Rangordnung unter den Königinnen aus. Ranghohe Tiere sitzen bevorzugt im Zentrum des Brutklumpens und legen die meisten Eier, während rangniedrigere Königinnen an den Rand gedrängt werden und dort Aufgaben übernehmen, die sonst Arbeiterinnen erledigen.
Perennierende Kolonien
Anders als die meisten Hummelarten gemäßigter Breiten, deren Völker jeden Winter absterben, können Kolonien von Bombus pauloensis über Jahre hinweg bestehen bleiben. Diese Perennität hängt eng mit dem Wechsel zwischen den Fortpflanzungsphasen zusammen: Stirbt eine Königin, kann eine andere Königin aus der bestehenden Kolonie ihre Rolle übernehmen, ohne dass das Nest aufgegeben wird. Auch verlassene Nester werden gelegentlich von neuen Königinnen wieder besiedelt und reaktiviert. Diese Fähigkeit zur Nestreaktivierung dürfte für den Fortpflanzungserfolg der Art von Bedeutung sein, da neu gegründete Nester in den ersten Wochen besonders anfällig für Räuber und Parasiten sind.
Bedeutung als Nutzhummel
Bombus pauloensis ist die am gründlichsten erforschte Hummelart Südamerikas und wird inzwischen ähnlich wie Bombus terrestris in Europa gezielt gezüchtet. Kolonien werden in Kolumbien und Uruguay in kleinerem Maßstab und in Argentinien bereits im kommerziellen Rahmen aufgezogen. Eingesetzt werden die Tiere vor allem zur Bestäubung von Tomaten und Paprika in Gewächshäusern sowie zur Saatgutproduktion von Rotklee. In Argentinien gilt sie als die häufigste der acht dort vorkommenden Hummelarten, in Uruguay bildet sie gemeinsam mit der selteneren Bombus bellicosus die einzigen beiden im Land nachgewiesenen Hummelarten.
Parasiten und Krankheitserreger
Wie andere Hummelarten wird auch Bombus pauloensis von einer Reihe von Parasiten und Krankheitserregern befallen. Untersuchungen an wilden und in Gefangenschaft gehaltenen Tieren aus Uruguay wiesen mehrere Milbenarten sowie den Mikrosporidien-Erreger Nosema ceranae nach, der bei frei fliegenden Arbeiterinnen besonders häufig auftrat. Zusätzlich ließen sich vier verschiedene RNA-Viren feststellen, darunter das Virus der schwarzen Königinnenzelle und das Flügeldeformationsvirus. Bei Königinnen wurde die höchste Zahl unterschiedlicher Milbenarten gefunden, außerdem waren nur bei ihnen parasitische Fliegen der Familie Conopidae sowie der Fadenwurm Sphaerularia bombi nachweisbar. Da Hummelkolonien zwischen Ländern verschifft werden, um sie als Bestäuber einzusetzen, wächst die Sorge, dass sich Krankheitserreger auf diesem Weg auch auf wildlebende Populationen übertragen könnten.
Quellen
- Abrahamovich, A. H. & Díaz, N. B. (2002): Bumble bees of the Neotropics (Hymenoptera: Apidae: Bombini)
- Pinilla-Gallego, M. S. et al. (2017): Distribution and morphological variation of Bombus pauloensis
- Salvarrey, S. et al. (2021): Parasites and RNA viruses in wild and laboratory reared bumble bees Bombus pauloensis (Hymenoptera: Apidae) from Uruguay. PLOS ONE 16(4): e0249842, https://doi.org/10.1371/journal.pone.0249842
- Springer Nature Link (2024): The Gut Microbiome of Two Wild Bumble Bee Species Native of South America: Bombus pauloensis and Bombus bellicosus. Microbial Ecology, https://link.springer.com/article/10.1007/s00248-024-02430-y
- Oxford Academic / G3 Genes|Genomes|Genetics (2026): First genome assemblies of Neotropical Thoracobombus bumblebees Bombus pauloensis and Bombus pullatus, https://academic.oup.com/g3journal/article/16/3/jkaf305
- Chavarría, L. & Ramírez, W. (Ecology and Nesting Behavior of Bombus atratus Franklin in Andean Highlands, Hymenoptera: Apidae), ResearchGate, https://www.researchgate.net/publication/252644618
- CASAS Global: Colony development and dynamics of neotropical Bombus atratus, https://www.casasglobal.org/colony-development-of-neotropical-bombus-atratus/
- GBIF: Bombus pauloensis Friese, 1913, Artenprofil, https://www.gbif.org/species/165629914
- inaturalist.org
- inaturalist.org
- Foto: Gustavo Fernando Durán (trekman), Beobachtung vom 15.11.2021, Ciudad de Santa Fe, Provincia de Santa Fe, Argentina. inaturalist.org/observations/101365132, Lizenz CC BY-NC-SA 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0, unverändert
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Bombus pensylvanicus
Bombus pensylvanicus, im englischen Sprachraum als American bumble bee bekannt, gehörte bis in die späten 1990er Jahre zu den häufigsten Hummelarten im Osten und in der Mitte der Vereinigten Staaten. In musealen Sammlungen machte sie über weite Strecken des 20. Jahrhunderts oft mehr als zehn Prozent aller registrierten Hummel-Exemplare aus. Ihr historisches Verbreitungsgebiet reichte von Québec bis nach Florida, westlich bis South Dakota und südlich bis in die zentralen Gebirgsregionen Mexikos. Im Nordosten ihres Areals und westlich bis etwa Illinois gilt sie inzwischen als sehr selten oder ausgerottet. Beständiger vorhanden ist sie im Süden ihres früheren Verbreitungsgebiets, von Florida über Texas und New Mexico bis nach Colorado.
2021 reichten das Center for Biological Diversity und die Bombus Pollinator Association of Law Students der Albany Law School bei der US-amerikanischen Fish and Wildlife Service einen Antrag ein, die Art unter dem Endangered Species Act zu schützen. Die Behörde stellte daraufhin ein positives 90-Tage-Gutachten aus und leitete eine formale Statusprüfung ein. Ein gesetzlicher Schutzstatus besteht bislang weder auf Bundesebene noch in einem Einzelstaat der USA.
Merkmale zur Bestimmung
Taxonomisch wird die Art der Untergattung Thoracobombus zugeordnet, zu der auch die nahe verwandten Arten Bombus fervidus und Bombus californicus zählen. Königinnen erreichen eine Körperlänge von 22 bis 26 Millimetern, Arbeiterinnen bleiben mit 13 bis 19 Millimetern deutlich kleiner, Männchen liegen mit 16 bis 22 Millimetern dazwischen. Der Kopf ist schwarz behaart, der Rücken des Brustabschnitts trägt gelbe Behaarung, das dahinterliegende Schildchen ist meist schwarz, gelegentlich mit einzelnen gelben Haaren durchmischt. Am Hinterleib sind das zweite und dritte Segment sowie der hintere Teil des ersten Segments gelb gefärbt, die übrigen Segmente schwarz. Die Behaarung ist kurz und gleichmäßig, das Gesicht auffallend lang gestreckt. Diese Kombination aus Farbmuster und Kopfform erlaubt eine Unterscheidung von den ähnlich gefärbten Arten Bombus fervidus und Bombus auricomus, wobei Verwechslungen im Feld häufig vorkommen. Manche Autoren führen die im Südwesten der USA verbreitete Bombus sonorus als Synonym von Bombus pensylvanicus, andere als eigenständige Art.
Nistweise und Koloniegröße
Die Art nistet bevorzugt oberirdisch in Büscheln aus hohem Gras, seltener unterirdisch in verlassenen Nagetierbauten. Begattete Jungköniginnen überwintern einzeln, meist unterirdisch oder in morschem Holz. Die Kolonien bleiben mit 60 bis 120 Individuen vergleichsweise klein gegenüber vielen anderen Hummelarten. Der Jahreszyklus verläuft kürzer als bei vielen verwandten Arten, vermutlich als Anpassung an die wärmeren Regionen, in denen die Art vorkommt. Im späten Frühjahr gründet die Königin allein ein Nest, im Sommer folgt die Produktion von Arbeiterinnen, in der Mitte bis zum Ende des Sommers die Produktion von Männchen und neuen Königinnen.
