Die Glockenblumen-Schmalbiene: Wildbiene des Jahres 2026
Die Glockenblumen-Schmalbiene (Lasioglossum costulatum) wirkt auf den ersten Blick wie viele andere kleine, dunkle Wildbienen. Das Kuratorium Wildbiene des Jahres hat sie trotzdem für das Jahr 2026 ausgewählt. Das Gremium, das vom Arbeitskreis Wildbienen-Kataster getragen wird, möchte damit ein Schlaglicht auf die gefährdete Lebenssituation dieser spezialisierten Hautflügler werfen.
Optisch präsentiert sich das Insekt eher unauffällig. Der Körper ist tiefschwarz gefärbt und zeigt als charakteristisches Merkmal feine, weiße Haarflecken. Doch die wahre Besonderheit liegt in der Lebensweise der Weibchen. Sie leben oligolektisch. Das bedeutet, dass sie beim Sammeln von Pollen für die Brut extrem wählerisch sind. Die Aufzucht der Larven gelingt ihnen nur mit der Nahrung von Glockenblumengewächsen. Pflanzen wie die Knäuelglockenblume, die Rapunzelglockenblume oder die Rundblättrige Glockenblume sind für das Fortbestehen der Art unverzichtbar.
Lebensräume und Bedrohung der Spezialistin
Die enge Bindung an bestimmte Pflanzenarten macht die Biene verwundbar. Sie benötigt strukturreiche Landschaften, in denen die passenden Blütenpflanzen reichlich vorkommen. Typische Habitate sind sonnige Waldränder, Bahndämme und extensiv genutzte Mähwiesen. Neben der richtigen Flora ist das Vorhandensein von Nistplätzen entscheidend. Die Weibchen graben ihre Nester in die Erde und sind dafür auf offene, sandige Bodenstellen angewiesen.
Schutzmaßnahmen für die Zukunft
Der Verlust von naturnahen Lebensräumen setzt der Art stark zu. Sterile Schottergärten, intensiv bewirtschaftete Agrarflächen und der übermäßige Einsatz von Pestiziden entziehen den Tieren die Lebensgrundlage. Seit 2011 gilt die Glockenblumen-Schmalbiene bundesweit als gefährdet, nur in Baden-Württemberg ist der Bestand derzeit stabil. Der Schutz dieser Wildbienenart erfordert daher ein Umdenken in der Landschaftspflege. Das Stehenlassen von Wildkräutern an Wegrändern und das bewusste Anpflanzen von heimischen Glockenblumen in Gärten sind erste wichtige Schritte. Nur durch den Erhalt offener Bodenstrukturen und eines kontinuierlichen Blütenangebots kann diese spezialisierte Schmalbiene auch in Zukunft überleben.
Quellen und weiterführende Literatur
- Arbeitskreis Wildbienen-Kataster: Wildbiene des Jahres 2026: Die Glockenblumen-Schmalbiene (Lasioglossum costulatum). Online verfügbar unter: https://www.wildbienen-kataster.de/wildbiene-des-jahres/
- Amiet, F., Herrmann, M., Müller, A. & Neumeyer, R. (2001): Apidae 3: Halictus, Lasioglossum. Fauna Helvetica 6. Centre suisse de cartographie de la faune, Neuchâtel.
- Müller, A. (1996): Host-Plant Specialization in Western Palearctic Anthidine Bees (Hymenoptera: Apoidea: Megachilidae). Ecological Monographs 66(2), 235–257. Online verfügbar unter: https://doi.org/10.2307/2963476
- inaturalist.org
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