Bombus terrestris xanthopus

Bombus terrestris xanthopus ist eine Unterart der Dunklen Erdhummel, die ausschließlich auf Korsika sowie auf einzelnen Inseln des Toskanischen Archipels vorkommt. Kriechbaumer beschrieb sie 1870 anhand eines Exemplars von Korsika, das heute in der Zoologischen Staatssammlung München aufbewahrt wird. Innerhalb der Art Bombus terrestris zählt xanthopus damit zu den am engsten begrenzten Unterarten überhaupt.

  

Die Verbreitung wurde erst durch neuere molekulargenetische und morphologische Untersuchungen genauer erfasst. Lange ging man davon aus, dass die Unterart neben Korsika nur auf den Inseln Elba und Capraia vorkommt. Umfassendere Erhebungen im Toskanischen Archipel zeigten jedoch, dass reine xanthopus-Tiere und Übergangsformen über sämtliche sieben Inseln der Inselgruppe verteilt sind, darunter auch Giannutri.

info hummelAuf der Insel Capraia galt Bombus terrestris terrestris nach 1917 über ein Jahrhundert lang als verschwunden, bis die Nominatform 2021 dort erneut nachgewiesen wurde. Ob es sich um eine bislang übersehene Restpopulation oder um eine neue Einwanderung vom Festland handelt, ist bisher nicht geklärt.

Bestimmungsmerkmale

Bombus-terrestris-xanthopusXanthopus unterscheidet sich von der auf dem europäischen Festland verbreiteten Nominatform Bombus terrestris terrestris vor allem durch die Farbe der hinteren Hinterleibssegmente. Das Nackenschild fehlt oder besteht nur aus wenigen gelben Haaren, die Tergite eins bis drei sind schwarz oder tragen ebenfalls nur vereinzelte gelbe Haare. Ab dem vierten Tergit wechselt die Behaarung zu einem kräftigen Rotbraun bis Rot, das sich bis zum Hinterleibsende zieht. Auch die Cuticula und die Beinbehaarung sind in diesem Bereich rötlich gefärbt, während die Nominatform ein weißes Hinterleibsende zeigt. Dieses Muster erlaubt eine Unterscheidung der beiden Formen im Feld, sofern keine Übergangstiere vorliegen.

Genau solche Übergangstiere erschweren die Bestimmung in der Praxis erheblich. Auf mehreren Inseln des Toskanischen Archipels und vereinzelt auch an der toskanischen Festlandküste wurden Tiere mit einer Zwischenfärbung gefunden, die weder eindeutig xanthopus noch eindeutig terrestris zuzuordnen sind. Sie gelten als Hinweis auf eine fortlaufende Vermischung der beiden Formen.

Hybridisierung und taxonomischer Status

Wo beide Formen aufeinandertreffen, paaren sie sich offenbar ohne größere Barrieren. Auf einigen Inseln des Archipels existieren reine xanthopus-Populationen, auf anderen ausschließlich Übergangsformen, auf wieder anderen kommen beide Typen nebeneinander vor. DNA-Barcoding-Untersuchungen bestätigten dabei für einen Großteil der Tiere eine Übereinstimmung zwischen äußerem Farbmuster und genetischer Zuordnung, wobei ein Anteil der Population molekular nicht eindeutig einer der beiden Gruppen zugeordnet werden konnte.

Der taxonomische Rang von xanthopus wurde in der Fachliteratur lange unterschiedlich bewertet. Nach molekularen und chemischen Untersuchungen wurde 2015 vorgeschlagen, die Form als eigenständige, auf Korsika endemische Art zu behandeln. Andere Analysen kamen bei denselben Daten zu widersprüchlichen Ergebnissen.