Nahrungspflanzen und Bestäubungsleistung
Bombus pensylvanicus gilt als Nahrungsgeneralist und besucht ein breites Spektrum an Blütenpflanzen, darunter Wicken, Klee, Goldruten, Johanniskraut, Wasserdost, Tragant, Disteln, Hartriegel, Prärieklee und Sonnenblumen. Der vergleichsweise lange Rüssel erlaubt ihr den Zugang zu tiefen Blütenkelchen. Wie andere Hummeln beherrscht die Art die Vibrationsbestäubung, bei der schnelles Anspannen der Flugmuskulatur Pollen aus den Staubbeuteln schüttelt. Diese Technik ist bei Tomaten und Auberginen erforderlich, deren Pollen sich nicht durch Wind oder einfaches Anfliegen lösen lässt, und macht die Art zu einer wichtigen Bestäuberin in der Landwirtschaft. Bei der Rückkehr zum Nest wurden einzelne Tiere aus bis zu 2,4 Kilometern Entfernung beobachtet, wobei die tatsächliche Reichweite je nach Individuum stark schwankt.
Der Sozialparasit Bombus variabilis
Nester von Bombus pensylvanicus werden von der Kuckuckshummel Bombus variabilis befallen. Deren Weibchen dringen in fremde Nester ein, töten die dortige Königin und übernehmen deren Platz, sodass die Arbeiterinnen des Wirtsvolkes fortan den Nachwuchs der Parasitin aufziehen. Bombus variabilis besitzt keine Pollenkörbchen mehr, da die Art selbst keinen Pollen zur Versorgung von Nachwuchs sammelt. Mit dem Rückgang von Bombus pensylvanicus ist auch diese auf sie spezialisierte Art selten geworden: Seit über zwanzig Jahren liegen aus den USA keine gesicherten Nachweise mehr vor, die Art gilt möglicherweise als regional ausgestorben.
Ursachen des Rückgangs
Für den Bestandsrückgang werden mehrere Faktoren diskutiert, deren jeweiliger Anteil sich schwer trennen lässt. Dazu zählen die Umwandlung von Grasland und Brachflächen in landwirtschaftliche Nutzflächen, der Einsatz von Pestiziden, insbesondere Neonicotinoiden, sowie die Ausbreitung von Krankheitserregern wie dem Mikrosporidium Nosema bombi. Ein möglicher Übertragungsweg dieses Erregers wird im Import kommerziell gezüchteter Hummeln zur Bestäubung von Gewächshaustomaten vermutet.
Quellen
- U.S. Fish & Wildlife Service: American Bumble Bee (Bombus pensylvanicus), https://www.fws.gov/species/american-bumble-bee-bombus-pensylvanicus
- U.S. Fish & Wildlife Service: American Bumble Bee Field Guide (PDF), https://www.fws.gov/sites/default/files/documents/American%20Bumble%20Bee%20Field%20Guide.pdf
- NatureServe Explorer: Bombus pensylvanicus, https://explorer.natureserve.org/Taxon/ELEMENT_GLOBAL.2.744953/Bombus_pensylvanicus
- Michigan Natural Features Inventory: Bombus pensylvanicus, https://mnfi.anr.msu.edu/species/description/365143/Bombus-pensylvanicus
- Montana Field Guide: American Bumble Bee, https://fieldguide.mt.gov/speciesDetail.aspx?elcode=IIHYM24260
- USDA Forest Service: The American Bumble Bee, Pollinator of the Month, https://www.fs.usda.gov/wildflowers/pollinators/pollinator-of-the-month/american-bumble-bee.shtml
- Xerces Society: The American Bumble Bee Takes an Important Step Toward Federal Protection, https://xerces.org/press/american-bumble-bee-takes-important-step-toward-federal-protection
- National Wildlife Federation: American Bumble Bee (Bombus pensylvanicus), https://nwlfd.org/species/american-bumble-bee
- Foto: Gregory Steiger (steigerg), Beobachtung vom 08.06.2026, Eldorado at Santa Fe. inaturalist.org/observations/369864916, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert
- Foto: JLackey (jlackey), Beobachtung vom 08.06.2026, Creek County, US-OK, US. inaturalist.org/observations/369740702, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert
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Bombus diversus
Bombus diversus wurde 1869 von Frederick Smith beschrieben und gehört zur Untergattung Megabombus, jener Gruppe langrüsseliger Hummeln, zu der in Europa etwa die Gartenhummel zählt. Die Art tritt in zwei Unterarten auf: Bombus diversus diversus besiedelt die Hauptinseln Honshu, Shikoku und Kyushu, während Bombus diversus tersatus auf Hokkaido vorkommt. Außerhalb Japans reicht das Verbreitungsgebiet bis in angrenzende Regionen Ostasiens, darunter Teile Koreas und des russischen Fernen Ostens.
In Japan trägt die Art den Namen Tora-Maruhanabachi, wörtlich Tigerhummel, nach der Silbe „tora“ für Tiger. Der Name bezieht sich auf die kontrastreiche Fellzeichnung: Kopf, Mittelkörper sowie das erste und zweite Hinterleibssegment und ein Teil des dritten sind bei der Nominatform dicht rötlich-orange behaart, teils von dunklen Querstreifen zwischen den Segmenten unterbrochen, während der restliche Hinterleib schwarz gefärbt ist. Bei der Unterart tersatus fällt dieses Muster gleichmäßiger gelblich statt orange aus, was eine Unterscheidung der beiden Unterarten im Feld erlaubt.
Ein Rüssel für Blüten, die andere Hummeln nicht erreichen
Bombus diversus gilt unter den japanischen Hummelarten als die mit dem längsten Rüssel. Messungen fallen je nach Studie und untersuchter Population unterschiedlich aus: Eine Untersuchung an Populationen, die Clematis stans bestäubten, ermittelte im Mittel 14,0 Millimeter, während eine andere Arbeit an anderen Tieren einen Mittelwert von 11,7 Millimetern feststellte. In beiden Fällen übertraf der Rüssel von Bombus diversus jenen der kurzrüsseligeren Vergleichsart Bombus honshuensis um etwa ein Drittel bis knapp die Hälfte.
Die Kopfform folgt dieser Spezialisierung: Der Bereich zwischen Auge und Mandibel ist bei Bombus diversus so stark verlängert, dass Fachliteratur den Kopf mit einem Pferdekopf vergleicht. Die Mundwerkzeuge sind zudem schmaler als bei kurzrüsseligen Verwandten wie Bombus ignitus, die mit kräftigeren Mandibeln gelegentlich Blüten von außen aufbeißen, um an Nektar zu gelangen, statt sie regulär zu befliegen. Bombus diversus ist auf diese Art des Nektarraubs nicht angewiesen, da der lange Rüssel den Zugang durch den vorgesehenen Weg der Blütenkrone ermöglicht.
Blütenpartner mit passender Kronröhrenlänge
Die Rüssellänge bestimmt, welche Pflanzenarten Bombus diversus effizient nutzen kann, und umgekehrt hat sie auf einige Pflanzen einen nachweisbaren Selektionsdruck ausgeübt. Bei der Glockenblume Campanula punctata wurde gezeigt, dass eine größere Blütenkrone den Pollentransfer durch Bombus diversus verbessert: Die Hummel muss tiefer in die Blüte eindringen, um an den Nektar zu gelangen, und streift dabei Staubblätter und Narbe intensiver.
Ein weiteres Beispiel liefert die Waldrebenart Clematis stans. Ihre Kelchröhre ist bei jungen Blüten lang und verkürzt sich im Laufe der Blütezeit. In der langen Phase wird die Blüte bevorzugt von Bombus diversus besucht, die dabei mehr Pollen entfernt; sobald die Röhre kürzer geworden ist, übernimmt die kurzrüsselige Bombus honshuensis den Großteil der Besuche. Beide Bestäuberphasen führten in Versuchen zu einem höheren Fruchtansatz an den kürzeren Blüten, was darauf hindeutet, dass die zeitliche Verkürzung der Kelchröhre die Bestäubungsleistung auf zwei Hummelarten mit unterschiedlicher Rüssellänge verteilt, statt von einer einzigen Art abhängig zu bleiben.
Auch bei Lippenblütlern wie Rabdosia longituba zeigt sich diese Aufteilung: Die tiefen Blüten passen zur Rüssellänge mittelgroßer Bombus-diversus-Arbeiterinnen, während die kleinblütige Verwandte Rabdosia trichocarpa eher von Bombus honshuensis und der Östlichen Honigbiene beflogen wird. Zusätzlich wurde die Art als Besucherin von Springkrautarten wie Impatiens noli-tangere und Impatiens textori dokumentiert.
