Die Schlupfwespe – Freund und Feind im Hummelnest

In der ökologischen Betrachtung sozialer Insekten nehmen Hummeln eine fundamentale Rolle als Bestäuber in Agrarökosystemen und natürlichen Habitaten ein. Der Schutz dieser staatenbildenden Insekten hat in den vergangenen Jahrzehnten sowohl in der Wissenschaft als auch in der breiten Öffentlichkeit stark an Bedeutung gewonnen. Werden künstliche Nisthilfen (Hummelkästen) etabliert oder Wildnester beobachtet, stößt man unweigerlich auf den Begriff der „Schlupfwespe“. Diese taxonomisch diverse Gruppe von Hautflüglern (Hymenoptera) geht mit Hummelvölkern biologische Wechselbeziehungen ein, die gegensätzlicher nicht sein könnten.

Der Begriff vereint in der Praxis zwei völlig unterschiedliche ökologische Rollen: Einerseits agieren bestimmte Schlupfwespen als unverzichtbare Nützlinge im Kampf gegen verheerende Nestschädlinge, andererseits existieren spezialisierte Arten, die als hochgradig destruktive Parasitoide das direkte Absterben der Hummelbrut verursachen. Für Hummelfreunde und Forscher entsteht dadurch eine große Verwirrung, da das Wort „Schlupfwespe“ im Alltag als Sammelbegriff genutzt wird. Wer nach Informationen sucht, muss die nützlichen Helfer strikt von den tödlichen Feinden trennen.

Der nützliche Helfer: Biologischer Schutz vor der Wachsmotte

Trichogramma evanescensDer wohl größte Feind in künstlichen wie natürlichen Hummelnestern ist die Hummel-Wachsmotte (Aphomia sociella). Die adulten Falter dringen meist in der Dämmerung in die Nester ein, um dort ihre Eier abzulegen. Die daraus resultierenden Larven fressen die Wachswaben, den Pollenvorrat und nicht zuletzt die Hummelbrut selbst. Ein unkontrollierter Befall führt unweigerlich zur vollständigen Zerstörung des Nestes. Im Zuge des biologischen Hummelschutzes hat sich der gezielte Einsatz von winzigen Nützlingen der Gattung Trichogramma (insbesondere Trichogramma brassicae und Trichogramma evanescens) etabliert. Diese Tiere zählen biologisch zu den Erzwespen, werden im Alltag aber überwiegend zu den Schlupfwespen gezählt.

Diese mikroskopisch kleinen Wespen (oft unter 1 mm groß) besitzen eine spezialisierte Lebensweise: Sie suchen gezielt nach den frisch gelegten Eiern der Wachsmotte. Die weibliche Wespe sticht das Mottenei an und legt ihr eigenes Ei hinein. Die sich entwickelnde Wespenlarve konsumiert das Schmetterlingsei von innen heraus. Statt einer zerstörerischen Wachsmottenraupe schlüpft nach kurzer Zeit eine neue Generation nützlicher Wespen. Da sich diese Gattung strikt auf Schmetterlingseier beschränkt, besteht für die Hummeln und ihre Brut zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr.

info hummelhaus bauanleitungPraxis-Tipp für die Informationssuche: Wenn Sie Ihren Hummelkasten biologisch schützen möchten und online nach Anleitungen oder Kaufmöglichkeiten suchen, nutzen Sie niemals den allgemeinen Begriff „Schlupfwespe“. Suchen Sie stattdessen gezielt nach den Begriffen „Trichogramma Hummelkasten“ oder „Trichogramma Wachsmotte“. Nur so finden Sie die nützlichen Helfer-Kärtchen im Handel und verhindern gefährliche Verwechslungen.

Anwendung im Hummelkasten

Die Kärtchen mit den parasitierten Eiern werden ab Mai in den Hummelkasten gelegt. Da die Wespen nur wenige Tage leben und ausschließlich das Eistadium der Motte bekämpfen können, muss die Ausbringung alle drei Wochen wiederholt werden. Wichtig ist zudem ein abgedunkelter Kasten, da die winzigen Tiere sonst zum Licht fliegen und das Nest verlassen.

