Die Schlupfwespe – Freund und Feind im Hummelnest

In der ökologischen Betrachtung sozialer Insekten nehmen Hummeln eine fundamentale Rolle als Bestäuber in Agrarökosystemen und natürlichen Habitaten ein. Der Schutz dieser staatenbildenden Insekten hat in den vergangenen Jahrzehnten sowohl in der Wissenschaft als auch in der breiten Öffentlichkeit stark an Bedeutung gewonnen. Werden künstliche Nisthilfen (Hummelkästen) etabliert oder Wildnester beobachtet, stößt man unweigerlich auf den Begriff der „Schlupfwespe“. Diese taxonomisch diverse Gruppe von Hautflüglern (Hymenoptera) geht mit Hummelvölkern biologische Wechselbeziehungen ein, die gegensätzlicher nicht sein könnten.

Der Begriff vereint in der Praxis zwei völlig unterschiedliche ökologische Rollen: Einerseits agieren bestimmte Schlupfwespen als unverzichtbare Nützlinge im Kampf gegen verheerende Nestschädlinge, andererseits existieren spezialisierte Arten, die als hochgradig destruktive Parasitoide das direkte Absterben der Hummelbrut verursachen. Für Hummelfreunde und Forscher entsteht dadurch eine große Verwirrung, da das Wort „Schlupfwespe“ im Alltag als Sammelbegriff genutzt wird. Wer nach Informationen sucht, muss die nützlichen Helfer strikt von den tödlichen Feinden trennen.

Der nützliche Helfer: Biologischer Schutz vor der Wachsmotte

Trichogramma evanescensDer wohl größte Feind in künstlichen wie natürlichen Hummelnestern ist die Hummel-Wachsmotte (Aphomia sociella). Die adulten Falter dringen meist in der Dämmerung in die Nester ein, um dort ihre Eier abzulegen. Die daraus resultierenden Larven fressen die Wachswaben, den Pollenvorrat und nicht zuletzt die Hummelbrut selbst. Ein unkontrollierter Befall führt unweigerlich zur vollständigen Zerstörung des Nestes. Im Zuge des biologischen Hummelschutzes hat sich der gezielte Einsatz von winzigen Nützlingen der Gattung Trichogramma (insbesondere Trichogramma brassicae und Trichogramma evanescens) etabliert. Diese Tiere zählen biologisch zu den Erzwespen, werden im Alltag aber überwiegend zu den Schlupfwespen gezählt.

Diese mikroskopisch kleinen Wespen (oft unter 1 mm groß) besitzen eine spezialisierte Lebensweise: Sie suchen gezielt nach den frisch gelegten Eiern der Wachsmotte. Die weibliche Wespe sticht das Mottenei an und legt ihr eigenes Ei hinein. Die sich entwickelnde Wespenlarve konsumiert das Schmetterlingsei von innen heraus. Statt einer zerstörerischen Wachsmottenraupe schlüpft nach kurzer Zeit eine neue Generation nützlicher Wespen. Da sich diese Gattung strikt auf Schmetterlingseier beschränkt, besteht für die Hummeln und ihre Brut zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr.

info hummelhaus bauanleitungPraxis-Tipp für die Informationssuche: Wenn Sie Ihren Hummelkasten biologisch schützen möchten und online nach Anleitungen oder Kaufmöglichkeiten suchen, nutzen Sie niemals den allgemeinen Begriff „Schlupfwespe“. Suchen Sie stattdessen gezielt nach den Begriffen „Trichogramma Hummelkasten“ oder „Trichogramma Wachsmotte“. Nur so finden Sie die nützlichen Helfer-Kärtchen im Handel und verhindern gefährliche Verwechslungen.

Anwendung im Hummelkasten

Die Kärtchen mit den parasitierten Eiern werden ab Mai in den Hummelkasten gelegt. Da die Wespen nur wenige Tage leben und ausschließlich das Eistadium der Motte bekämpfen können, muss die Ausbringung alle drei Wochen wiederholt werden. Wichtig ist zudem ein abgedunkelter Kasten, da die winzigen Tiere sonst zum Licht fliegen und das Nest verlassen.

Für den erfolgreichen Einsatz der nützlichen Trichogramma-Schlupfwespen spielt die Temperatur im Hummelkasten eine wichtige Rolle. Die winzigen Helfer entwickeln sich bei Werten zwischen 22 und 28 °C optimal. Zwar sind sie in einem Bereich von 15 bis 35 °C aktiv, jedoch stellt eine Temperatur unter 15 °C eine kritische Grenze dar, da sich die Entwicklung der Wespen dann stark verlangsamt und sie ihre Aktivität weitgehend einstellen. Extreme Hitze über 35 °C kann für die Nützlinge sogar tödlich sein. Sollten die Kärtchen nicht sofort ausgebracht werden, lassen sie sich kurzzeitig für 1 bis 2 Tage bei 8 bis 12 °C lagern. Ein großer Vorteil beim Hummelschutz ist die biologische Eigenregulation, da Hummeln ihr Nest aktiv auf etwa 28 °C aufheizen und somit im Inneren des Stockes von Natur aus optimale Bedingungen für die Parasitierung der Wachsmotteneier herrschen.

Übersicht der Temperaturbereiche

Über 35 °C Es droht eine hohe Sterblichkeit der Tiere.
22 bis 28 °C Ideale Bedingungen für eine schnelle Entwicklung.
15 bis 35 °C Allgemeiner Aktivitätsbereich der Wespen.
Unter 15 °C Die Entwicklung stagniert stark, und die Tiere verfallen in Inaktivität.
8 bis 12 °C Empfohlener Bereich für eine kurzzeitige Lagerung von maximal zwei Tagen.

Der tödliche Parasit: Natürliche Feinde der Hummelbrut

Melittobia acastaDem positiven Nutzen der Helfer-Wespen steht eine weitaus düstere, natürliche Facette gegenüber. Verschiedene parasitische Hautflügler haben sich im Laufe der Evolution darauf spezialisiert, Hummelstaaten direkt auszubeuten. Ein prominentes und gefürchtetes Beispiel ist die Art Melittobia acasta. Auch sie gehört biologisch zu den Erzwespen, verhält sich im Nest jedoch wie eine parasitische Kleinst-Schlupfwespe und wird in der Praxis oft so genannt.

Diese Schädlinge dringen aufgrund ihrer geringen Größe oft völlig unbemerkt in das Hummelnest ein. Im Inneren angekommen, suchen sie die Kokons der frisch verpuppten Hummellarven auf. Ein einziges Weibchen durchbohrt den schützenden Kokon und legt hunderte Eier direkt auf die wehrlose Hummelpuppe. Die Larven des Parasiten fressen die Hummel von außen auf. Anstelle einer lebenswichtigen Hummelarbeiterin schlüpfen nach kurzer Zeit dutzende neue Parasiten aus dem Kokon. Diese paaren sich sofort im Nest und befallen die nächsten Hummelpuppen. Dieser Kreislauf führt schnell zu einer totalen Ausrottung der Brut, wodurch das Hummelvolk mangels Nachwuchs komplett kollabiert.

info hummelhaus bauanleitungPraxis-Tipp für die Schadens-Analyse: Haben Sie den Verdacht, dass Ihr Hummelvolk von winzigen Parasiten befallen ist, oder sterben plötzlich die Puppen im Nest? Suchen Sie in Fachforen und Datenbanken gezielt nach dem Begriff „Melittobia acasta Hummeln“. Allgemeine Suchanfragen zu Schlupfwespen führen hier oft in die Irre und zeigen stattdessen die oben genannten Nützlinge an.

Zusammenfassung

Die Biologie zeigt, dass „Schlupfwespe“ nicht gleich „Schlupfwespe“ ist. Im Hummelschutz entscheidet die genaue Art über Leben und Tod des Volkes. Während die Gattung Trichogramma als biologische Wunderwaffe den verheerendsten Schädling (die Wachsmotte) im Ei erstickt und somit den Hummeln das Leben rettet, bewirkt die Art Melittobia acasta als Brutparasit das genaue Gegenteil. Für eine erfolgreiche Recherche und Anwendung im eigenen Garten ist die Kenntnis dieser wissenschaftlichen Namen und der gezielte Einsatz der richtigen Suchbegriffe daher auch für Laien unerlässlich.