Bestäuberin spezialisierter Orchideen
Die Orchidee Cremastra appendiculata bietet Nektar als Belohnung und verströmt einen intensiven Duft, dem in einer Untersuchung mit Gaschromatographie und Elektroantennographie sieben Duftstoffe zugeordnet werden konnten, die bei Königinnen von Bombus diversus tersatus eine Antennenreaktion auslösen, darunter Nerol sowie mehrere Fettsäureester. In anschließenden Verhaltenstests mit einem Y-Rohr-Olfaktometer bevorzugten unerfahrene, also noch nie an Blüten gewesene Königinnen sowohl den Blütenextrakt als auch eine künstlich hergestellte Mischung dieser Duftstoffe gegenüber einem geruchlosen Lösungsmittel. Die Anziehung durch den Duft ist demnach angeboren und nicht erst durch Erfahrung erlernt.
Eine frühere Freilandbeobachtung in Kobe bestätigt die enge Bindung: Von den insgesamt fünf Insektenarten, die die Blüten von Cremastra appendiculata var. variabilis besuchten, trugen ausschließlich Bombus-diversus-Königinnen die Pollinien, angeheftet am vorderen Oberschenkel. Die Besuchsfrequenz war dabei insgesamt sehr gering, und eine Holzbiene der Art Xylocopa appendiculata circumvolans beraubte die Blüten regelmäßig, indem sie ein Loch am Blütengrund anbiss und den Nektar ohne Bestäubungsleistung entnahm.
Auch die epiphytisch wachsende Orchidee Sedirea japonica wird von der Nominatform Bombus diversus diversus bestäubt. Die tief liegenden Nektarien dieser Orchideen lassen sich nur mit einem entsprechend langen Rüssel erreichen, wodurch beide Pflanzenarten in ihrer Bestäubung stark von dieser einen Hummelart abhängen.
Untergattung Megabombus und Lebensraum
Als Vertreterin der Untergattung Megabombus zählt Bombus diversus zu den sogenannten Pocketmakern. Bei dieser Fortpflanzungsstrategie verarbeiten die Arbeiterinnen gesammelten Pollen zu Taschen unterhalb der Brutzellen, aus denen sich die gemeinsam heranwachsenden Larven bedienen, statt einzeln in getrennten Wachsnäpfen versorgt zu werden wie bei Pollenlagerern etwa der Gattung Bombus terrestris. Diese Fütterungsweise führt zu einem Wettbewerb zwischen den Larven innerhalb einer Tasche und gilt als Ursache für die im Vergleich zu Pollenlagerern größere Schwankungsbreite der Körpergröße innerhalb einer Kolonie.
In einer Auswertung von Bürgerfotografien aus den Jahren 2013 bis 2015 zählte Bombus diversus neben Bombus ardens zu den Arten mit der breitesten Habitatnutzung: Beide kommen sowohl in Siedlungsgebieten als auch in naturnahen Landschaften vor. Das unterscheidet sie von Bombus hypocrita und Bombus honshuensis, die stärker an höher gelegene Regionen gebunden sind, sowie von der im Tiefland verbreiteten und als gefährdet eingestuften Bombus ignitus. Die weite ökologische Toleranz von Bombus diversus, gepaart mit ihrer Rolle als einzige effektive Bestäuberin mehrerer spezialisierter Pflanzenarten, macht sie zu einer ökologisch bedeutsamen, aber bislang wenig im deutschsprachigen Raum beschriebenen Art.
Quellen
- Kubo, R. & Ono, M. (2017): Queens of Bombus diversus tersatus (Hymenoptera: Apidae) are innately attracted to floral scents emitted by Cremastra appendiculata (Orchidaceae). The Canadian Entomologist, 149(3), 372–376, doi:10.4039/tce.2017.2
- Shimada et al. (2026): Effectiveness of infrared sensor camera monitoring for detecting pollinator visits to Cremastra appendiculata var. variabilis in a temperate forest in Central Japan. Plant Species Biology, esj-journals.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/1442-1984.70048
- Sugiura, S. (1996): Pollination Biology of Cremastra appendiculata var. variabilis (Orchidaceae). Plant Species Biology 11, esj-journals.onlinelibrary.wiley.com/doi/pdfdirect/10.1111/j.1442-1984.1996.tb00144.x
- Suetsugu, K. & Tanaka, K. (2013): Pollination of Sedirea japonica (Orchidaceae) by Bombus diversus diversus (Hymenoptera: Apidae). European Journal of Entomology, 110(3), doi:10.14411/eje.2013.074
- Dohzono, I., Suzuki, K. & Murata, J. (2004): Temporal changes in calyx tube length of Clematis stans (Ranunculaceae). American Journal of Botany, 91(12), 2051–2059, doi:10.3732/ajb.91.12.2051
- Kobayashi, S., Inoue, K. & Kato, M. (1997): Evidence of pollen transfer efficiency as the natural selection factor favoring a large corolla of Campanula punctata pollinated by Bombus diversus. Oecologia, 111, 535–542, zitiert nach nature.com/articles/s41598-024-61848-z
- ScienceDirect Topics: Bombus – Übersichtsartikel zu Rüssellänge und Kopfform verschiedener japanischer Hummelarten, sciencedirect.com/topics/agricultural-and-biological-sciences/bombus
- Suzuki-Ohno, Y. et al. (2020): Estimating possible bumblebee range shifts in response to climate and land cover changes. Scientific Reports, nature.com/articles/s41598-020-76164-5
- Williams, P. H. (2008): A simplified subgeneric classification of the bumblebees (genus Bombus). Apidologie, apidologie.org/articles/apido/ref/2008/01/m07112/m07112.html
- Wikispecies: Bombus diversus, Klassifikation nach Natural History Museum London, species.wikimedia.org/wiki/Bombus_diversus
- Bombus diversus – Wikipedia (schwedischsprachig): Angaben zu Fellfärbung, Unterarten und Verbreitung, sv.wikipedia.org/wiki/Bombus_diversus
- HANAMARU-MARUHANABACHI Project: Distribution and characteristics of Japanese bumblebee species, hanamaruproject.s1009.xrea.com/hanamaru_project/identification_E.html
- Foto: Алексей Сальников (alexey1salnikov), Beobachtung vom 16.06.2025, Долинский р-н, Сахалинская обл., Россия. inaturalist.org/observations/307813086, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert
- Foto: gg_copen, Beobachtung vom 14.04.2026, Oyaminami 2-Chōme, Ebina, Kanagawa, JP. inaturalist.org/observations/349735555, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert
- Foto: Timur Kalininsky (timur_kalininsky), Beobachtung vom 17.10.2025, Район Аоба, Сендай, Мияги, Япония. inaturalist.org/observations/330300024, Lizenz CC BY 4.0, creativecommons.org/licenses/by/4.0, unverändert
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Bombus melanopygus
Bombus melanopygus, im Deutschen als Schwarzschwänzige Hummel bezeichnet, kommt ausschließlich im Westen Nordamerikas vor. Ihr Verbreitungsgebiet reicht von Alaska und British Columbia im Norden bis nach Baja California im Süden und erstreckt sich vom Pazifik ostwärts bis in die Rocky Mountains. Die Art wurde 1848 von William Nylander beschrieben und zählt zur Familie der Apidae.
Auffällig ist ein ausgeprägter Farbdimorphismus innerhalb der Art. Tiere aus nördlichen Populationen, etwa in Oregon, British Columbia und den Rocky Mountains, tragen auf dem zweiten und dritten Hinterleibssegment rötlich braune Haare und wurden früher als eigene Form Bombus melanopygus melanopygus bezeichnet. Populationen aus Kalifornien und dem südlichen Oregon zeigen an derselben Stelle schwarze Behaarung und galten lange als eigene Art unter dem Namen Bombus edwardsii. Genetische und morphometrische Untersuchungen haben gezeigt, dass beide Formen zur selben Art gehören und lediglich unterschiedliche Farbausprägungen darstellen. Der Name Bombus edwardsii gilt seither als Synonym.
Bestimmungsmerkmale
Königinnen erreichen eine Körperlänge von etwa 16 bis 19 Millimetern, Arbeiterinnen liegen bei rund 10 bis 16 Millimetern und Männchen bei etwa 11 bis 14 Millimetern. Kopf und Vorderteil des Thorax sind gelb behaart, zwischen den Flügelansätzen verläuft ein schwarzes Band. Die Hinterschiene der Weibchen ist konkav geformt und trägt das Sammelkörbchen für Pollen, dessen Fransenhaare schwarz gefärbt sind. Das erste Hinterleibssegment ist gelb, das vierte und fünfte tragen bei beiden Farbformen schwarze, mitunter mit Gelb durchsetzte Behaarung. Die Zunge ist im Vergleich zu anderen Hummelarten mittellang, wodurch die Art sowohl flache als auch etwas tiefere Blütenkelche erreichen kann, ohne dabei auf eine dieser Blütenformen spezialisiert zu sein.
