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Bauschäden durch Hummeln im Dach?

Ansicht von 7 Beiträgen - 1 bis 7 (von insgesamt 7)
  • Autor
    Beiträge
  • #62364 Antworten
    Kirsten
    Forenmitglied
    Buchtip:

    Hallo zusammen, ich bin neu hier im Forum und hoffe auf fachkundige Rückmeldung von den Hummelspezialisten hier. Ich bin als ehrenamtliche Hornissenberaterin tätig und da bleibt es nicht aus, dass ich auch zu anderen Artengruppen gerufen werde (Wespen, Honigbienen, Hummeln, Wildbienen). In Bezug auf die oberirdisch nistenden Hummeln (aktuell Baumhummeln unter Dachziegeln im Niedrigenergiehaus) wird insbesondere immer von Vermietern, Hauseigentümern die Frage nach möglichen Bauschäden gestellt. In der Regel liest man auf den Webseiten der Hummelfreunde, dass keine Bauschäden verursacht werden. Auf den Seiten der Schädlingsbekämpfer steht leider oft das Gegenteil. So haben die Hauseigentümer regelmäßig Angst vor z.B. Schäden an der Dämmung, der Dampfsperre o.ä. und wollen einen Garantieschein, dass die Hummeln ja nichts kaputt machen. Ich würde gern meine Argumentation auf Quellen in der Fachliteratur stützen. Ist euch ein Fachbuch, eine einschlägige Veröffentlichung bekannt, auf die ich mich beziehen könnte? Oder habt ihr schon einmal Bauschäden durch Hummeln wahrgenommen. Ich habe schon Stunden im Internet zu diesem Thema verbracht. Da waren sogar Schilderungen, dass die Wachsmotten der Hummeln zu Beschädigungen der Dampfsperren führen würden. Ich bin gerade etwas ratlos. Vielleicht habt ihr ja noch eine hilfreiche Idee für mich. Viele Grüße, Kirsten

    #62393 Antworten
    Manfred HH
    Forenmitglied

    Hallo Kirsten,

    ich berate auch zu Hummeln und Hornissen und da taucht die Frage nach Bauschäden immer mal wieder auf. Hummeln verursachen keine Bauschäden. Die nestgründende Königin prüft bereits bei der Nistplatzwahl ob der Platz für das zukünftige Nest ausreicht. Anders als bei Hornissen gibt es auch keine Probleme durch Abfall unter dem Nest. Wachsmotten können sich durch nichts durchfressen. Baumhummeln sind gute Rückkehrer, d.h. wenn deine Klienten im kommenden Jahr nicht erneut Hummeln im Dach haben möchten, muss das Flugloch und alle Löcher in unmittelbarer Nähe nach der Saison verschlossen werden.

    LG Manfred

    #62417 Antworten
    Kirsten
    Forenmitglied
    Beitragsersteller

    Hallo Manfred, vielen Dank für deine Rückmeldung! Mir ist diese Einschätzung insoweit bekannt und ich freue mich über jede Bestätigung. Ich hatte dazu vor allem im vergangenen Jahr intensiver recherchiert und auch in Foren nachgefragt. Man findet sie auch auf den einschlägigen Seiten im Internet – leider auch das Gegenteil bei den Schädlingsbekämpfern. Das verunsichert die Leute natürlich – mich anfangs auch.

    Die Hummeln können wohl ganz schön “zubeißen”. Ich habe mal ein Erdhummelnest in einem großen Karton vorgefunden. Da hatte sich das Volk mächtig viele Papierschnipsel gemacht und angehäuft.

    Ich hätte einfach gern eine verlässliche Quelle (Fachbuch, Fachveröffentlichung), auf die ich mich entsprechend beziehen kann. Die Argumentation wäre fundierter und würde nicht als Beraterlatein in Frage gestellt werden.
    :-)

    Nochmal danke und LG
    Kirsten

    #62419 Antworten
    Bulli
    Forenmitglied

    Hallo,

    Hummeln können bei EPS-Hartschaumplatten die angeschnittenen Kügelchen aushöhlen. Aber bei den Kontaktflächen der Kugeln mit anderen Kugeln hört’s schon auf. Sie können Löschpapier zerbeißen, aber trockenen Karton (Wellpappe) nicht. Feuchte matschige Wellpappe ist allerdings zerbeißbar.

    Wenn sich Hummeln irgendwo einnisten, kann es sein, dass sie ein Vogelnest wiederverwenden. Die Vögel können mit ihren Schnäbeln viel Schaden bereits im letzten oder vorletzten Jahr angerichtet haben.

    Wachsmottenlarven drücken sich durch Löcher, die nur halb so groß sind wie ihr eigener Durchmesser, wenn sie sich verpuppen wollen. Sie können wachsartige Materialien fressen, wie Polyethylen. Sie können auch Wellpappe zerfressen und in Holz Rillen anlegen, um sich zu verpuppen. Allerdings können sie nicht in das Holz hinein bohren. Bei Hartschaumplatten sieht das anders aus. EPS wird jedenfalls zerfressen, auf der Suche nach einem guten Ort zum verpuppen.
    Auch habe ich die Verpuppungsstadium schon in – anscheinend – geschlossenporigen Neoprenschaumstoff gefunden. Die ca. 3 bis 4 cm langen Röhren hatten sich die Tiere selbst gegraben/gebohrt. Die Röhren waren weitgehend parallel.

