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Hummelsachkunde

Ansicht von 10 Beiträgen - 1 bis 10 (von insgesamt 10)
  • Autor
    Beiträge
  • #4173 Antworten
    Kai
    Forenmitglied

      Gelegentlich wird ja in der Literatur oder im Netz darauf verwiesen, dass bei einem aktiven Besatz eines Hummelnistkastens der Tatbestand der Entnahme erfüllt sein könne und man gegen §42(1) BNatSchG verstieße. Es wird dann der Rat erteilt, sich die Genehmigung der zuständigen Behörde einzuholen.
      Einmal davon abgesehen, dass ich mir kaum vorstellen kann, dass eine Behörde dieses Vergehen ernsthaft verfolgt, frage ich mich, wie eine solche Genehmigung denn zu erlangen ist? Hat jemand so etwas mal durchexerziert?
      Im Gegensatz zur Imkerei, wo man in der Regel eine Imkerschulung besucht, scheinen sich doch die meisten Hummelfreunde dieses Naturschutzhobby selber anzueignen. Zwar gibt es hier und da mal ein Wildbienenseminar, jedoch nichts, womit sich qualifiziert eine Fach- oder gar Sachkunde nachweisen lassen könnte.
      Wie soll also eine Behörde eine Prüfung dahingehend vornehmen, sofern man keinen akademischen Abschluss in Biologie erlangt hat? Man kann ja auch schlecht darlegen, schon seit Jahren gegen das BNatSchG verstoßen und somit eine gewisse Übung im Besatz von Hummelnistkästen zu haben. Oder als Anfänger angeben, dass man von Hagens Buch gelesen hat und darum geeignet sei, eine Ausnahmegenehmigung zu erlangen.
      Hat jemand Erfahrungen mit dem Thema?

      #4178 Antworten
      Babakai (S-H)
      Forenmitglied

        Hi,
        wie ist eine Ausnahmegenehmigung zu erlangen? Der Hummelpapst Eberhard von Hagen schreibt in seinem Hummelbuch, dass Sondergenehmigungen von der Behörde erteilt werden, wenn die Hummelnistkästen z.B. für Führungen und Vorträge benutzt werden. Als “normaler” Hummelschützer wird womöglich keine Genehmigung erteilt. Ist auch nicht so dramatisch, wenn es im ersten Jahr nicht sofort klappt, denn früher oder später finden die Hummeln den Nistkasten auch von allein.

        Anmerkung: Mir ist leider aufgefallen, dass hier viel darüber zu finden ist, dass Hummeln für den Besatz gefangen werden. Dieses macht den Eindruck, dass der Besatz nicht aus Gründen des Artenschutzes stattfindet, sondern nur um endlich ein Haus zu besetzen und die Hummel gewissermassen dazu genötigt bzw gezwungen wird den Nistkasten anzunehmen. Aus diesem Grunde hatte ich auch schon auf den Bundesartenschutz hingewiesen.

        #4179 Antworten
        dpskernie
        Forenmitglied

          Hallo zusammen,
          ich bin neu hier im Forum, lese aber schon eine ganze Weile die Themen mit. Seit über einem Jahr beschäftige ich mich nebenbei mit dem Leben der Hummeln in unserem Garten. Leider konnte ich bisher noch keine Zeit finden, mir einen eigenen Nistkasten zu bauen, werde es aber wohl hoffentlich im Laufe dieses Jahres schaffen und dann ebenfalls meine Erfahrungen machen.
          Zum Thema “aktives Besetzen von Nistkästen” kann ich von meiner Seite aus nur folgendes sagen:
          Tiere nehmen eigentlich künstliche Nistkästen immer wieder gerne an, wenn er ihnen zusagt und er ihren natürlichen Bedürfnissen genügt. Dies konnte ich bei meinen unterschiedlichen Nistkästen für Vögel und Fledermäuse beobachten. Das wichtigste, was man allerdings selbst dabei haben sollte, ist Geduld. Mein Fledermauskasten z.B. wurde erst nach Jahren angenommen und wird nun immer regelmäßig besucht. Auch unser kleiner Gartenteich war anfangs relativ unbewohnt und hat sich im Laufe der Jahre zu einem Tummelplatz unterschiedlicher Tiere gemausert.
          Wer dennoch bei Hummeln zu wenig Geduld hat, sollte meiner Meinung nach nur Hummelköniginnen aktiv einsetzen, die er direkt in unmittelbarer Nähe zum Nistkasten (z.B. im eigenen Garten, …) findet. Da ist man dann auf der sicheren Seite, dass man nur so gering wie möglich in die Natur eingreift. Ich bin schon gespannt, wie es dann bei mir aussehen wird, wenn der Hummelnistkasten fertig ist und im nächsten Frühjahr in unserem Garten steht. Meine intensiveren Beobachtungen in diesem Jahr zeigten, dass ab Mitte bis Ende März sehr viele Hummelköniginnen unterschiedlicher Arten unterwegs waren und alle Nischen und Ecken an unserem Hause sehr genau untersucht haben. Vielleicht habe ich ja auch irgendwo im Garten schon Hummelnester, nur weiß ich es leider nicht.