Bild-, Literatur- und Quellenverzeichnis

  • Čmeláci PLUS (2026): Die tödliche Wespe Melittobia acasta und Hummeln. Fachportal für Hummelschutz und -zucht.
  • Dräger, H.-H. / Wildbienen.de (o.D.): Biologische Bekämpfung von Wachsmotten (Aphomia sociella) durch den Einsatz von Trichogramma brassicae. Arbeitskreis Hummelschutz.
  • Dräger, H.-H. / Wildbienen.de (o.D.): Erzwespen als Wildbienen-Parasiten: Die Biologie von Melittobia acasta. Sektion Parasitismus bei Stechimmen.
  • inaturalist.org
  • inaturalist.org
  • Schlupfwespen Anwendung: Der ultimative Guide für maximalen Erfolg

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Die Türkentaube

TürkentaubeUrsprünglich in Asien und Südosteuropa heimisch, breitete sich die Türkentaube im zwanzigsten Jahrhundert in einer beispiellosen Expansionswelle über fast ganz Europa aus. Heute ist sie aus unseren Dörfern und städtischen Randzonen kaum noch wegzudenken.

Optisch zeichnet sich die Türkentaube durch ein elegantes, sandfarbenes bis hellgraues Gefieder aus. Ihr markantestes Merkmal ist der schmale, schwarze Nackenring, der von einem feinen weißen Rand gesäumt wird. Mit einer Körperlänge von rund zweiunddreißig Zentimetern ist sie deutlich schlanker und kleiner als die bekannte Ringeltaube. Ihr Ruf ist ein charakteristischer, dreisilbiger Turtellaut, der oft von erhöhten Warten wie Hausdächern oder Antennen ertönt.

Der fundamentale Unterschied zur Stadttaube

TürkentaubeIn der Bevölkerung werden Türkentauben häufig mit Stadttauben verwechselt oder fälschlicherweise mit ihnen gleichgesetzt. Dieser Vergleich wird der Türkentaube jedoch in keiner Weise gerecht. Stadttauben stammen von verwilderten Haustauben ab, die wiederum von der Felsentaube abstammen. Sie leben oft in großen, dichten Schwärmen in den Zentren von Großstädten und verursachen dort durch ihre Masse und ihren Kot Probleme an Bauwerken.

Die Türkentaube hingegen ist eine eigenständige Wildvogelart, die sich evolutionär völlig anders entwickelt hat. Sie bildet keine riesigen Schwärme, sondern lebt meist paarweise oder in kleinen Familienverbänden. Zudem meidet sie die extremen Betonwüsten der Innenstädte. Ihr bevorzugter Lebensraum sind strukturreiche Kulturlandschaften mit Gärten, Parks und Friedhöfen. Auch in Sachen Hygiene gibt es keine Parallelen, da Türkentauben durch ihre geringe Dichte und ihre Lebensweise nicht zu den typischen Schadvögeln gehören.

info hummelDie Ausbreitung der Türkentaube gilt als eine der schnellsten natürlichen Arealerweiterungen eines Wirbeltiers in der Geschichte, da sie innerhalb von nur wenigen Jahrzehnten kontinentale Distanzen überwand und dabei völlig selbstständig neue Lebensräume besiedelte.

Ökologische Nützlichkeit im Garten und Kulturraum

Türkentauben erfüllen eine wichtige Funktion im lokalen Ökosystem. Als reine Pflanzenfresser ernähren sie sich primär von Sämereien, Knospen und Beeren. Bei der Nahrungssuche am Boden picken sie gezielt die Samen von verschiedenen Wildkräutern auf, wodurch sie regulierend auf den Pflanzenbewuchs einwirken.

Darüber hinaus sind sie ein fester Bestandteil der heimischen Nahrungskette. Als Beutetiere für Greifvögel wie den Wanderfalken oder den Sperber stützen sie die Populationen dieser geschützten Jäger. Da sie sehr friedliche Vögel sind, vertreiben sie keine anderen Singvögel vom Futterplatz und tragen zu einer harmonischen Dynamik im Garten bei.

Türkentauben bauen sehr einfache, flache Nester aus wenigen Zweigen in Bäumen oder Büschen, wo sie fast das ganze Jahr über zwei Eier ausbrüten, die Jungvögel gemeinsam aufziehen und in freier Wildbahn ein Alter von über zehn Jahren erreichen können.

Beim Laufen bewegen Türkentauben ihren Kopf rhythmisch vor und zurück, um ihr Sichtfeld während der Vorwärtsbewegung kurzzeitig zu fixieren und so trotz der starr im Kopf sitzenden Augen ein stabiles Bild ihrer Umgebung zu erhalten.

Unterstützung und die richtige Wildtierfütterung

Durch die zunehmende Versiegelung von Flächen und den Verlust von Wildkräutern finden Türkentauben in manchen Regionen nicht mehr ausreichend Nahrung. Wer den Tieren im eigenen Garten helfen möchte, kann dies durch eine gezielte Ganzjahresfütterung oder Winterfütterung tun. Wichtig ist hierbei die Auswahl des passenden Futters, das den natürlichen Bedürfnissen der Vögel entspricht.

Als ideale Nahrung eignen sich Getreidekörner wie Weizen, Gerste und Hafer sowie verschiedene Hirsesorten. Auch Sonnenblumenkerne und Bruchmais werden von den Vögeln sehr gerne angenommen. Eine saubere Schale mit frischem Trinkwasser rundet die Unterstützung perfekt ab.

Ein nützlicher Hinweis für die Gartenpraxis: Spezielles Taubenfutter ist im Handel oft preiswerter als klassisches Wildvogelfutter und erfreut sich auch bei Türkentauben großer Beliebtheit.

Quellenangaben

  • Informationen zur Biologie und Verbreitung der Türkentaube beim Nabu: https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/voegel/portraets/tuerkentaube/
  • Details zur Unterscheidung von Taubenarten bei der Wildvogelhilfe: https://www.wildvogelhilfe.org/vogelwissen/artenbestimmung/tauben/
  • Hinweise zur artgerechten Fütterung von Wildvoegeln beim LBV: https://www.lbv.de/ratgeber/vogelschutz/voegel-fuettern/das-richtige-futter/
  • inaturalist.org
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Veröffentlicht unter Vögel

Die Erdhummel auf der britischen Banknote?

Die Gestaltung von Banknoten spiegelt traditionell die Identität, Geschichte und die Werte eines Landes wider. Neben historischen Persönlichkeiten rücken in jüngster Zeit auch vermehrt Motive aus der Tier- und Pflanzenwelt in den Fokus, um auf die Bedeutung des Umweltschutzes aufmerksam zu machen. Ein aktuelles und viel beachtetes Beispiel für diese Entwicklung liefert die Bank of England. Im Rahmen eines Auswahlprozesses für das Design einer zukünftigen Banknote steht die Dunkle Erdhummel zur Abstimmung.

Die Dunkle Erdhummel ist eine der am häufigsten vorkommenden und wirtschaftlich bedeutendsten Bestäuberinnen in Europa und auf den britischen Inseln. Ihre potenzielle Abbildung auf einem offiziellen Zahlungsmittel ist ein starkes symbolisches Signal. Es soll die breite Öffentlichkeit für das dramatische Insektensterben sensibilisieren und die dringende Notwendigkeit des Schutzes wildlebender Bestäuber in das alltägliche Bewusstsein der Menschen rufen.

Der Auswahlprozess und die Kriterien der Bank of England

Bank of EnglandDas Nominierungsverfahren der britischen Zentralbank folgt strengen Richtlinien, bei denen die Bevölkerung Vorschläge einreichen und über ausgewählte Motive abstimmen kann. Bei der Auswahl von Tiermotiven spielen neben dem ästhetischen Wert vor allem der ökologische Status und die Repräsentativität für die britische Fauna eine entscheidende Rolle. Die Dunkle Erdhummel konnte sich in den Vorentscheidungen gegen zahlreiche andere heimische Tierarten durchsetzen, da sie wie kaum ein anderes Insekt für die Schnittstelle zwischen Naturerhalt und menschlicher Nahrungssicherung steht.

