Erzwespe
Melittobia acasta ist eine nur wenige Millimeter große Erzwespe aus der Familie der Eulophidae. Ihre eigentlichen Wirte sind solitäre Bienen und Wespen, doch die Art hat sich als ernstzunehmender Schädling in kommerziellen Zuchtbeständen der Erdhummel (Bombus terrestris) etabliert, mit besonders schweren Ausbrüchen in südkoreanischen Zuchtbetrieben. Auch in freilebenden Hummelvölkern wurde sie wiederholt nachgewiesen, unter anderem in Kanada und Neuseeland.
Wie das Weibchen den Wirt nutzt
Das Weibchen sticht die Puppenhülle oder Vorpuppe der Hummel an und nimmt zunächst austretende Hämolymphe als Nahrung auf, bevor es Eier auf der Körperoberfläche ablegt. In Versuchen an Bombus terrestris wurden auf diese Weise praktisch alle angebotenen Puppen befallen, bei Vorpuppen waren es rund vier Fünftel. Auf einer einzelnen Puppe legt ein Weibchen im Schnitt deutlich mehr Eier ab als auf einer Vorpuppe, mit einer auffälligen Vorliebe für die Ansatzstelle des Hinterleibs.
Eine ungewöhnliche Fortpflanzungsstrategie
Der Nachwuchs von Melittobia acasta besteht zu 96 bis 98 Prozent aus Weibchen. Die wenigen Männchen sind blind und flugunfähig, verlassen den Wirt nie und verpaaren sich noch dort mit ihren eigenen Schwestern, bevor diese ausschwärmen. Bei einer nahen Verwandten, Melittobia australica, wurde sogar tödlicher Kampf zwischen mehreren Männchen um den Zugang zu den Schwestern beobachtet. Diese extreme Fortpflanzungsbiologie macht die Gattung zu einem viel zitierten Modellorganismus in der Evolutionsforschung, weit über ihre Rolle als Hummelschädling hinaus.
Warum die Art vor allem in Zuchtbetrieben auffällt
Weil Bombus terrestris für Melittobia acasta nicht der ursprüngliche, sondern ein zusätzlich nutzbarer Wirt ist, zeigt die Art in Zuchtbeständen eine hohe Vermehrungsrate: In Versuchen entwickelten sich 88 bis 94 Prozent der Larven erfolgreich bis zur Verpuppung. Die engen, dicht besetzten Bedingungen in Zuchtanlagen begünstigen die Ausbreitung zusätzlich. In freier Wildbahn, wo Hummelnester weiter verstreut liegen, treten vergleichbar schwere Befälle deutlich seltener auf.
Quellen
- J. M. González, J. B. Terán, R. W. Matthews (2004): Review of the biology of Melittobia acasta (Walker) (Hymenoptera: Eulophidae) and additions on development and sex ratio of the species. Caribbean Journal of Science, 40, S. 52–61
- R. W. Matthews, J. M. González, J. R. Matthews, L. D. Deyrup (2009): Biology of the Parasitoid Melittobia (Hymenoptera: Eulophidae). Annual Review of Entomology, 54, S. 251–266
- Y. J. Kwon, M. R. Amin, N. S. L. Inn (2012): Morphological features, development and reproduction of Melittobia acasta on Bombus terrestris. Entomological Research, 42, S. 73–78
- L. de Wael, M. de Greef, O. van Laere (1995): Biology and control of Melittobia acasta. Bee World, 76, S. 72–76
- J. Abe, Y. Kamimura, N. Kondo, M. Shimada (2003): Extremely female-biased sex ratio and lethal male-male combat in a parasitoid wasp, Melittobia australica (Eulophidae). Behavioral Ecology, 14, S. 34–39
- inaturalist.org
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Stefan aktualisiert.
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