Aufgaben im Hummelnest

Ein Hummelvolk wirkt auf den ersten Blick wie ein chaotisches Gewimmel. Erst bei genauerem Hinsehen zeigt sich eine klare Arbeitsteilung, wenn auch eine andere als bei der Honigbiene mit ihren starren Kasten und fest definierten Aufgaben. Bei Hummeln ist das anders: Keine Hummel wird in eine Rolle hineingeboren, feste Berufe gibt es hier nicht.

Die folgenden Artikel über Sammlerinnen, Ammen, Stockarbeiterinnen, Wächterinnen, Hofdamen, eierlegende Arbeiterinnen, Königinnen, Drohnen und Jungköniginnen zeigen, wer welche Aufgabe übernimmt, wie sich das im Lauf einer Saison verschiebt und wer am Ende für das nächste Jahr sorgt.


Sammlerinnen

PollenSie sind der vertrauteste Anblick im Garten: Hummeln mit prall gefüllten Pollenhöschen an den Hinterbeinen. Kaum jemand ahnt dabei, welche Leistung dahintersteckt. Bei reiner Nektarladung schleppt eine Sammlerin fast ihr eigenes Körpergewicht durch die Luft, muss dafür aber oft über hundert Blüten anfliegen, und das teils schon bei Temperaturen, bei denen Honigbienen lieber im Stock bleiben. Der Artikel zu den Sammlerinnen geht der Frage nach, wie lange eine Tankfüllung reicht, warum Hitze für vollbeladene Tiere gefährlicher wird als für leere, und was Regen mit der Statik ihrer Flügel zu tun hat.


Ammen

Während draußen gesammelt wird, entscheidet sich drinnen, was aus dem Nachwuchs wird. Wie Ammen ihre Larven füttern, unterscheidet sich von Art zu Art: Manche füttern jede Larve einzeln mit einem Nektar-Pollen-Brei, andere legen gemeinsame Futtertaschen an, in denen sich die Larven gegenseitig Konkurrenz machen. Selbst der Platz einer Larve im Nest spielt eine Rolle dabei, wie groß sie später wird, und damit auch, ob aus ihr eher eine Sammlerin oder eine Nestarbeiterin wird. Der Artikel über die Ammen beschreibt beide Fütterstrategien und wie die Brut warmgehalten wird.


Stockarbeiterinnen

Ohne sichtbaren Bauplan entsteht im Hummelnest trotzdem ein funktionierendes Gebäude aus Wachs, mit Zellen für die Brut und Töpfen für Nektar und Pollen, ständig umgebaut und aus wiederverwendetem Material erweitert. Zur Stockarbeit gehört auch eine weniger appetitliche Aufgabe: das Entfernen toter Larven und Artgenossinnen, damit sich keine Krankheitserreger ausbreiten. Nur eine Minderheit der Arbeiterinnen beteiligt sich überhaupt daran, und es sind vor allem dieselben Tiere, die sonst am Nesteingang Wache halten. Der Artikel über die Stockarbeiterinnen zeigt, wie Wachsbau, Vorratshaltung und Nesthygiene zusammenhängen.


Wächterinnen

Dass Wächterinnen auch die Nestreinigung übernehmen, passt zu ihrer eigentlichen Aufgabe: Sie kontrollieren, wer das Nest betreten darf. Am Fettsäuremuster auf der Körperoberfläche unterscheiden sie Nestgenossinnen von Fremden mit einer Trefferquote von über 92 Prozent, und sie reagieren dabei fein abgestuft, unfruchtbare Eindringlinge werden geduldet, fruchtbare deutlich häufiger angegriffen. Gegen Kuckuckshummeln oder Wachsmotten hilft aber selbst die beste Kontrolle am Eingang nur bedingt. Wo genau diese Grenzen liegen und wie Hummeln Fremde überhaupt erkennen, steht im Artikel über die Wächterinnen.


Hofdamen

Eine kleine Gruppe von Arbeiterinnen kümmert sich um niemand anderen als die Königin selbst, sie füttern sie, putzen sie, halten den Bereich um sie sauber. Dieser Effekt ist sogar messbar: Sobald Arbeiterinnen im Nest sind, legt die Königin im Schnitt dreimal schneller Eier als eine, die noch allein arbeitet. Besonders ist der Verlauf dieser Beziehung über die Saison: Dieselben Arbeiterinnen, die die Königin anfangs hegen und pflegen, werden gegen Ende zu ihren offenen Widersacherinnen. Der Artikel über die Hofdamen erklärt, wie es zu diesem Umschwung kommt.


Eierlegende Arbeiterinnen

Der Umschwung von der Fürsorge zur Konkurrenz hat einen konkreten Auslöser: Gegen Ende der Saison beginnen einzelne Arbeiterinnen, selbst Eier zu legen, aus denen nur Männchen schlüpfen können. Königin und Nestgenossinnen nehmen das nicht einfach hin und fressen einen Großteil dieser Eier wieder auf. In Versuchen geschah das sogar noch zuverlässiger, wenn Forscher ihnen ein Ei einer Arbeiterin aus einem fremden Volk unterschoben, statt eines aus dem eigenen Nest. Am Ende bringt trotzdem nur ein kleiner Bruchteil der Arbeiterinnen eigene Nachkommen hervor. Warum sich der Versuch für sie dennoch lohnen kann und wer die Konkurrenz am Ende gewinnt, steht im Artikel über die eierlegenden Arbeiterinnen, der direkt zu der Frage führt, wer die Königin überhaupt ist, gegen die sich diese Arbeiterinnen auflehnen.