Sollte die Erdhummel die finale Abstimmungsphase erfolgreich absolvieren, würde sie auf einer der neuen Polymerbanknoten verewigt werden. Diese modernen Geldscheine bieten durch ihre Beschaffenheit aus speziellem Kunststoff die Möglichkeit, hochpräzise, filigrane Details und holografische Sicherheitsmerkmale zu integrieren. Die charakteristischen Merkmale der Dunklen Erdhummel, wie die markante Behaarung und die feinen Flügelstrukturen, könnten so mit modernster Drucktechnologie fälschungssicher dargestellt werden.

info hummelDie Dunkle Erdhummel wäre das erste fliegende wirbellose Tier auf einer Banknote der Bank of England. Bisher waren auf den britischen Geldscheinen neben den Monarchen ausschließlich berühmte Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Kunst wie Alan Turing oder Jane Austen sowie vereinzelt größere Säugetiere oder Vögel in historischen Emblemen zu sehen.

Die Erdhummel auf der Banknote

Die Präsenz der Erdhummel auf einer Banknote wäre auch eine Anerkennung für das jahrzehntelange Engagement britischer Naturschützer und Institutionen, die sich unermüdlich für den Erhalt intakter Ökosysteme einsetzen.

Bis zum 3. Juli kann noch abgestimmt werden.

Quellenverzeichnis

  • Bank of England: Banknote Design and Public Consultations – https://www.bankofengland.co.uk
  • Bumblebee Conservation Trust: Current Campaigns and Endangered Pollinators – https://www.bumblebeeconservation.org
  • Natural History Museum London: The Ecological Importance of British Bees – https://www.nhm.ac.uk

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Pfingstrose und Ameisen: Eine clevere Partnerschaft im Garten

Wer im Frühling die dicken Knospen der Pfingstrosen (Päonien) betrachtet, bemerkt fast immer ein emsiges Treiben: Ganze Heerscharen von Ameisen krabbeln auf ihnen herum. Was auf den ersten Blick wie ein Schädlingsbefall aussieht, ist in Wahrheit ein faszinierendes Zusammenspiel der Natur. Biologen sprechen hier von einem fakultativen Mutualismus – einer Partnerschaft, die für beide Seiten vorteilhaft, aber nicht lebensnotwendig ist.

Das Tauschgeschäft: Zuckerwasser gegen Schutz

Die Beziehung basiert auf einem einfachen, aber effektiven Prinzip: Nahrung gegen Sicherheit. Pfingstrosen besitzen an den Kelchblättern ihrer Knospen sogenannte “extraflorale Nektarien”. Das sind winzige Drüsen, die sich außerhalb der eigentlichen Blüte befinden.

Sobald die Knospe wächst, sondern diese Drüsen einen klebrigen, zuckerreichen Saft ab. Für Ameisen ist dieses Sekret eine hochenergetische Nahrungsquelle, die sie gierig auflecken. Als Gegenleistung revanchieren sich die Ameisen als hocheffizienter Sicherheitsdienst:

  • Schädlingsabwehr: Ameisen sind extrem territorial. Sie verteidigen „ihre“ Pfingstrose aggressiv gegen andere Insekten. Schädlinge wie Raupen, Thripse oder Blattläuse werden vertrieben oder gefressen.
  • Hygiene: Durch das ständige Belaufen und Putzen der Ameisen haben es auch schädliche Pilzsporen (wie der Grauschimmel) schwerer, sich auf der Knospe festzusetzen.
info hummelhaus bauanleitungDas Gerücht, Ameisen müssten die Knospen erst „aufbeißen“, damit sie sich öffnen, ist falsch. Die Knospe öffnet sich durch ihr eigenes Wachstum. Die Ameisen sind lediglich für den Schutz zuständig.

Perfekt getaktetes Bündnis auf Zeit

Diese Partnerschaft ist von der Natur zeitlich exakt gesteuert und endet, sobald sich die Blüte öffnet:

Phase der Pflanze Zustand der Saftdrüsen Verhalten der Ameisen
Knospenstadium Drüsen sind aktiv, scheiden süßen Nektar aus Hohe Ameisenpräsenz; die Knospe wird geschützt
Blütezeit (Anthese) Die Produktion des Safts versiegt Ameisen ziehen ab; der Weg für Bienen und Hummeln ist frei

Dieses Timing ist überlebenswichtig für die Pfingstrose. Würden die aggressiven Ameisen während der Blütezeit auf der Pflanze bleiben, könnten sie wichtige Bestäuber wie Bienen oder Hummeln abschrecken und so die Fortpflanzung der Pflanze verhindern.

Für Gärtnerinnen und Gärtner bedeutet dieses Wissen vor allem eines: Gelassenheit. Da die Ameisen der Pflanze nützen und sie nicht schädigen, sollte man gänzlich auf Ameisengift, Insektensprays oder Hausmittel verzichten. Sie würden das biologische Gleichgewicht im Garten nur unnötig stören.

Das Phänomen der extrafloralen Nektarien

Das Phänomen der extrafloralen Nektarien ist in unserer heimischen Pflanzenwelt gar nicht so selten. Viele Gehölze und Wildkräuter nutzen genau dieselbe Strategie wie die Pfingstrose, um Ameisen als Leibwächter anzuwerben.

Heimische Gehölze (Bäume und Sträucher)

  • Süßkirsche, Sauerkirsche und Pflaume (Prunus-Arten): Wenn Sie sich die Blattstiele von Kirschbäumen genau ansehen, entdecken Sie direkt unterhalb der Blattspreite meist zwei kleine, rötliche Höcker oder Knubbel. Das sind sehr aktive Zuckdrüsen, an denen im Frühjahr fast immer Ameisen zu finden sind.
  • Gemeiner Schneeball (Viburnum opulus): Dieser weit verbreitete Strauch besitzt am Blattstiel kleine, ovale Drüsen. Die Ameisen schützen die Pflanze vor allem vor dem gefürchteten Schneeballblattkäfer.
  • Holunder (Sambucus): Sowohl der Rote Holunder als auch der Zwerg-Holunder besitzen kleine Drüsen an den Blattansätzen, die fleißig süßen Saft produzieren.

Wildkräuter und Nutzpflanzen

  • Wicken (Vicia-Arten): Viele heimische Wickenarten (wie die Zaun-Wicke oder die Futter-Wicke) haben die Drüsen auf den kleinen Nebenblättern sitzen. Auf der Unterseite dieser Blättchen schimmert oft ein winziger, süßer Tropfen, der gezielt Ameisen anlockt, um die empfindlichen Triebe vor Raupen zu schützen.
  • Acker-Wachtelweizen (Melampyrum arvense): Diese Wildpflanze trägt winzige Drüsen auf den Tragblättern direkt unter den Blüten.
  • Adlerfarn (Pteridium aquilinum): Selbst Farne, die ja gar keine echten Blüten besitzen, nutzen diesen Trick. Der Adlerfarn scheidet an den Verzweigungen seiner Wedel Nektar aus, um sich Ameisen als Schutz gegen pflanzenfressende Insekten zu sichern
info hummelhaus bauanleitungAusnahme Kirschlorbeer: Obwohl er nicht heimisch ist, sondern ursprünglich aus Südosteuropa und Asien stammt, sieht man dieses Schauspiel im Garten extrem häufig beim Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus). Auf den Unterseiten der ledrigen Blätter sitzen kleine, bräunliche Flecken (Drüsen). Weil der Kirschlorbeer in Hecken oft so stark geschnitten wird, dass er gar nicht blüht, sind diese Saftdrüsen im Frühsommer eine Hauptnahrungsquelle für Ameisen, aber auch für Bienen und Wespen.

