Steinhummel

Die Steinhummel wurde 1758 von Carl von Linné unter dem Namen Apis lapidaria beschrieben. Ihr deutscher Name geht auf den lateinischen Wortstamm lapis (Stein) zurück und verweist auf eine bevorzugte Nistgewohnheit: Die Königin legt ihr Nest gern unter Steinhaufen oder in steinigem Gelände an. Die Art gehört zur Gattung Bombus innerhalb der Familie der Apidae und zur Untergattung Pyrobombus.

Aussehen und Verwechslungsmöglichkeiten


Bei der Königin sind Brustabschnitt und die vorderen Hinterleibssegmente tief samtschwarz gefärbt, das Hinterleibsende dagegen feuerrot. Arbeiterinnen tragen die gleiche Zeichnung, sind aber kleiner. Männchen ähneln den Weibchen in der Grundfärbung, haben jedoch meist ein gelbes Gesicht und eine gelbe Binde am vorderen Rückenteil des Brustsegments.

Wer die Art im Feld sicher bestimmen will, muss genau hinsehen: Mehrere andere Hummelarten mit rötlichem Hinterleibsende, etwa Bombus ruderarius, B. pomorum, B. soroeensis und B. mastrucatus, kommen an manchen Orten gemeinsam mit der Steinhummel vor und lassen sich leicht verwechseln.

Merkmal Königin Arbeiterin
Körperlänge ca. 20–22 mm ca. 12–16 mm
Rüssel kurz, ca. 10 mm (kurzrüsslige Art)
Kopf kurz

Lebensraum und Verbreitung

Steinhummel Nest
Die Steinhummel zählt zu den anspruchslosesten heimischen Hummelarten und ist ein ausgesprochener Kulturfolger. In Deutschland kommt sie in allen Bundesländern vor, ebenso in Österreich und der Schweiz. Außerhalb dieses Gebiets ist sie in fast ganz Europa verbreitet und fehlt nur im mediterranen Raum, kommt aber auf der Iberischen Halbinsel vor. In den Alpen wurde sie bis in eine Höhe von 2690 Metern nachgewiesen.

Nestanlage und Volksentwicklung

Königinnen der Steinhummel verlassen ihr Winterquartier vergleichsweise spät im Jahr, meist erst Ende April bis Mitte Mai, deutlich später als etwa die Dunkle Erdhummel oder die Kleine Waldhummel. Genügt der gefundene Nistplatz ihren Ansprüchen, gründet sie darin ihr Nest, gern in verlassenen Kleinsäugerbauten im Boden, aber auch oberirdisch in Mauerspalten, Hummelkästen oder unter Steinhaufen.

Rund drei Wochen nach der Nestgründung schlüpfen die ersten Arbeiterinnen. Die Steinhummel gehört zu den individuenreichsten unterirdisch nistenden Hummelarten: Ihre Völker erreichen typischerweise 300 bis 400 Arbeiterinnen. Auf dem Höhepunkt der Entwicklung im Hoch- und Spätsommer entstehen Jungköniginnen und Männchen; ein starkes Volk kann bis zu 90 Jungköniginnen hervorbringen. Danach geht das Volk zugrunde, nur die begatteten Jungköniginnen überwintern, meist in selbst gegrabenen Erdlöchern.

Beim Pollensammeln zählt die Steinhummel zu den sogenannten Pollenaufbewahrern (pollen storer): Sie lagert Pollen in ausgedienten Kokons statt in separaten Wachstaschen.

Nahrungssuche und Blütenbesuch

Die Steinhummel ist polylektisch, sammelt also an vielen verschiedenen Pflanzenfamilien. Als Pollenquellen bevorzugt sie dennoch Schmetterlingsblütler wie Hornklee, Rotklee und Zaunwicke sowie Flockenblumen. Weil ihr Rüssel kurz ist, kann sie den Nektar tiefer Blütenkelche oft nicht auf normalem Weg erreichen und betreibt daher gelegentlich Nektarraub, indem sie die Kronröhre von außen aufbeißt.

info hummelDie Steinhummel war 2005 die erste Vertreterin der gesamten Insektenordnung der Hautflügler, die zum Insekt des Jahres gewählt wurde.

