Wildpflanzen für Raupen und Falter

Wer Schmetterlinge anlocken möchte, muss den Blick auch auf die oft unscheinbaren Raupen richten. Ohne die gefräßigen Larven gibt es keine Schmetterlinge. Viele heimische Schmetterlingsarten sind bei der Eiablage und Nahrungssuche hochspezialisiert. Sie benötigen ganz bestimmte Pflanzen, um das Überleben ihrer Nachkommen zu sichern.

Zehn Wildpflanzen für Raupen und Falter

Brennessel
Die Große Brennnessel ist die wichtigste Kinderstube für heimische Falter. Die Raupen von Tagpfauenauge, Admiral, Kleiner Fuchs und Landkärtchen ernähren sich fast ausschließlich von ihren Blättern. Ein sonniger Flecken im Garten mit einem Brennnesselhorst ist daher das wirksamste Naturschutzprojekt auf kleinem Raum.

Wilde Möhre
Diese zweijährige Wildpflanze bildet im zweiten Jahr wunderschöne weiße Dolden, die eine Vielzahl von Insekten anziehen. Für die prächtigen Raupen des Schwalbenschwanzes ist die Wilde Möhre eine der Hauptnahrungsquellen. Sie lässt sich auch gut im tiefen Kübel auf dem Balkon ziehen.

Gewöhnlicher Natternkopf
Mit seinen leuchtend blauen Blütenständen ist der Natternkopf ein Magnet für ausgewachsene Schmetterlinge. Die Pflanze gedeiht auf mageren, trockenen Böden und ist extrem hitzeresistent. Während die Falter den reichhaltigen Nektar trinken, nutzen einige Nachtfalterarten das Kraut als Raupenfutter.

Wiesen Flockenblume
Die violetten Blütenköpfe dieser ausdauernden Wildpflanze bieten Schmetterlingen wie dem Großen Ochsenauge oder dem Hauhechel Bläuling eine verlässliche Nahrungsquelle von Juni bis Oktober. Sie ist anspruchslos und wächst sowohl im Gartenbeet als auch im größeren Balkonkasten.

Echter Tymian
Der wild wachsende oder im Garten kultivierte Thymian verzaubert durch seinen Duft. Die winzigen Lippenblüten enthalten extrem zuckerreichen Nektar, der für kleine Schmetterlingsarten lebenswichtig ist. Die Raupen des Thymian Bläulings sind zudem auf die Blütenknospen angewiesen.

Wegwarte
Die himmelblauen Blüten der Wegwarte öffnen sich meist nur am Vormittag. Dennoch werden sie in dieser Zeit intensiv von verschiedenen Weißlingen und Edelfaltern besucht. Die tiefe Pfahlwurzel macht die Pflanze unempfindlich gegenüber längeren Trockenperioden im Sommer.

Gewöhnlicher Hornklee
Der Hornklee ist eine Schlüsselpflanze für die Biodiversität. Seine gelben Blüten sind die Hauptnahrungsquelle für die Raupen des Hauhechel Bläulings und des Hauhechel Spanners. Gleichzeitig schätzen erwachsene Falter den reichlich angebotenen Nektar.

Knautie
Auch als Witwenblume bekannt, zieht diese Pflanze mit ihren purpurfarbenen Blütenköpfen vor allem den Abbiss Scheckenfalter an. Sie blüht unermüdlich den ganzen Sommer über und lässt sich wunderbar mit Wildgräsern im Garten kombinieren.

Rote Lichtnelke
Diese Wildpflanze öffnet ihre Blüten tagsüber und zieht Tagfalter an, verströmt aber besonders abends einen feinen Duft. Dadurch lockt sie in den Nachtstunden auch wichtige Nachtfalter an, deren Raupen wiederum an den Kapselfrüchten fressen.

Fenchel
Der wilde Fenchel ist mit seinem fiedrigen Laub nicht nur dekorativ, sondern neben der Wilden Möhre die absolute Lieblingsspeise der Schwalbenschwanzraupen. Die filigranen gelben Doldenblüten im Spätsommer bieten zudem Nahrung für späte Faltergenerationen.

info hummelEinige Schmetterlingsraupen besitzen die faszinierende Fähigkeit, über ihre Haut bestimmte Giftstoffe der Futterpflanzen aufzunehmen und im eigenen Körper zu speichern. Dadurch werden die Raupen für Vögel und andere Fressfeinde ungenießbar, was einen hocheffektiven evolutionären Schutzmechanismus darstellt.

Zehn Stauden für Blütenpracht und Artenschutz

Wasserdost
Der Gewöhnliche Wasserdost wird im Volksmund nicht umsonst Kunigundenkraut oder Hirschheiderich genannt. Seine großen, rosa Blütenstände stehen im Spätsommer in voller Blüte und werden oft von Dutzenden Faltern gleichzeitig belagert, darunter der seltene Russische Bär.