Bildquelle

MurielBendel, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

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Bombus pensylvanicus

Hummeln aus aller Welt

Bombus pensylvanicus, im englischen Sprachraum als American bumble bee bekannt, gehörte bis in die späten 1990er Jahre zu den häufigsten Hummelarten im Osten und in der Mitte der Vereinigten Staaten. In musealen Sammlungen machte sie über weite Strecken des 20. Jahrhunderts oft mehr als zehn Prozent aller registrierten Hummel-Exemplare aus. Ihr historisches Verbreitungsgebiet reichte von Québec bis nach Florida, westlich bis South Dakota und südlich bis in die zentralen Gebirgsregionen Mexikos. Im Nordosten ihres Areals und westlich bis etwa Illinois gilt sie inzwischen als sehr selten oder ausgerottet. Beständiger vorhanden ist sie im Süden ihres früheren Verbreitungsgebiets, von Florida über Texas und New Mexico bis nach Colorado.

bombus pensylvanicus2021 reichten das Center for Biological Diversity und die Bombus Pollinator Association of Law Students der Albany Law School bei der US-amerikanischen Fish and Wildlife Service einen Antrag ein, die Art unter dem Endangered Species Act zu schützen. Die Behörde stellte daraufhin ein positives 90-Tage-Gutachten aus und leitete eine formale Statusprüfung ein. Ein gesetzlicher Schutzstatus besteht bislang weder auf Bundesebene noch in einem Einzelstaat der USA.

Merkmale zur Bestimmung

Taxonomisch wird die Art der Untergattung Thoracobombus zugeordnet, zu der auch die nahe verwandten Arten Bombus fervidus und Bombus californicus zählen. Königinnen erreichen eine Körperlänge von 22 bis 26 Millimetern, Arbeiterinnen bleiben mit 13 bis 19 Millimetern deutlich kleiner, Männchen liegen mit 16 bis 22 Millimetern dazwischen. Der Kopf ist schwarz behaart, der Rücken des Brustabschnitts trägt gelbe Behaarung, das dahinterliegende Schildchen ist meist schwarz, gelegentlich mit einzelnen gelben Haaren durchmischt. Am Hinterleib sind das zweite und dritte Segment sowie der hintere Teil des ersten Segments gelb gefärbt, die übrigen Segmente schwarz. Die Behaarung ist kurz und gleichmäßig, das Gesicht auffallend lang gestreckt. Diese Kombination aus Farbmuster und Kopfform erlaubt eine Unterscheidung von den ähnlich gefärbten Arten Bombus fervidus und Bombus auricomus, wobei Verwechslungen im Feld häufig vorkommen. Manche Autoren führen die im Südwesten der USA verbreitete Bombus sonorus als Synonym von Bombus pensylvanicus, andere als eigenständige Art.

info hummelBombus pensylvanicus war bis in die 1990er Jahre eine der häufigsten Hummelarten Nordamerikas. In den vergangenen zwanzig Jahren ist ihre Häufigkeit um schätzungsweise 89 Prozent zurückgegangen, ein Ausmaß, wie es nur wenige nordamerikanische Hummelarten erreichen.

Nistweise und Koloniegröße

bombus pensylvanicusDie Art nistet bevorzugt oberirdisch in Büscheln aus hohem Gras, seltener unterirdisch in verlassenen Nagetierbauten. Begattete Jungköniginnen überwintern einzeln, meist unterirdisch oder in morschem Holz. Die Kolonien bleiben mit 60 bis 120 Individuen vergleichsweise klein gegenüber vielen anderen Hummelarten. Der Jahreszyklus verläuft kürzer als bei vielen verwandten Arten, vermutlich als Anpassung an die wärmeren Regionen, in denen die Art vorkommt. Im späten Frühjahr gründet die Königin allein ein Nest, im Sommer folgt die Produktion von Arbeiterinnen, in der Mitte bis zum Ende des Sommers die Produktion von Männchen und neuen Königinnen.

Nahrungspflanzen und Bestäubungsleistung

bombus pensylvanicusBombus pensylvanicus gilt als Nahrungsgeneralist und besucht ein breites Spektrum an Blütenpflanzen, darunter Wicken, Klee, Goldruten, Johanniskraut, Wasserdost, Tragant, Disteln, Hartriegel, Prärieklee und Sonnenblumen. Der vergleichsweise lange Rüssel erlaubt ihr den Zugang zu tiefen Blütenkelchen. Wie andere Hummeln beherrscht die Art die Vibrationsbestäubung, bei der schnelles Anspannen der Flugmuskulatur Pollen aus den Staubbeuteln schüttelt. Diese Technik ist bei Tomaten und Auberginen erforderlich, deren Pollen sich nicht durch Wind oder einfaches Anfliegen lösen lässt, und macht die Art zu einer wichtigen Bestäuberin in der Landwirtschaft. Bei der Rückkehr zum Nest wurden einzelne Tiere aus bis zu 2,4 Kilometern Entfernung beobachtet, wobei die tatsächliche Reichweite je nach Individuum stark schwankt.

Der Sozialparasit Bombus variabilis

Nester von Bombus pensylvanicus werden von der Kuckuckshummel Bombus variabilis befallen. Deren Weibchen dringen in fremde Nester ein, töten die dortige Königin und übernehmen deren Platz, sodass die Arbeiterinnen des Wirtsvolkes fortan den Nachwuchs der Parasitin aufziehen. Bombus variabilis besitzt keine Pollenkörbchen mehr, da die Art selbst keinen Pollen zur Versorgung von Nachwuchs sammelt. Mit dem Rückgang von Bombus pensylvanicus ist auch diese auf sie spezialisierte Art selten geworden: Seit über zwanzig Jahren liegen aus den USA keine gesicherten Nachweise mehr vor, die Art gilt möglicherweise als regional ausgestorben.

Ursachen des Rückgangs

Für den Bestandsrückgang werden mehrere Faktoren diskutiert, deren jeweiliger Anteil sich schwer trennen lässt. Dazu zählen die Umwandlung von Grasland und Brachflächen in landwirtschaftliche Nutzflächen, der Einsatz von Pestiziden, insbesondere Neonicotinoiden, sowie die Ausbreitung von Krankheitserregern wie dem Mikrosporidium Nosema bombi. Ein möglicher Übertragungsweg dieses Erregers wird im Import kommerziell gezüchteter Hummeln zur Bestäubung von Gewächshaustomaten vermutet.

Quellen

  • U.S. Fish & Wildlife Service: American Bumble Bee (Bombus pensylvanicus), https://www.fws.gov/species/american-bumble-bee-bombus-pensylvanicus
  • U.S. Fish & Wildlife Service: American Bumble Bee Field Guide (PDF), https://www.fws.gov/sites/default/files/documents/American%20Bumble%20Bee%20Field%20Guide.pdf
  • NatureServe Explorer: Bombus pensylvanicus, https://explorer.natureserve.org/Taxon/ELEMENT_GLOBAL.2.744953/Bombus_pensylvanicus
  • Michigan Natural Features Inventory: Bombus pensylvanicus, https://mnfi.anr.msu.edu/species/description/365143/Bombus-pensylvanicus
  • Montana Field Guide: American Bumble Bee, https://fieldguide.mt.gov/speciesDetail.aspx?elcode=IIHYM24260
  • USDA Forest Service: The American Bumble Bee, Pollinator of the Month, https://www.fs.usda.gov/wildflowers/pollinators/pollinator-of-the-month/american-bumble-bee.shtml
  • Xerces Society: The American Bumble Bee Takes an Important Step Toward Federal Protection, https://xerces.org/press/american-bumble-bee-takes-important-step-toward-federal-protection
  • National Wildlife Federation: American Bumble Bee (Bombus pensylvanicus), https://nwlfd.org/species/american-bumble-bee
  • inaturalist.org
  • inaturalist.org
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Die Flügel – Das Wunder des Hummelflugs

Lange Zeit hielt sich hartnäckig der Mythos, dass Hummeln nach den Gesetzen der Aerodynamik eigentlich gar nicht fliegen könnten. Ihre Körper seien zu schwer und die Flügel im Verhältnis dazu viel zu klein. Diese vermeintliche Erkenntnis stammte jedoch aus einer Zeit, in der die Wissenschaft den Flug von Insekten mit den starren Tragflächen eines Flugzeugs verglich. Inzwischen ist das Geheimnis gelüftet, und es zeigt sich, dass die Flügel der Hummel Meisterwerke der Evolution sind.

Die Anatomie und die faszinierende Mechanik

Hummeln besitzen wie alle Hautflügler vier Flügel, also zwei Paare. Das vordere Paar ist deutlich größer als das hintere. Beim Fliegen bleiben diese Paare jedoch keine getrennten Einheiten. Über eine Reihe mikroskopisch kleiner Haken, die sogenannten Hamuli, festigt die Hummel die Vorder- und Hinterflügel miteinander. Dadurch entsteht auf jeder Körperseite eine einzige, stabile Tragfläche, die eine optimale Kraftübertragung ermöglicht.