Lebensraum und Nistverhalten
Bombus melanopygus besiedelt ein breites Spektrum an Lebensräumen, darunter Gärten, Wiesen, Grasland und Wälder, aber auch landwirtschaftlich genutzte und städtische Flächen. Sie gehört zu den wenigen Hummelarten, die regelmäßig noch in San Francisco beobachtet werden. Die Nester legt die Art meist unterirdisch in verlassenen Nagerbauten an, gelegentlich auch oberirdisch in dichtem Gras oder in Hohlräumen an Gebäuden. Jede Kolonie geht auf eine einzelne überwinterte Königin zurück, die im zeitigen Frühjahr mit der Anlage des Nestes beginnt. Bombus melanopygus zählt zu den früh im Jahr aktiven Hummelarten und beginnt vergleichsweise zeitig mit der Nestgründung und der Produktion von Männchen. Am Ende der Saison löst sich die Kolonie auf, lediglich begattete Jungköniginnen überwintern und gründen im folgenden Jahr neue Nester.
Nahrungspflanzen
Die Art besucht eine große Bandbreite an Blütenpflanzen und gilt als nicht auf bestimmte Pflanzenfamilien spezialisiert. Zu den regelmäßig genutzten Gattungen zählen Manzanitas, Ceanothus, Goldbüsche, Wilder Buchweizen, Lupinen, Bartfäden, Rhododendren, Weiden, Salbeiarten und Klee. Dieses breite Nahrungsspektrum erlaubt es der Art, in sehr unterschiedlichen Vegetationstypen entlang ihres großen Verbreitungsgebiets Kolonien zu gründen.
Parasiten und Gefährdung
Bombus melanopygus dient als Wirt der Buckelfliege Apocephalus borealis. Die Fliege legt ihre Eier im Hinterleib der Hummel ab, die Larven entwickeln sich dort und verlassen den toten Wirt schließlich als Puppen. Nach Einschätzung der Weltnaturschutzunion gilt die Art insgesamt als nicht gefährdet und wird als Least Concern eingestuft. In Kalifornien ist sie weiterhin verbreitet, wobei Untersuchungen auf Verschiebungen innerhalb des dortigen Verbreitungsgebiets hinweisen. Wie viele nordamerikanische Hummelarten steht sie unter dem allgemeinen Druck von Lebensraumverlust, Pestizideinsatz und Klimawandel.
Quellen
- Discover Life / R. Thorp (1983): Bumble Bees and Cuckoo Bumble Bees of California, Bestimmungsmerkmale zu Bombus melanopygus und B. edwardsii, https://www.discoverlife.org/mp/20q?search=Bombus+melanopygus
- California Conservation Genomics Project (CCGP): Bombus melanopygus (Black-tailed Bumble Bee), https://www.ccgproject.org/species/bombus-melanopygus-black-tailed-bumble-bee
- Owen, R. E., Whidden, T. L., Plowright, R. C. (2010): Genetic and morphometric evidence for the conspecific status of the bumble bees, Bombus melanopygus and Bombus edwardsii, Journal of Insect Science 10(1), 109
- Tian, L. et al. (2019): Tinkering outside the Hox: A homeotic shift late in development drives mimetic color variation in a bumblebee, PNAS, referiert nach bienen-nachrichten.de, https://bienen-nachrichten.de/2020/wie-hummel-zu-ihren-streifen-kamen/690
- Jackson, J. M. et al. (2022): Mito nuclear discordance at a mimicry color transition zone in bumble bee Bombus melanopygus, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC8717287/
- sdnativebees (Tumblr): Bombus melanopygus, black tailed bumble bee, Feldbeobachtungen zur Nistbiologie, https://www.tumblr.com/sdnativebees/118449952786/
- newscientist.com
- Foto: edwardrooks, Beobachtung vom 21.05.2025, Pine Ridge, Henry Coe State Park, Santa Clara County, CA, USA. inaturalist.org/observations/283047692, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert
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Bombus fervidus
Bombus fervidus, im Englischen golden northern bumble bee genannt, zählt zu den mittelgroßen bis großen Hummelarten Nordamerikas. Königinnen erreichen eine Länge von 18 bis 21 Millimetern, Arbeiterinnen bleiben mit 11 bis 17 Millimetern deutlich kleiner. Kopf und Scheitel tragen schwarze Behaarung. Der Brustabschnitt und die ersten vier Hinterleibssegmente sind durchgehend gelb gefärbt, zwischen den Flügelansätzen verläuft ein schmales schwarzes Band. Das fünfte Hinterleibssegment ist wieder schwarz, die Flügel wirken dunkel bis rauchgrau.
Diese Kombination aus vier gelben Hinterleibssegmenten, schwarzem Kopf und größtenteils gelben Seitenteilen des Brustabschnitts erlaubt im Osten Nordamerikas eine recht zuverlässige Bestimmung im Feld. Schwieriger wird es im Westen des Kontinents bei der Abgrenzung zu Bombus californicus. Beide Formen bilden einen taxonomisch ungeklärten Artenkomplex. In Gebieten, in denen ihre Vorkommen sich überlappen, zeigen einzelne Tiere jeweils das Farbmuster der anderen Art, sodass eine Bestimmung allein nach der Behaarung nicht zuverlässig möglich ist. Genetische Untersuchungen weisen zwei getrennte Linien nach, die sich nach heutigem Kenntnisstand vor weniger als einer Million Jahren auseinanderentwickelt haben, ohne dass bislang ein verlässliches äußeres Unterscheidungsmerkmal gefunden wurde. Auch mit Bombus pensylvanicus, deren Männchen ähnlich gefärbt sind, und mit Bombus auricomus kann es zu Verwechslungen kommen.
Nistplatz und Nestbau
Anders als die meisten anderen Hummelarten legt die Königin von Bombus fervidus ihr Nest bevorzugt oberflächlich an, seltener unterirdisch. Als Standort dienen offene, grasbewachsene Flächen wie Wiesen, Waldlichtungen oder Straßenränder. Das Baumaterial besteht aus einer lockeren Masse trockenen Grases, die mit Vogelkot vermischt ist. Beides scheinen die Tiere selbst zusammenzutragen und zu einem Polster anzuordnen. Innerhalb dieses Polsters legt die Königin die ersten Wachszellen an und errichtet einen Honigtopf, in dem sie bei kühlem Frühjahrswetter Nektarreserven speichert, bevor die ersten Arbeiterinnen schlüpfen.
Ein ausgewachsenes Volk kann 100 bis 200 Arbeiterinnen umfassen, eine für Hummeln vergleichsweise große Koloniegröße.
Verteidigungsverhalten
Störungen am Nest lösen bei Bombus fervidus eine ausgeprägte Reaktion aus. Eine frühe Studie zum Nistverhalten der Art beschreibt sie als äußerst angriffslustig bei der Nestverteidigung; Angreifer wurden dabei über mehrere hundert Meter verfolgt. Neben der Verfolgung nutzen die Arbeiterinnen das Übergießen mit Honig gegen eindringende Psithyrus-Weibchen, insbesondere gegen die auf Bombus fervidus spezialisierte Art Bombus insularis. In einer Untersuchung in Kanada wurden zudem zwei Psithyrus-Weibchen in Nestern von Bombus fervidus gefunden, ohne dass daraus Nachkommen hervorgingen; zwei Königinnen fielen dort stattdessen der parasitischen Fliege Physocephala texana zum Opfer.
Nahrungssuche
Bombus fervidus gehört zu den langrüsseligen Hummelarten und kann dadurch auch Blüten mit tiefen Kronröhren nutzen, die für kurzrüsselige Arten unzugänglich bleiben. Zu den regelmäßig besuchten Pflanzengattungen zählen Geißblatt (Lonicera), Kratzdisteln (Cirsium), Klee (Trifolium), Bartfaden (Penstemon), Blutweiderich (Lythrum) und Wicken (Vicia). Insgesamt wurden Besuche an mehr als 20 Pflanzengattungen dokumentiert, darunter auch Goldruten und Heidelbeeren. Damit übernimmt die Art eine Rolle als Bestäuberin sowohl in naturnahen Lebensräumen als auch in der Landwirtschaft, insbesondere bei Kulturen, die auf Vibrationsbestäubung angewiesen sind.
