Der Zitronenfalter

Der Zitronenfalter Kaum ein anderer heimischer Schmetterling ist so leicht zu erkennen wie der Zitronenfalter. Seine kräftig gelbe Flügelfarbe macht ihn schon aus einiger Entfernung sichtbar, und genau diese Farbe hat ihm auch seinen Namen gegeben. Wissenschaftlich trägt er die Bezeichnung Gonepteryx rhamni und gehört zur Familie der Weißlinge, den Pieridae. Im Jahr 2002 wurde er in Deutschland zum Insekt des Jahres gewählt, eine Anerkennung, die vor allem seiner Rolle als früher Frühlingsbote zu verdanken ist.

Aussehen und Verwechslungsmöglichkeiten

Männchen und Weibchen unterscheiden sich deutlich in der Färbung. Während die Männchen intensiv zitronengelb gefärbt sind, zeigen die Weibchen ein blasses, grünlich weißes Kleid. Beide Geschlechter tragen auf jedem Flügel einen kleinen orangefarbenen Punkt. Die Flügelspannweite liegt zwischen 50 und 55 Millimetern. Charakteristisch sind außerdem die spitz zulaufenden Flügelenden, an denen man den Zitronenfalter gut vom Großen Kohlweißling unterscheiden kann, mit dem vor allem die Weibchen auf den ersten Blick verwechselt werden. Setzt sich der Falter zur Ruhe, klappt er seine Flügel zusammen und zeigt nur die Unterseite. In dieser Haltung ähnelt er einem Blatt, was ihm einen gewissen Schutz vor Fressfeinden verschafft.

Lebensraum und Verbreitung

Der Zitronenfalter ist in weiten Teilen Europas verbreitet und in Deutschland flächendeckend anzutreffen. Er bewohnt Wälder und Waldränder, Gebüsche, Gärten sowie sonnige, felsige Hänge. Je nach Klima kommt er in Höhenlagen von über 2000 Metern vor. Besonders wichtig für seine Verbreitung sind die Vorkommen seiner Futterpflanzen, denn ohne Faulbaum oder Kreuzdorn in der Nähe siedelt sich die Art kaum an.

Vom Ei zum fertigen Falter

Ab April legt das Weibchen seine kegelförmigen Eier einzeln an den Blättern von Faulbaum oder Kreuzdorn ab. Aus diesen Sträuchern stammt übrigens auch der wissenschaftliche Artname, denn die Gattung Rhamnus bezeichnet den Kreuzdorn. Die Raupen schlüpfen nach kurzer Zeit und ernähren sich ausschließlich vom Laub dieser Gehölze. Ihre grüne Farbe bietet ihnen zwischen den Blättern einen wirksamen Sichtschutz. Etwa Anfang Juli verpuppen sich die Raupen, und rund zwei Wochen später schlüpft der fertige Falter. Der Zitronenfalter bildet nur eine Generation pro Jahr, dafür lebt er als erwachsenes Tier ungewöhnlich lange.

info hummelDer Zitronenfalter hält es unter den heimischen Tagfaltern in einer Hinsicht konkurrenzlos: Er ist der einzige mitteleuropäische Schmetterling, der den Winter als ausgewachsenes Tier völlig ungeschützt im Freien überlebt, oft kopfüber an einem Zweig hängend oder unter Laub versteckt. Dabei hält er Temperaturen von bis zu minus 20 Grad Celsius aus, selbst wenn er komplett von Schnee bedeckt ist. Damit erreicht er zugleich die höchste Lebenserwartung aller mitteleuropäischen Schmetterlinge, denn manche Falter werden fast ein Jahr alt.

Überwinterung mit eingebautem Frostschutz

Wie der Zitronenfalter solche Kälte aushält, war lange ein Rätsel und ist heute gut erforscht. Vor dem Winter scheidet er zunächst überschüssiges Wasser aus seinem Körper aus, das sonst zu Eiskristallen gefrieren und die Zellen beschädigen könnte. Anschließend reichert er seine Körperflüssigkeit mit den Zuckeralkoholen Glycerin und Sorbit sowie mit bestimmten Eiweißstoffen an. Diese Stoffe setzen den Gefrierpunkt der Körperflüssigkeit deutlich herab, ganz ähnlich wie es Frostschutzmittel im Kühlwasser eines Autos tun. Sobald im Frühjahr die ersten warmen Sonnentage kommen, reicht das aus, um den Falter aus seiner Winterstarre zu wecken. Man kann ihn deshalb schon an milden Februartagen in lichten Wäldern beobachten, lange bevor die meisten anderen Schmetterlinge aktiv werden.

