Bombus pauloensis

Hummeln aus aller Welt

Bombus pauloensis zählt zu den am weitesten verbreiteten Hummelarten Südamerikas. Ihr Vorkommen reicht von Venezuela und Kolumbien über Peru, Bolivien und Brasilien bis nach Argentinien und Uruguay. Sie besiedelt dabei ein außergewöhnlich breites Höhenspektrum: Nachweise liegen zwischen 150 und 3500 Metern über dem Meeresspiegel, die meisten Beobachtungen stammen jedoch aus Lagen zwischen 1800 und 2800 Metern in den Anden. Die Art gilt als anpassungsfähig und besiedelt neben naturnahen Habitaten auch stark veränderte Flächen wie Stadtgärten, Parks und Weideland.

Bombus pauloensisDer heute gültige Name Bombus pauloensis geht auf eine Beschreibung des Entomologen Heinrich Friese aus dem Jahr 1913 zurück. Über weite Teile des 20. Jahrhunderts war die Art unter dem Namen Bombus atratus bekannt, einer Bezeichnung, die ebenfalls 1913 vergeben wurde, jedoch schon 1911 für eine andere Hummelart verwendet worden war. Wegen dieser Doppelbelegung setzten brasilianische Forscher 2012 den älteren, zulässigen Namen pauloensis als gültige Bezeichnung durch. In älterer Fachliteratur taucht die Art deshalb noch häufig unter Bombus atratus auf. Innerhalb der Gattung Bombus gehört sie zur Untergattung Thoracobombus und ist dort eng mit Bombus transversalis und Bombus pullatus verwandt.

Färbung und Bestimmung

Bombus pauloensisBombus pauloensis zeigt eine für Hummeln ungewöhnlich große Variationsbreite in der Körperfärbung. Innerhalb der Art kommen vollständig schwarze (melanische) Tiere ebenso vor wie Individuen mit gelben Bändern an Thorax und Hinterleib (flavinische Form) und solche mit rötlichen Bändern an den hinteren Hinterleibssegmenten (ferruginöse Form). Diese Vielfalt macht die Art zur am stärksten polytypischen Hummel Brasiliens und erschwert eine Bestimmung allein nach dem äußeren Erscheinungsbild, da sich Populationen aus unterschiedlichen Regionen deutlich in ihrer Farbausprägung unterscheiden können.

info hummelBombus pauloensis war die erste Hummelart weltweit, bei der Wissenschaftler einen Wechsel zwischen polygynen und monogynen Nestzyklen innerhalb derselben Kolonie nachweisen konnten.

Nestbiologie und Königinnenzahl

Bombus pauloensisEine Kolonie von Bombus pauloensis beginnt in der Regel mit einer einzelnen begatteten Königin, die ein Nest gründet und die ersten Arbeiterinnen aufzieht. Im weiteren Verlauf kann die Kolonie jedoch zwischen einer monogynen Phase mit nur einer Königin und einer polygynen Phase mit mehreren gleichzeitig eierlegenden Königinnen wechseln. Untersuchungen an Nestern in den Anden Kolumbiens und Ecuadors registrierten zwischen einer und acht aktiven Königinnen sowie bis zu 80 Arbeiterinnen pro Nest. In tieferen Lagen Südamerikas wachsen die Kolonien noch deutlich größer und erreichen häufig 400 Arbeiterinnen, ein Wert, den die meisten anderen Hummelarten nicht annähernd erreichen. In polygynen Phasen bildet sich eine Rangordnung unter den Königinnen aus. Ranghohe Tiere sitzen bevorzugt im Zentrum des Brutklumpens und legen die meisten Eier, während rangniedrigere Königinnen an den Rand gedrängt werden und dort Aufgaben übernehmen, die sonst Arbeiterinnen erledigen.

Perennierende Kolonien

Anders als die meisten Hummelarten gemäßigter Breiten, deren Völker jeden Winter absterben, können Kolonien von Bombus pauloensis über Jahre hinweg bestehen bleiben. Diese Perennität hängt eng mit dem Wechsel zwischen den Fortpflanzungsphasen zusammen: Stirbt eine Königin, kann eine andere Königin aus der bestehenden Kolonie ihre Rolle übernehmen, ohne dass das Nest aufgegeben wird. Auch verlassene Nester werden gelegentlich von neuen Königinnen wieder besiedelt und reaktiviert. Diese Fähigkeit zur Nestreaktivierung dürfte für den Fortpflanzungserfolg der Art von Bedeutung sein, da neu gegründete Nester in den ersten Wochen besonders anfällig für Räuber und Parasiten sind.

