Bombus anachoreta

Zwischen 2005 und 2012 sammelte ein chinesisch-britisches Team im Norden Chinas 21.636 Hummeln. Aus diesem Berg Material stammen von Bombus anachoreta zwölf Tiere: sieben Arbeiterinnen und fünf Männchen, gefangen an zwei Stellen. Diese zwölf Tiere waren zugleich der erste Nachweis der Art für Nordchina überhaupt.

Beschrieben 1914, in Nordchina gefunden 2014

Andrej Skorikov vergab den Namen 1914 in einer Reihe von Aufsätzen über neue Hummelformen; er stellte das Tier damals in die heute nicht mehr gebräuchliche Gattung Agrobombus. Bekannt war die Art also seit hundert Jahren, als sie in der großen Bestandsaufnahme der Hummeln Nordchinas von 2014 zum ersten Mal für dieses Gebiet gemeldet wurde. Neu war nicht das Tier, neu war das Vorkommen.

Sieben Arten standen in dieser Arbeit als Erstnachweis für Nordchina, neben anachoreta unter anderem die Deichhummel Bombus distinguendus und die Feldkuckuckshummel Bombus campestris. Insgesamt erfasste die Untersuchung 77 Arten aus zehn Untergattungen, verteilt auf Höhen zwischen 65 und 4011 Metern.

Zwei Fundstellen am Rand der Felder

Die beiden Fundorte liegen im Tal des Nenjiang im Nordosten der Inneren Mongolei, auf 215 und 240 Metern über dem Meer. Dort gilt die Art nach den Angaben der Bearbeiter als häufig, was sich mit zwölf Belegtieren zunächst seltsam liest. Gemeint ist der Vergleich innerhalb der Fundstelle: Wo sie vorkommt, ist sie nicht selten, aber sie kommt eben fast nirgendwo vor.

Der Lebensraum wird als Rand landwirtschaftlicher Flächen beschrieben. Für China insgesamt ist die Art aus der Inneren Mongolei und aus Heilongjiang belegt, also aus dem äußersten Nordosten des Landes. In der Fundmeldungsdatenbank GBIF stehen 35 Nachweise, davon 23 aus China, sechs aus Korea und einer aus der Mongolei. Das Areal reicht damit über China hinaus in den russischen Fernen Osten und auf die koreanische Halbinsel.

info hummelAls besuchte Blüte ist für diese Art in ganz Nordchina eine einzige Pflanze verzeichnet: das Schmuckkörbchen Cosmos bipinnatus, eine aus Mexiko stammende Gartenblume. Die Bestandsaufnahme führt für alle Hummeln Nordchinas zusammen 337 Pflanzenarten aus 49 Familien auf. Dass bei anachoreta nur eine übrig bleibt, sagt mehr über die Zahl der Beobachtungen als über den Geschmack der Art.

Warum sie leicht übersehen wird

Bombus anachoreta trägt ein gelbes Farbmuster, das im Norden Chinas mindestens vier weitere Arten ebenfalls tragen: Bombus amurensis, Bombus distinguendus, Bombus laesus und Bombus filchnerae. Die Bearbeiter der Monographie führen alle fünf im selben Bestimmungsschritt nebeneinander auf.

Für die Erfassung hat das Folgen. Wer im Feld eine gelbe Hummel sieht, kann sie nicht sicher zuordnen, und ältere Meldungen aus der Region lassen sich nur dann verwerten, wenn die Belegtiere noch vorhanden sind und nachbestimmt werden können. Ein Teil der scheinbaren Seltenheit dieser Art dürfte darauf beruhen, dass sie in Sammlungen unter dem Namen einer der Verwechslungsarten liegt.

Die Untergattung Thoracobombus

Die Art gehört zu den Thoracobombus, einer artenreichen Gruppe, zu der auch mitteleuropäische Arten wie die Ackerhummel und die Veränderliche Hummel zählen. Kennzeichnend sind mittellange bis lange Zungen und ein häufig überwiegend braunes oder gelbliches Haarkleid ohne die scharf abgesetzten Binden der Erdhummelverwandtschaft. Wie lang die Zunge bei anachoreta ist, wurde allerdings nie gemessen.

Was über diese Art nicht bekannt ist

Es gibt keine Beschreibung eines Nestes, keine Angabe zur Zahl der Arbeiterinnen in einem Volk, keine Daten zum Flugzeitraum über die Saison und keine Aussage zum Bestandstrend. Auch der Frage, ob eine bestimmte Kuckuckshummel diese Art als Wirt nutzt, ist niemand nachgegangen.

Der Nordosten Chinas und der angrenzende russische Ferne Osten haben keine flächendeckenden, über Jahrzehnte laufenden Erfassungsprogramme, wie sie für Hummeln in Westeuropa und Nordamerika bestehen. Die Bestandsaufnahme von 2014 war für diese Region der erste Versuch dieser Größenordnung, und sie war als Momentaufnahme angelegt, nicht als Wiederholungsmessung. Ohne eine zweite Erhebung nach demselben Muster lässt sich für Bombus anachoreta nicht einmal sagen, ob die Art zu- oder abnimmt.

Quellen

  • An J., Huang J., Shao Y., Zhang S., Wang B., Liu X., Wu J. & Williams P. H. 2014: The bumblebees of North China (Apidae, Bombus Latreille). Zootaxa 3830 (1): 1 bis 89. Artkapitel zu Bombus (Thoracobombus) anachoreta auf Seite 36
  • Taxonomische Bearbeitung derselben Arbeit, frei zugänglich als Einzelkapitel über Plazi TreatmentBank und das Biodiversity Literature Repository bei Zenodo
  • Skorikov A. S. 1914: Les formes nouvelles des bourdons (Hymenoptera, Bombidae) VI. Russkoe éntomologicheskoe Obozrênie 14: 119 bis 129 (Erstbeschreibung als Agrobombus anachoreta, Seite 121)
  • Williams P. H. u. a. 2026: Weltartenliste der Hummeln, Insects 17: 540, Supplementary Table S1
  • Williams P. H.: Bumblebees of the World, archivierter Weltkatalog des Natural History Museum London, Untergattung Thoracobombus, abgerufen über das Internet Archive
  • GBIF, Global Biodiversity Information Facility, Fundmeldungen zu Bombus anachoreta, abgerufen im September 2026, gbif.org

Bewerte diesen Beitrag

Keine Bewertungen bisher