Bestandsentwicklung
Die Internationale Union für die Erhaltung der Natur (IUCN) stuft Bombus fervidus als gefährdet (vulnerable) ein. In weiten Teilen des ursprünglichen Verbreitungsgebiets sind die Bestände zurückgegangen; als Hauptursache gilt der Verlust von Lebensraum durch die Intensivierung der Landwirtschaft. In Vermont etwa wird die Art inzwischen als selten eingestuft und möglicherweise weiter rückläufig, während sie in anderen Teilen des Nordostens der USA noch vergleichsweise häufig beobachtet wird. Programme wie der California Bumble Bee Atlas erfassen die Bestände mithilfe von Bürgerwissenschaft, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen.
Quellen
- Montana Field Guide, Montana Natural Heritage Program: Golden Northern Bumble Bee — Bombus fervidus, https://fieldguide.mt.gov/speciesDetail.aspx?elcode=IIHYM24580 (unter anderem mit Bezug auf Koch et al. 2018, Phylogeny and population genetic analyses reveals cryptic speciation in the Bombus fervidus species complex, PLOS One 13(11): e0207080)
- BeeSpotter, University of Illinois: Bombus fervidus, https://beespotter.org/topics/bio/Bombus/fervidus/index.html (unter anderem mit Bezug auf Medler, J. T. & Carney, D. W., 1963)
- Animal Diversity Web, University of Michigan: Bombus fervidus, https://animaldiversity.org/accounts/Bombus_fervidus/
- bugswithmike.com: Bombus fervidus (golden northern bumble bee), https://bugswithmike.com/guide/arthropoda/hexapoda/insecta/hymenoptera/apidae/apinae/bombini/bombus/fervidus
- Discover Life: Bombus fervidus, https://www.discoverlife.org/20/q?search=Bombus+fervidus (unter anderem mit Bezug auf Hobbs, G. A., 1966a, und Laverty, T. M. & Harder, L. D., 1988, The Bumble Bees of Eastern Canada, Canadian Entomologist 120: 965-987)
- Vermont Atlas of Life, Vermont Center for Ecostudies: Bombus fervidus, https://val.vtecostudies.org/projects/bumble-bee-atlas/bombus-fervidus/
- Illinois Department of Natural Resources: golden northern bumble bee, https://dnr.illinois.gov/education/wildaboutpages/wildaboutinvertebrates/wildaboutnativebees/family-apidae/wabwgoldennorthernbumblebee.html
- Foto: John Kolts (johnkolts), Beobachtung vom 22.07.2021, Okanogan County, WA, USA. inaturalist.org/observations/88166921, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert
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Bombus consobrinus
Bombus consobrinus gehört zu den Hummelarten, deren Verbreitungsgebiet sich fast ausschließlich mit dem einer einzigen Futterpflanzengattung deckt. In Nordeuropa liegt ihr Kernareal zwischen dem 59. und dem 69. Breitengrad und folgt damit dem Vorkommen des Nördlichen Eisenhuts, Aconitum septentrionale. Weiter östlich reicht das Vorkommen bis in die Gegend von Saratow an der Wolga, also bis etwa zum 51. Breitengrad. Von dort zieht sich das Areal durch ganz Sibirien bis nach Kamtschatka, in die Mongolei, in die chinesische Provinz Gansu, in die Mandschurei, nach Korea und nach Japan. Historische Nachweise gibt es außerdem aus Ungarn. In Mitteleuropa fehlt die Art; auch im deutschen Alpenraum ist sie nicht heimisch.
Je weiter östlich man kommt, desto lockerer wird die Bindung an Eisenhut. Während die Hummel in Fennoskandinavien und im europäischen Norden Russlands nahezu ausschließlich auf Aconitum septentrionale angewiesen ist, wurden im sibirischen und ostasiatischen Teil des Verbreitungsgebiets auch Vorkommen ohne nennenswerte Eisenhutbestände dokumentiert.
Merkmale
Bombus consobrinus zählt innerhalb der Untergattung Megabombus zu den großen Arten. Thorax und der vordere Teil des Hinterleibs sind orange gefärbt, gefolgt von einer schwarzen Querbinde. Die Spitze des Hinterleibs ist grau. Diese Farbfolge, orange, schwarz, grau, unterscheidet die Art von den meisten anderen mitteleuropäischen Hummeln mit ähnlicher Grundfärbung und erleichtert die Bestimmung im Feld, sofern man sich im Verbreitungsgebiet der Art befindet. Charakteristisch ist außerdem der lange Rüssel, mit dem die Hummel den Grund der tief verborgenen Nektarien im Eisenhut erreicht.
Enge Bindung an den Eisenhut
Wo Aconitum septentrionale wächst, bestreitet Bombus consobrinus während dessen Blütezeit nahezu ihre gesamte Pollenversorgung von dieser einen Pflanze. Untersuchungen zur Nahrungssuche norwegischer Populationen zeigten, dass die Hummel in der Hauptblütezeit des Eisenhuts nahezu den gesamten Pollen, rund 99 Prozent, von dieser Pflanze einträgt. Nur vor und nach der Blütezeit des Eisenhuts weicht sie auf andere Blüten aus. Diese Vorliebe gilt in der Fachliteratur als oligolektisch, also auf eine eng begrenzte Gruppe von Futterpflanzen beschränkt, wobei die Bindung in Nordeuropa deutlich strikter ausfällt als im Osten des Verbreitungsgebiets.
Der lange Rüssel erlaubt es der Hummel, die tief im Helm der Eisenhutblüte verborgenen Nektarien auf regulärem Weg zu erreichen und dabei die Staubblätter und Narben zu berühren. Andere, kurzrüsselige Hummelarten, die gelegentlich ebenfalls am Eisenhut Nektar suchen, beißen dagegen häufig ein Loch von außen in die Blütenhülle und gelangen so an den Nektar, ohne die Blüte zu bestäuben. Bombus consobrinus zählt damit zu den wenigen legitimen, also regulär bestäubenden Besuchern dieser giftigen Pflanze.
Rolle bei der Bestäubung
Vergleichende Untersuchungen an Aconitum septentrionale haben die Bestäubungsleistung von Bombus consobrinus jener mehrerer generalistisch sammelnder Hummelarten gegenübergestellt, die dieselben Blüten ebenfalls besuchen. Dabei entnahmen Arbeiterinnen und Königinnen des spezialisierten Bombus consobrinus pro Blütenbesuch ähnlich viel Pollen wie die Arbeiterinnen der Generalisten, benötigten dafür aber deutlich weniger Zeit. In der Folge erzielte die spezialisierte Art pro Zeiteinheit einen höheren Nettoenergiegewinn als die Generalisten. Königinnen von Bombus consobrinus entnahmen dabei je Besuch weniger Pollen als Arbeiterinnen, obwohl die Besuchsdauer bei beiden Kasten vergleichbar war.
Quellen
- Rasmont, P. & Iserbyt, S. (2014): Bombus Latreille, 1802. Atlas of the European Bees – STEP project, Université de Mons, http://www.atlashymenoptera.net/page.aspx?id=169
- Potapov, G. & Kolosova, Y. (2021): Bombus (Megabombus) consobrinus Dahlbom, 1832 in the European North of Russia: its distribution and foraging preference. Fauna Norvegica 41: 27–33, https://doi.org/10.5324/fn.v41i0.3903
- Mjelde, A. (1983): The foraging strategy of Bombus consobrinus (Hymenoptera, Apidae). Acta Entomologica Fennica 42: 51–56
- Laverty, T. M. & Plowright, R. C. (1988): Flower handling by bumblebees: a comparison of specialists and generalists. Animal
- Behaviour 36(3): 733–740
- Forschungsbeitrag zur Evolution extremer Futterpflanzenspezialisierung bei Megabombus-Hummeln (Kombination aus langem Rüssel und kurzer Nistsaison), ResearchGate-Publikation zu Bombus koreanus und verwandten Megabombus-Arten
- Foto: onidiras-iNaturalist (onidiras), Beobachtung vom 25.07.2022, 대한민국 강원도 태백시 창죽동. inaturalist.org/observations/127959363, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert
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Bombus zonatus
Bombus zonatus wurde 1854 von Frederick Smith beschrieben und gehört zur Untergattung Thoracobombus. In der älteren Literatur taucht die Art auch unter den Namen Bombus stevenii und Bombus apicalis auf, die heute als Synonym beziehungsweise als Unterart geführt werden. Die östlichen Vorkommen aus Anatolien, Transkaukasien, dem Kaukasus und dem Nordwesten Irans zählen zur Unterart Bombus zonatus apicalis, die Populationen des Balkans dagegen zur Nominatform.
Das Verbreitungsgebiet reicht von Griechenland, Nordmazedonien und Bulgarien über die europäische Türkei bis nach Anatolien und Armenien. Einzelne Nachweise liegen aus Albanien, Rumänien, der Krim, Georgien, Aserbaidschan und dem nordwestlichen Iran vor. Die Art besetzt damit einen breiten Streifen zwischen Südosteuropa und Westasien, ohne in Mitteleuropa vorzukommen.
