Biologischer Schutz im Hummelkasten durch Schlupfwespen

Der Schutz von Hummelnestern in künstlichen Nisthilfen gewinnt im Naturschutz zunehmend an Bedeutung. Eine der größten Bedrohungen für ein gesundes Hummelvolk ist die Hummelnestmotte. Die Raupen dieses Nachtfalters ernähren sich von den Vorräten, den Kokons und der Brut der Hummeln, was häufig zur vollständigen Zerstörung des Staates führt. Neben mechanischen Barrieren wie Mottenklappen hat sich der gezielte Einsatz von nützlichen Insekten als biologische Gegenmaßnahme etabliert. Hierbei werden gezielt winzige Schlupfwespen der Gattung Trichogramma eingesetzt.

Die Funktionsweise der Trichogramma-Schlupfwespen

Trichogramma evanescensDie nur wenige Millimeter großen Trichogramma-Schlupfwespen arbeiten als hocheffiziente Eiparasitoide. Das bedeutet, dass sie gezielt nach den Eiern der Hummelnestmotte suchen, um ihre eigenen Eier darin abzulegen. Die Wespe durchsticht die Schale des Motteneies und deponiert ihr Ei im Inneren. Die heranwachsende Larve der Schlupfwespe ernährt sich daraufhin von dem Inhalt des Motteneies. Dadurch wird die Entwicklung der zerstörerischen Mottenraupe bereits im Keim erstickt. Nach der Verpuppung schlüpft aus dem zerstörten Mottenei eine neue Generation von Schlupfwespen, die sofort die Suche nach weiteren Gelegen im Hummelkasten aufnimmt. Für die erwachsenen Hummeln und deren Brut sind die Schlupfwespen völlig harmlos.

info hummelBei der Suche nach den Eigelegen verlassen sich die Trichogramma-Schlupfwespen auf einen fein abgestimmten Geruchssinn: Sie registrieren die Duftstoffe und feinen Schuppen erwachsener Hummelnestmotten und können darüber selbst in dicht gepacktem Nistmaterial die winzigen Eigelege aufspüren. Dadurch lässt sich eine Mottenpopulation im Kasten oft schon eindämmen, bevor die erste Raupe schlüpft.

Anwendung und Ausbringung im Hummeljahr

Da die Hummelnestmotte meist ab Mai aktiv wird, sollte die Freisetzung der Schlupfwespen rechtzeitig und koordiniert erfolgen. Im Handel werden die Nützlinge größtenteils auf kleinen Pappkärtchen geliefert, auf denen sich parasitierte Eier in verschiedenen Entwicklungsstadien befinden. Diese Kärtchen werden direkt im Hummelkasten platziert, idealerweise geschützt vor Feuchtigkeit und direktem Zugriff der Hummeln, damit die schlüpfenden Wespen ungehindert ihre Arbeit aufnehmen können. Da die adulten Schlupfwespen nur eine begrenzte Lebensdauer haben, wird die Ausbringung im Abstand von etwa drei Wochen mehrmals wiederholt, um den gesamten Aktivitätszeitraum der Motten im Sommer abzudecken.

info hummelhaus bauanleitungBei der Suche nach Bezugsquellen oder Anleitungen lohnt sich ein gezielter Suchbegriff: Die allgemeine Bezeichnung „Schlupfwespe“ führt im Handel zu ganz unterschiedlichen Arten mit unterschiedlicher Wirkung. Zielführender sind Suchbegriffe wie „Trichogramma Hummelkasten“ oder „Trichogramma Wachsmotte“, mit denen sich die passenden Helfer-Kärtchen zuverlässig finden lassen.

Für den erfolgreichen Einsatz der nützlichen Trichogramma-Schlupfwespen spielt die Temperatur im Hummelkasten eine wichtige Rolle. Die winzigen Helfer entwickeln sich bei Werten zwischen 22 und 28 °C optimal. Zwar sind sie in einem Bereich von 15 bis 35 °C aktiv, jedoch stellt eine Temperatur unter 15 °C eine kritische Grenze dar, da sich die Entwicklung der Wespen dann stark verlangsamt und sie ihre Aktivität weitgehend einstellen. Extreme Hitze über 35 °C kann für die Nützlinge sogar tödlich sein. Sollten die Kärtchen nicht sofort ausgebracht werden, lassen sie sich kurzzeitig für 1 bis 2 Tage bei 8 bis 12 °C lagern. Ein großer Vorteil beim Hummelschutz ist die biologische Eigenregulation, da Hummeln ihr Nest aktiv auf etwa 28 °C aufheizen und somit im Inneren des Stockes von Natur aus optimale Bedingungen für die Parasitierung der Wachsmotteneier herrschen.