Für den erfolgreichen Einsatz der nützlichen Trichogramma-Schlupfwespen spielt die Temperatur im Hummelkasten eine wichtige Rolle. Die winzigen Helfer entwickeln sich bei Werten zwischen 22 und 28 °C optimal. Zwar sind sie in einem Bereich von 15 bis 35 °C aktiv, jedoch stellt eine Temperatur unter 15 °C eine kritische Grenze dar, da sich die Entwicklung der Wespen dann stark verlangsamt und sie ihre Aktivität weitgehend einstellen. Extreme Hitze über 35 °C kann für die Nützlinge sogar tödlich sein. Sollten die Kärtchen nicht sofort ausgebracht werden, lassen sie sich kurzzeitig für 1 bis 2 Tage bei 8 bis 12 °C lagern. Ein großer Vorteil beim Hummelschutz ist die biologische Eigenregulation, da Hummeln ihr Nest aktiv auf etwa 28 °C aufheizen und somit im Inneren des Stockes von Natur aus optimale Bedingungen für die Parasitierung der Wachsmotteneier herrschen.

Übersicht der Temperaturbereiche

Über 35 °C Es droht eine hohe Sterblichkeit der Tiere.
22 bis 28 °C Ideale Bedingungen für eine schnelle Entwicklung.
15 bis 35 °C Allgemeiner Aktivitätsbereich der Wespen.
Unter 15 °C Die Entwicklung stagniert stark, und die Tiere verfallen in Inaktivität.
8 bis 12 °C Empfohlener Bereich für eine kurzzeitige Lagerung von maximal zwei Tagen.

Der tödliche Parasit: Natürliche Feinde der Hummelbrut

Melittobia acastaDem positiven Nutzen der Helfer-Wespen steht eine weitaus düstere, natürliche Facette gegenüber. Verschiedene parasitische Hautflügler haben sich im Laufe der Evolution darauf spezialisiert, Hummelstaaten direkt auszubeuten. Ein prominentes und gefürchtetes Beispiel ist die Art Melittobia acasta. Auch sie gehört biologisch zu den Erzwespen, verhält sich im Nest jedoch wie eine parasitische Kleinst-Schlupfwespe und wird in der Praxis oft so genannt.

Diese Schädlinge dringen aufgrund ihrer geringen Größe oft völlig unbemerkt in das Hummelnest ein. Im Inneren angekommen, suchen sie die Kokons der frisch verpuppten Hummellarven auf. Ein einziges Weibchen durchbohrt den schützenden Kokon und legt hunderte Eier direkt auf die wehrlose Hummelpuppe. Die Larven des Parasiten fressen die Hummel von außen auf. Anstelle einer lebenswichtigen Hummelarbeiterin schlüpfen nach kurzer Zeit dutzende neue Parasiten aus dem Kokon. Diese paaren sich sofort im Nest und befallen die nächsten Hummelpuppen. Dieser Kreislauf führt schnell zu einer totalen Ausrottung der Brut, wodurch das Hummelvolk mangels Nachwuchs komplett kollabiert.

info hummelhaus bauanleitungPraxis-Tipp für die Schadens-Analyse: Haben Sie den Verdacht, dass Ihr Hummelvolk von winzigen Parasiten befallen ist, oder sterben plötzlich die Puppen im Nest? Suchen Sie in Fachforen und Datenbanken gezielt nach dem Begriff „Melittobia acasta Hummeln“. Allgemeine Suchanfragen zu Schlupfwespen führen hier oft in die Irre und zeigen stattdessen die oben genannten Nützlinge an.

Zusammenfassung

Die Biologie zeigt, dass „Schlupfwespe“ nicht gleich „Schlupfwespe“ ist. Im Hummelschutz entscheidet die genaue Art über Leben und Tod des Volkes. Während die Gattung Trichogramma als biologische Wunderwaffe den verheerendsten Schädling (die Wachsmotte) im Ei erstickt und somit den Hummeln das Leben rettet, bewirkt die Art Melittobia acasta als Brutparasit das genaue Gegenteil. Für eine erfolgreiche Recherche und Anwendung im eigenen Garten ist die Kenntnis dieser wissenschaftlichen Namen und der gezielte Einsatz der richtigen Suchbegriffe daher auch für Laien unerlässlich.

