Der Orientierungsflug einer Hummelkönigin
Im Frühling, sobald die Temperaturen steigen, erwachen die im Vorjahr begatteten Hummelköniginnen aus ihrer Diapause. Bevor sie mit der Suche nach einem geeigneten Nistplatz beginnen, stärken sie sich zunächst an den ersten Blüten und halten anschließend gezielt nach einem passenden Ort für ihren neuen Staat Ausschau.
Hat die Königin einen passenden Standort für eine Nistgelegenheit wie etwa ein verlassenes Mäusenest oder einen Hohlraum in einer Mauer entdeckt, muss sie sich diesen Standort nun genau einprägen, um ihn später immer wiederzufinden. Die Königin fliegt deshalb bei ihrem ersten Ausflug nicht einfach zielgerichtet davon, stattdessen absolviert sie einen sogenannten Orientierungsflug. Dieses Verhalten dient dazu, sich die Umgebung des Nesteingangs detailliert einzuprägen.
Nachdem die Hummelkönigin das Nest verlassen hat, dreht sie sich zunächst zum Eingang um und beginnt, in geringer Höhe, oft nur wenige Zentimeter über dem Boden, vor dem Nesteingang zu schweben. Dabei bleibt ihr Blick ununterbrochen auf den Eingang gerichtet. Anschließend geht das Schweben in einen pendelnden Flug über, bei dem sie den Nesteingang weiterhin fest im Blick behält. Mit der Zeit werden ihre Flugbahnen immer weiter und der Radius ihrer Pendelbewegungen nimmt stetig zu. Gleichzeitig steigt sie langsam auf und umkreist den Nistplatz in zunehmend größeren Schleifen. Auf diese Weise prägt sie sich markante Geländestrukturen und Orientierungspunkte der Umgebung ein und speichert so mehrere Sichtansichten ihres Nistplatzes ab. Wie hoch sie dabei fliegt, ist unterschiedlich, denn die Hummelkönigin passt ihre Flughöhe flexibel an die Struktur der umliegenden Landschaft an.
Dieses Lernverhalten hilft der Königin, nach der aufwendigen Nahrungssuche, bei der sie Pollen und Nektar für die erste Brut sammeln muss, wieder zu ihrem Nest zurückzufinden. Nach diesem Orientierungsflug beginnen manche Hummelköniginnen noch am selben Tag mit dem Nestbau und tragen schon bald darauf die ersten Pollenhöschen ein.
Andere Hummelköniginnen kommen erst am nächsten Tag wieder zurück und beginnen dann mit der Nestgründung.
Aufmerksame Beobachter und geübte Hummelhausbesitzer können an diesem Verhalten ablesen, ob eine Ansiedlung erfolgreich verlief oder nicht. Fliegt eine Königin nach einer Nistplatzinspektion sofort in schnellem Flug davon, spricht das dafür, dass der Ort für eine Nestgründung nicht geeignet war. Kreist sie hingegen ausdauernd und kehrt mehrfach zum Eingang zurück, deutet das auf eine erfolgte Nestgründung hin.
Quellenverzeichnis
- PMC National Library of Medicine: How bumblebees coordinate path integration and body orientation at the start of their first learning flight. PMC.ncbi.nlm.nih.gov
- Journal of Experimental Biology: Bumblebees increase their learning flight altitude in dense environments. Journals.biologists.com
- Bumblebee Conservation Trust: Bumblebee nests. Bumblebeeconservation.org
- Wildbienen.de: Hummelbiologie. Wildbienen.de
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Stefan aktualisiert.
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