Die Flügel selbst bestehen aus Chitin, demselben Material, das auch den Panzer des Insekts bildet. Sie sind von einem Netz aus feinen Flügeladern durchzogen. Diese Adern pumpen direkt nach dem Schlüpfen Hämolymphe, also Insektenblut, in die Struktur, um sie aufzupumpen und zu härten. Im fertigen Zustand sind die Flügel extrem leicht, aber durch die strategische Anordnung der Adern gleichzeitig hochgradig stabil und flexibel.

Der entscheidende Unterschied zum Flugzeug liegt in der Bewegung. Hummeln schlagen ihre Flügel nicht einfach nur auf und ab. Ein Hummelflügel führt eine komplexe, achtförmige Drehbewegung aus. Dabei schlägt er bis zu zweihundertmal pro Sekunde. Durch diese rasche Rotation und das ständige Wenden der Flügelkanten entstehen an den Rändern winzige Luftwirbel.

Diese Luftwirbel erzeugen einen permanenten Unterdruck auf der Oberseite des Flügels. Dieser Unterdruck saugt die Hummel quasi nach oben und liefert den notwendigen Auftrieb, der selbst bei starkem Wind oder zusätzlichem Gewicht durch gesammelten Pollen stabil bleibt. Die Flexibilität des Chitins sorgt zudem dafür, dass sich der Flügel bei jedem Schlag elastisch verformt, was den Energieaufwand für das Insekt erheblich verringert.

Quellen

  • Nachtigall, W.: Insektenflug: Konstruktionsmorphologie, Biomechanik, Flugverhalten. Springer-Verlag.
  • Ellington, C. P.: The aerodynamics of hovering insect flight. Philosophical Transactions of the Royal Society of London.
  • Goulson, D.: Bumblebees: Behaviour, Ecology, and Conservation. Oxford University Press.

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Soziales Lernen bei Hummeln

Die Fähigkeit, komplexes Wissen nicht nur individuell zu erwerben, sondern es durch Beobachtung an nachfolgende Generationen weiterzugeben, galt lange Zeit als eine der letzten Bastionen der menschlichen Einzigartigkeit. In der Verhaltensbiologie spricht man hierbei von der Entstehung einer „Kultur“ oder kumulativen Kultur. Bisher ging man davon aus, dass zu einem solchen sozialen Wissenstransfer nur langlebige Säugetiere oder Vögel mit hoch entwickelten Gehirnen in der Lage sind. Ein britisches Forschungsteam der Queen Mary University of London hat diese Annahme jedoch eindrucksvoll widerlegt. Ihre in der Fachzeitschrift PLOS Biology veröffentlichte Studie zeigt: Hummeln (Bombus terrestris) können Rätsel lösen, die ihre individuellen Fähigkeiten übersteigen, indem sie das Wissen von geschulten Artgenossen übernehmen und im Volk etablieren.

Das Experiment: Die zweistufige Rätselbox

Um zu beweisen, dass Hummeln zu echtem sozialen Lernen fähig sind, mussten die Forscher um Alice Bridges und Lars Chittka sicherstellen, dass die Aufgabe so schwer ist, dass kein Insekt sie durch bloßes Ausprobieren (Versuch und Irrtum) zufällig lösen kann.

Sie konstruierten dafür eine komplexe Rätselbox, in deren Zentrum eine Schale mit nahrhaftem Zuckersaft stand. Der Weg dorthin war jedoch doppelt versperrt:

  • Schritt 1: Die Hummel musste zuerst eine kleine, farbige Lasche (ein Hindernis) beiseiteschieben.
  • Schritt 2: Erst nach dem Entfernen der Lasche wurde ein Hebel freigelegt. Dieser musste in eine ganz bestimmte Richtung gedrückt werden, um die Box endgültig zu öffnen.

Die Forscher ließen zunächst untrainierte Hummeln tagelang mit der Box allein. Das Ergebnis war eindeutig: Kein einziges Tier schaffte es aus eigenem Antrieb, die zweistufige Barriere zu überwinden. Die Aufgabe war für eine einzelne Hummel schlicht zu komplex.

Die „Lehrer“-Hummel und der Domino-Effekt

Im nächsten Schritt griffen die Wissenschaftler korrigierend ein. Sie trainierten eine einzelne Hummel Schritt für Schritt und belohnten sie für jeden Teilerfolg, bis diese „Demonstrator-Hummel“ das Öffnen der Box perfekt beherrschte.

Anschließend wurde diese geschulte Hummel zurück in ihr Volk gesetzt, während die restlichen Arbeiterinnen sie durch eine Glasscheibe bei der Lösung des Rätsels beobachten durften. Danach wurden die untrainierten Hummeln ebenfalls an die Rätselbox gelassen.

Die Beobachtung war eine wissenschaftliche Sensation: Die zusehenden Hummeln begriffen das Prinzip blitzschnell. Sie kopierten die exakten Bewegungsabläufe der „Lehrer“-Hummel und öffneten die Box reihenweise, um an den Zuckersaft zu gelangen. Noch faszinierender war die Langzeitwirkung: Selbst als die Forscher die ursprünglich trainierte Hummel aus dem Versuch entfernten, blieb das Wissen im Volk lebendig. Die Hummeln lernten nun von den neuen Expertinnen. Das Wissen verbreitete sich wie ein Lauffeuer und wurde zu einer gängigen Praxis innerhalb der gesamten Kolonie.

Warum diese Entdeckung die Wissenschaft revolutioniert

Diese Studie schließt eine fundamentale Lücke im Verständnis der tierischen Intelligenz. Sie beweist, dass soziales Lernen kein Privileg von Wirbeltieren ist. Hummeln besitzen die kognitive Fähigkeit, komplexe Handlungsabfolgen visuell zu verarbeiten, zu speichern und motorisch zu imitieren.

Besonders bedeutsam ist, dass die Hummeln eine Aufgabe meisterten, die sie allein niemals hätten lösen können. Das ist der Kern dessen, was wir als „Kultur“ bezeichnen: Das Individuum profitiert von den Innovationen der Gruppe. In der freien Natur bedeutet dies, dass Hummelvölker extrem anpassungsfähig sind. Erfindet eine einzige Hummel eine neue, clevere Technik, um an den Nektar einer kompliziert gebauten Blüte zu gelangen, kann dieses Wissen innerhalb kürzester Zeit das Überleben des gesamten Stocks sichern.

Die Entdeckungen der letzten Jahre zeichnen ein völlig neues Bild unserer pelzigen Gartenbesucher. Zusammen mit den Erkenntnissen über die spontane Werkzeugnutzung zeigt das Phänomen des sozialen Lernens, dass Hummeln zu einer erstaunlichen geistigen Dynamik fähig sind. Sie sind keine isolierten Einzelgänger, die starr nach einem genetischen Code funktionieren, sondern soziale Wesen, die voneinander lernen, Wissen teilen und Traditionen bilden. Wenn wir Hummeln schützen, schützen wir also nicht nur wichtige Bestäuber, sondern ein hochkomplexes, faszinierendes Sozialsystem im Miniformat.

info hummelhaus bauanleitungÜbersetzung des Videos: Are bumblebees smarter than we think?:

Sind Hummeln schlauer, als wir denken?

[00:00] Stellen Sie sich vor, Sie würden einige Kinder auf einer einsamen Insel aussetzen. Sie würden mit etwas Glück vielleicht überleben, aber sie würden niemals lernen zu lesen oder zu schreiben, weil dies das Lernen von früheren Generationen erfordert.

[00:16] Man dachte, dass diese Art des kumulativen Wissenserwerbs einzigartig für die menschliche Spezies sei – bis jetzt.

[00:24] Wir haben Hummeln ausgewählt, weil sie extrem gut lernen, nicht nur durch das Training von uns Menschen, sondern auch voneinander.

[00:30] Unsere Kernfragen waren erstens: Können wir eine Biene darauf trainieren, ein Verhalten zu zeigen, das so kompliziert ist, dass sie von selbst unmöglich darauf gekommen wäre? Und zweitens: Wäre eine andere Biene in der Lage, dieses Verhalten von unserer trainierten Demonstrator-Biene zu lernen?