Übersicht der Temperaturbereiche

Über 35 °C Es droht eine hohe Sterblichkeit der Tiere.
22 bis 28 °C Ideale Bedingungen für eine schnelle Entwicklung.
15 bis 35 °C Allgemeiner Aktivitätsbereich der Wespen.
Unter 15 °C Die Entwicklung stagniert stark, und die Tiere verfallen in Inaktivität.
8 bis 12 °C Empfohlener Bereich für eine kurzzeitige Lagerung von maximal zwei Tagen.

Quellen und weiterführende Informationen

  • Informationen zur Biologie und Anwendung von Trichogramma auf der Fachseite von Biohelp: https://www.biohelp.at
  • Details zur biologischen Schädlingsbekämpfung und Nützlingen bei Sautter und Stepper: https://www.nuetzlinge.de
  • Hinweise zum Schutz von Wildbienen und Hummeln beim Bundesamt für Naturschutz: https://www.bfn.de

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  • Dieses Thema hat 13 Antworten sowie 3 Teilnehmer und wurde zuletzt vor 6 Tagen, 1 Stunde von HummelpapaHummelpapa aktualisiert.
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  • Autor
    Beiträge
  • #95588
    Martha
    Forenmitglied
      • CH
      • 545 m

      Erwähnenswert wäre noch der Temperatur Bereich. Kritisch sind Temperaturen unter 15°C. Ideal 15°C bis 35°C.

       

      #95591
      Stefan
      Admin
      Beitragsersteller
        • DE 84513
        • 398 m

        Hallo Martha!

        Du meinst bei der Anwendung im Hummelnest?

        Dank Dir!

        Grüße Stefan

        #95600
        Martha
        Forenmitglied
          • CH
          • 545 m

          Hallo Stefan!

          ja, laut biologischen Beratungen ist das so. Bei Temperaturen unter 15°C stellen diese Wespen ihre Aktivitäten ein. Ideal sind Nesttemperaturen 20°C bis 27°C, dann arbeiten sie am effektivsten. Aber die Hummeln schaffen das schon selbst. :hummel: :hummel:

           

           

          #95635
          Stefan
          Admin
          Beitragsersteller
            • DE 84513
            • 398 m

            Danke @Martha!

            Ich hab jetzt bei verschiedenen Anbietern geschaut, die sind sich mit den Temperaturen grundsätzlich einig, genauso wie Du es gesagt hast. Ich habe es ergänzt! Danke für den Hinweis!

            Grüße Stefan :blume:

            #95638
            Stefan
            Admin
            Beitragsersteller
              • DE 84513
              • 398 m

              Damit alles seine Ordnung hat, werden die Schlupfwespen hier jetzt auch, neben Bacillus thuringiensis, als wirksame Bekämpfung gegen Wachsmotten geführt.

              Biologischer Schutz im Hummelkasten durch Schlupfwespen

              Grüße Stefan

              #95760
              Martha
              Forenmitglied
                • CH
                • 545 m

                Einen vorzüglich artikulierter Artikel über die TRICHOGRAMMA Schlupfwespe. Nun haben die Hummel Freunde eine sehr gute Alternative zu Bt (Bacillus thuringiensis), der Toxine (Giftstoffe) erzeugt und dann wie ein Insektizid wirkt. Es ist zu hoffen, dass diese Alternative zu Bt vermehrt Anwendung findet.

                #97128
                Hummelpapa
                Forenmitglied
                  • DE 74523
                  • 338 m

                  Hallo,

                  Ich habe diese Jahr meine Hummelhäuser mit Schlupfwespen geschützt. Mitte Mai wenn es warm wird und die WM anfangen zu fliegen bestellt man sich Schlupfwespen und setzt diese im Haus ein. Drei von vier Häusern hatten keine WM, das vierte war ein Provisorium und die Schlupfwespen nicht optimal platziert. Geschlechtstiere hatten alle Häuser.

                  Wenn man eine 3er Lieferung kauft ist man 9 Wochen geschützt dies sollte in den meisten Fällen ausreichen. Wenn das Volk länger da ist kann man noch etwas nachbestellen.

                  Im nächsten Jahr werde ich es ohne SW versuchen. Meine Häuser haben ich dafür sicherer gemacht. War einiges an Arbeit und einiges Material, dafür muss ich keine SW kaufen.

                  Welchen Vorteil die SW haben werde ich vielleicht dann Ende nächstes Jahr wissen. Werde weiterhin berichten.

                  Euer Hummelpapa Micha

                  #97129
                  Stefan
                  Admin
                  Beitragsersteller
                    • DE 84513
                    • 398 m

                    Danke für den Erfahrungsbericht @Hummelpapa!

                    Du kannst das Hummelhaus noch so sicher gestalten, 100% baulichen Schutz gegen Wachmotten gibt es leider nicht. Das ist meine Erfahrung. Gut, dass die Schlupfwespen so erfolgreich “funktionieren “.

                    Grüße Stefan :ja:

                    #97559
                    Martha
                    Forenmitglied
                      • CH
                      • 545 m

                      Nicht unerwähnt lassen möchte ich die Tarnung der Hummelkästen. In der Natur sind die Nester meist hervorragend getarnt. Die Eingänge sind oft unscheinbar und liegen versteckt unter dichten Wurzeln, Steinplatten, Komposthaufen oder tief im Gras.

                      Da die Kästen unbedingt im Schatten stehen müssen, kann man sie gut mit Schattenpflanzen abschirmen. Z.B. die grosse Sterndolde, dazu ist sie noch ein Insektenmagnet, dann der klebrige Salbei, der Hirschzungenfarn und der grüne Nieswurz. Diese Pflanzen nah beieinander, machen es der Motte nicht mehr so einfach, den Eingang ausfindig zu machen. So meine Erfahrung.

                      #97568
                      Stefan
                      Admin
                      Beitragsersteller
                        • DE 84513
                        • 398 m

                        Eine interessante Beobachtung @Martha! Vielen Dank dafür. Ich hab mich da mal ein bisschen schlau gemacht:

                        Wie Wachsmotten Hummelnester aufspüren

                        Das bedeutet, bei den Wachsmotten wirkt der “umständliche Weg” ins Nest mehr als Abwehr als die optische Tarnung, weil alles über den Geruchssinn geht.

                        Grüße Stefan

                        #97649
                        Hummelpapa
                        Forenmitglied
                          • DE 74523
                          • 338 m

                          Hallo

                          Hier noch weitere Erfahrungen mit den SW.

                          Nachdem alle Völker Geschlechtstiere hatten und sich die Häuser langsam leerten konnte ich noch weiter testen. Ich hatte 5 Lieferungen bestellt, somit hatte ich noch SW zur Verfügung.

                          Bis dahin war alles gut. Dann kam die große Hitze. Wir hatten Temperaturen über 40 Grad. Im Bericht steht bei Temperaturen über 35 Grad droht eine hohe Sterblichkeit der Tiere, und da waren sie. In allen Häusern hatte ich WM. Hier konnte ich nur noch mit BT behandeln. War eine gute Übung ohne Hummeln drin. Jetzt sind alle WM wieder weg und ich habe noch 3 Wochen schutz mit SW. Temperaturen sind auch wieder unter 35 Grad. Sollte keine WM mehr bekommen.

                          Wünsche allen noch eine tolle Hummelsaison

                          Gruß Hummelpapa Micha

                          #97655
                          Stefan
                          Admin
                          Beitragsersteller
                            • DE 84513
                            • 398 m

                            Hallo @Hummelpapa!

                            Wie läuft das ab? Denn wenn man Wachsmottenfalter festgestellt hat, dann eilt es ja in der Regel. Heute bestellt morgen geliefert, oder wie war das bei Dir?

                            Grüße Stefan

                            #97658
                            Hummelpapa
                            Forenmitglied
                              • DE 74523
                              • 338 m

                              Hallo Stefan,

                              Wenn man WM sieht und dann erst die SW bestellt ist es wahrscheinlich schon zu spät. Die Larven schlüpfen schon nach 5 bis 8 Tagen. Da ist das mit erkennen, bestellen und liefern sehr knapp. Die SW parasitieren nur die Eier und nicht die Larven.

                              Hier sollte man sich im Vorfeld dafür entscheiden ob man SW einsetzen möchte. Dann die Wettervorhersage beobachten und etwa Anfang bis Mitte Mai wenn die Temperatur Nachts über 15 Grad liegen und die WM anfangen zu fliegen eine 3er Lieferung je Haus bestellen. Dann ist man für 9 Wochen geschützt. Dies sollte in vielen Fällen ausreichen bis die Geschlechtstiere da sind. Wenn es länger dauert kann man noch nachbestellen oder gleich eine 5er Lieferung nehmen.

                              Also sind die SW schon im Haus wenn die Motten anfangen zu fliegen.

                              Ich wollte damit erreichen das ich meine Hummelhäuser nicht vollständig ausrüsten muss. Mit Gasegitter, Mottenklappe komplett abdichten usw. Desweiteren kann ich nicht jeden Tag die Häuser kontrollieren weil ich beruflich eingespannt bin. Auch wegen dem Klappentraining. So sollten die Schlupfwespen eine gute Alternative sein. Wenn die Temperaturen nicht über 35 Grad liegen.

                              Gruß Hummelpapa Micha

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