Helle Erdhummel (Bombus lucorum)
Die Helle Erdhummel (Bombus lucorum) wurde 1761 von Carl von Linné beschrieben. Der Artname geht auf das lateinische Substantiv “lucus” zurück, den Genitiv Plural “lucorum”, was mit “der Haine” oder “der Wälder” übersetzt wird. Taxonomisch gehört die Art zur Untergattung Bombus im engeren Sinn, der in Europa insgesamt fünf Arten umfasst, darunter auch die Dunkle Erdhummel (Bombus terrestris).
Bombus lucorum bildet zusammen mit der Dunklen Erdhummel, der Großen Erdhummel (Bombus magnus) und der Kryptarum-Erdhummel (Bombus cryptarum) den sogenannten Lucorum-Komplex, benannt nach ihrer häufigsten Vertreterin. Der Begriff wurde 1983 von den Forschern Scholl und Obrecht geprägt, um vier Formen zusammenzufassen, deren Artstatus teilweise umstritten ist. In Deutschland kommen 41 Hummelarten vor, allein in Sachsen 32, doch innerhalb des Komplexes lassen sich vor allem die Arbeiterinnen im Feld kaum sicher trennen. Bombus magnus gilt in Sachsen inzwischen als ausgestorben, während die übrigen drei Arten des Komplexes weiterhin zu den häufigen Hummeln in Gärten, Parks und auf Wiesen zählen.
Unterscheidung von den übrigen Erdhummeln
Königinnen und Arbeiterinnen der Hellen Erdhummel tragen zwei schmale, etwa zwei Millimeter breite Querbinden: eine auf dem kopfnahen Brustabschnitt, die andere auf dem zweiten Hinterleibssegment. Beide sind zunächst zitronengelb und werden mit der Zeit grauweiß. Das unterscheidet die Art von der Dunklen Erdhummel mit ihren dunkelgelben Binden sowie von der Großen Erdhummel und der Kryptarum-Erdhummel, deren Binden goldgelb gefärbt sind. Die kopfnahe Querbinde endet bei Bombus lucorum bereits am Flügelansatz, während sie bei Bombus magnus und Bombus cryptarum weiter unter den Flügel reicht. Die letzten beiden Hinterleibssegmente sind grauweiß gefärbt, was der Art im Englischen den Namen “white-tailed bumblebee” eingebracht hat, denn die nah verwandte Dunkle Erdhummel trägt an dieser Stelle orangefarbene Haare.
Königin
- Körperlänge: 18–21 mm
- Flügelspannweite: 36–39 mm
- Rüssellänge: 9–10 mm
Arbeiterin
- Körperlänge: 9–16 mm
- Flügelspannweite: 20–33 mm
- Rüssellänge: 8–9 mm
Männchen
- Körperlänge: 14–16 mm
- Flügelspannweite: 29–33 mm
- Rüssellänge: 7–8 mm
Bei den Männchen versagt die Farbbestimmung fast vollständig, denn sie tragen eine breite gelbe Querbinde auf der Brust und ähneln sich zwischen den vier Arten des Komplexes stark. Auch feinere Merkmale wie winzige Punktstrukturen am Vorderrand der Punktaugen oder die Breite des Brusthalskragens gelten als zu unsicher, um im Einzelfall eine Art zu benennen.
Verbreitung und Lebensraum
Bombus lucorum kommt in ganz Europa und ganz Deutschland vor und gehört zu den Arten ohne enge Habitatbindung. Sie besiedelt offenes Gelände wie Wiesen, Weiden und Brachflächen ebenso wie Böschungen, Gärten, Parks und Waldränder. Über Europa hinaus reicht ihr Vorkommen durch die gesamte paläarktische Zone bis nach Japan und weiter in nordamerikanische Randgebiete. Im Norden erreicht sie die Küste der Barentssee, im Süden bleibt sie dagegen eine Art der Höhenlagen und erreicht den Mittelmeerraum nicht, obwohl sie in Griechenland nachgewiesen ist. Auf Island, wo sie vermutlich durch den Menschen eingeführt wurde, kommt sie ebenfalls vor.
Flugzeit und Lebenszyklus
Die Art bildet nur eine Generation pro Jahr. Überwinterte Königinnen erscheinen ab März und sind bis Mitte Mai bei der Nestsuche zu beobachten, mancherorts in Großbritannien sogar schon im Februar. Sie fliegen dabei knapp über dem Boden und suchen nach geeigneten Hohlräumen, während sie gleichzeitig an Blüten Pollenvorräte für die Gründung eines neuen Volkes sammeln. Die ersten Arbeiterinnen schlüpfen zwischen Ende März und Mitte Mai und sind bis Ende August aktiv. Jungköniginnen und Männchen erscheinen deutlich später, meist ab Mitte Juli bis Ende August. Die Männchen patrouillieren dann in niedriger Höhe feste Routen und markieren Gräser und andere Gegenstände mit ihrem Duftstoffgemisch, um Jungköniginnen anzulocken. Nach der Paarung sterben die alte Königin und die Männchen im Herbst, während die begatteten Jungköniginnen den Winter überstehen und im Frühjahr ein eigenes Volk gründen.
