Wie Wachsmotten Hummelnester aufspüren
Die Hummelnestmotte (Aphomia sociella) findet ihre Wirte nicht mit den Augen. Die Weibchen fliegen in der Dämmerung und suchen gezielt nach dem typischen Duft eines Hummelvolkes. Optische Merkmale des Nestes spielen für den ersten Anflug keine Rolle. Ein Nest, das für das menschliche Auge unauffällig oder gut versteckt wirkt, ist für die Motte also nicht automatisch schwerer zu finden, solange der Duft nach außen dringt.
Auch die Larven verlassen sich nach dem Schlüpfen auf den Geruchssinn. Findet das Weibchen keinen direkten Zugang zum Nest, legt es die Eier in der Nähe ab. Die jungen Raupen suchen sich den Weg zum Nest dann selbst, ebenfalls geruchsgeleitet.
Trotzdem gibt es einen Zusammenhang zwischen Verstecktheit und Befallsrisiko, nur wirkt er indirekt. Bei einem natürlichen Nest kann der Eingang zwischen Grashalmen, feinen Wurzeln, Moospolstern oder Steinchen gut verborgen liegen. Das erschwert auch einer duftorientierten Motte den letzten Schritt, denn der Gang von der Öffnung bis zur eigentlichen Nestkammer, etwa einem ehemaligen Mäusegang, kann lang, verwinkelt und verzweigt sein. Der Duft führt die Motte grob in die richtige Richtung, das konkrete Eindringen bleibt aber schwierig und zeitaufwendig.
Hummelkästen: kurzer Weg, starker Duft
Bei künstlichen Hummelkästen fällt dieser natürliche Umweg weitgehend weg. Der Eingang ist meist leicht auffindbar, und der Weg vom Flugloch bis zum Nest ist kurz. Stehen mehrere Kästen dicht beieinander, verstärkt sich der Effekt zusätzlich, weil die einzelnen Duftquellen sich zu einem besonders starken Signal summieren. Wachsmotten haben es dadurch in Kästen tendenziell leichter als in gut kaschierten Naturnestern.
Geruch von Bienenständen
Forscher aus Lettland haben untersucht, ob Hummelvölker in der Nähe von Bienenständen häufiger von Wachsmotten befallen werden. Dafür stellten sie 25 Hummelvölker in unterschiedlichem Abstand, von direkt daneben bis 600 Meter entfernt, zu sechs Bienenständen auf und prüften über den Sommer regelmäßig Befall, Nachwuchs und Immunsystem der Tiere. Ergebnis: Je näher ein Volk am Bienenstand stand, desto öfter war es befallen, desto weniger Nachwuchs hatte es und desto schwächer war die Immunabwehr. Bei 600 Metern war das Risiko fast verschwunden.
Der Grund liegt in zwei Effekten. Zum einen können Wachsmotten auch geschwächte Honigbienenvölker besiedeln, an Bienenständen gibt es also grundsätzlich mehr Motten in der Umgebung. Zum anderen konkurrieren Hummeln und Honigbienen um dieselben Blüten. Nahe am Bienenstand bekommen Hummeln weniger Nahrung, das schwächt ihr Immunsystem, und ein geschwächtes Volk wehrt sich schlechter gegen eindringende Raupen. Beides zusammen erklärt, warum der Befall mit sinkender Entfernung deutlich zunimmt.
Quellen
- wildbienen.de: Hummelschutz, Wachsmotten, Biologie, wildbienen.de/hus-wmo0.htm
- wildbienen.de: Wildbienen-Parasiten: Wachsmotten (Galleriinae), wildbienen.de/wbi-p711.htm
- Krams, R., Grigorjeva, T., Willow, J., Popovs, S., Munkevics, M., Trakimas, G., Contreras-Garduño, J., De Souza, A. R., Adams, C. B., Rantala, M. J., Garajeva, S. J., Sledevskis, E., Krama, T. und Krams, I. A. (2025): Infestation levels of Aphomia sociella in bumblebees increase with proximity to apiaries and result in lower reproductive output and weaker immune response. Frontiers in Bee Science, 3, doi.org/10.3389/frbee.2025.1550560
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