          #4180 Antworten
          Stefan
          Admin

            Dieses macht den Eindruck, dass der Besatz nicht aus Gründen des Artenschutzes stattfindet, sondern nur um endlich ein Haus zu besetzen und die Hummel gewissermassen dazu genötigt bzw gezwungen wird den Nistkasten anzunehmen.

            Der Eindruck ist falsch. Die hier auf Pollenhöschen.de unter den Fachartikeln aufgeführten Methoden Hummeln anzusiedeln sind 1:1 nach “von Hagen”. Das steht auch so im Impressum. Vor Jahren schon habe ich den betreffenden Artikel ergänzt um auf die rechtliche Problematk des Einfangens im Sinne des Artenschutzes hinzuweisen.

            Falls irgend wo der Eindrucke entstehen sollte hier würde etwas rechtswidriges beworben, so erbitte ich als Seitenbetreiber um Hinweise. Als Seitenbetreiber werde ich die Hinweise prüfen und problematische oder sogar rechtswidrige Stellen entfernen.

            Hierzu erbitte ich per Email um Kontakt. Die Adresse befindet sich – wie es der Gesetzgeber verlangt – im Impressum. Vielen Dank!

            #4184 Antworten
            Harry

              Hummeln…Honigbienen…Naturschutzgesetz…..Artenschutz….Landwirtschaft.
              Die Diskussionen über das BNatSchG und seinen Ausnahmegenehmigungen enden oft in einem Wirrwar an Vorschriften und grundsätzlichen Aussagen. Diese Diskussion ging schon vor Jahren durch die Hummelforen.
              Um einen Vergleich zwischen Honigbienen und Hummeln herzustellen muss man wissen, das Honigbienen Nutztiere sind und sie je nach belieben des Imkers abgetötet werden dürfen. Auch ein Schädlingsbekämpfer darf störende Honigbienenvölker abtöten. Bei Hummeln oder Hornissen sieht es anders aus. Dieses sind wild lebende Tiere die dem BNatSchG unterliegen. Da gibt es wieder Tiere der besonders geschützten Art und alle übrigen. Liest man in diesen Vorschriften, ist es sehr schwer etwas über Hummeln zu finden.
              Wie weit bricht man dieses Naturschutzgesetz herunter? Bis auf Fliegen und Mücken oder ist da irgendwo eine Grenze?
              Ober gibt es eine moralische Grenze?
              Ich denke dabei unwillkürlich an die 50 Millionen lebendig geschredderten Eintagsküken pro Jahr oder an die Ferkelkastration ohne Betäubung.
              Diesem Gedankensprung kann ich mich nicht entziehen, wenn ich an das Einsetzen von Hummeln in einen Nistkasten denke und der Frage: Ist es erlaubt?
              Das Einsetzen von Hummelköniginnen in einen Nistkasten ist meiner Meinung nach ein Hinweis für die Hummel, dass es hier einen trocknen guten Nistplatz für sie gibt.
              Wenn es ihr nicht gefällt, wird sie den Nistkasten verlassen und sich etwas anderes suchen. Dieses Einsetzen sollte nicht übertrieben werden, und ein Hummelfreund sollte wissen, dass eine zwanghafte Ansiedlung bei Hummeln nicht funktioniert.
              Das Naturschutzgesetz ist wichtig. Ackerrandstreifen sowie ausreichende Naturflächen neben unserer monokulturellen Landwirtschaft sind von großer Wichtigkeit, damit nicht noch mehr Wildbienenarten aussterben. Neonicotinoide und andere Insektizide machen den Hummeln zu schaffen und bedrohen ihre Vielfalt. Hummeln brauchen blühende Flächen, damit sie Pollen und Nektar für ihre Brut sammeln können.

              #4185 Antworten
              Kai
              Forenmitglied
              Beitragsersteller

