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Aktive Ansiedlung von Hummelköniginnen

Ansicht von 15 Beiträgen - 241 bis 255 (von insgesamt 272)
  • Autor
    Beiträge
  • #69721 Antworten
    Christian
    Forenmitglied

    Möchte an meinen Beitrag vom 5. April anschließen. Meine zahlreichen Nistkästen werden seit Jahren passiv besiedelt, aber mit der Ausnahme, dass ich extrem seltene Hummelarten doch aktiv einsetze, wenn ich denn überhaupt Königinnen sehe. Seit Jahren habe ich z.B. keine Waldhummel-Königin mehr gesehen, die letzte Arbeiterin hier erst im Juli letzten Jahres. Nun flog heute erstmals heuer überraschend eine auf Nestsuche durch meinen Garten, und ich konnte sie behutsam fangen und in einen leeren Nistkasten einsetzen und gleich den Vorbau schließen. Nun ist sie schon ein paar Mal zurückgekommen. Aber ich weiß aus dem Buch von Eberhard v. Hagen, dass gerade Waldhummeln sich plötzlich wieder anders entscheiden und ausziehen. So ist es mir vor Jahren schon einmal ergangen, aber da habe ich zu voreilig den Vorbau geschlossen. Bin voll begeistert, denn bald beginnen hier die Bauern zu mähen und die Waldhummel ist sicherer im Nistkasten als ev. in einem Nest am Feldrand. :-) Beste Grüße! Christian, Oö.

    #69722 Antworten
    janfo
    Moderator

    Tolle Neuigkeiten @Christian

    Habe noch nie eine Waldhummel in Natura gesehen. Bei solch seltenen Arten befürworte ich auch die aktive Ansiedlung wenn man weiß was man tut.

    Ich wünsche dir und vor allem der Hummel viel Erfolg! :hummel:

    lg Jan

    #69724 Antworten
    Christian
    Forenmitglied

    @ Jan, danke! Sind faszinierende Hummeln, man hört den hohen Summton schon von Weitem. Bin gespannt, ob auch mal wieder eine Veränderliche bei mir vorbei schaut. Auch hier ist mir vor Jahren einmal eine aktive Ansiedlung geglückt, aber leider auch nur kurz. Schloss viel zu früh den Vorbau, weil so viele Hornissenköniginnen auf Nestsuche im Garten unterwegs waren. Lb.Gr.! Christian

    #71853 Antworten
    Martha
    Forenmitglied

    Achtung vor vermeintlich suchenden Hummeln im späten Frühjahr.

    Hummeln einfangen, die bereits Pollenhöschen tragen oder solche, die einfach nur auf Nektarsuche sind, sie dann in einen Kasten verfrachten, weil er noch nicht bewohnt ist, kann schief ausgehen, ja sogar ein zukünftiges Volk verhindern.

    Wenn Hummeln im “Sammeltrieb” sind, das heisst, sie sammeln instinktiv, sie sammeln weiter, auch in einem anderen Kasten oder Ort. Irgendwann merkt die Königin dann,  dass sie doch nicht im ursprünglichen Nest ist, wo sie vielleicht bereits ein Ei gelegt und ein Nektartöpfchen gegründet hat. Sie bricht ab und verschwindet. Das erste, selbstgefundene Nest geht verloren und damit vielleicht ein ganzes Volk.

    Aktive Ansiedlung und Ehrgeiz.

    Ich weiss nicht, ob ich die richtigen Worte dafür habe und weiss auch nicht recht, woher dieser Impuls kommt. Aber in letzter Zeit geschieht es mir immer wieder, dass ich aktive Ansiedlungen als eine Art von Ehrgeiz empfinde. Man will um jeden Preis die Kästen besiedelt wissen; ob da was wahres dran ist? Eine Tendenz zur Selbstprofilierung? Ich weiss es nicht.

    #71855 Antworten
    Hans-Juergen Schubert
    Forenmitglied

    Als Tipp zur schonenden aktive Einsetzung kann ich folgendes Empfehlen: Ihr könnt in die Fake Mäuselöcher einen je ca. 25cm langen schwarzen Teichschlauch 25-32 mm Durchmesser einlegen. Dieser ist am unteren Ende mit eiem Stein oder ä. verschlossen und sollte nicht zu fest im Loch sitzen. Wenn die Hummel nun auf Nestsuche in das “Mäuseloch” klettert, dann einfach schnell obere Öffnung abdecken und den Schlauch entnehmen und dann vor den Hummelhauseingang halten. Die Hummel merkt dabei gar nichts vom aktiven Einsetzen.

    Das schöne dabei ist, das die Hummel nicht verletzt werden kann.

