Der Orientierungsflug einer Hummelkönigin

Sobald die ersten warmen Sonnenstrahlen des Frühlings den Boden erwärmen, erwachen die im Vorjahr begatteten Hummelköniginnen aus ihrer Diapause. Bevor sie mit der Suche nach einem geeigneten Nistplatz beginnen, widmen sie sich zunächst der notwendigen Stärkung an den ersten Blüten, um anschließend zielgerichtet nach einem passenden Ort für ihren neuen Staat Ausschau zu halten.

Hat die Königin einen passenden Standort für eine Nistgelegenheit wie etwa ein verlassenes Mäusenest oder einen Hohlraum in einer Mauer entdeckt, muss sie sich diesen Standort nun genau einprägen um ihn später immer wieder zu finden. Die Königin fliegt bei ihrem ersten Ausflug nicht einfach zielgerichtet davon, stattdessen absolviert sie einen sogenannten Orientierungsflug. Dieses Verhalten dient dazu, sich die Umgebung des Nesteingangs detailliert einzuprägen.

info hummelDie visuelle Gedächtnisleistung der Hummelkönigin ist so exzellent, dass sie selbst bei starken Veränderungen der unmittelbaren Umgebung das Nest wieder sicher finden kann, wobei sie sich an Formen und markanten Landmarken orientiert, die sie während ihres Orientierungsflugs exakt abgespeichert hat.

Der Orientierungsflug gliedert sich in zwei aufeinander aufbauende Phasen. Zunächst beginnt die Königin sehr niedrig über dem Boden, oft nur wenige Zentimeter über dem Nesteingang, um diesen präzise zu fixieren. In der darauf folgenden Phase vergrößert sie ihren Pendelflug schrittweise. Sie steigt dabei kontinuierlich in die Höhe und kreist in immer weiteren Schleifen um den Standort, um markante Geländestrukturen in ihre visuelle Karte aufzunehmen. Die Höhe die dabei erreicht wird ist unterschiedlich, da die Hummelkönigin die Flughöhe dynamisch an die Komplexität der umgebenden Topografie anpasst.

Während die Hummelkönigin ihre Kreise zieht, verarbeitet ihr Gehirn eine Vielzahl an Informationen. Aufmerksame Beobachter und geübte Hummelhausbesitzer können an diesem Verhalten ablesen, ob eine Ansiedlung erfolgreich verlief, oder nicht. Eine Königin, die sich lediglich kurz aus dem Loch fallen lässt und sofort in schnellem Flug davonzieht, zeigt wenig Interesse an dem inspizierten Ort. Zeigt sie hingegen ausdauerndes Kreisen und kehrt mehrfach zum Eingang zurück, deutet dies darauf hin, dass sie den Platz als Niststätte akzeptiert hat.

Dieses Lernverhalten stellt sicher, dass die Königin nach der aufwendigen Nahrungssuche, bei der sie Pollen und Nektar für die erste Brut sammeln muss, zielsicher zu ihrem Nest zurückkehrt. Nach diesem Orientierungsflug beginnen manche Hummelköniginnen sogleich mit dem Nestbau und tragen schon 20 Minuten später Pollen ein.

info hummelEin Einflug mit Pollenhöschen ist immer ein sicheres Indiz dafür, dass eine Nestgründung stattgefunden hat.

Andere Hummelköniginnen kommen erst am nächsten Tag wieder zurück und beginnen dann mit der Nestgründung.

Quellenverzeichnis

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