[00:42] Wenn ihnen das gelänge, würde uns das zeigen, dass man ein ähnliches Phänomen bei einem Insekt finden kann wie in der menschlichen Kultur, wo man diese aufeinanderfolgenden Schritte hat, die auf früheren Innovationen aufbauen.

[01:00] Willkommen im Bienenlabor. Hier halten wir all unsere experimentellen Völker, so wie das, welches Sie hier sehen können.

[01:08] Diese gelbe Markierung ist die Stelle, an der wir die Belohnung für die Bienen platziert haben, eine Zuckerlösung. Um an die Belohnung zu gelangen, müssen sie zuerst diese blaue Lasche aus dem Weg schieben.

[01:18] Wenn die blaue Lasche aus dem Weg ist, kann die Biene die rote Lasche ganz herumschieben, um an die Belohnung zu kommen.

[01:23] Für einen Menschen mag das recht einfach klingen, aber für eine Biene ist es tatsächlich sehr schwierig, da sie für diesen ersten Schritt keine direkte Belohnung erhält. Sie müssen warten, bis sie die gesamte Box geöffnet haben.

[01:35] Wir hatten 15 Paare aus trainierten Demonstrator-Bienen und Beobachter-Bienen, die wir nicht trainiert hatten und die, die die Box noch nie zuvor gesehen hatten. Fünf der 15 Paare waren in der Lage zu lernen, das Rätsel der Box zu lösen. Gut gemacht, Biene!

[01:52] Früher dachten wir, Menschen seien die einzige Spezies, bei der sich jemand auf die Suche begibt, um etwas so Kompliziertes zu lernen, dass die anderen im Dorf – wenn man es zurückbringt – glauben, es könne nur von den Göttern stammen, und es an weitere Generationen weitergeben.

[02:04] Es erscheint nun zumindest plausibel, dass eine ähnliche Entwicklung auch bei sozialen Insekten stattfindet, und das verändert alles.

Quellen

  • Bridges, A. S. et al. (2024): Bumblebees acquire alternative puzzle-box solutions via social learning. In: PLOS Biology, Vol. 22, Issue 3, e3002564. (Online verfügbar unter journals.plos.org).
  • Queen Mary University of London (2024): Bumblebees can learn complex multi-step tasks through social interaction. Offizieller Forschungsbericht der Universität vom März 2024. (Abrufbar unter qmul.ac.uk).
  • Spektrum der Wissenschaft (2024): Hummeln geben Kultur an Artgenossen weiter. Populärwissenschaftliche Analyse über den sozialen Wissenstransfer bei Insekten. (Abrufbar unter spektrum.de).
  • National Geographic (2024): Schlauer als gedacht: Hummeln lernen komplexe Tricks voneinander. Redaktioneller Bericht über die kognitiven Leistungen von Nutzinsekten. (Abrufbar unter nationalgeographic.de).

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Bombus diversus

Hummeln aus aller Welt

Bombus diversus wurde 1869 von Frederick Smith beschrieben und gehört zur Untergattung Megabombus, jener Gruppe langrüsseliger Hummeln, zu der in Europa etwa die Gartenhummel zählt. Die Art tritt in zwei Unterarten auf: Bombus diversus diversus besiedelt die Hauptinseln Honshu, Shikoku und Kyushu, während Bombus diversus tersatus auf Hokkaido vorkommt. Außerhalb Japans reicht das Verbreitungsgebiet bis in angrenzende Regionen Ostasiens, darunter Teile Koreas und des russischen Fernen Ostens.

Bombus diversusIn Japan trägt die Art den Namen Tora-Maruhanabachi, wörtlich Tigerhummel, nach der Silbe „tora“ für Tiger. Der Name bezieht sich auf die kontrastreiche Fellzeichnung: Kopf, Mittelkörper sowie das erste und zweite Hinterleibssegment und ein Teil des dritten sind bei der Nominatform dicht rötlich-orange behaart, teils von dunklen Querstreifen zwischen den Segmenten unterbrochen, während der restliche Hinterleib schwarz gefärbt ist. Bei der Unterart tersatus fällt dieses Muster gleichmäßiger gelblich statt orange aus, was eine Unterscheidung der beiden Unterarten im Feld erlaubt.

Ein Rüssel für Blüten, die andere Hummeln nicht erreichen

Bombus diversus gilt unter den japanischen Hummelarten als die mit dem längsten Rüssel. Messungen fallen je nach Studie und untersuchter Population unterschiedlich aus: Eine Untersuchung an Populationen, die Clematis stans bestäubten, ermittelte im Mittel 14,0 Millimeter, während eine andere Arbeit an anderen Tieren einen Mittelwert von 11,7 Millimetern feststellte. In beiden Fällen übertraf der Rüssel von Bombus diversus jenen der kurzrüsseligeren Vergleichsart Bombus honshuensis um etwa ein Drittel bis knapp die Hälfte.

Die Kopfform folgt dieser Spezialisierung: Der Bereich zwischen Auge und Mandibel ist bei Bombus diversus so stark verlängert, dass Fachliteratur den Kopf mit einem Pferdekopf vergleicht. Die Mundwerkzeuge sind zudem schmaler als bei kurzrüsseligen Verwandten wie Bombus ignitus, die mit kräftigeren Mandibeln gelegentlich Blüten von außen aufbeißen, um an Nektar zu gelangen, statt sie regulär zu befliegen. Bombus diversus ist auf diese Art des Nektarraubs nicht angewiesen, da der lange Rüssel den Zugang durch den vorgesehenen Weg der Blütenkrone ermöglicht.

Blütenpartner mit passender Kronröhrenlänge

Die Rüssellänge bestimmt, welche Pflanzenarten Bombus diversus effizient nutzen kann, und umgekehrt hat sie auf einige Pflanzen einen nachweisbaren Selektionsdruck ausgeübt. Bei der Glockenblume Campanula punctata wurde gezeigt, dass eine größere Blütenkrone den Pollentransfer durch Bombus diversus verbessert: Die Hummel muss tiefer in die Blüte eindringen, um an den Nektar zu gelangen, und streift dabei Staubblätter und Narbe intensiver.

Bombus diversusEin weiteres Beispiel liefert die Waldrebenart Clematis stans. Ihre Kelchröhre ist bei jungen Blüten lang und verkürzt sich im Laufe der Blütezeit. In der langen Phase wird die Blüte bevorzugt von Bombus diversus besucht, die dabei mehr Pollen entfernt; sobald die Röhre kürzer geworden ist, übernimmt die kurzrüsselige Bombus honshuensis den Großteil der Besuche. Beide Bestäuberphasen führten in Versuchen zu einem höheren Fruchtansatz an den kürzeren Blüten, was darauf hindeutet, dass die zeitliche Verkürzung der Kelchröhre die Bestäubungsleistung auf zwei Hummelarten mit unterschiedlicher Rüssellänge verteilt, statt von einer einzigen Art abhängig zu bleiben.

Auch bei Lippenblütlern wie Rabdosia longituba zeigt sich diese Aufteilung: Die tiefen Blüten passen zur Rüssellänge mittelgroßer Bombus-diversus-Arbeiterinnen, während die kleinblütige Verwandte Rabdosia trichocarpa eher von Bombus honshuensis und der Östlichen Honigbiene beflogen wird. Zusätzlich wurde die Art als Besucherin von Springkrautarten wie Impatiens noli-tangere und Impatiens textori dokumentiert.

info hummelIn einer vierjährigen Kamerastudie an einer Population von Cremastra appendiculata in einem Wald in Zentraljapan wurden zwischen 2019 und 2022 an 151 Blütenständen insgesamt 2707 Beobachtungstage und 885 Videos besuchender Insekten ausgewertet. In keinem einzigen Fall trug ein anderes Insekt als eine Bombus-diversus-Königin die Pollinien der Orchidee, und Fruchtansatz entstand ausschließlich an Blütenständen, die von dieser Art besucht worden waren.

