Antwort auf: Presseschau

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#5600 Antwort

Martin
Forenmitglied
Beitragsersteller

Diese Woche wurde eine neue Studie von Dave Goulson über wilde Hummelnester veröffentlicht.

Ich denke mir, die Ergebnisse könnten hier einige interessieren. Studien dieser Art sind heutzutage leider extrem selten.

Worum geht’s? Die Wissenschaftler haben wilde Hummelnester beobachtet und den Nesteingang einiger davon mit Kameras überwacht. Diese Nester wurden von Freiwilligen gefunden und auch ein Spürhund kam zum Einsatz, den manche von euch vielleicht aus Goulsons Buch kennen. Die Beobachtung ging über zwei Jahre. Sie begann frühestens Anfang Juni und erstreckte sich bis zum Ende der Saison. Es waren daher vermutlich ausschließlich Nester, die bereits fortgeschritten waren.

Die Studie ist „Open Access“ also jeder kann sie kostenlos lesen.

The impacts of predators and parasites on wild bumblebee colonies
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/een.12482/full

Für alle, die zu faul dazu sind oder nicht so gut englisch können, hier ein paar Highlights:

An zehn Nestern wurden Kohlmeisen gefilmt, 32 mal versuchten sie eine Hummel zu erwischen, zehnmal waren sie dabei erfolgreich. Die Kohlmeisen scheinen bevorzugt Nester mit regem Flugverkehr anzugreifen (oder zu finden).

An acht Nestern wurden Wachsmotten beobachtet, insgesamt waren es 19, die in ein Nest eindringen konnten und übrigens auch anschließend beim verlassen gefilmt wurden.

Fast alle Nester bekamen Besuch von irgendwelchen Nagern. Auffällig häufig war das die Waldmaus (Apodemus sylvaticus), die in insgesamt 48 Nestern mehr als tausendmal in einem Nesteingang verschwand. Hier vermuten die Autoren, dass sich Maus und Hummel nur den Eingang zu einem Tunnelsystem teilten. In zwei Fällen führte der Besuch der Waldmaus allerdings zum plötzlichen Absterben des Nestes. Um den Grund festzustellen, wurde eines der betroffenen Nester ausgegraben. Die Waldmaus hatte den Tunnel zum Hummelnest verstopft!

Ein Steinhummel (Bombus lapidarius) Nest wurde sechs Tage von insgesamt 13 Erdhummel Arbeiterinnen heimgesucht. Keine der Erdhummeln hatte ein Pollenhöschen, also ein geteilter Nesteingang scheint hier unwahrscheinlich. Die Autoren vermuten, dass sich die Erdhummeln an den Nektarvorräten der Steinhummeln bedienten.

Nur eine einzige Kuckuckshummel wurde beobachtet, eine Bombus sylvestris beim Verlassen eines Bombus pratorum Nests.

Die Wissenschaftler wollten dann noch eine Aussage über den Erfolg der Nester machen. Wurde eine Jungkönigin beim Ausflug beobachtet, galt das Nest als erfolgreich. Im ersten Jahr (2011) schafften das 71% der Nester, im Jahr darauf nur 21%. Wenn man bedenkt, dass die meisten Nester wohl in den ersten Wochen (Monaten) scheitern und die beobachteten Nester diese Phase bereits überstanden hatten, dürfte die tatsächliche Erfolgsrate dort um ein vielfaches niedriger sein.