Bombus amurensis

Als die Bearbeiter der Untergattung Subterraneobombus 2011 nach dem Typustier von Bombus amurensis suchten, fanden sie in der Sammlung der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Krakau zwei Tiere mit dem Etikett amurensis. Es waren Arbeiterinnen der südamerikanischen Riesenhummel Bombus dahlbomii.

Die Verwechslung ist beträchtlich. Bombus dahlbomii lebt in Chile und Argentinien, Bombus amurensis in Sibirien, der Mongolei und Nordchina. Die Etiketten stammen möglicherweise von Radoszkowski selbst, der die Art 1862 beschrieben hatte.

Die Spur führte nach London

Bombus amurensisRadoszkowskis Sammlung ging nach seinem Tod nach Krakau, viele Typen kamen im Tausch nach Berlin. Seine Erstbeschreibung ist im Singular verfasst, als bezöge sie sich auf eine einzige Königin von 38 Millimetern Länge. Eine solche Königin war in Krakau nicht auffindbar.

Zwei mögliche Typustiere fanden sich anderswo. Das eine, 25 Millimeter lang, liegt in London und trägt in einer Handschrift des 19. Jahrhunderts die Etiketten “Nor. Gob.”, vermutlich für die nördliche Gobi, und “amurensis Rad.”. Im Zugangsverzeichnis des Museums fand sich ein Brief Radoszkowskis vom 11. März 1890, in dem genau dieses Tier erwähnt wird. Das zweite Tier liegt in Berlin, ist über 24 Millimeter lang und hat die Hinterleibsringe fünf und sechs verloren.

info hummelZwei weitere Namen wurden 2011 als Synonyme dieser Art eingezogen: Bombus fragrans mongol, den Skorikow 1912 aus der Mongolei beschrieb, und Bombus chaharensis, den Yasumatsu 1940 aus der Inneren Mongolei beschrieb. Der Holotypus des zweiten Namens gilt als verschollen.

Wie sie aussieht

Das Haar ist überwiegend zitronengelb, auf der Oberseite des Bruststücks eher goldgelb. Schwarzes Haar ist am Kopf eingemischt, besonders am Rand des Kopfschilds und entlang des inneren Augenrands, manchmal auch als kleiner Fleck zwischen den Flügelbasen und an den Beinen.

Ein feines Merkmal trennt sie von der westlichen Schwesterart: Die Hinterleibsringe drei bis sechs tragen jeweils vorn nahe der Mittellinie einen gut abgegrenzten, meist unauffälligen kleinen dreieckigen Fleck aus schwarzem Haar, dessen Spitze nach hinten zeigt. Der siebte Ring ist in seiner mittleren Hälfte schwarz.

Die Größe des schwarzen Flecks zwischen den Flügelbasen schwankt: Bei Arbeiterinnen ist er am größten, bei Königinnen kleiner, bei vielen Männchen fehlt er ganz. Ein geografisches Muster dieser Schwankung ist nicht erkennbar, wohl aber möglicherweise ein Zusammenhang mit der Körpergröße.

Wo sie lebt

Untersucht wurden 18 Königinnen, 68 Arbeiterinnen und 13 Männchen aus neun Sammlungen, elf davon mit DNA-Barcode. Sie stammen aus China, der Mongolei und Russland, aus Höhen zwischen 266 und 2600 Metern.

Es ist eine Art der offenen Tieflandsteppe. Sie vertritt im Osten die westliche Bombus fragrans, und beide kommen am Nord- und Südrand des breiten zentralasiatischen Trockengürtels vor.

Warum die Schwesterart Anlass zur Sorge gibt

Über Bombus fragrans schreiben die Bearbeiter 2011 einen Satz, der aufhorchen lässt: Die südliche Steppenart scheint in ihrem gesamten Gebiet von Südosteuropa bis Sibirien ausgestorben oder äußerst selten geworden zu sein und lässt sich verlässlich nur noch in der Türkei finden.

Für Bombus amurensis gibt es keinen vergleichbaren Befund. Die Bearbeiter formulieren das genau: Für Asien liegen ihnen keine Belege für ähnliche Veränderungen vor. Das ist keine Entwarnung, sondern die Feststellung, dass die Erhebungen fehlen, mit denen man es merken würde. Erhebungen in Nordchina wurden angekündigt und sollten die Lage weiter beobachten.

Was nicht bekannt ist

Kein Nest dieser Art ist beschrieben, es gibt keine Angabe zur Volksstärke, keinen dokumentierten Jahresablauf und keine Liste besuchter Blüten. Für eine Steppenart, deren nächste Verwandte im Westen zusammengebrochen ist, wäre gerade eine wiederholbare Erfassung das Naheliegendste.

Quellen

  • Williams P.H., An J. & Huang J. 2011. The bumblebees of the subgenus Subterraneobombus: integrating evidence from morphology and DNA barcodes (Hymenoptera, Apidae, Bombus). Zoological Journal of the Linnean Society 163: 813 bis 862
  • Pesenko Y.A. & Astafurova Y.V. 2003. Annotated bibliography of Russian and Soviet publications on the bees (Hymenoptera: Apoidea) excluding Apis mellifera. Denisia 8: 1 bis 616
  • Williams P.H. et al. 2026. Evolutionary tree for all bumblebee species world-wide estimated by combining information from fast-evolving genes, slow-evolving genes, and genomic data (Apidae, Bombus). Insects 17: 540
  • Foto: Макарiй Игоревичъ Лоскутовъ (makarii_loskutov), Beobachtung vom 06.07.1971, Онгон, Сүхбаатар, Монголия. inaturalist.org/observations/344163422, Lizenz CC BY 4.0, creativecommons.org/licenses/by/4.0, unverändert

Bewerte diesen Beitrag

Keine Bewertungen bisher