Bedeutung als Nutzhummel

Bombus pauloensis ist die am gründlichsten erforschte Hummelart Südamerikas und wird inzwischen ähnlich wie Bombus terrestris in Europa gezielt gezüchtet. Kolonien werden in Kolumbien und Uruguay in kleinerem Maßstab und in Argentinien bereits im kommerziellen Rahmen aufgezogen. Eingesetzt werden die Tiere vor allem zur Bestäubung von Tomaten und Paprika in Gewächshäusern sowie zur Saatgutproduktion von Rotklee. In Argentinien gilt sie als die häufigste der acht dort vorkommenden Hummelarten, in Uruguay bildet sie gemeinsam mit der selteneren Bombus bellicosus die einzigen beiden im Land nachgewiesenen Hummelarten.

Parasiten und Krankheitserreger

Wie andere Hummelarten wird auch Bombus pauloensis von einer Reihe von Parasiten und Krankheitserregern befallen. Untersuchungen an wilden und in Gefangenschaft gehaltenen Tieren aus Uruguay wiesen mehrere Milbenarten sowie den Mikrosporidien-Erreger Nosema ceranae nach, der bei frei fliegenden Arbeiterinnen besonders häufig auftrat. Zusätzlich ließen sich vier verschiedene RNA-Viren feststellen, darunter das Virus der schwarzen Königinnenzelle und das Flügeldeformationsvirus. Bei Königinnen wurde die höchste Zahl unterschiedlicher Milbenarten gefunden, außerdem waren nur bei ihnen parasitische Fliegen der Familie Conopidae sowie der Fadenwurm Sphaerularia bombi nachweisbar. Da Hummelkolonien zwischen Ländern verschifft werden, um sie als Bestäuber einzusetzen, wächst die Sorge, dass sich Krankheitserreger auf diesem Weg auch auf wildlebende Populationen übertragen könnten.

Quellen

  • Abrahamovich, A. H. & Díaz, N. B. (2002): Bumble bees of the Neotropics (Hymenoptera: Apidae: Bombini)
  • Pinilla-Gallego, M. S. et al. (2017): Distribution and morphological variation of Bombus pauloensis
  • Salvarrey, S. et al. (2021): Parasites and RNA viruses in wild and laboratory reared bumble bees Bombus pauloensis (Hymenoptera: Apidae) from Uruguay. PLOS ONE 16(4): e0249842, https://doi.org/10.1371/journal.pone.0249842
  • Springer Nature Link (2024): The Gut Microbiome of Two Wild Bumble Bee Species Native of South America: Bombus pauloensis and Bombus bellicosus. Microbial Ecology, https://link.springer.com/article/10.1007/s00248-024-02430-y
  • Oxford Academic / G3 Genes|Genomes|Genetics (2026): First genome assemblies of Neotropical Thoracobombus bumblebees Bombus pauloensis and Bombus pullatus, https://academic.oup.com/g3journal/article/16/3/jkaf305
  • Chavarría, L. & Ramírez, W. (Ecology and Nesting Behavior of Bombus atratus Franklin in Andean Highlands, Hymenoptera: Apidae), ResearchGate, https://www.researchgate.net/publication/252644618
  • CASAS Global: Colony development and dynamics of neotropical Bombus atratus, https://www.casasglobal.org/colony-development-of-neotropical-bombus-atratus/
  • GBIF: Bombus pauloensis Friese, 1913, Artenprofil, https://www.gbif.org/species/165629914
  • inaturalist.org
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Stefan

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Töging am Inn (Südostbayern), 398m
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    Stefan
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      Damit bestätigt sich wieder einmal, dass es keine Regel ohne Ausnahme gibt.

      Bombus atratus war die weltweit erste Hummelart, bei der wissenschaftlich nachgewiesen wurde, dass zeitweise mehrere eierlegende Königinnen friedlich und kooperativ im selben Nest koexistieren können.

      Wirklich faszinierend. Ich hab nach Bildern oder Videos von Hummelnestern dieser Art gesucht, aber bisher (noch) nichts gefunden.

      Grüße Stefan :lupe:

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