Bild-, Literatur- und Quellenverzeichnis

  • Čmeláci PLUS (2026): Die tödliche Wespe Melittobia acasta und Hummeln. Fachportal für Hummelschutz und -zucht.
  • Dräger, H.-H. / Wildbienen.de (o.D.): Biologische Bekämpfung von Wachsmotten (Aphomia sociella) durch den Einsatz von Trichogramma brassicae. Arbeitskreis Hummelschutz.
  • Dräger, H.-H. / Wildbienen.de (o.D.): Erzwespen als Wildbienen-Parasiten: Die Biologie von Melittobia acasta. Sektion Parasitismus bei Stechimmen.
  • inaturalist.org
  • inaturalist.org
  • Schlupfwespen Anwendung: Der ultimative Guide für maximalen Erfolg

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Stefan

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Töging am Inn (Südostbayern), 398m
  • Dieses Thema hat 13 Antworten sowie 3 Teilnehmer und wurde zuletzt vor 6 Tagen von Hummelpapa aktualisiert.
Ansicht von 13 Beiträgen – 1 bis 13 (von insgesamt 13)
  • Autor
    Beiträge
  • #95588
    Martha
    Forenmitglied
      • CH
      • 545 m

      Erwähnenswert wäre noch der Temperatur Bereich. Kritisch sind Temperaturen unter 15°C. Ideal 15°C bis 35°C.

       

      #95591
      Stefan
      Admin
      Beitragsersteller
        • DE 84513
        • 398 m

        Hallo Martha!

        Du meinst bei der Anwendung im Hummelnest?

        Dank Dir!

        Grüße Stefan

        #95600
        Martha
        Forenmitglied
          • CH
          • 545 m

          Hallo Stefan!

          ja, laut biologischen Beratungen ist das so. Bei Temperaturen unter 15°C stellen diese Wespen ihre Aktivitäten ein. Ideal sind Nesttemperaturen 20°C bis 27°C, dann arbeiten sie am effektivsten. Aber die Hummeln schaffen das schon selbst. :hummel: :hummel:

           

           

          #95635
          Stefan
          Admin
          Beitragsersteller
            • DE 84513
            • 398 m

            Danke @Martha!

            Ich hab jetzt bei verschiedenen Anbietern geschaut, die sind sich mit den Temperaturen grundsätzlich einig, genauso wie Du es gesagt hast. Ich habe es ergänzt! Danke für den Hinweis!

            Grüße Stefan :blume:

            #95638
            Stefan
            Admin
            Beitragsersteller
              • DE 84513
              • 398 m

              Damit alles seine Ordnung hat, werden die Schlupfwespen hier jetzt auch, neben Bacillus thuringiensis, als wirksame Bekämpfung gegen Wachsmotten geführt.

              Biologischer Schutz im Hummelkasten durch Schlupfwespen

              Grüße Stefan

              #95760
              Martha
              Forenmitglied
                • CH
                • 545 m

                Einen vorzüglich artikulierter Artikel über die TRICHOGRAMMA Schlupfwespe. Nun haben die Hummel Freunde eine sehr gute Alternative zu Bt (Bacillus thuringiensis), der Toxine (Giftstoffe) erzeugt und dann wie ein Insektizid wirkt. Es ist zu hoffen, dass diese Alternative zu Bt vermehrt Anwendung findet.

                #97128
                Hummelpapa
                Forenmitglied
                  • DE 74523
                  • 338 m

                  Hallo,

                  Ich habe diese Jahr meine Hummelhäuser mit Schlupfwespen geschützt. Mitte Mai wenn es warm wird und die WM anfangen zu fliegen bestellt man sich Schlupfwespen und setzt diese im Haus ein. Drei von vier Häusern hatten keine WM, das vierte war ein Provisorium und die Schlupfwespen nicht optimal platziert. Geschlechtstiere hatten alle Häuser.

                  Wenn man eine 3er Lieferung kauft ist man 9 Wochen geschützt dies sollte in den meisten Fällen ausreichen. Wenn das Volk länger da ist kann man noch etwas nachbestellen.

                  Im nächsten Jahr werde ich es ohne SW versuchen. Meine Häuser haben ich dafür sicherer gemacht. War einiges an Arbeit und einiges Material, dafür muss ich keine SW kaufen.

                  Welchen Vorteil die SW haben werde ich vielleicht dann Ende nächstes Jahr wissen. Werde weiterhin berichten.

                  Euer Hummelpapa Micha

                  #97129
                  Stefan
                  Admin
                  Beitragsersteller
                    • DE 84513
                    • 398 m

                    Danke für den Erfahrungsbericht @Hummelpapa!

                    Du kannst das Hummelhaus noch so sicher gestalten, 100% baulichen Schutz gegen Wachmotten gibt es leider nicht. Das ist meine Erfahrung. Gut, dass die Schlupfwespen so erfolgreich “funktionieren “.