Felsen-Kuckuckshummel (Psithyrus rupestris)

Der spezifische Gegenspieler der Steinhummel ist Bombus rupestris, eine Kuckuckshummel, die ihrem Wirt durch die schwarz-rote Färbung stark ähnelt, sich aber durch deutlich dunklere Flügel unterscheidet. Das Weibchen dringt in ein bestehendes Steinhummelnest ein, übernimmt dessen Nestgeruch und legt seine Eier auf den vorhandenen Kokons ab. Die verbleibenden Arbeiterinnen des Wirtsvolkes versorgen die Brut des Eindringlings, ohne dies zu unterscheiden.

Gefährdung und Schutz

Alle heimischen Bienen- und Hummelarten stehen in Deutschland durch die Bundesartenschutzverordnung unter besonderem Schutz. Für die Steinhummel selbst besteht aktuell allerdings kein Anlass zur Sorge: Sie gilt als ungefährdet und zählt zu den häufigsten Hummelarten Mitteleuropas. Das unterscheidet sie deutlich von zahlreichen anderen heimischen Hummelarten, von denen laut Roter Liste rund 39 Prozent gefährdet sind. Warum ausgerechnet Arten wie die Steinhummel, die Ackerhummel und die Kleine Waldhummel trotz veränderter Landnutzung häufig geblieben sind, während andere Arten des Offenlandes stark zurückgingen, ist noch nicht abschließend erforscht.

Quellen

  • Paul Westrich: Die Steinhummel – Das Insekt des Jahres 2005 (Einleitung, Lebensräume/Nester, Lebenszyklus, Blütenbesuch, Gegenspieler, Artenschutz, Bestimmung), wildbienen.info/insekt2005/
  • FONA – Steinhummel (Bombus lapidarius), fona.de/de/wildbienen/arten/steinhummel-bombus-lapidarius.php
  • Ökolandbau.de – Wildbiene des Monats Februar 2023: Steinhummel, oekolandbau.de
  • Wildbiene.org – Steinhummel, wildbiene.org/wildbienenarten/steinhummel

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  • Autor
    Beiträge
  • #32046
    Marylou
    Forenmitglied
      • DE 41363
      • 61 m

      @Karsten  @Doris

      Hat ein Hummelstand:hummel: – außer der praktischen Handhabung, weil alles an einer Stelle – sonst noch besondere Auswirkungen auf die Ansiedlung der Hummeln? Danke!

      #32049
      Martha
      Forenmitglied
        • CH
        • 545 m

        Hallo Karsten  Danke für die Fotos. Die Lage bei Dir muss speziell sein bei so viel Erfolg den Du verzeichnen kannst.  Andere sehen dieses Jahr kaum suchende Hummeln. Natürlich für alle Hummelfreunde eine tolle Nachricht. Weiterhin gutes Gelingen und ich hoffe, dass die Bruten nicht mit der Motte zu kämpfen haben oder machst Du eine prophylaktische Behandlung?

        VG

        #32055
        Karsten Grotstück
        Forenmitglied
          • DE 34123
          • 189

          Hallo Martha und  Marylou,

          dass so viele Hummelkästen auf engstem Raum stehen ist kein Problem. Vieleicht eher mit den Wachsmotten, die sammele ich jeden Morgen ab und töte diese. Die Hummelkästen haben alle eine Hummelklappe und die Nistwolle ( Kapok ) behandele ich mit BT – Pulver. Dadurch habe ich bis jetzt kein einziges Hummelvolk verloren. Die Ansiedlung der Hummeln erfolgt von selbst, jedes Jahr eine neue Überraschung welche Art sich einnistet.

          Gruß Karsten

          #32057
          Marylou
          Forenmitglied
            • DE 41363
            • 61 m

            Super, @Karsten, vielen Dank! Wenn ich irgendwann mal Hummelduft in meine beiden Kästen bekäme, würde es wahrscheinlich auch eine Belegung geben. Die eine Erdhummel-Königin – die vor einiger Zeit einen der Kästen immerhin 15 Minuten lang (leider Protest beim Einsetzen) und anschließend den Vorbau nochmal 6 Minuten lang untersucht hatte , bevor sie dann abschwirrte – hat hierbei nicht zufällig genügend und ausreichende Duftspuren hinterlassen??? Da hier gravierender Hummelschwund herrscht, konnte der eventuell hinterlassene Duft noch keine weitere Königin anlocken.:(

            #32068
            Martha
            Forenmitglied
              • CH
              • 545 m

              Hallo Karsten   Vielen Dank, dass Du Dir Zeit genommen hast, meine Fragen zu beantworten. Ich lerne gerne immer wieder von den Erfahrungen anderer. Ich bin noch neugierig, ob Du bei den neuen Kästen, die Du noch hinstellen willst, auch einen solchen Erfolg von Selbstansiedlungen buchen kannst weil ja bekanntlich die Neuen noch nicht nach Hummeln riechen. Also so wurde ich belehrt. Gerne wieder mal darüber schreiben. Danke.