Höhenlagen und Lebensraum
Über weite Teile ihres Areals besiedelt Bombus zonatus trockene Steppenheiden, Brachflächen und extensiv beweidetes Grasland zwischen 1000 und 1700 Metern Höhe. Einzelfunde reichen von 150 bis über 2000 Meter; in iranischen Hochlagen wurden Tiere sogar oberhalb von 2700 Metern registriert. Gemeinsam ist den Fundorten der Mangel an dichtem Bewuchs: Die Art benötigt offene, warme und blütenreiche Flächen.
Nester legt Bombus zonatus unterirdisch an, meist in verlassenen Bauten kleiner Nagetiere oder in Hohlräumen unter Steinen und Grasbüscheln. Zu Koloniegröße und Nestarchitektur liegen bislang kaum gesicherte Beobachtungen vor, da die Art in großen Teilen ihres Verbreitungsgebiets nur unregelmäßig erfasst wird.
Nahrungspflanzen und Rüssellänge
Bombus zonatus zählt zu den langrüsseligen Hummelarten und erreicht damit auch den Nektar tiefer, röhrenförmiger Blüten. Erhebungen aus dem Iran verzeichnen Blütenbesuche an Korbblütlern, Rauhblattgewächsen, Schmetterlingsblütlern wie Luzerne und Wicken sowie an Lippenblütlern der Gattungen Salbei, Ziest und Andorn. Auch Hahnenfußgewächse und Bleiwurzgewächse gehören zum Nahrungsspektrum. Diese Bandbreite verschafft der Art in den eher pflanzenarmen Steppen- und Hochlandlebensräumen ausreichend Nahrungsquellen über die gesamte Flugzeit hinweg.
Abgrenzung zu Bombus armeniacus
Bombus zonatus ähnelt in Körperbau und Färbung stark Bombus armeniacus, einer weiteren Art der Untergattung Thoracobombus mit teilweise überlappendem Vorkommen in Griechenland, Russland und dem Nahen Osten. Eine sichere Unterscheidung beider Arten im Feld ist ohne genaue Prüfung der Behaarungsmuster kaum möglich, weshalb Bestimmungen meist anhand von Vergleichsexemplaren oder Schlüsseln der Fachliteratur erfolgen. Diese Verwechslungsgefahr dürfte dazu führen, dass die tatsächliche Verbreitung von Bombus zonatus in manchen Regionen unterschätzt wird.
Kenntnisstand und Forschungslücken
Verglichen mit mitteleuropäischen Hummelarten ist Bombus zonatus deutlich schlechter untersucht. Die verfügbaren Daten stammen vor allem aus einzelnen faunistischen Erhebungen in der Türkei, Armenien und dem Iran, eine flächendeckende Bestandserfassung fehlt bislang. Zu Volksgröße, Phänologie und möglichen Gefährdungsursachen lassen sich deshalb derzeit keine gesicherten Aussagen treffen.
Quellen
- Williams, P. H. (1998): An annotated checklist of bumble bees with an analysis of patterns of description. Bulletin of the Natural History Museum (Entomology), Band 67.
- Monfared, A. et al.: A Survey of the Localities and Food-Plants of the Bumblebees of Iran (Hymenoptera: Apidae: Bombus).
- Atlas Hymenoptera, atlashymenoptera.net, Artseite Bombus zonatus.
- GBIF Backbone Taxonomy, gbif.org, Artseite Bombus zonatus Smith, 1854.
- Wikispecies, species.wikimedia.org, Artseite Bombus zonatus.
- wildbienen.de, Artenübersicht Hummeln.
- Wikipedia (englisch), Artikel Bombus armeniacus.
- Foto: Ilia Mikheev (ilia_m), Beobachtung vom 01.06.2011, Октябрьский р-н, Ростовская обл., Россия. inaturalist.org/observations/193627576, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert
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Bombus pyrosoma
Bombus pyrosoma wurde 1890 von dem russischen Entomologen Ferdinand Morawitz anhand von Material aus der chinesischen Provinz Gansu beschrieben. Die Art gehört zur Untergattung Melanobombus, die vor allem für ihre rot gefärbten Vertreter bekannt ist. Im Lauf ihrer Beschreibungsgeschichte erhielt Bombus pyrosoma mehrere Synonyme, die auf rötliche Farbformen hindeuten, etwa miniatus und rufus. Solche Namen entstanden meist, weil Sammler regionale Farbvarianten zunächst für eigenständige Arten hielten. Der heute gültige Name setzt sich aus den griechischen Wörtern für Feuer und Körper zusammen, obwohl der Großteil der bekannten Populationen kein feuriges Rot, sondern ein Muster aus Schwarz, Gelb und Weiß zeigt.
Die Art ist in weiten Teilen Ostasiens verbreitet. Nachgewiesen ist sie in China, Tibet, der Mongolei, Taiwan, Nepal sowie im Nordwesten des indischen Himalaya, dort insbesondere in Kaschmir, Himachal Pradesh, Uttarakhand und Sikkim. Innerhalb Chinas reicht ihr Vorkommen von der Provinz Liaoning im Osten bis nach Qinghai im Westen, mit weiteren Nachweisen aus Shanxi, Hebei und Gansu. Damit zählt Bombus pyrosoma zu den am weitesten verbreiteten und häufigsten Hummelarten Chinas.
Bestimmungsmerkmale und Farbvarianten
Bei Weibchen sind Kopf, Mesonotum sowie das zweite und dritte Hinterleibssegment schwarz behaart. Pro- und Metanotum sowie das erste Hinterleibssegment tragen goldgelbe Behaarung, das vierte und fünfte Segment ist weiß. Dieses Muster kann leicht mit dem der Art Bombus validus verwechselt werden, da beide ein ähnliches weißes Band am Hinterleibsende zeigen. Männchen unterscheiden sich deutlich von den Weibchen: Ihre Behaarung ist fast durchgehend zitronengelb, mit höchstens einem schwachen dunklen Band zwischen den Flügelansätzen. Bei größeren Männchen wird die gelbe Behaarung am vierten Segment teilweise durch Schwarz ersetzt, während die übrigen Hinterleibssegmente dann eher weiß als gelb ausfallen. Die Körpergröße und Farbausprägung variieren also deutlich innerhalb der Art, was die Bestimmung im Feld erschwert.
Physiologische Anpassung an Sauerstoffmangel und Kälte
Weil Bombus pyrosoma sowohl in der Tiefebene als auch auf dem Hochplateau vorkommt, eignet sich die Art gut, um zu untersuchen, wie Insekten mit den Bedingungen großer Höhe zurechtkommen. Eine Transkriptom- und Stoffwechselanalyse verglich Arbeiterinnen aus der Nordchinesischen Tiefebene mit solchen vom tibetischen Hochplateau und fand 675 Gene, die bei den Hochgebirgstieren übereinstimmend stärker abgelesen wurden. Diese Gene sind vor allem an Stoffwechselwegen der Energiegewinnung beteiligt. Zusätzlich war die angeborene Immunantwort bei den Hochgebirgstieren verstärkt aktiv. Beides wird als Reaktion auf Sauerstoffmangel und niedrige Temperaturen gedeutet, zwei Belastungen, die im Flachland keine Rolle spielen.
Untersuchungsgebiete
- Nordchinesische Tiefebene (Hebei)
Höhenlage: 522 bis 905 Meter
Quelle: Liu et al. 2020 - Tibetisches Hochplateau (Gansu)
Höhenlage: 2918 bis 3896 Meter
Quelle: Zhang et al. 2023 - Kaschmir-Himalaya
Höhenlage: 2300 bis 4200 Meter, vereinzelt bis 4800 Meter
Quelle: Raina et al. 2013
Darmbakterien in großer Höhe
Auch die Zusammensetzung der Darmbakterien unterscheidet sich zwischen Tief- und Hochgebirgstieren. Bei Arbeiterinnen aus dem tibetischen Hochplateau war die Vielfalt der Darmbakterien geringer als bei Tieren aus der Tiefebene, und die Gattungen Fructobacillus und Saccharibacter kamen deutlich seltener vor. Beide Gattungen sind auf ein zuckerreiches Nahrungsangebot spezialisiert, das in großer Höhe wegen der geringeren Pflanzenvielfalt knapper ausfällt. Gleichzeitig enthielt die Darmflora der Hochgebirgstiere mehr Stoffwechselwege zur Eiweißverdauung und Aminosäurebildung, während Stoffwechselwege zur Kohlenhydratverdauung zurückgingen. Bei einem Teil der Tiere aus der Tiefebene wurde zudem das opportunistisch krankheitserregende Bakterium Serratia nachgewiesen, was auf eine stärkere Belastung durch Umweltkeime im Flachland hindeutet.