                    Grüße Stefan :ja:

                    #97559
                    Martha
                    Forenmitglied
                      • CH
                      • 545 m

                      Nicht unerwähnt lassen möchte ich die Tarnung der Hummelkästen. In der Natur sind die Nester meist hervorragend getarnt. Die Eingänge sind oft unscheinbar und liegen versteckt unter dichten Wurzeln, Steinplatten, Komposthaufen oder tief im Gras.

                      Da die Kästen unbedingt im Schatten stehen müssen, kann man sie gut mit Schattenpflanzen abschirmen. Z.B. die grosse Sterndolde, dazu ist sie noch ein Insektenmagnet, dann der klebrige Salbei, der Hirschzungenfarn und der grüne Nieswurz. Diese Pflanzen nah beieinander, machen es der Motte nicht mehr so einfach, den Eingang ausfindig zu machen. So meine Erfahrung.

                      #97568
                      Stefan
                      Admin
                      Beitragsersteller
                        • DE 84513
                        • 398 m

                        Eine interessante Beobachtung @Martha! Vielen Dank dafür. Ich hab mich da mal ein bisschen schlau gemacht:

                        Wie Wachsmotten Hummelnester aufspüren

                        Das bedeutet, bei den Wachsmotten wirkt der “umständliche Weg” ins Nest mehr als Abwehr als die optische Tarnung, weil alles über den Geruchssinn geht.

                        Grüße Stefan

                        #97649
                        Hummelpapa
                        Forenmitglied
                          • DE 74523
                          • 338 m

                          Hallo

                          Hier noch weitere Erfahrungen mit den SW.

                          Nachdem alle Völker Geschlechtstiere hatten und sich die Häuser langsam leerten konnte ich noch weiter testen. Ich hatte 5 Lieferungen bestellt, somit hatte ich noch SW zur Verfügung.

                          Bis dahin war alles gut. Dann kam die große Hitze. Wir hatten Temperaturen über 40 Grad. Im Bericht steht bei Temperaturen über 35 Grad droht eine hohe Sterblichkeit der Tiere, und da waren sie. In allen Häusern hatte ich WM. Hier konnte ich nur noch mit BT behandeln. War eine gute Übung ohne Hummeln drin. Jetzt sind alle WM wieder weg und ich habe noch 3 Wochen schutz mit SW. Temperaturen sind auch wieder unter 35 Grad. Sollte keine WM mehr bekommen.

                          Wünsche allen noch eine tolle Hummelsaison

                          Gruß Hummelpapa Micha

                          #97655
                          Stefan
                          Admin
                          Beitragsersteller
                            • DE 84513
                            • 398 m

                            Hallo @Hummelpapa!

                            Wie läuft das ab? Denn wenn man Wachsmottenfalter festgestellt hat, dann eilt es ja in der Regel. Heute bestellt morgen geliefert, oder wie war das bei Dir?

                            Grüße Stefan

                            #97658
                            Hummelpapa
                            Forenmitglied
                              • DE 74523
                              • 338 m

                              Hallo Stefan,

                              Wenn man WM sieht und dann erst die SW bestellt ist es wahrscheinlich schon zu spät. Die Larven schlüpfen schon nach 5 bis 8 Tagen. Da ist das mit erkennen, bestellen und liefern sehr knapp. Die SW parasitieren nur die Eier und nicht die Larven.

                              Hier sollte man sich im Vorfeld dafür entscheiden ob man SW einsetzen möchte. Dann die Wettervorhersage beobachten und etwa Anfang bis Mitte Mai wenn die Temperatur Nachts über 15 Grad liegen und die WM anfangen zu fliegen eine 3er Lieferung je Haus bestellen. Dann ist man für 9 Wochen geschützt. Dies sollte in vielen Fällen ausreichen bis die Geschlechtstiere da sind. Wenn es länger dauert kann man noch nachbestellen oder gleich eine 5er Lieferung nehmen.

                              Also sind die SW schon im Haus wenn die Motten anfangen zu fliegen.

                              Ich wollte damit erreichen das ich meine Hummelhäuser nicht vollständig ausrüsten muss. Mit Gasegitter, Mottenklappe komplett abdichten usw. Desweiteren kann ich nicht jeden Tag die Häuser kontrollieren weil ich beruflich eingespannt bin. Auch wegen dem Klappentraining. So sollten die Schlupfwespen eine gute Alternative sein. Wenn die Temperaturen nicht über 35 Grad liegen.

                              Gruß Hummelpapa Micha

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