Drüsiges Springkraut
Kaum eine Pflanze sorgt in Mitteleuropa für so unterschiedliche Meinungen wie das Drüsige Springkraut. Die einen sehen in ihm eine wertvolle Nektarquelle für Hummeln und andere Insekten. Für viele Naturschützer ist es dagegen eine problematische, eingeschleppte Art, die heimische Pflanzen verdrängen kann. Tatsächlich haben beide Sichtweisen ihre Berechtigung. Wer das Springkraut beurteilen möchte, sollte seine Herkunft, seine Lebensweise und seine Auswirkungen kennen.
Das Drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera) gehört zur Familie der Springkrautgewächse. Seine ursprüngliche Heimat liegt im westlichen Himalaya. Im 19. Jahrhundert gelangte die auffällig blühende Pflanze als Zierpflanze nach Europa. Von Gärten aus breitete sie sich rasch aus und wächst heute fast überall dort, wo der Boden ausreichend feucht und nährstoffreich ist.
Besonders wohl fühlt sich das Springkraut an Bachufern, Flüssen, Gräben, Waldrändern, in Auen und auf feuchten Brachflächen. Es bevorzugt halbschattige bis sonnige Standorte und entwickelt innerhalb weniger Monate beeindruckende Bestände, die häufig über zwei Meter Höhe erreichen. Da es einjährig ist, übersteht die Pflanze den Winter nicht. Jedes Frühjahr entstehen sämtliche Bestände ausschließlich aus neuen Samen.
Genau darin liegt der Schlüssel zu seinem Erfolg. Eine einzelne Pflanze kann mehrere tausend Samen bilden. Sobald die Samenkapseln reif sind, genügt oft schon eine leichte Berührung. Die Kapseln platzen explosionsartig auf und schleudern ihre Samen bis zu sieben Meter weit. Fließgewässer transportieren sie anschließend oft über viele Kilometer. Auf diese Weise kann sich das Springkraut innerhalb weniger Jahre entlang ganzer Bachläufe ausbreiten.
Eine Pflanze – mehrere Namen
- Drüsiges Springkraut – heutiger Standardname in der Botanik und im Naturschutz.
- Himalaya Springkraut – verweist auf die ursprüngliche Heimat im westlichen Himalaya.
- Indisches Springkraut – ältere Bezeichnung, heute botanisch eher ungenau und seltener verwendet.
- Bauernorchidee – gelegentlicher Gartenname, botanisch irreführend und kaum noch gebräuchlich.
- Impatiens glandulifera – wissenschaftlicher Name.
Warum wird Springkraut entfernt?
Viele Naturschutzverbände, Landschaftspflegeverbände und Behörden entfernen das Drüsige Springkraut regelmäßig von ökologisch wertvollen Flächen. Ziel ist es, seine weitere Ausbreitung einzudämmen und heimischen Pflanzen wieder mehr Raum zu geben. Vor allem an Flussufern und in naturnahen Auen kann das Springkraut dichte Bestände bilden, die kleinere Pflanzen beschatten. Da die Art im Herbst vollständig abstirbt, bleibt der Boden anschließend oft unbedeckt. An Gewässern kann dies die Ufererosion begünstigen.
Damit die Bekämpfung überhaupt Wirkung zeigt, müssen die Pflanzen entfernt werden, bevor die Samenkapseln ausreifen. In den meisten Regionen geschieht dies zwischen Ende Juni und Anfang August. Je nach Witterung und Höhenlage kann sich dieser Zeitraum etwas verschieben. Werden die Pflanzen erst nach dem Aufplatzen der Samenkapseln beseitigt, hat sich bereits die nächste Generation verteilt. Dann war die Arbeit in vielen Fällen vergeblich.
Hat die Bekämpfung Erfolg?
Diese Frage lässt sich nicht mit einem einfachen Ja oder Nein beantworten. Auf kleinen, ökologisch besonders wertvollen Flächen kann eine konsequente Entfernung über mehrere Jahre durchaus erfolgreich sein. Voraussetzung ist allerdings, dass sämtliche Pflanzen vor der Samenreife entfernt werden und die Maßnahmen Jahr für Jahr wiederholt werden.
An großen Flusssystemen oder in weit verzweigten Bachlandschaften stößt diese Strategie dagegen schnell an ihre Grenzen. Immer wieder gelangen neue Samen aus oberhalb liegenden Beständen an die bereits gepflegten Bereiche. Deshalb gilt das Drüsige Springkraut in vielen Regionen heute als dauerhaft etabliert. Vollständig ausrotten lässt es sich dort kaum noch. Naturschutzmaßnahmen konzentrieren sich deshalb meist auf besonders empfindliche Lebensräume und seltene Pflanzengesellschaften.
Nektarquelle für Hummeln
Aus Sicht vieler Hummeln besitzt das Drüsige Springkraut einen hohen Wert. Die großen Blüten produzieren oft reichlich Nektar und blühen vom Hochsommer bis weit in den Herbst hinein. Gerade in einer Zeit, in der viele andere Pflanzen bereits verblüht sind, finden zahlreiche Hummelarten hier eine ergiebige Nahrungsquelle. Besonders häufig lassen sich Erdhummeln, Gartenhummeln und Ackerhummeln an den Blüten beobachten.
Die langen Blüten sind gut an kräftige Hummeln angepasst. Sie erreichen den Nektar auf natürlichem Weg. Gelegentlich nutzen kurzrüsselige Hummeln bereits vorhandene kleine Öffnungen an der Blütenbasis, um direkt an den Nektar zu gelangen. Solche Öffnungen stammen häufig von anderen Insekten und werden anschließend mehrfach genutzt.
Quellen
- CABI. Invasive Species Compendium. Impatiens glandulifera. https://www.cabi.org
- European Network on Invasive Alien Species. Impatiens glandulifera.
- Bundesamt für Naturschutz. Informationen zu invasiven gebietsfremden Arten. https://www.bfn.de
- Flora of the British Isles. Impatiens glandulifera.
- Royal Horticultural Society. Himalayan balsam. https://www.rhs.org.uk
- Centre for Ecology & Hydrology. Forschung zur Ausbreitung und Bekämpfung von Impatiens glandulifera.
- Beerling, D. J. & Perrins, J. M. Biological Flora of the British Isles. Impatiens glandulifera Royle. Journal of Ecology.
- Pyšek, P. & Prach, K. Invasion dynamics of Impatiens glandulifera in Central Europe. Biological Conservation.
- Rothmaler. Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen. Springer Spektrum.