Bedeutung für die Bestäubung
Bombus pyrosoma zählt zu den sechs chinesischen Hummelarten, die für Zucht und Einsatz in der Bestäubung ausgewählt wurden, neben Bombus patagiatus, Bombus ignitus, Bombus lantschouensis, Bombus picipes und Bombus lucorum. Damit gilt sie als eine der Kandidatenarten, mit denen China unabhängiger von importierten Hummeln wie Bombus terrestris werden könnte, dessen Einsatz in Gewächshäusern mit dem Risiko verbunden ist, Krankheitserreger auf einheimische Wildhummeln zu übertragen. Im Freiland besucht die Art auf ihren Höhenstufen ein breites Spektrum an Wildpflanzen, in den Hochlagen des Himalaya etwa Kratzdisteln, Löwenzahn und Klee, und trägt dort zur Bestäubung von Pflanzengemeinschaften bei, die in Tieflagen nicht vorkommen.
Quellen
- Raina, R.H., Saini, M.S., Khan, Z.H. (2013): Taxonomy and ecology of Bombus pyrosoma Morawitz (Hymenoptera: Apidae) from the North-west Indian Himalaya. Polish Journal of Entomology, Bd. 82, Heft 2, S. 95–108, DOI: 10.2478/v10200-012-0026-7
- Huang, J.X., An, J. (2018): Species diversity, pollination application and strategy for conservation of the bumblebees of China. Biodiversity Science, Bd. 26, Heft 5, S. 486–497, DOI: 10.17520/biods.2018068
- An, J. et al. (2020): Using the combined gene approach and multiple analytical methods to improve the phylogeny and classification of Bombus in China. Veröffentlicht auf PubMed Central, PMC7788072
- Liu, Y. et al. (2020): De Novo Transcriptomic and Metabolomic Analyses Reveal the Ecological Adaptation of High-Altitude Bombus pyrosoma. Insects, Bd. 11, Heft 9, Artikel 631, DOI: 10.3390/insects11090631
- Zhang, Z. et al. (2023): Potential role of the gut microbiota of bumblebee Bombus pyrosoma in adaptation to high-altitude habitats. Frontiers in Microbiology, Bd. 14, Artikel 1218560, DOI: 10.3389/fmicb.2023.1218560
- Studie zur Phylogenomik und chromosomalen Inversion bei Bombus pyrosoma, veröffentlicht in PNAS 2026, DOI: 10.1073/pnas.2513080122
- Foto: Shiwan Lu (lu_s_w), Beobachtung vom 11.08.2025, 中国四川省阿坝藏族羌族自治州松潘县. inaturalist.org/observations/306515304, Lizenz CC BY-NC-SA 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0, unverändert
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Bombus picipes
Über die Hummeln Chinas ist im Vergleich zu Europa oder Nordamerika bislang wenig publiziert, obwohl mehr als die Hälfte der weltweit beschriebenen Arten dort vorkommt. Bombus picipes gehört zu den Arten, deren wissenschaftlicher Name selbst eine gewisse Geschichte hat.
- Familie: Apidae
- Gattung: Bombus
- Untergattung: Pratobombus
- Erstbeschreibung: Richards, 1934
- Englischer Trivialname: Dark-legged Bumble Bee
Der britische Entomologe Owen W. Richards beschrieb die Art 1934 zunächst nicht als eigenständige Spezies, sondern als Varietät innerhalb von Bombus parthenius: Bombus parthenius var. picipes. 1949 stellte Bernhard Pittioni mit Bombus klapperichi eine weitere Form auf, die sich später als dieselbe Art erwies. In einer 1972 von Sakagami veröffentlichten Revision führte der Taxonom Tkalců beide Namen als Synonyme von Bombus flavus Friese, weshalb chinesische Regionalfaunen der folgenden Jahrzehnte, etwa die Bearbeitung der Hummeln Gansus von 2011, die Art teils noch unter diesem Namen führten. Globale Referenzwerke wie die Checkliste von Paul H. Williams aus dem Jahr 1998 und die Datenbank der Global Biodiversity Information Facility behandeln Bombus picipes dagegen wieder als eigenständige, gültige Art, mit Bombus klapperichi als jüngerem Synonym.
Verbreitung in China
Bombus picipes ist auf chinesisches Gebiet beschränkt. In einer flächendeckenden Erhebung der Hummelfauna Nordchinas zwischen 2005 und 2012, bei der mehr als 21.000 Exemplare ausgewertet wurden, zählte die Art zu den zehn häufigsten der insgesamt 77 dort nachgewiesenen Arten. Eine andere Arbeitsgruppe rechnet sie zu den sechs einheimischen Hummelarten Nordchinas, gemeinsam mit Bombus ignitus, Bombus lantschouensis, Bombus lucorum, Bombus patagiatus und Bombus pyrosoma. Genetisches Probenmaterial für eine umfassende Stammbaumanalyse der Gattung Bombus stammte aus dem Qionglai-Gebirge in der Provinz Sichuan. Das Verbreitungsgebiet reicht damit von den Ebenen und Lössplateaus Nordchinas bis in Bergregionen Zentralchinas hinein.
Bedeutung für Landwirtschaft und Forschung
Kommerziell gezüchtete Hummeln wie Bombus terrestris entkommen beim Einsatz in Gewächshäusern immer wieder aus ihrem angestammten Verbreitungsgebiet und konkurrieren dort mit heimischen Arten oder übertragen Krankheitserreger. Aus diesem Grund suchen chinesische Forschungseinrichtungen nach lokalen Alternativen für die Bestäubung von Kulturpflanzen. Bombus picipes gehört zu sechs chinesischen Arten, die für eine Zucht in Gefangenschaft und den Einsatz als Bestäuber ausgewählt wurden, neben Bombus patagiatus, Bombus pyrosoma, Bombus ignitus, Bombus lantschouensis und Bombus lucorum. Ein Projekt zur genomweiten Sequenzierung der Gattung Bombus wählte die Art außerdem als einen von 17 Vertretern aus, mit denen die genetische und ökologische Vielfalt der Gattung möglichst breit abgebildet werden sollte. Ihre Beschränkung auf chinesisches Gebiet machte sie dabei zu einem besonders aufschlussreichen Fall.
Quellen
- GBIF Secretariat: Bombus picipes Richards, 1934. GBIF Backbone Taxonomy, gbif.org/species/1340338, unter Bezug auf Williams, P. H. (1998): An annotated checklist of bumble bees with an analysis of patterns of description. Bulletin of the Natural History Museum (Entomology).
- An, J., Huang, J., Shao, Y., Zhang, S., Wang, B., Liu, X., Wu, J. & Williams, P. H. (2014): The bumblebees of North China (Apidae, Bombus Latreille). Zootaxa 3830(1), 1–89.
- An, J., Williams, P. H., Zhou, B., Miao, Z. & Qi, W. (2011): The bumblebees of Gansu, Northwest China (Hymenoptera, Apidae). Zootaxa 2865, 1–36.
- Han et al. (2024): Colony performance of three native bumblebee species from South China and association with their gut microbiome. Insect Science, Wiley Online Library.
- Biodiversity Science (2018): Species diversity, pollination application and strategy for conservation of the bumblebees of China. doi: 10.17520/biods.2018068.
- Genus-Wide Characterization of Bumblebee Genomes Provides Insights into Their Evolution and Variation in Ecological and Behavioral Traits. Molecular Biology and Evolution, 2021, academic.oup.com.
- Cameron, S. A. et al. (2007): A comprehensive phylogeny of the bumble bees (Bombus). Biological Journal of the Linnean Society, 91, 161–188.
- Foto: Terry Townshend (terrytownshend), Beobachtung vom 22.08.2026, Hebei, CN. inaturalist.org/observations/394050595, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert
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Bombus affinis
Bombus affinis, im Englischen als Rusty Patched Bumble Bee bekannt, wurde 1863 von Ezra Townsend Cresson beschrieben. Der deutsche Name Rostfleckige Hummel leitet sich von einem charakteristischen Merkmal ab: Arbeiterinnen und Männchen tragen auf dem zweiten Hinterleibssegment einen bräunlich orangefarbenen Fleck, der bei Königinnen fehlt. Dieser Fleck ermöglicht auch Laien eine relativ sichere Unterscheidung von ähnlichen Hummelarten, sofern das Tier ruhig genug sitzt, um das Segment zu erkennen.
