Das Hummelsterben unter den Linden

Wer im Hochsommer unter einer blühenden Silberlinde steht, findet dort oft zahlreiche tote Hummeln am Boden. Das Phänomen tritt jährlich zwischen Juli und August auf, vor allem in Städten, wo Silberlinden häufig als Straßen- und Parkbaum gepflanzt werden. Lange galt die Ursache als Rätsel.

Zwei frühere Erklärungen erwiesen sich als falsch. Eine Hypothese ging davon aus, dass die Blütezeit der Silberlinde zufällig mit dem natürlichen Absterben der Hummelvölker zusammenfällt. Eine zweite vermutete, der Nektar der Silberlinde enthalte den Zucker Mannose, der für Hummeln und Honigbienen giftig ist. Analysen konnten weder Mannose noch andere schädliche Substanzen im Nektar nachweisen.

Wissenschaftler der Universität Münster fanden in den 1990er Jahren die tatsächliche Ursache: Die Zuckerreserven der toten Tiere waren vollständig aufgebraucht. Die Hummeln verhungern.

Wie das Nektarloch entsteht

Im Frühsommer blühen mehrere Lindenarten sowie zahlreiche andere Pflanzen nahezu gleichzeitig. Sommerlinden blühen im Juni, Winterlinden von Juni bis Juli. In dieser Phase steht ein großes Nektar- und Pollenangebot zur Verfügung. Die Hummelvölker wachsen in dieser Zeit stark an, da genügend Nahrung für die Versorgung der Larven vorhanden ist.

Sobald diese Blütephase endet, sinkt das Nahrungsangebot in vielen Städten deutlich. Die Silberlinde blüht erst später, im Hochsommer, und lockt Hummeln durch einen intensiven Blütenduft an. Ihr Nektar- und Pollenangebot reicht jedoch nicht aus, um die inzwischen gewachsenen Völker zu versorgen. Die Insekten fliegen mit geringen Reserven aus, finden an der Silberlinde zu wenig Nahrung und sterben entkräftet.

info hummelUnter einem einzigen Baum zählten Forscher um Baal und Kollegen im Jahr 1994 während der Blütezeit mehr als 1600 tote Hummeln.

Warum Städte besonders betroffen sind

Die Silberlinde stammt ursprünglich aus Südosteuropa und Kleinasien. Sie verträgt Hitze, Trockenheit und Luftverschmutzung besser als heimische Lindenarten und wurde deshalb vielerorts als Stadtbaum gepflanzt. Dort, wo sie in großer Zahl steht und andere Nektarquellen fehlen, fällt das sommerliche Hummelsterben besonders auf. In Wiesen und an Waldrändern mit einem breiteren Blütenangebot tritt das gleiche Nahrungsproblem seltener oder unauffälliger auf.

Möglichkeiten zur Entlastung

Ein Fällen der Silberlinden, wie es nach Bekanntwerden des Phänomens zeitweise gefordert wurde, gilt heute als nicht sinnvoll. Die Bäume sind nicht die Ursache des Problems, sondern lediglich die letzte verfügbare, aber unzureichende Nahrungsquelle. Wirksamer ist die Pflanzung zusätzlicher, nektarreicher Pflanzen, die im Hochsommer blühen, etwa Lavendel, Katzenminze oder Salbei. Damit steht den Hummelvölkern in der kritischen Phase eine ergänzende Nahrungsquelle zur Verfügung.

Quellen

  • NABU: Sommerliches Hummelsterben, www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/insekten-und-spinnen/hautfluegler/hummeln/02636.html
  • Baal, T., Denzer, S., Fricke, D., Reinhold, K. (1994): Untersuchungen zum Hummelsterben unter Silberlinden. Studie im Auftrag des Landesamtes für Ökologie NRW
  • Universität Münster, Arbeitsgruppe für Bienenforschung, Untersuchungen zu Zuckerreserven verendeter Hummeln, 1990er Jahre

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Stefan

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Töging am Inn (Südostbayern), 398m