    So, nun  muss ihr nur noch das Nest gefallen und loslegen. Da mir dieser Prozess erst vor kurzem eingefallen ist, werde ich ihn in der nächsten Saison sicher anwenden. :hummel:

    #71856 Antworten
    Martha
    Forenmitglied

    @Hans-Juergen    Die Praxis, die Du beschreibst, ist sicher in Ordnung und empfehlenswert, wenn man denn aktiv ansiedeln will.
    Aber ich habe manchmal den Eindruck, dass die Hummeln nicht nur in Fake Mäuselöcher abgeholt werden, um diese Thematik geht es mir in meinem Beitrag.

    #71858 Antworten
    janfo
    Moderator

    Ist ein Vorschlag über den es sich nachzudenken lohnt. Insofern danke für die Idee.

    Allerdings sehe ich 3 Probleme:

    1. Ein 25cm Loch bohren ist manchmal gar nicht so leicht je nachdem wie der Boden beschaffen ist. (Vielleicht tut es aber auch ein kürzerer Gang)

    2. Wenn ich mich in die Hummel hineinversetze: Sie sieht ein Loch krabbelt hinein, dann dreht sie um, weil der Stein/Verschluss im Weg ist, somit kann es sein, dass die Hummel das Loch schon aufgegeben hat. Dann krabbelt sie zurück und landet im Nistkasten wenn alles nach Plan verläuft. Es könnte sein, dass die Chancen für eine Ansiedlung durch diesen Umstand verringert sind.

    3. Man müsste sehr gut aufpassen, dass der Schlauch nicht geknickt wird beim herausholen oder beim Tragen zum Nistkasten, das könnte im schlechtesten Fall die Hummel ernsthaft verletzen.

    Außerdem ist es fraglich, ob die Hummel wirklich “gar nichts” merkt, da der Schlauch ja bewegt wird sprich aus dem Loch heraus gezogen und zum Nistkasten getragen. Ob das jetzt die Hummel verunsichert ist von Fall zu Fall verschieden.

    Kann funktionieren, aber meine Ansicht zum Thema aktives Einsetzen ist ja bekannt.
    Bei Selbstansiedlung ist die Verletzungsgefahr gleich 0 und die menschlichen Eingriffe sind auf ein absolutes Minimum (Deko, Bereitstellung des Nistkastens) beschränkt. Es findet keine unnatürliche, menschliche Selektion statt. (bei seltenen Arten befürworte ich u.U. das aktive Einsetzen mit einer möglichst schonenden Methode und wenn man bereits Erfahrung damit hat) Die Hummel wird keiner Störung/Stress ausgesetzt.
    Jetzt alles aufzuzählen würde zu weit führen, dafür verfasse ich evtl. in der Winterpause mal einen Fachbeitrag.

    #71859 Antworten
    HP 22927
    Forenmitglied

    Hallo Martha,

    du hast Recht, wenn du sagst, daß es Hummelbegeisterte gibt, die alle Kästen besetzt haben wollen und dafür alles tun. Das Einsetzen ab Mai bei den meisten Arten ist wenig erfolgversprechend und bringt wohl mehr Schaden als Nutzen. Hier braucht man Erfahrung, um zu erkennen, ob es eine Okkupantin, eine mit Nematoden infizierte oder wirklich noch eine Nistplatzsuchende ist.

    Ich gebe zu, in den Anfängen auch den Fehler gemacht zu haben, im Mai noch eine Hummelkönigin ansiedeln zu wollen. Heute bin ich froh, daß alle (i.d.R. Erdhummeln) einfach wieder abgeflogen sind ohne sichtbaren Schaden zu nehmen.

    Natürlich freue auch ich mich, wenn so viele Kästen wie möglich besetzt sind. Aber nicht um jeden Preis. Im zeitigen Frühjahr einzusetzen war bei mir durchweg erfolgreich. Eine Königin zu verlieren kann immer passieren. Traurig, aber nicht zuvermeiden.

    Hans-Jürgen,

    deine Idee mit dem unten verschlossenen Rohr im Fakeloch ist genial. Wird nur Martha nicht gefallen – so wird das aktive Einsetzen noch schonender….

    LG in die Runde

    HP

     

    #71860 Antworten
    PetraS
    Forenmitglied

    Hallo Martha,

    “Aktive Ansiedlung und Ehrgeiz”. Du denkst mir da quasi aus der Seele. Ich habe bei einigen Berichten über aktive Nistkastenbesetzungen mehrmals gedacht: “Geht es eigentlich noch um Hummelschutz?”. Oder “doch” nur darum, möglichst viele Kästen zu besetzen? Viellicht wäre es für beide Seiten besser (wenn es denn schon aktiv sein muss), ab und an mal einen Schritt zurückzutreten, nur zu beobachten und nicht gleich in Aktion zu verfallen. Denn, ein leerer Kasten ist keine Niederlage.

    Liebe Grüße
    Petra

    #71863 Antworten
    Martha
    Forenmitglied

    @HP 22927  Hallo!

    Du schreibst unter anderem, dass es Hummelbegeisterte gibt, die alle Kästen besetzt haben wollen und dafür alles tun.