Der Kopf ist bei allen drei Kasten vollständig schwarz behaart. Der Thorax trägt überwiegend gelbe Behaarung mit einem schwarzen Streifen zwischen den Flügelbasen. Arbeiterinnen erreichen eine Körperlänge von 10 bis 16 Millimetern, Königinnen 20 bis 22 Millimetern und Männchen 13 bis 17 Millimetern. Die vergleichsweise lange Behaarung isoliert die Tiere und erlaubt ihnen, bereits Anfang April und noch Ende September bei niedrigen Temperaturen zu fliegen. Bombus affinis zählt zu den kurzrüsseligen Hummelarten und sammelt Pollen und Nektar an einem breiten Spektrum von Blütenpflanzen, darunter Sonnenblumen, Astern, Goldruten und Geißblattarten.
Historische und aktuelle Verbreitung
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet erstreckte sich über 28 US-Bundesstaaten, den District of Columbia sowie die kanadischen Provinzen Ontario und Québec, vom Osten der Vereinigten Staaten über den oberen Mittleren Westen bis in die Ausläufer der Appalachen. Vor den 1990er Jahren zählte die Art zu den häufig beobachteten Hummeln dieser Region.
Seit Ende der 1990er Jahre ist ein starker Rückgang dokumentiert. Der U.S. Fish and Wildlife Service stellte in seiner Bewertung von 2016 fest, dass die Art historisch an 926 Fundorten nachgewiesen worden war, seit 1999 aber nur noch an 103 Fundorten, ein Rückgang von 88 Prozent. Andere Auswertungen beziffern den Rückgang von Bestandsgröße und Verbreitungsgebiet auf rund 87 bis 90 Prozent seit den späten 1990er Jahren. Aktuell gilt die Art nur noch in 13 US-Bundesstaaten sowie in Ontario als bodenständig nachgewiesen, mit Schwerpunkten im oberen Mittleren Westen und in Teilen der Appalachen.
Lebensweise und Nistverhalten
Wie andere Hummelarten durchläuft Bombus affinis einen einjährigen Koloniezyklus. Begattete Königinnen überwintern einzeln in einer Erdkammer, vermutlich in Waldgebieten mit lockerem, gut durchlässigem Boden. Im Frühjahr, meist zwischen Mitte April und Ende Mai, verlassen sie das Winterquartier und suchen zunächst blühende Frühjahrspflanzen auf, um Energiereserven aufzubauen. Anschließend wählen sie einen Nistplatz, häufig einen verlassenen Nagerbau ein bis vier Fuß unter der Erdoberfläche.
Die Königin legt zunächst bis zu 12 Eier auf einem Vorrat aus Pollen und Nektar ab und versorgt die ersten Larven allein. Sobald die ersten Arbeiterinnen schlüpfen, übernehmen diese Nahrungssuche und Brutpflege, während die Königin sich auf die Eiablage konzentriert. Von Juli bis September bringt die Kolonie Männchen und neue Königinnen hervor. Diese verlassen das Nest, wobei Männchen Strecken von bis zu acht Kilometern zurücklegen können, um sich mit Individuen aus anderen Kolonien zu paaren. Alte Königin, Arbeiterinnen und Männchen sterben vor Wintereinbruch, nur die neu begatteten Jungköniginnen überleben in Diapause bis zum folgenden Frühjahr. Die Kolonie ist insgesamt von April bis Oktober aktiv, wobei Dauer und Zeitpunkt von Temperatur, Niederschlag und Blühzeitpunkt der Umgebung abhängen.
Ursachen des Bestandsrückgangs
Die genaue Ursache des schnellen Rückgangs ab den 1990er Jahren ist bis heute nicht abschließend geklärt, da er einsetzte, bevor systematische Hummelerfassungen üblich waren. Der Hummelforscher Robbin Thorp stellte die Hypothese auf, dass in kommerziellen Aufzuchtbetrieben eingesetzte Hummeln der Art Bombus impatiens mit einer virulenten Variante des Mikrosporidiums Nosema bombi infiziert waren, die ursprünglich von der europäischen Dunklen Erdhummel Bombus terrestris stammte. Über den Kontakt kommerziell aufgezogener mit wildlebenden Hummeln könnte sich der Erreger auf Bombus affinis und weitere nordamerikanische Arten ausgebreitet haben. Spätere wissenschaftliche Untersuchungen stützten wesentliche Teile dieser Hypothese und belegten, dass kommerziell gehandelte Hummeln zur Verbreitung von Nosema bombi in Wildpopulationen beigetragen haben.
Die aktuelle Bestandsbewertung des U.S. Fish and Wildlife Service geht von einem Zusammenwirken mehrerer Faktoren aus: Krankheitserreger, der Einsatz von Insektiziden und Fungiziden, Lebensraumverlust und -verschlechterung, Konkurrenz durch nicht heimische und kommerziell gehaltene Hummeln sowie die Folgen des Klimawandels. Eine Untersuchung von Pollenproben aus Museumssammlungen der Jahre 1913 bis 2013 ergab dabei keinen Hinweis darauf, dass eine Verringerung der genutzten Blütenpflanzenarten den Rückgang ausgelöst hat, da sich die genutzte Bandbreite an Pollenquellen über den gesamten Untersuchungszeitraum kaum veränderte.
Schutzstatus und Schutzmaßnahmen
Am 10. Januar 2017 nahm der U.S. Fish and Wildlife Service Bombus affinis in die Liste der gefährdeten Arten nach dem Endangered Species Act auf. Damit wurde sie die erste Hummelart, die im Kernland der Vereinigten Staaten unter diesem Gesetz geschützt wurde. Bereits 2016 waren sieben hawaiianische Maskenbienenarten der Gattung Hylaeus gelistet worden, für Hummeln auf dem nordamerikanischen Festland war es jedoch ein erstmaliger Schritt. In Kanada wurde die Art 2010 im Rahmen des Species at Risk Act als gefährdet eingestuft, die International Union for Conservation of Nature führt sie seit 2015 als vom Aussterben bedroht.
Der U.S. Fish and Wildlife Service hat seither Zonen mit hohem und niedrigem Vorkommenspotenzial kartiert, um Genehmigungen für Forschungsfänge zu steuern und Bundesbehörden bei der Prüfung von Bauvorhaben im Sinne des Endangered Species Act zu unterstützen. Ehrenamtliche Meldungen über Portale wie Bumble Bee Watch tragen dazu bei, verbliebene Vorkommen außerhalb der bekannten Kernräume zu erfassen. Der Erhalt naturnaher, blütenreicher Flächen von April bis September innerhalb eines Umkreises von etwa 800 Metern um mögliche Nistplätze gilt dabei als zentrale Voraussetzung für das Überleben verbliebener Kolonien.
Quellen
- U.S. Fish and Wildlife Service: Rusty Patched Bumble Bee (Bombus affinis), https://www.fws.gov/species/rusty-patched-bumble-bee-bombus-affinis
- Xerces Society for Invertebrate Conservation: Rusty Patched Bumble Bee, https://xerces.org/endangered-species/species-profiles/at-risk-bumble-bees/rusty-patched-bumble-bee
- Federal Register: Endangered and Threatened Wildlife and Plants; Endangered Species Status for Rusty Patched Bumble Bee, 11. Januar 2017, https://www.federalregister.gov/documents/2017/01/11/2017-00195/
- Animal Diversity Web: Bombus affinis, https://animaldiversity.org/accounts/Bombus_affinis/
- Minnesota Wood-Nesting Bee Atlas: Bombus affinis, https://minnesotabeeatlas.umn.edu/species-guide/bees/bombus/bombus-affinis
- Illinois Department of Natural Resources: Rusty-patched Bumble Bee, https://dnr.illinois.gov/education/wildaboutpages/wildaboutinvertebrates/wildaboutnativebees/family-apidae/wabwrustypatchedbumblebee.html
- Scholar Valparaiso University (The Great Lakes Entomologist): Observations on Colony Size in Bumblebees (Bombus spp.), https://scholar.valpo.edu/cgi/viewcontent.cgi?article=1299&context=tgle
- USGS: A century of pollen foraging by the endangered rusty patched bumble bee, https://www.usgs.gov/publications/a-century-pollen-foraging-endangered-rusty-patched-bumble-bee-bombus-affinis
- IUCN Red List: Bombus affinis, Hatfield et al. 2015, https://www.iucnredlist.org/species/44937399/46440196
- Foto: jenniferf4, Beobachtung vom 09.08.2026, Coon Rapids, MN, USA. inaturalist.org/observations/390180247, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert