Die Wachsmotte aus einem anderen Blickwinkel
Wachsmotten nehmen eine bemerkenswerte Stellung im Insektenreich ein. Während sie für Imker und Hummelfreunde eine absolute Herausforderung darstellen, bietet das Verhalten der Tiere der Wissenschaft eine Fülle an Erkenntnissen. Vor allem die Große Wachsmotte zeigt biologische Fähigkeiten, die in der Natur außergewöhnlich sind.
Besonderheiten des Hörvermögens
In der Tierwelt besitzen Tiere mit ausgeprägten Sinnesorganen oft ein exzellentes Gehör. Die Große Wachsmotte übertrifft jedoch viele Wirbeltiere bei Weitem.
- Das menschliche Gehör nimmt Schallwellen bis zu einer Frequenz von 20000 Hertz auf.
- Fledermäuse nutzen Ultraschalllaute von bis zu 100000 Hertz zur Orientierung.
- Die Große Wachsmotte kann Schallfrequenzen von bis zu 300000 Hertz wahrnehmen.
Dieser Sinn dahinter dient primär dem Schutz vor Fledermäusen. Die Motten registrieren die Annäherung ihrer natürlichen Feinde frühzeitig und reagieren mit Ausweichmanövern oder einem abrupten Fallenlassen, um zu entkommen.
Der Abbau von Kunststoff
Ein viel beachteter Aspekt der Wachsmotte ist die Fähigkeit ihrer Larven, Polyethylen abzubauen. Die chemische Struktur von Bienenwachs ähnelte in ihrer Beschaffenheit den langkettigen Kohlenwasserstoffen in Kunststoffen.
- Die Larven verfügen über spezifische Enzyme in ihrem Verdauungstrakt.
- Diese biologischen Katalysatoren ermöglichen den Abbau von Kunststoffstrukturen in kurzer Zeit.
- Die Forschung untersucht aktuell Möglichkeiten, diese biologischen Prozesse für die Reduktion von Kunststoffmüll nutzbar zu machen.
Die Entwicklung der Wachsmotte
Der Lebenszyklus der Großen Wachsmotte ist eng mit dem Aufenthalt in Hummel- und Bienenstöcken verbunden. Die Falter dringen in der Dunkelheit in die Nester ein und legen dort ihre Eier ab. Die Larven ernähren sich dabei von den Inhaltsstoffen der Waben. Sie bilden dichte Gespinste, die den Schutz der Larven sicherstellen, jedoch das bewohnte Nest nachhaltig schädigen und schließlich zerstören.
Singen mit den Flügeln
Während die meisten Schmetterlinge und Motten lautlos sind, nutzen die Männchen der Wachsmotte echte Ultraschallserenaden. Sie sitzen in der Nähe von Bienenstöcken und Hummelnestern und lassen ihre Flügel in einer extrem schnellen Frequenz vibrieren. Das erzeugt ein für Menschen unhörbares Ultraschalllied. Die Weibchen nutzen ihre empfindlichen Ohren, um den Partner in der Dunkelheit zu orten.
Die Wachsmotte in der medizinischen Forschung
Wachsmottenlarven dienen in der modernen Wissenschaft als Modellorganismen. Sie ersetzen in zunehmendem Maße Versuche an Säugetieren wie Mäusen oder Ratten.
- Das Immunsystem der Larven weist Ähnlichkeiten zum angeborenen Immunsystem des Menschen auf.
- Untersuchungen konzentrieren sich auf die Wirksamkeit neuer antibiotischer Wirkstoffe.
- Die Larven werden zur Prüfung der Aggressivität von Pilzen und Bakterien verwendet.
Quellenverzeichnis
- Bombelli, P. et al.: Polyethylene biodegradation by caterpillars of the wax moth Galleria mellonella, Current Biology, https://www.cell.com/current-biology/fulltext/S0960-9822(17)30343-0
- Moir, J. et al.: Ultrasonic hearing and response in the greater wax moth, Journal of Experimental Biology, https://journals.biologists.com/jeb/article/217/6/911/13018/The-ultrasonic-hearing-of-the-greater-wax-moth
- Breymann, K.: Die Wachsmotte als Modellorganismus in der Mikrobiologie, Springer Fachmedien, https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-662-58837-6_5
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Stefan aktualisiert.
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