Nistweise
Bombus lucorum bezieht unterirdische Hohlräume, überwiegend verlassene Nester von Mäusen oder anderen Kleinsäugern. Dort legt die Königin eine runde Nestkammer an und formt daraus eine Wachszelle für das erste Eigelege. Die Eier liegen auf einer Pollenschicht und werden anschließend erneut mit Wachs bedeckt. Ein Volk kann zwischen 100 und 400 Tiere umfassen, was die Art zu einer der größeren Hummelvölker in Mitteleuropa macht. In Großbritannien wurde beobachtet, dass die Nester bevorzugt nach Süden ausgerichtet sind, was ihnen zusätzliche Wärme durch die Sonneneinstrahlung verschafft.
Nahrungssuche und Nektarraub
Der Rüssel von Bombus lucorum ist im Vergleich zu vielen anderen Hummelarten sehr kurz, bei Königinnen nur 9 bis 10 Millimeter lang. Das schränkt die Auswahl an Blüten ein, aus denen die Tiere auf normalem Weg Nektar aufnehmen können, weshalb sie vor allem Blüten mit kurzer Kronröhre und Korbblütler bevorzugen. Bei tiefer sitzendem Nektar weicht die Art auf eine andere Technik aus: Mit der verhornten Scheide am Rüsselansatz schneidet die Arbeiterin ein Loch in die Blütenwand und gelangt so von außen an den Nektar, ohne mit dem Pollen in Berührung zu kommen. Die Blüte wird auf diesem Weg zwar um ihren Nektar gebracht, ohne bestäubt zu werden, das entstandene Loch nutzen aber häufig auch andere Insekten anschließend zur Nektaraufnahme. An reinen Pollenblüten wie dem Echten Mädesüß (Filipendula ulmaria) sammelt Bombus lucorum dagegen auf klassischem Weg: Sie läuft rasch über die Blütenstände und lässt dabei ihre Flügel vibrieren, wodurch sich Pollen im Fell festsetzt, den sie anschließend in die Pollenhöschen an den Hinterbeinen bürstet.
Die Kuckuckshummel als Brutparasit
Bombus lucorum ist die bevorzugte Wirtsart der Böhmischen Kuckuckshummel (Bombus bohemicus). Diese Art gründet kein eigenes Volk, sondern dringt in ein bestehendes Nest der Hellen Erdhummel ein, tötet oder verdrängt die dort ansässige Königin und lässt die verbleibenden Arbeiterinnen ihren eigenen Nachwuchs aufziehen. Weil Bombus lucorum in weiten Teilen Europas häufig ist, findet auch ihr Kuckuck stets ausreichend Wirtsnester und gilt seinerseits als eine der verbreiteteren Kuckuckshummelarten.
Quellen
- Martin, Hans-Jürgen & Neumayer, Johann: Hummel-Arten: Bombus lucorum, wildbienen.de, https://www.wildbienen.de/b-lucoru.htm
- Martin, Hans-Jürgen & Neumayer, Johann: Hummel-Arten: Bombus cryptarum, wildbienen.de, https://www.wildbienen.de/b-crypta.htm
- Wikipedia (englisch): Bombus lucorum, https://en.wikipedia.org/wiki/Bombus_lucorum, mit Primärquellen unter anderem zu Žáček et al. (2009) und Urbanová et al. (2013) zu den Duftstoffen der Männchen sowie Bertsch & Schweer (2011) zur Abtrennung von Bombus minshanicola
- Imkerverein Dresden e. V.: Ganz schön komplex – Die Helle Erdhummel (Bombus lucorum) und ihre Schwestern, https://www.imkerverein-dresden.de/2018/04/10/ganz-schoen-komplex-bombus-lucorum-und-ihre-schwestern/
- Offene Naturführer: Helle Erdhummel – Bombus lucorum (Linnaeus 1761), https://offene-naturfuehrer.de/web/Helle_Erdhummel_%E2%80%93_Bombus_lucorum_(Linnaeus_1761)
- Eurac Research, BEEhold: Bombus lucorum agg., https://beehold.eurac.edu/de/b/bombus-lucorum-agg
- Glosbe Latein-Englisch Wörterbuch, Eintrag “lucorum” (Genitiv Plural von lucus), https://glosbe.com/la/en/lucorum
- inaturalist.org
- inaturalist.org
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Stefan aktualisiert.
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