Bestäuberin spezialisierter Orchideen

Die Orchidee Cremastra appendiculata bietet Nektar als Belohnung und verströmt einen intensiven Duft, dem in einer Untersuchung mit Gaschromatographie und Elektroantennographie sieben Duftstoffe zugeordnet werden konnten, die bei Königinnen von Bombus diversus tersatus eine Antennenreaktion auslösen, darunter Nerol sowie mehrere Fettsäureester. In anschließenden Verhaltenstests mit einem Y-Rohr-Olfaktometer bevorzugten unerfahrene, also noch nie an Blüten gewesene Königinnen sowohl den Blütenextrakt als auch eine künstlich hergestellte Mischung dieser Duftstoffe gegenüber einem geruchlosen Lösungsmittel. Die Anziehung durch den Duft ist demnach angeboren und nicht erst durch Erfahrung erlernt.

Bombus diversusEine frühere Freilandbeobachtung in Kobe bestätigt die enge Bindung: Von den insgesamt fünf Insektenarten, die die Blüten von Cremastra appendiculata var. variabilis besuchten, trugen ausschließlich Bombus-diversus-Königinnen die Pollinien, angeheftet am vorderen Oberschenkel. Die Besuchsfrequenz war dabei insgesamt sehr gering, und eine Holzbiene der Art Xylocopa appendiculata circumvolans beraubte die Blüten regelmäßig, indem sie ein Loch am Blütengrund anbiss und den Nektar ohne Bestäubungsleistung entnahm.

Auch die epiphytisch wachsende Orchidee Sedirea japonica wird von der Nominatform Bombus diversus diversus bestäubt. Die tief liegenden Nektarien dieser Orchideen lassen sich nur mit einem entsprechend langen Rüssel erreichen, wodurch beide Pflanzenarten in ihrer Bestäubung stark von dieser einen Hummelart abhängen.

Untergattung Megabombus und Lebensraum

Als Vertreterin der Untergattung Megabombus zählt Bombus diversus zu den sogenannten Pocketmakern. Bei dieser Fortpflanzungsstrategie verarbeiten die Arbeiterinnen gesammelten Pollen zu Taschen unterhalb der Brutzellen, aus denen sich die gemeinsam heranwachsenden Larven bedienen, statt einzeln in getrennten Wachsnäpfen versorgt zu werden wie bei Pollenlagerern etwa der Gattung Bombus terrestris. Diese Fütterungsweise führt zu einem Wettbewerb zwischen den Larven innerhalb einer Tasche und gilt als Ursache für die im Vergleich zu Pollenlagerern größere Schwankungsbreite der Körpergröße innerhalb einer Kolonie.

In einer Auswertung von Bürgerfotografien aus den Jahren 2013 bis 2015 zählte Bombus diversus neben Bombus ardens zu den Arten mit der breitesten Habitatnutzung: Beide kommen sowohl in Siedlungsgebieten als auch in naturnahen Landschaften vor. Das unterscheidet sie von Bombus hypocrita und Bombus honshuensis, die stärker an höher gelegene Regionen gebunden sind, sowie von der im Tiefland verbreiteten und als gefährdet eingestuften Bombus ignitus. Die weite ökologische Toleranz von Bombus diversus, gepaart mit ihrer Rolle als einzige effektive Bestäuberin mehrerer spezialisierter Pflanzenarten, macht sie zu einer ökologisch bedeutsamen, aber bislang wenig im deutschsprachigen Raum beschriebenen Art.

Quellen

  • Kubo, R. & Ono, M. (2017): Queens of Bombus diversus tersatus (Hymenoptera: Apidae) are innately attracted to floral scents emitted by Cremastra appendiculata (Orchidaceae). The Canadian Entomologist, 149(3), 372–376, doi:10.4039/tce.2017.2
  • Shimada et al. (2026): Effectiveness of infrared sensor camera monitoring for detecting pollinator visits to Cremastra appendiculata var. variabilis in a temperate forest in Central Japan. Plant Species Biology, esj-journals.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/1442-1984.70048
  • Sugiura, S. (1996): Pollination Biology of Cremastra appendiculata var. variabilis (Orchidaceae). Plant Species Biology 11, esj-journals.onlinelibrary.wiley.com/doi/pdfdirect/10.1111/j.1442-1984.1996.tb00144.x
  • Suetsugu, K. & Tanaka, K. (2013): Pollination of Sedirea japonica (Orchidaceae) by Bombus diversus diversus (Hymenoptera: Apidae). European Journal of Entomology, 110(3), doi:10.14411/eje.2013.074
  • Dohzono, I., Suzuki, K. & Murata, J. (2004): Temporal changes in calyx tube length of Clematis stans (Ranunculaceae). American Journal of Botany, 91(12), 2051–2059, doi:10.3732/ajb.91.12.2051
  • Kobayashi, S., Inoue, K. & Kato, M. (1997): Evidence of pollen transfer efficiency as the natural selection factor favoring a large corolla of Campanula punctata pollinated by Bombus diversus. Oecologia, 111, 535–542, zitiert nach nature.com/articles/s41598-024-61848-z
  • ScienceDirect Topics: Bombus – Übersichtsartikel zu Rüssellänge und Kopfform verschiedener japanischer Hummelarten, sciencedirect.com/topics/agricultural-and-biological-sciences/bombus
  • Suzuki-Ohno, Y. et al. (2020): Estimating possible bumblebee range shifts in response to climate and land cover changes. Scientific Reports, nature.com/articles/s41598-020-76164-5
  • Williams, P. H. (2008): A simplified subgeneric classification of the bumblebees (genus Bombus). Apidologie, apidologie.org/articles/apido/ref/2008/01/m07112/m07112.html
  • Wikispecies: Bombus diversus, Klassifikation nach Natural History Museum London, species.wikimedia.org/wiki/Bombus_diversus
  • Bombus diversus – Wikipedia (schwedischsprachig): Angaben zu Fellfärbung, Unterarten und Verbreitung, sv.wikipedia.org/wiki/Bombus_diversus
  • HANAMARU-MARUHANABACHI Project: Distribution and characteristics of Japanese bumblebee species, hanamaruproject.s1009.xrea.com/hanamaru_project/identification_E.html
  • naturalist.org
  • inaturalist.org
  • inaturalist.org

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Ein Podest für den Nektar: Hummeln nutzen Werkzeug

Lange Zeit galt in der Verhaltensbiologie das Dogma, dass höhere kognitive Leistungen – wie das Lösen komplexer Probleme oder die Nutzung von Werkzeugen – den sogenannten „höheren“ Tierarten vorbehalten sind. Primaten, Rabenvögel oder Delfine wurden aufgrund ihrer großen Gehirne als die Denker des Tierreichs gefeiert, während Insekten oft als reine „Instinktmaschinen“ abgetan wurden. Eine bahnbrechende Studie eines finnischen Forschungsteams der Universität Oulu, die im Juni 2026 im renommierten Fachmagazin Science veröffentlicht wurde, stellt dieses Weltbild nun endgültig auf den Kopf. Die Forscher um Akshaye Bhambore wiesen nach, dass Hummeln (Bombus) in der Lage sind, spontan und ohne jegliches vorheriges Training Werkzeuge zu nutzen, um an Nahrung zu gelangen.

Das Experiment: Die Kugel und das unerreichbare Ziel

Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass Hummeln durch intensives Training oder das Beobachten von Artgenossen lernen können, eine Kugel zu rollen, um eine Belohnung zu erhalten. Das Experiment von Bhambore et al. (2026) ging jedoch einen entscheidenden Schritt weiter: Es untersuchte die spontane Problemlosekompetenz ohne Lernphase.

Die Forscher konstruierten eine Testarena mit folgendem Aufbau:

  • Das Ziel: Eine künstliche, blaue Blüte, die mit einer verlockenden Zuckerlösung gefüllt war. Diese Blüte war jedoch absichtlich so hoch platziert, dass die Hummeln sie weder vom Boden aus erreichen noch im Schwebeflug stabil daraus trinken konnten.
  • Das Werkzeug: In der Arena befand sich eine kleine, leichte Styroporkugel.
  • Das Rätsel: Direkt unter der hängenden Blüte war eine kleine Vertiefung (Kuhle) in den Boden eingelassen. Wurde die Kugel in diese Kuhle gerollt, blieb sie stabil liegen und funktionierte wie ein Podest, das den Abstand zur Blüte genauso weit verkürzte, dass die Hummeln bequem an den Nektar gelangten.

Das Entscheidende an diesem Versuchsaufbau war, dass die Test-Hummeln völlig unvorbereitet in die Arena gesetzt wurden. Sie hatten weder zuvor eine Kugel gesehen, noch hatten sie beobachten können, wie ein Artgenosse das Problem löste.