Inzwischen wird xanthopus als eigene Art geführt, allerdings mit einer ausdrücklichen Einschränkung. Paul Williams wertete 2021 die Barcode-Daten mit einem verbesserten Verfahren neu aus und stellte fest, dass das Ergebnis davon abhängt, welche Art man als Bezugspunkt an die Wurzel des Stammbaums setzt: Mit der einen kommt xanthopus als eigene Art heraus, mit der anderen nicht. Er entschied sich dafür, die Form als Art zu behandeln, und schrieb dazu, dass dies nur vorläufig gelte und diese Unsicherheit sichtbar machen solle. Die Weltartenliste von 2026 mit ihren 289 Arten führt Bombus xanthopus entsprechend als eigenständige Art.

Unabhängig von dieser Frage hält Williams eines fest: Für den Erhalt des besonderen Erbguts dieser Inselpopulationen ist es wichtig, dass Bombus terrestris im engeren Sinn nicht zur Bestäubung in ihr Gebiet eingeführt wird.

Dieser Beitrag behält den Titel Bombus terrestris xanthopus bei, weil die Form unter diesem Namen seit Jahrzehnten in der Literatur steht. Gemeint ist dieselbe Hummel.

Vorkommen auf dem Festland und Schutzrelevanz

Ein einzelnes Männchen mit einer Zwischenfärbung zwischen xanthopus und terrestris wurde 1999 auch an der toskanischen Festlandküste gefangen, weit außerhalb des bisher bekannten Verbreitungsgebiets der Inselform. Dieser Fund gilt als möglicher Hinweis darauf, dass sich Merkmale von xanthopus über den Archipel hinaus auf das Festland ausbreiten könnten, wurde aber bislang nicht durch weitere Nachweise bestätigt.

Da xanthopus auf ein kleines Inselgebiet beschränkt ist, gilt die Unterart als naturschutzfachlich bedeutsam. Der Import gebietsfremder Bombus-terrestris-Unterarten für die Gewächshausbestäubung wird in diesem Zusammenhang als Risiko für die genetische Eigenständigkeit der Inselpopulationen diskutiert, da eingeschleppte Tiere mit xanthopus hybridisieren könnten.

Quellen

  • Williams, P.H. (2021): Not just cryptic, but a barcode bush: PTP re-analysis of global data for the bumblebee subgenus Bombus s. str. Journal of Natural History 55: 271 bis 282
  • Williams, P.H. et al. (2026): Evolutionary tree for all bumblebee species world-wide estimated by combining information from fast-evolving genes, slow-evolving genes, and genomic data (Apidae, Bombus). Insects 17: 540
  • Rasmont, P., Coppée, A., Michez, D., De Meulemeester, T. (2008): An overview of the Bombus terrestris (L. 1758) subspecies. Annales de la Société Entomologique de France, 44(2), 243-250. (www.atlashymenoptera.net/biblio/01000/211_Rasmont_et_al_2008_Overview_Bombus_terrestris_ASEF_2008_44_2_243_250_full.pdf)
  • Pasquali, L. et al. (2025): Colour pattern and DNA-barcoding reveal a wide distribution of the insular endemic bumble bee Bombus xanthopus in the Tuscan Archipelago. Journal of Insect Biodiversity and Systematics. (www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/24750263.2025.2513385)
  • Manino, A. et al.: Bombus terrestris terrestris (Linnaeus, 1758) and hybrids with the endemic Bombus xanthopus spotted on Capraia Island (Tuscan Archipelago, Italy): some conservation management implications. PMC10097771. (www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC10097771)
  • Intoppa, F. et al.: First report of Bombus terrestris xanthopus Kriechbaumer on the Italian peninsula. Annales de la Société entomologique de France (N.S.), 48(3-4). (www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/00379271.2012.10697783)
  • Foto: pieterrr, Beobachtung vom 12.06.2026, 20122 Quenza, Frankrijk. inaturalist.org/observations/370842938, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert

Bewerte diesen Beitrag

(1 Bewertungen gesamt. Ø 5,00 / 5)

Über Stefan

Töging am Inn (Südostbayern), 398m
  • Du musst angemeldet sein, um auf dieses Thema antworten zu können.