              VG

              #32072
              Karsten Grotstück
              Forenmitglied
                • DE 34123
                • 189

                Hallo

                Bei neuen Hummelkästen könnt ihr Hummelwachs ( alte Hummelwaben ) nutzen. Den Vorbau und den Eingang zur Hummelklappe müßt ihr mit Hummelwachs einreiben (Hummelduft ), dann wird früher oder später schon eine Besiedlung gelingen.

                Gruß Karsten :hummel: :blume:

                #32073
                Martha
                Forenmitglied
                  • CH
                  • 545 m

                  Hallo Karsten  Das ist des Rätsels Lösung, eine Superidee ?danke!!

                  #32074
                  Marylou
                  Forenmitglied
                    • DE 41363
                    • 61 m

                    Hallo Karsten, solch ein wertvoller Tipp hat mir gefehlt. Ganz, ganz herzlichen Dank hierfür!:blume:

                    Frage in die Runde:

                    Hat noch jemand Hummelwaben vom letzten Jahr, das sie/er mir zuschicken könnte? Soll nicht umsonst sein, und für alle Kosten komme ich selbstverständlich auf, auch gerne im Voraus!

                    #32075
                    Bernd
                    Forenmitglied

                      Hallo Marylou, wenn du kein Hummelwachs bekommst vielleicht kommst du an ein altes Mäusenest oder Stroh vom Bauern wo Mäuse drin waren – riecht dann nach Mäuseloch. Wohl auch ein toller Duft für ne Erdhummel. Hier Forum würde auch schon Tierhaar fürs Nest angeführt.

                      Gruß aus Limburg, Bernd

                      #32076
                      Marylou
                      Forenmitglied
                        • DE 41363
                        • 61 m

                        Hallo Bernd, vielen Dank, aber das habe ich schon alles ausprobiert, auch in reichlicher Menge und frisch aus der Tierhandlung, also Streu mit Mäuseköttel und Mäusepipi (man hat´s auch gerochen). In den Kästen und außen herum verstreut. Im Innenkarton ist außerdem feine Holzwolle, Moos, altes zerkleinertes Laub, trockenes kurzes Gras und darüber etwas Kapok. Karton ist insgesamt bis ca. zur Hälfte gefüllt. Hat alles bisher leider nicht geholfen, deswegen setzte ich jetzt meine Hoffnung auf Karsten´s Tipp mit den Hummelwaben. Gruß, Marylou

                        #32078
                        Bernd
                        Forenmitglied

                          @Marylou,

                          Schade, war noch ne Idee. Wünsche dir viel Erfolg!

                          Hier ist die Nestsuche vorbei. Hab zwei Kästen besetzt. Einen wollt keine haben.

                           

                          #32079
                          Marylou
                          Forenmitglied
                            • DE 41363
                            • 61 m

                            Danke, Bernd! Wünsche ich mir auch. Die Steini, die sich hier im Garten am 19.04. in einem Mäuseloch angesiedelt hatte, ist leider seitdem verschollen. Ansonsten gehört die hiesige Region (zwischen K und D) wohl zu denen, wo dieses Jahr Hummelschwund herrscht. Da das Wetter hier seit :hummel:Saisonbeginn sehr kalt und regnerisch war, hoffe ich immer noch auf eventuelle Nachzüglerinnen. Gruß, Marylou

                            #32084
                            Doris
                            Forenmitglied
                              • DE 39624
                              • 38 m ü. NHN

                              @Marylou, habe noch Wachs vom letzten Jahr. Kann ich dir senden. Aber sind jetzt noch suchende Königinnen bei Dir?
                              LG Doris

                              #32085
                              Marylou
                              Forenmitglied
                                • DE 41363
                                • 61 m

                                Ach, Doris, super!!! Sehr, sehr gerne! Ich hoffe ja noch auf Nachzüglerinnen. Alles ist hier später dran dieses Jahr. Ich schreibe Dir gleich eine E-Mail. Deine E-Mail-Adresse habe ich. Ganz lieben Dank!!!:blume:

                                #32109
                                Christian
                                Forenmitglied
                                  • A-4800, 4851
                                  • 420, 510 m

                                  @ Marylou – ja, auch bei uns gibt es noch Nachzhüglerinnen – alles Gute! Beste Grüße! Christian

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