Hummel Königin

Jedes Hummelvolk geht auf eine einzige Königin zurück. Anders als bei der Honigbiene, wo eine Königin ein bereits bestehendes, mehrjähriges Volk übernimmt oder mit einem Schwarm ein neues gründet, beginnt eine Hummelkönigin jedes Jahr vollständig neu und allein. Sie sucht den Nistplatz, baut die ersten Waben, legt die ersten Eier und wärmt sie, ohne jede Unterstützung. Erst wenn die ersten eigenen Töchter geschlüpft sind, übernehmen Arbeiterinnen den Großteil dieser Aufgaben.

Winterschlaf: der größte Teil eines Königinnenlebens

Eine Hummelkönigin wird im Spätsommer des Vorjahres als Jungkönigin geboren, paart sich und gräbt sich anschließend zur Überwinterung bis zu 15 Zentimeter tief in lockeren Boden ein. Dort verharrt sie in einer Kältestarre, der Diapause, bis die Temperaturen im folgenden Frühjahr wieder steigen. Von den etwa zwölf Monaten, die eine Königin insgesamt lebt, verbringt sie also den überwiegenden Teil bewegungslos unter der Erde. Aktiv ist sie nur in den wenigen Monaten zwischen Frühjahrserwachen und ihrem Tod im Spätsommer.

Nestsuche und Gründung: die gefährlichste Phase im Leben einer Königin

Nach dem Erwachen füttert sich die Königin zunächst selbst an frühblühenden Pflanzen, um Flugenergie zu tanken und ihre während der Winterruhe zurückgebildeten Eierstöcke wieder zu aktivieren. Erst danach beginnt die Suche nach einem geeigneten Nistplatz, häufig einem verlassenen Nagerbau oder dichten Grasbüschel, die bis zu zwei Wochen dauern kann. Am gewählten Ort baut sie zunächst eine kleine, etwa walnussgroße Kugel aus Isoliermaterial, formt darin einen Wachstopf für Nektarvorräte sowie einen Pollenhügel und legt auf diesen Pollenhügel ihre ersten sechs bis acht Eier. Anschließend sitzt sie über weite Strecken des Tages auf dem Gelege und hält es durch Zittern ihrer Flugmuskulatur bei rund 30 Grad Celsius, selbst wenn es draußen bei null Grad liegt.

Diese mehrwöchige Gründungsphase ist die riskanteste Zeit im Leben einer Königin. Eine Untersuchung von Erica Sarro Gustilo, William Grover und Hollis Woodard an wild nistenden Königinnen in Colorado zeigte 2025, dass von 13 beobachteten Königinnen nur 7 überhaupt Arbeiterinnen hervorbrachten und am Saisonende lediglich 3, also weniger als ein Viertel, tatsächlich neue Jungköniginnen produzierten. Räuber, Parasiten und konkurrierende Königinnen, die fremde Nester zu übernehmen versuchen, gehören zu den häufigsten Ursachen für ein Scheitern in dieser Phase.

info hummelNur etwa jede vierte Hummelkönigin, die im Frühjahr allein ein Nest gründet, bringt am Ende der Saison tatsächlich neue Königinnen hervor. Die meisten Nestgründungen scheitern schon in den ersten Wochen.

Warum die ersten Arbeiterinnen über das Überleben der Königin entscheiden

Wie entscheidend die Gründungsphase ist, belegen auch Zahlen einer weiteren Studie derselben Forschungsgruppe aus dem Jahr 2021. In Laborvölkern starben von acht beobachteten Königinnen sieben, solange sie noch allein waren, keine einzige dagegen, nachdem die ersten Arbeiterinnen im Nest geschlüpft waren. Sobald Arbeiterinnen die Futtersuche und Nestpflege übernehmen, beginnt die Königin außerdem im Schnitt rund dreimal schneller mit der nächsten Eiablage als eine Königin, die weiterhin allein für alles zuständig ist. Das Schlüpfen der ersten Töchter markiert damit den entscheidenden Wendepunkt vom gefährdeten Einzeldasein zu einem stabilen, wachsenden Volk.

Wie viele Eier eine Königin legt

Nach dem ersten Gelege von sechs bis acht Eiern legt die Königin fortlaufend weitere Eizellen auf neu angelegte Pollenvorräte, häufig zehn bis fünfzehn pro Zelle. Über die gesamte Saison verteilt kann eine erfolgreiche Königin so mehrere hundert Eier produzieren. Zunächst legt sie ausschließlich befruchtete, weibliche Eier, aus denen Arbeiterinnen schlüpfen, damit das Volk möglichst schnell wächst. Erst ab einem bestimmten Zeitpunkt im Koloniezyklus, dem sogenannten Switch Point, den die niederländischen Forscher Marie-José Duchateau und Hayo Velthuis 1988 erstmals systematisch beschrieben, beginnt sie zusätzlich unbefruchtete Eier zu legen, aus denen sich Drohnen entwickeln. Kurz darauf lässt sie einen Teil der befruchteten Eier zu Jungköniginnen statt zu weiteren Arbeiterinnen heranwachsen.

Rollenwechsel im Sommer

Sobald genügend Arbeiterinnen im Nest sind, verändert sich die Rolle der Königin grundlegend. Sie verlässt das Nest kaum noch, sammelt selbst keinen Nektar und keinen Pollen mehr und konzentriert sich fast ausschließlich auf die Eiablage. Nestbau, Brutpflege, Nahrungsbeschaffung und Verteidigung übernehmen von da an die Arbeiterinnen, von denen sich einige nahezu ausschließlich um die Versorgung der Königin selbst kümmern. Unter günstigen Bedingungen kann ein Volk, etwa bei der Dunklen Erdhummel, im Lauf des Sommers auf mehrere hundert Arbeiterinnen anwachsen, in freier Natur bleiben viele Völker jedoch deutlich kleiner.

Bedeutung für das Volk

Da jedes Hummelvolk einjährig ist und im Spätsommer komplett abstirbt, hängt der gesamte Fortbestand einer Population von den wenigen Jungköniginnen ab, die eine einzelne Gründerkönigin im Lauf ihres Lebens hervorbringt. Alle Arbeiterinnen, Drohnen und Jungköniginnen eines Volkes sind ihre direkten Nachkommen. Die Königin ist damit nicht nur formal das Oberhaupt des Nestes, sondern im biologischen Sinn dessen einzige genetische Quelle.

Quellen

  • Gustilo, E. S., Grover, W. H., Woodard, S. H. (2025): Wild Foundress Queen Bumble Bees Make Numerous, Short Foraging Trips and Exhibit Frequent Nest Failure: Insights From Trap-Nesting and RFID Tracking. Ecology and Evolution 15(2), Artikel e71016.
  • Sarro, E. et al. (2021): An organizing feature of bumble bee life history: worker emergence promotes queen reproduction and survival in young nests. Conservation Physiology 9(1), Artikel coab047.
  • Duchateau, M. J., Velthuis, H. H. W. (1988): Development and reproductive strategies in Bombus terrestris colonies. Behaviour 107(3 bis 4), S. 186 bis 207.
  • Goulson, D. (2010): Bumblebees: Behaviour, Ecology, and Conservation. 2. Auflage, Oxford University Press.

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