Blaukissen
AlsTeppichstaude eignet sich das Blaukissen ideal für die Einfassung von Beeten oder für Balkonkästen. Da es bereits im zeitigen Frühjahr ab April blüht, stellt es eine der ersten wichtigen Energiequellen für überwinterte Falter wie den Zitronenfalter dar.

Purpur Sonnenhut
Die Echinacea ist ein Klassiker im Staudenbeet. Mit ihren großen, strahlenförmigen Blüten zieht sie im Hochsommer Admiral, Distelfalter und Kaisermantel magisch an. Die Staude benötigt einen sonnigen Standort und nährstoffreichen Boden.

Fetthenne
Die Große Fetthenne lagert Wasser in ihren dickfleischigen Blättern und eignet sich perfekt für trockene Standorte und Balkone. Ihre späte Blütezeit im September und Oktober hilft den Faltern, sich wichtige Fettreserven für den Winterschlaf oder den langen Flug in den Süden anzufressen.

Kugeldistel
Die stahlblauen, perfekt runden Blütenköpfe dieser imposanten Staude sind ein architektonischer Blickfang. Schmetterlinge sitzen oft stundenlang auf den Kugeln, da jede einzelne Kugel aus Hunderten kleinen Einzelblüten besteht, die kontinuierlich Nektar nachproduzieren.

Phlox
Der Flammenblume genannte Phlox verströmt einen intensiven, süßlichen Duft. Dieser Duft lockt vor allem Schmetterlinge mit sehr langen Rüsseln an, wie zum Beispiel die eleganten Taubenschwänzchen, die im Kolibriflug vor den Blüten verharren.

Herbstaster
Wenn sich das Gartenjahr dem Ende neigt, schlagen die Herbstastern ihre große Stunde. Sie bieten Admiralen und Tagpfauenaugen den letzten reichhaltigen Nektar vor dem Wintereinbruch. Astern sind absolut winterhart und pflegeleicht.

Salbei
Der Steppensalbei bietet mit seinen violetten Blütenkerzen eine langanhaltende Blütezeit, wenn er nach dem ersten Flor zurückgeschnitten wird. Er zieht vor allem Dickkopffalter und verschiedene Weißlingsarten an, die den leicht zugänglichen Nektar schätzen.

Mädchenauge
Mit unermüdlicher gelber Blütenpracht erfreut diese Staude von Juli bis zum Frost. Das Mädchenauge ist extrem ausdauernd und wird von vielen kleineren Edelfaltern als Landeplatz und Nahrungsquelle genutzt.

Gelenkblume
Diese feuchtigkeitsliebende Staude eignet sich gut für halbschattige Gartenbereiche. Ihre rosa oder weißen Blütenlippen werden von größeren Faltern angeflogen, die kräftig genug sind, die Blütenklappen aufzustoßen, um an den tief sitzenden Nektar zu gelangen.

Garten und Balkon nicht zu früh aufräumen!

Um die Raupen und auch die im Puppenstadium überwinternden Generationen nicht zu gefährden, sollten Stauden, Wildpflanzen und verblühte Stängel auf keinen Fall im Herbst zurückgeschnitten werden. Viele Schmetterlingsarten heften ihre Eier im Spätsommer an die Pflanzenteile, oder die Raupen verpuppen sich direkt an den vertrockneten Stängeln und überwintern dort bodennah oder in Bodennähe.

Der ideale Zeitpunkt für den Rückschnitt ist daher das zeitige Frühjahr, am besten erst ab Mitte März oder April, wenn die Temperaturen dauerhaft steigen und die ersten Falter bereits geschlüpft sind. Wer den Garten im Winter dennoch etwas aufräumen möchte, sollte das Schnittgut nicht häckseln oder entsorgen, sondern locker in einer geschützten Gartenecke aufschichten, damit die darin festsitzenden Puppen und Raupen im Frühling ihren Lebenszyklus unbeschadet vollenden können.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Bundesamt für Naturschutz: Pflanzen für Schmetterlinge und ihre Raupen, abrufbar unter www.bfn.de
  • Naturschutzbund Deutschland: Den Garten schmetterlingsfreundlich gestalten, abrufbar unter www.nabu.de
  • Naturgarten e.V.: Wildpflanzen für Raupen und Falter, abrufbar unter www.naturgarten.org
  • Bellmann, Heiko: Der neue Kosmos Schmetterlingsführer. Schmetterlinge, Raupen und Futterpflanzen. Franckh Kosmos Verlag, Stuttgart.

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Stefan

Über Stefan

Töging am Inn (Südostbayern), 398m