    Ob sie atmungsaktive Spannbahnen zerstören können, weiß ich nicht. Wenn sie aus einem PET-Vlies sind, werden sie es locker können. Wenn die Dampfsperrschicht aus einer PE-Folie ist, können Wachsmottenlarven auf jeden Fall durch.

    VG Bulli

    #62420 Antworten
    Kirsten
    Forenmitglied
    Beitragsersteller

    Hallo Bulli, das ist ja dann eher beunruhigend. Auf der Seite eines Holzfachmanns, der wohl irgendwas mit Dacharbeiten zu tun hatte, hatte ich das mit den Wachsmotten gelesen. Der hatte das angeblich bei Dacharbeiten festgestellt. Kann das zu energetischen Problemen führen? Sind sicher eher kleine Löcher. Ich verstehe nichts von Dächern und weiß nicht, was da verbaut wird. Und ich weiß auch nicht, wie viele Wachsmottenlarven wie lange im Dach leben und Schaden anrichten können. Mir ist nicht klar, welche Handlungsempfehlungen sich aus dieser Erkenntnis für uns Berater*innen ableiten.

    VG Kirsten

    #62498 Antworten
    Bulli
    Forenmitglied

    @Kirsten

    In einem Dach mit alter Bauweise ohne Dampfsperre oder Dampfbremse wird es keine Probleme geben.

    Sie können Holz nicht strukturell schwächen. Wenn sie sich verpuppen sondern sie keine Feuchtigkeit ab und der Lebenszyklus ist so, dass sie bis zum Winter schon wieder aus dem Dach raus sind.

    Schwierig ist es bei Konstruktionen mit Dampfbremse oder Dampfsperre. Diese wird mit Klebestreifen auf Holz und Stein verklebt, um Dichtigkeit herzustellen. Wenn die Wachsmottenlarven einen Ort zur Verpuppung suchen, dann suchen sie nach Spalten. Wenn die Spalten zu eng sind, werden sie versuchen sie zu weiten oder die Oberfläche abzuraspeln, damit sie einen Kokon spinnen können. Das führt dann dazu, dass sie sich in den Bereich quetschen, wo die Folie am Balken verklebt ist. Das Klebeband wird auf Zug beansprucht und löst sich. Weil die Larven der Hummelnestmotte nicht alleine Verpuppen, sondern immer in Gruppen, werden viele Kokons das Klebeband ablösen (Beispiel).

    Die Möglichkeit, dass PE gefressen wird, sehe ich eigentlich nur dort, wo Dampfsperrfolie zwischen zwei Hölzern durchläuft und der Spalt für die Verpuppung zu schmal ist. Da wird nach meiner Meinung die Gefahr bestehen, dass Wachsmotten den Bereich ein wenig erweitern, indem sie die Folie fressen.

    Die Wachsmotten können sich durch EPS durchfressen, wodurch da eine Isolation durchbohrt wird.

    Ob das “wichtige” Schäden sind, weiß ich nicht. Bausachverständige wissen, dass die Dampfsperre oder die Dampfbremse jedes Jahr in der Wirkung nachlässt (Blowdoor-Tests). Ob solche Schäden quasi “drin” sind, kann ich nicht sagen.

    Letztendlich gibt es auch Wachsmotten, die Wespen- und Hornissennester “aufräumen”. Darum müsste es bei diesen ein ähnliches Problem geben. Wegen des größeren Gewichts von schmackhaften Waben, vermute ich beim Hummelnest mehr Wachsmotten, die sich verpuppen wollen.

    Ob die Hummelwachsmotten aktiv nach PE-Dampfbremsfolien suchen und sie fressen, weiß ich nicht. Zumindest habe ich davon nicht gelesen. Auffällig war nur, dass sich in PE-Gefäßen gefangene Wachsmotten daraus “heraus fraßen”. Siehe Hummelfreund und siehe hier.

    Ich würde vom Beratungsstand zu den Wachsmotten in Wespen- und Hornissennestern auf die Schäden durch die Hummelwachsmotten approximieren.

    Letztendlich können nur Sachverständige für den Einzelfall herausfinden ob und welche Schäden Vögel, Hummeln und Wachsmotten anrichteten.

    VG Bulli

    #62511 Antworten
    Kirsten
    Forenmitglied
    Beitragsersteller

    @Bulli, vielen Dank für die ausführlichen Erklärungen und Verlinkungen. Das war für mich sehr hilfreich.

    Was bedeutet dies nun für die Beratungspraxis? Wenn der Berater kontaktiert wird, sind ja die Hummeln schon da.

    Eine Umsiedlung im Dachbereich traue ich mir selbst nicht zu. Aber das ist vielleicht ein eigenes Thema. Jedenfalls würde mit dem Hummelnest die Wachsmottenproblematik hinfällig werden.

    Wie sähe das bei einer Abtötung aus? Zunächst ist fraglich, ob eine Abtötung unter den beschriebenen möglichen Folgen durch Wachsmotten vertretbar wäre. Würde das dann auch das Wachsmottenproblem beheben oder würden sich nach der Abtötung der Hummeln dann doch die Wachsmotten über das alte Hummelnest hermachen? Hängt das von der Vernichtungsmethode ab?

    VG Kirsten

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Antwort auf: Bauschäden durch Hummeln im Dach?
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