Bombus kashmirensis
Bombus kashmirensis ist eine Hummelart der asiatischen Hochgebirge. Ihr Verbreitungsgebiet ist auf den Himalaya und angrenzende Gebirgsregionen beschränkt. Dort besiedelt sie Lebensräume, die für viele andere Insekten bereits zu kalt und zu unwirtlich sind. Die Art gehört zur Untergattung Alpigenobombus, deren Vertreter durch auffallend kräftige Mundwerkzeuge gekennzeichnet sind.
Innerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes lebt Bombus kashmirensis überwiegend oberhalb der Baumgrenze. Die Tiere werden meist in Höhen zwischen etwa 2300 und 4800 Metern nachgewiesen. In diesen Regionen prägen kurze Sommer, starke Temperaturschwankungen, intensive Sonneneinstrahlung und häufige Wetterumschwünge den Lebensraum. Die Art ist an diese Bedingungen angepasst und kann auch bei niedrigen Temperaturen noch aktiv Blüten besuchen.
Kennzeichen
Ein charakteristisches Merkmal von Bombus kashmirensis sind die ungewöhnlich kräftigen Mandibeln. Die Weibchen besitzen breite Oberkiefer mit mehreren deutlich ausgeprägten Zähnen. Dieses Merkmal ist typisch für die Untergattung Alpigenobombus und unterscheidet sie von zahlreichen anderen Hummelarten.
Die Körperfärbung variiert je nach Herkunftsgebiet. Viele Tiere zeigen einen hellen Vorderkörper, während die mittleren Hinterleibssegmente schwarz behaart sind. Die Hinterleibsspitze ist je nach Population weißlich oder rötlich gefärbt. In verschiedenen Regionen des Himalayas treten unterschiedliche Farbformen auf. Solche Farbmusterunterschiede werden bei Hummeln allgemein mit regionalen Mimikry-Systemen in Verbindung gebracht, innerhalb derer mehrere Arten ein ähnliches Erscheinungsbild zeigen.
Verbreitung und Lebensraum
Das Verbreitungsgebiet umfasst den Norden Indiens mit Kaschmir, Himachal Pradesh, Uttarakhand und Sikkim sowie Pakistan, Nepal und Teile des Tibetischen Hochlandes in China. Die Art kommt vor allem auf alpinen Wiesen, in felsigen Hochlagen und auf offenen Bergmatten vor. Viele Fundorte liegen deutlich oberhalb der geschlossenen Waldgrenze.
Beobachtungen aus dem Himalaya zeigen, dass Bombus kashmirensis selbst bei winterlichen Bedingungen noch Blüten besucht. Einzelne Königinnen wurden während Schneefällen in Höhen um 4000 Meter beim Nahrungserwerb beobachtet. Solche Beobachtungen verdeutlichen die außergewöhnliche Anpassung der Art an das raue Hochgebirgsklima.
Nahrungsaufnahme
Die kräftigen Mandibeln dienen nicht nur zum Bearbeiten von Pflanzenmaterial. Bombus kashmirensis kann mit ihnen die Blütenröhre bestimmter tiefblütiger Pflanzen von außen öffnen, um direkt an den Nektar zu gelangen. Dieses Verhalten wird als Nektarraub bezeichnet. Dabei entsteht ein kleines Loch an der Blüte, durch das der Nektar erreicht werden kann, ohne den normalen Zugang der Blüte zu nutzen.
Nicht jede Blütenpflanze wird auf diese Weise genutzt. Bei vielen offen zugänglichen Blüten sammelt die Art Pollen und Nektar auf gewöhnlichem Weg und trägt damit weiterhin zur Bestäubung bei. Welche Pflanzen bevorzugt besucht werden, hängt vom regionalen Blütenangebot der jeweiligen Hochgebirgsregion ab.
Forschung
Über Bombus kashmirensis ist deutlich weniger bekannt als über viele europäische Hummelarten. Insbesondere zum Nestbau, zur Entwicklung der Völker und zur Larvenaufzucht liegen bislang nur wenige gesicherte wissenschaftliche Beobachtungen vor. Viele Angaben, die in älteren oder populären Darstellungen zu finden sind, konnten bisher nicht eindeutig bestätigt werden. Die Art bleibt deshalb ein interessantes Forschungsobjekt für die Hummelkunde.
Quellen
- Williams, P. H., An, J., Dorji, P., Huang, J. & Jaffar, S. (2023): Bumblebees with big teeth: revising the subgenus Alpigenobombus with the good, the bad and the ugly of numts (Hymenoptera: Apidae). European Journal of Taxonomy 892 (1): 1 bis 65. https://europeanjournaloftaxonomy.eu/index.php/ejt/article/view/2283
- Williams, P. H. (1991): The Bumble Bees of the Kashmir Himalaya (Hymenoptera: Apidae, Bombini). Bulletin of the British Museum (Natural History), Entomology.
- Suhail, A., Sabir, A. M., Asghar, M., Rafi, M. A. & Qadir, A. (2009): Geographic distributional patterns of the genus Bombus (Bombini: Apidae) in northern Pakistan. Biological Diversity and Conservation 2 (1): 1 bis 9.
- Williams, P. H. (1998): An annotated checklist of bumble bees with an analysis of patterns of description. Bulletin of the Natural History Museum, Entomology.
- Williams, P. H., Thorp, R. W., Richardson, L. L. & Colla, S. R. (2014): Bumble Bees of North America. An Identification Guide. Princeton University Press. Enthält grundlegende Informationen zur Systematik und Morphologie der Gattung Bombus.
- Williams, P. H. (2022): The Bumblebees of the Himalaya. An Identification Guide. Abc Taxa 21, Royal Belgian Institute of Natural Sciences, Brüssel.
- inaturalist.org
- inaturalist.org
- gbif.org