Königin

Jedes Hummelvolk beginnt mit einer einzigen Königin, die zunächst ganz allein arbeitet, und die meisten scheitern schon in den ersten Wochen. Nur etwa jede vierte Gründerin bringt am Ende der Saison überhaupt neue Königinnen hervor, oft entscheidet allein das Schlüpfen der ersten Töchter über Leben und Tod. Danach ändert sich ihre Rolle grundlegend: Statt selbst zu sammeln und zu bauen, legt sie fast nur noch Eier, versorgt und geschützt von genau den Arbeiterinnen, die sie später herausfordern. Wie riskant die Nestgründung wirklich ist und warum aus Fürsorge Konkurrenz wird, steht im Artikel über die Königin.


Drohnen

Drohnen sind die einzigen Männchen im Volk, und im Nest selbst haben sie kaum etwas zu tun. Ihre einzige Aufgabe liegt draußen: die Suche nach einer paarungsbereiten Jungkönigin, oft mithilfe eigens abgesetzter Duftmarken. Bei der Paarung selbst geht es dann schnell, der größte Teil des Spermas wird schon in den ersten zwei Minuten einer bis zu 37 Minuten dauernden Kopulation übertragen. Den Rest der Zeit nutzt das Männchen vor allem dazu, eine erneute Paarung der Königin mit einem Konkurrenten zu erschweren. Der Artikel über die Drohnen erzählt mehr über Balz, Paarung und ihren unerwarteten Beitrag zur Bestäubung.


Jungköniginnen

Schon in den ersten Tagen nach dem Schlüpfen legen Jungköniginnen mehr Reserven für die Winterruhe an als Arbeiterinnen, lange bevor überhaupt eine Paarung stattgefunden hat. Nach der Paarung graben sie sich zur Überwinterung ein, und von genau diesen wenigen Tieren, die den Winter überleben, hängt am Ende der gesamte Fortbestand eines Hummelbestandes ab. Unter Hummelhaltern hält sich hartnäckig die Vorstellung, diese Königinnen kehrten im Folgejahr gezielt in die Nähe ihres Geburtsnests zurück. Zwei unabhängige Studien, eine genetische und eine per Radarpeilung, zeichnen aber ein anderes Bild: eine fast zufällige Ausbreitung ohne erkennbare Rückkehr. Was davon stimmt und was Legende ist, klärt der Artikel über die Jungköniginnen, mit dem sich der Kreis zur Königin am Anfang eines neuen Nests schließt.


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  • Autor
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  • #97798
    Stefan
    Admin
    Beitragsersteller
      • DE 84513
      • 398 m

      Hallo zusammen!

      So, es gibt wieder einiges zu lesen, denn ich war in den letzten Tagen fleißig. Dieses Mal dreht sich alles um die Arbeitsteilung im Hummelnest. Bei der Recherche habe ich eine Menge dazugelernt und dabei einige interessante Dinge entdeckt. Insgesamt sind daraus neun doch recht umfangreiche Artikel geworden. Ich wünsche euch viel Freude beim Lesen!

      Grüße Stefan :lupe:

      #97938
      Ueli
      Forenmitglied
        • CH-5000
        • 370 m

        @Stefan: bin begeistert, welch kompaktes Wissen du uns überlässt, gut recherchiert und gut lesbar geschrieben, vielen Dank.

        #97939
        Stefan
        Admin
        Beitragsersteller
          • DE 84513
          • 398 m

          Dank Dir!

          Viel Arbeit macht es schon, aber dank und mit moderner Helferlein macht mir das wirklich Spaß!

          Die Möglichkeiten heute völlig ohne Sprachbarrieren umfangreich zu recherchieren sind schon fantastisch!

          Freut mich, dass es auf Interesse stößt. Die Texte sind hoffentlich so formuliert, dass der Laie noch mitkommt und der Profi nicht gelangweilt weiter klickt.

          Ich bin über Themenvorschläge immer froh! :)

          Grüße Stefan

          #97941
          Marylou
          Forenmitglied
            • DE 41363
            • 61 m

            Danke, @Stefan, eine ganz hervorragende Wissensserie mit irre viel Arbeit dahinter.

            Eine Anmerkung habe ich zum Artikel „Wächterinnen“:

            Besonders gefährdet sind dabei Kunststoffnistkästen ohne die langen, gewundenen Zugangswege natürlicher unterirdischer Nester.

            Sollte das nicht eher „aufgestellte Nistkästen“ heißen?

            #97943
            Stefan
            Admin
            Beitragsersteller
              • DE 84513
              • 398 m

              Dank Dir!

              Ja, damit waren künstliche Nistkästen gemeint. Da war die Rechtschreibkorrektur wohl etwas zu eifrig. :lupe:

              Grüße Stefan

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