    Leider werden aus jenem Grund oft solche Königinnen gefangen, die nicht wirklich auf Wohnungssuche sind. Z.B. solche, die sich am Boden nur kurz ausruhen wollen und dafür ein geeignetes Plätzchen suchen oder solche, die nur einen “quasi ” Suchflug hinlegen, weil sie auf der Suche nach ihren Lieblingsblüten sind. Diese Hummelbegeisterten sind dann schnell bereit, dieses Verhalten nach ihren Vorstellungen zu interpretieren und sind davon so verzaubert, endlich eine gefangen zu haben. Ich glaube dir aber sofort, dass dies bei dir nicht der Fall ist.

    Bei der passiv Ansiedlung kann dies alles nicht passieren. Schon deshalb befürworte ich sie.

    Wissen wir Menschen denn wirklich, wie Hummeln funktionieren oder sind wir einfach davon überzeugt, es zu wissen?

    @janfo   Wer der Ernst der Lage erkennt, bohrt trotzdem ein Loch, auch wenn es etwas Anstrengung kostet. Ich freue mich bereits riesig auf deinen angesagten Fachbeitrag. Der Winter kommt bestimmt. :winken:

     

    #71864 Antworten
    Martha
    Forenmitglied

    Hallo Petra!   Danke Dir!

    #71865 Antworten
    janfo
    Moderator

    @Martha

    Wer der Ernst der Lage erkennt, bohrt trotzdem ein Loch, auch wenn es etwas Anstrengung kostet.

    Da hast du natürlich recht. Bei meinem steinig, lehmigen Boden bräuchte man dafür aber selbst für 25cm schon schweres Gerät, das hätte ich nichtmal zur Verfügung.

    Stimme Petra und auch dir zu. Die Hummeln sollen immer im Vordergrund stehen, ob man nun “Erfolg” hat mit einer Nistkastenbesetzung oder nicht ist da zweitrangig. Selbst ohne Besiedelung kann man für Hummeln einiges tun (z.B. Pflanzen setzen oder indirekt durch gute Lebensbedingungen für Mäuse (Strukturreichtum)) und diese Beobachten. Oder man tut etwas für die vielen anderen Wildbienenarten, da ist die Erfolgswahrscheinlichkeit (je nach Art) auch oft recht hoch.

    Wissen wir Menschen denn wirklich, wie Hummeln funktionieren oder sind wir einfach davon überzeugt, es zu wissen?

    Darauf antworte ich mit einem Nein, wir wissen bei weitem noch nicht alles. Daher bin ich auch immer dafür möglichst wenig Einfluss zu nehmen, die Auswirkungen sind für uns kaum abschätzbar (Eindeutig positiver Einfluss davon ausgenommen). In der Natur ist alles miteinander aufs engste verzahnt und steht in Wechselwirkungen.

    #71869 Antworten
    HP 22927
    Forenmitglied

    Hallo Hans-Jürgen,

    bei deiner Fakelochvariante solltest du ein innen rauhes Plastikrohr verwenden, um eine – wie von Jan befürchtet – mögliche Verletzung der Hummel durch Knicken des Schlauches beim Transport auszuschließen.

    An alle schreibenden Mitglieder:

    Wir sollten bei Neulingen immer auf passives Ansiedeln dringen. Wenn ich so manchen Beitrag lese, bekomme ich immer häufiger Angst um das Wohl der Hummeln. Wenn man 1 oder 2 Jahre Erfahrungen gesammelt hat (insbesondere durch Beobachtung und richtiges Deuten des Hummelverhaltens) und es gute Gründe für ein aktives Ansiedeln gibt, ist es meines Erachtens dann i.O.

    Aktiv vs . passiv – ein endloses Thema.

    Geht liebevoll mit unseren brummeligen Freunden um.

    LG

    HP

    #71874 Antworten
    PetraS
    Forenmitglied

    Hallo Hans-Jürgen Schubert,

    vielleicht solltest du bei deinem Enthusiasmus für den neuen Prozess bedenken, dass Hummeln lebende Wesen sind und nicht etwas, an dem wir etwas ausprobieren sollten.

    Liebe Grüße
    Petra

    #71907 Antworten
    janfo
    Moderator

    Ich denke, dass dahinter die Überlegung steht die aktive Ansiedlung schonender zu gestalten. Mit ein paar Optimierungen, welche die u.A. von mir genannten Probleme beseitigen könnte es eine Möglichkeit sein.

    Dennoch würde ich, wie gesagt, das aktive Ansiedeln nur in Ausnahmefällen befürworten. Für diese Ausnahmefälle ist es gut, wenn man eine einfache, vor allem schonende Methode kennt.

Ansicht von 15 Beiträgen - 241 bis 255 (von insgesamt 272)
Antwort auf: Aktive Ansiedlung von Hummelköniginnen
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