Verwandte Arten und Verwechslungen

Nah verwandt mit dem Zitronenfalter ist der Kleopatrafalter, der fast ausschließlich im Mittelmeerraum vorkommt. Bei den Männchen dieser Art ist der Vorderflügel orangerot überzogen, während die Weibchen nur einen orangen Wisch auf der Flügelunterseite zeigen. In Mitteleuropa selbst hat der Zitronenfalter kaum Doppelgänger, da seine Flügelform und Farbe zusammen mit seinem frühen Auftreten im Jahr recht eindeutig sind.

Quellen

  • NABU: Zitronenfalter, Frühlingsbote mit eingebautem Frostschutz, nabu.de
  • Wikipedia: Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni), de.wikipedia.org/wiki/Zitronenfalter
  • taz: Überwintern von Insekten, Das große Zittern, taz.de
  • SRF Einstein: Wie überlebt der Zitronenfalter den Winter, srf.ch
  • Naturparke Niederösterreich: Zitronenfalter brauchen keine Gore Tex Jacken, naturparke-niederoesterreich.at
  • Viel Falter, Tagfalter Monitoring Österreich: Zitronenfalter, viel-falter.at
  • Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft: Der Zitronenfalter und sein Frostschutzmittel, waldwissen.net
  • Jaun, A., Joss, S.: Auf der Wiese, Natur erleben, beobachten, verstehen, Haupt Verlag, 2011

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Über Stefan

Töging am Inn (Südostbayern), 398m
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  • Autor
    Beiträge
  • #93319
    Christian
    Forenmitglied
      • A-4800, 4851
      • 420, 510 m

      Für mich gehört ein Faulbaum in jeden Naturgarten, er blüht (unscheinbar) und lange, ist auch eine gut Nahrungsquelle für Bienen und Hummeln. Die Beeren werden gern von Vögeln gefressen. Werde heuer genau darauf achten, ob sich auf meinem Faulbaum Eier/Raupen vom Zitronenfalter befinden – sind allerdings gut getarnt und schwer zu sehen. Faulbäume sind übrigens auch anderweitig sehr interessant (“Pulverholz”).

      #93341
      janfo
      Moderator
        • DE 34233
        • 246 m

        Da kann ich Christian nur zustimmen. Ich hab auch seit 3 Jahren einen Faulbaum im Garten, hoffentlich wird er noch schön groß. Ein sehr wertvolles Gehölz nicht nur für den Zitronenfalter.
        Braucht eher feuchtere Standorte.

        #93450
        Sabine
        Forenmitglied
          • DE 45136
          • 116 m

          So sehe ich das auch, ein gutes Nahrungsangebot für Wildbienen, für Wespen bzw. Hornissen und ein super Vogelnährgehölz.

          Ich habe vor 4 Jahren einen Baum in meinen Kleingarten gepflanzt und einen auf eine städtische Baumscheibe; dieses Jahr sind drei Zitronenfalterbäume im Begleitgrün unseres KGV dazu gekommen.
          Hitze- und Trockenphasen haben die Bäume ohne Giessen bisher gut überstanden.

          Bald ist hier der Austrieb soweit, dass man auf Eiersuche gehen kann – ich bin gespannt!
          Einmal hatte ich schon Glück und konnte die Entwicklung der Gürtelpuppe mitverfolgen.

           

          Foto/Video:
          #93452
          Stefan
          Admin
          Beitragsersteller
            • DE 84513
            • 398 m

            Da beneide ich Euch. Ich hab seit 6 Jahren einen Faulbaum “Fine Line”, da hab ich noch nie ein Insekt oder einen Vogel dran gesehen. Den empfehle ich jetzt mal nicht. :winken:

            Grüße Stefan

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