Nahrungssuche der Hummel und Glyphosat

Der weltweite Rückgang von Bestäubern steht auch im Fokus der Umweltforschung. Eine wissenschaftliche Untersuchung aus dem Jahr 2025 ging der Frage nach wie sich glyphosatbasierte Herbizide auf das Verhalten von Insekten auswirken. Die Forscher untersuchten ob Tiere kontaminierte Pflanzen meiden und welche gesundheitlichen Folgen die unbeabsichtigte Aufnahme der chemischen Substanzen nach sich zieht.

Untersuchungsaufbau und fehlende Barrieren beim Blütenbesuch

GlyphosatDie Versuche wurden sowohl in offenen Freilandparzellen als auch in geschlossenen Flugkäfigen durchgeführt. Dabei zeigte sich, dass die Versuchstiere frisch behandelte Pflanzen genauso häufig besuchten wie völlig unbehandelte Kontrollpflanzen. Die optischen Signale und die von den Blüten verströmten Duftstoffe veränderten sich durch das Herbizid nur so geringfügig, dass die Insekten keinen Unterschied wahrnehmen konnten. Die behandelten Pflanzen sahen mehrere Tage lang gesund aus und wirkten weiterhin attraktiv auf die Nahrungssucher.

info hummelBereits ein einziger Schluck von einem kontaminierten Nektar reichte in den Versuchen aus, um die Motivation der Tiere zur weiteren Nahrungssuche massiv zu senken. Die Aktivität ging bei den betroffenen Individuen um fast die Hälfte zurück, wodurch wesentlich weniger Nahrung in die Nester zurückgebracht wurde.

Auswirkungen auf das Sammelverhalten

Die orale Aufnahme des Unkrautvernichtungsmittels führte zu deutlichen Verhaltensänderungen bei den Hummeln. Ein hoher Anteil der Tiere stellte die Flugaktivität zeitweise komplett ein und verblieb inaktiv. So ein Verhalten schädigt ein Hummelvolk nachhaltig.

Hintergrund

Glyphosat gehört weltweit zu den am häufigsten eingesetzten Wirkstoffen in der Landwirtschaft und im Gartenbau. Die enorme Popularität dieses Unkrautvernichtungsmittels lässt sich auf mehrere zentrale Eigenschaften zurückführen, die es aus Sicht der Anwendenden besonders effizient und wirtschaftlich machen.

Ein Hauptgrund ist die universelle Wirkung des Stoffes. Als sogenanntes Breitbandherbizid wirkt Glyphosat nicht selektiv, sondern vernichtet praktisch jede grüne Pflanze, mit der es in Kontakt kommt. Der Wirkstoff blockiert ein spezifisches Enzym, das für die Synthese lebenswichtiger Aminosäuren in Pflanzen verantwortlich ist. Da dieses Enzym in fast allen Pflanzenarten vorkommt, lassen sich mit einem einzigen Mittel verschiedenste Unkräuter gleichzeitig bekämpfen.

Ein weiterer entscheidender Vorteil ist die systemische Wirkungsweise. Das Mittel wird über die grünen Blätter der Pflanze aufgenommen und anschließend über die Saftströme bis in die feinsten Wurzelspitzen transportiert. Dies führt dazu, dass auch hartnäckige, tief wurzelnde Unkräuter vollständig absterben und nicht nach kurzer Zeit wieder austreiben. Zudem ist die Anwendung im Vergleich zu mechanischen Methoden wie dem Pflügen oder Jäten extrem zeitsparend und kostengünstig.

Schließlich schätzen landwirtschaftliche Betriebe die Flexibilität des Wirkstoffes. Glyphosat wird über den Boden kaum von den Wurzeln aufgenommen und dort relativ schnell biologisch abgebaut. Dadurch ist es möglich, bereits kurz nach der Behandlung eine neue Nutzpflanze auf dem Feld auszusäen, ohne dass diese durch Rückstände im Boden geschädigt wird.

Quellenverzeichnis

  • ScienceDirect: Wissenschaftlicher Artikel über glyphosatbasierte Herbizide und das Sammelverhalten von Bestäubern – https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0013935125022704
  • Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung: Wirkungsweise von Herbiziden in der Praxis – https://www.ble.de
  • Nabu Deutschland: Hintergrundinformationen zum Einsatz von Totalherbiziden – https://www.nabu.de

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Stefan

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Töging am Inn (Südostbayern), 398m