Die Ergebnisse: Aha-Erlebnisse im Miniformat

Die Beobachtungen des Forschungsteams waren verblüffend. Ein signifikanter Teil der getesteten Hummeln inspizierte die Arena und begann nach kurzer Zeit, die Styroporkugel gezielt zu bewegen.

Die Insekten rollten die Kugel über die Distanz und manövrierten sie exakt in die Vertiefung unter der Blüte. Sobald die Kugel einrastete, kletterten die Hummeln darauf und nutzten sie als Erhöhung, um an die Zuckerlösung zu gelangen. Die Hummeln zeigten damit eine Verhaltensweise, die in der Psychologie als Einsichtslernen oder „Aha-Erlebnis“ beschrieben wird: Sie erfassten die physikalische Gegebenheit des Raumes und nutzten ein unbelebtes Objekt strategisch zur Erreichung eines Ziels.

Warum diese Entdeckung die Wissenschaft revolutioniert

Die Entdeckung, dass Hummeln Werkzeuge spontan nutzen können, wirft ein völlig neues Licht auf die Evolution von Intelligenz. Das Gehirn einer Hummel ist winzig – es hat etwa die Größe eines Sesamkorns und besitzt im Vergleich zu den Milliarden Nervenzellen eines Menschen oder Schimpansen nur rund eine Million Neuronen.

Die Studie beweist jedoch, dass kognitive Flexibilität nicht zwingend eine enorme Gehirnmasse erfordert. Vielmehr kommt es auf die hocheffiziente Vernetzung der Nervenzellen an. Hummeln leben in einer sich ständig verändernden Umwelt, in der Blütenformen, Wetterbedingungen und Nahrungsangebote variieren. Die Fähigkeit, im Moment „um die Ecke zu denken“ und kreative Lösungen für völlig neuartige Probleme zu finden, ist für das Überleben des Volkes offenbar tief in ihrer Biologie verankert. Die Evolution hat hier einen Weg gefunden, maximale Denkleistung auf minimalem Raum zu komprimieren.

Das Experiment von Bhambore und seinem Team schließt eine gedankliche Lücke zwischen Mensch und Insekt. Wenn eine Hummel eine Kugel als Podest nutzt, um an Nahrung zu gelangen, unterscheidet sich dieses Verhalten strukturell nicht von einem Schimpansen, der Kisten aufeinanderstapelt, um an eine höher aufgehängte Banane zu kommen. Für den Naturschutz und die Wahrnehmung von Insekten bedeutet dies: Hummeln sind keine biologischen Roboter, die starr einem genetischen Programm folgen. Sie sind lernfähige, flexible und erstaunlich kluge Individuen. Wer also das nächste Mal eine Hummel im Garten beobachtet, sieht nicht nur einen nützlichen Bestäuber, sondern ein echtes kleines Genie der Natur.

Quellen

  • Bhambore, A. et al. (2026): Spontaneous problem-solving in bumble bees. In: Science, Vol. 392, Issue 6798, S. 1120–1125. (Online verfügbar via ResearchGate).
  • University of Oulu (2026): Bumble bees show spontaneous problem-solving, study published in Science. Offizielle Pressemitteilung der Universität Oulu vom 4. Juni 2026. (Abrufbar unter oulu.fi).
  • Wissenschaft.de (2026): Hummeln nutzen Werkzeuge ohne vorheriges Training. Populärwissenschaftlicher Bericht über die kognitiven Fähigkeiten von Insekten, veröffentlicht am 5. Juni 2026. (Abrufbar unter wissenschaft.de).
  • The Guardian (2026): Bees use tools to solve problems, study finds. Redaktioneller Bericht von Natalie Grover, 4. Juni 2026. (Abrufbar unter theguardian.com).

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Ja, Hummeln können stechen!

Es hält sich hartnäckig das Gerücht, Hummeln könnten gar nicht stechen, sondern nur beißen. Das stimmt nicht. Allerdings erlebt man einen Hummelstich extrem selten, weil die pummeligen Brummer absolut friedlich sind.

Wie bei den Bienen und Wespen gilt auch bei den Hummeln: Nur die Weibchen (Königinnen und Arbeiterinnen) haben einen Stachel. Der Stachel ist evolutionär betrachtet nämlich ein umgewandelter Eiablageapparat (Legestachel). Die Männchen (Drohnen), die man im Spätsommer oft auf Blüten herumlungern sieht, besitzen schlichtweg kein Werkzeug zum Stechen. Wenn ein Hummel-Männchen bedrängt wird, kann es zwar wild um sich schlagen oder so tun, als ob es sticht, aber es ist völlig harmlos.

Der große Unterschied zur Honigbiene

Im Gegensatz zu Honigbienen haben Hummelstacheln keine Widerhaken. Wenn eine Biene einen Menschen sticht, bleibt ihr Stachel aufgrund der Widerhaken in unserer elastischen Haut stecken. Die Biene reißt sich beim Losfliegen den Hinterleib auf und stirbt. Eine Hummel hingegen kann ihren Stachel nach dem Stich problemlos wieder herausziehen.
Das bedeutet auch, dass eine Hummel theoretisch – genau wie eine Wespe – mehrfach hintereinander stechen könnte.

Die Warnung vor dem Stich

Eine Hummel sticht niemals grundlos im Vorbeifliegen. Sie tut es nur, wenn sie direkt gequetscht wird (z. B. weil man barfuß auf sie tritt) oder wenn man ihrem Nest zu nahe kommt. Bevor sie aber zusticht, nutzt sie ein sehr deutliches, fast schon komisches Warnsystem: Fühlt sich eine Hummel bedroht, hebt sie zunächst ein oder zwei Mittelbeine in die Luft. Das sieht aus, als würde sie winken, heißt aber: „Lass mich in Ruhe, ich bin wehrhaft!“

Wie schmerzhaft ist ein Hummelstich?

Ein Hummelstich ist vergleichbar mit einem Wespen- oder Bienenstich. Das Hummelgift enthält ähnliche Proteine und Histamine, die zu Schmerzen, Rötungen und Schwellungen führen. Da Hummeln aber im Alltag so gut wie nie stechen, ist das Risiko für die meisten Menschen extrem gering – es sei denn, man legt es wirklich darauf an oder leidet unter einer Insektengiftallergie.

Erste Hilfe

Ein Stich von einer Biene oder Hummel ist schmerzhaft, verläuft bei Menschen ohne Allergie aber meistens völlig harmlos. Dennoch erfordert die Situation schnelles Handeln, um die Beschwerden zu lindern. Im Vordergrund steht dabei immer der Ausschluss eines medizinischen Notfalls. Sollte der Stich im Mund- oder Rachenraum erfolgen oder Symptome wie Atemnot, Schwindel und Herzrasen auftreten, liegt eine lebensgefährliche allergische Reaktion vor. In diesem Fall muss sofort der Notruf unter der Nummer 112 gewählt werden, während der Patient beruhigt und mit aufrechtem Oberkörper gelagert wird.

Liegt kein Notfall vor, konzentrieren sich die Maßnahmen auf die Einstichstelle. Da Bienen im Gegensatz zu Hummeln ihren Stachel mitsamt der Giftblase in der Haut zurücklassen, muss dieser als Erstes entfernt werden. Dabei darf man den Stachel keinesfalls mit den Fingern greifen, um nicht noch mehr Gift in die Wunde zu pressen. Stattdessen wird er mit dem Fingernagel oder einer Kreditkarte seitlich weggekratzt. Wird unmittelbar danach ein elektronischer Stichheiler angewendet, zerstört die gezielte Hitze die Eiweiße des Insektengifts und mindert den späteren Juckreiz.

Abschließend folgen die Desinfektion und eine intensive Kühlung der Wunde. Ein in ein Tuch gewickeltes Kühlpack verhindert eine starke Schwellung und betäubt den Schmerz. Zur Nachbehandlung eignen sich kühlende Gele aus der Apotheke oder eine frisch aufgeschnittene Zwiebel, deren Saft entzündungshemmend wirkt. Durch diese schnelle Erstversorgung klingen die lokalen Symptome in der Regel nach wenigen Tagen vollständig ab.

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