                Zum Thema aktive vs. passive Ansiedlung möchte ich mal meine Situation schildern.
                Wir wohnen in einem schmalen Mehrparteienhaus in einer größeren norddeutschen Stadt. Vor dem Haus alles betoniert, eine viel befahrene Straße, dahinter eine Hausreihe mit Garagenhöfen. Zur anderen Seite haben wir einen kleinen Garten (10m breit), der terrassenförmig an einen (durch die Stadtverwaltung immer kurz gemähten) Deich anschließt. Auf diesem befindet sich ein viel befahrener und begangener asphaltierter Weg, dahinter Wasser. Wir haben Nachbarn, die meinen, einen Beitrag zur Biodiversität zu leisten, indem sie sich auf 60qm zwei verschiedene Hunderassen halten. Landschaftsgestaltung wird auch schonmal mit Glyphosat vom Arbeitgeber durchgeführt und der Rasen für den Wauwau immer schön gemäht.
                Ich finde, unter diesen Umständen ist ein aktiver Besatz wirklich gerechtfertigt. Ich sorge damit doch schon einmal dafür, dass die Hummel zumindest bei der Nestsuche nicht mehr ausfallen kann. “Unsere” Hummel habe ich auf der mittleren Stufe unseres Terassengartens gefunden und sie ganze 4 Meter verbracht, nämlich auf die nächste Stufe, wo der Nistkasten steht. Würden wir auf dem Lande wohnen und hätten den Luxus von Fläche, auf der man – bei entsprechendem Trachtangebot – 20 Hummelkästen aufstellen kann, so mag man vielleicht argumentieren, dass die Hummeln schon was finden werden.
                Ich bin ja schon heilfroh, dass ich hier (auch wegen einigen völlig verblödeten Nachbarn) überhaupt einen Kasten aufgestellt bekomme und Teile des Gartens naturnah gestalten kann. Und natürlich freue ich mich, dass er angenommen wurde und fiebere jeden Tag, ob die Hummel es schafft, ein Nest zu gründen. Ich denke, das ist auch völlig normal und steht dem Naturschutzgedanken nicht im Wege. Und wie Harry ja bereits schrieb, sind es eben die anthropogenen Einflüsse, die für das Verschwinden der Wildbienenarten ursächlich sind. Dass dann Menschenhand für den Schutz zum Einsatz kommen muss, ist, solange an der schädlichen Praxis unserer Lebensweise nichts geändert wird, eine logische Konsequenz.

                #4188 Antworten
                Stefan
                Admin

                  die meinen, einen Beitrag zur Biodiversität zu leisten, indem sie sich auf 60qm zwei verschiedene Hunderassen halten.

                  :happy: :happy: :happy:

                  Sehr schön geschrieben, vielen Dank!

                  :-) :-) :zwinker:

                  #4265 Antworten
                  Detter
                  Forenmitglied

                    Manchen Mitbürgern kann man es nicht Recht machen. Sie wollen lieber einen natürlichen “Hummeltod”, als eine aktive Einsetzung zur Arterhaltung. Nur wer sich ganz sicher ist, dass die Hummel in Suchstimmung ist, sollte eine “aktive Einsetzung” ausnahmsweise durchführen. Ansonsten lieber die Finger von lassen und abwarten. Eigentlich müsste es ja auf dem Lande genügend natürliche Nistmöglichkeiten (Mäuselöcher usw.) geben? In der Stadt ist (fast) alles zugepflastert.
                    Was ist mit den Hummelzüchtern, aus Belgien und Deutschland? Ist dort alles Artgerecht? Wo kommen denn da die Hummeln her? Irgendwann muss ja mal dort eine Königin eingefangen worden sein?

                    #4268 Antworten
                    Doris
                    Forenmitglied

                      Mann Leute, lasst uns doch Schluss machen mit dieser fruchtlosen Diskussion. Es nervt wirklich.
                      Soviel zu halbvoll oder halb leer.

                      Ich gehe davon aus, dass sich jeder, und auch wirklich jeder Hummelfan, seiner Verantwortung voll bewusst ist.
                      Meines Erachtens ist jedes Handeln, dass dem Wohle dieser dicken, fliegenden Brummer dient, o.k. ist.
                      Jeder Laie kann sich auf diversen Internetseiten schlau machen oder hier im Forum Fragen stellen, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist.
                      Viel wichtiger sollte doch sein, solche Foren zu nutzen, um Erfahrungen auszutauschen. Ich muss sagen, dass ich erst seit letztem Jahr aktiv mein Herz für Hummeln erwecken konnte. Und es war und ist für mich persönlich überaus wichtig, mich mit Gleichgesinnten auszutauschen; sei es um aktive Ansiedlung, Nistkästen o.ä. Themen.

                      Wenn sich nun jemand persönlich angesprochen fühlt, stehe ich gern für einen “Schlagabtausch” zur Verfügung.
                      Einen schönen Abend noch, allen Hummelfans viel Freude an ihrer immens wichtigen Tätigkeit für den Artenschutz
                      und optimistische Grüße, dass dieses Forum wieder zu dem wird, als was es gedacht war.
                      PS: Einen riesigen Dank an dieser Stelle an Stefan, der sich unermüdlich für Sachlichkeit und aktuelle Informationen und für unsere Belange einsetzt.
                      Wer jemals so eine WebSite ins Leben ruft, ständig am Leben erhält und dazu nichts aus den Augen lässt im Interesse der User, der weiß, was er leistet.
                      So. Nun genug.
                      Freundliche Grüße an Euch von Doris

                      #4274 Antworten
                      Stefan
                      Admin

                        Hui, jetzt werde ich aber rot. Danke!

                        Ich denke es ist alles gesagt, ich mach hier mal zu und schließe das Thema. :angel:

                      Ansicht von 10 Beiträgen - 1 bis 10 (von insgesamt 10)
                      Antwort auf: Hummelsachkunde
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