Bombus fraternus

Hummeln aus aller Welt

Bombus fraternus, im Englischen als Southern Plains bumble bee bekannt, kommt ausschließlich in Nordamerika vor. Eine feste deutsche Trivialbezeichnung hat sich für die Art bisher nicht etabliert, gebräuchlich wäre eine Übersetzung wie Südliche Präriehummel. Die Art wurde 1854 von dem britischen Entomologen Frederick Smith beschrieben und gehört zur Untergattung Cullumanobombus, zu der auch die häufigere Bombus griseocollis zählt.

Verbreitung und Lebensraum

Historisch war Bombus fraternus in 26 US-Bundesstaaten nachgewiesen. Das Verbreitungsgebiet reicht von New Jersey und Ohio im Nordosten über den mittleren Westen bis nach North Dakota, im Süden von Florida bis Texas, und schließt damit sowohl die nordamerikanischen Präriestaaten als auch die Küstenebene am Golf von Mexiko ein. Vereinzelt liegen zudem ältere Fundmeldungen aus dem mexikanischen Bundesstaat Chihuahua vor, aktuelle Nachweise von dort fehlen jedoch. Die Tiere besiedeln offene Prärien, Wiesen und Grasländer, ebenso Kiefernsavannen im Südosten der USA sowie landwirtschaftlich genutzte und städtische Flächen. In den Südstaaten wird die Art bevorzugt auf sandigen Böden gefunden.

Merkmale und Bestimmung

Bombus fraternus zählt zu den großen Hummelarten Nordamerikas. Königinnen erreichen eine Körperlänge von 25 bis 27 Millimetern, Arbeiterinnen messen 15 bis 19 Millimeter. Der Kopf ist im Vergleich zu anderen Hummelarten auffallend kurz, der Scheitel ist schwarz behaart. Thorax und die vorderen beiden Hinterleibssegmente sind durchgehend gelb gefärbt, dazwischen verläuft am Rücken ein schwarzes Band. Ungewöhnlich für eine Hummel ist die Beschaffenheit der Behaarung auf dem dritten Rückensegment des Hinterleibs: Dort liegen die Haare flach an, statt wie sonst bei Hummeln üblich buschig abzustehen. Insgesamt ist das Haarkleid der Art vergleichsweise kurz.

Verwechslungsgefahr besteht vor allem mit der ähnlich großen Bombus pensylvanicus. Diese trägt jedoch zusätzlich gelbe Behaarung auf dem dritten Hinterleibssegment und zeigt am Schildchen des Thorax meist schwarze Haare, während das Schildchen bei Bombus fraternus vollständig gelb ist. Männchen von Bombus fraternus fallen durch große, hervortretende Facettenaugen und einen verlängerten Hinterleib auf und lassen sich dadurch von Bombus griseocollis unterscheiden, deren Männchen zwar ebenfalls vorstehende Augen haben, aber ein deutliches schwarzes Feld auf dem zweiten Hinterleibssegment tragen.

Nistplatzwahl

Bombus fraternus legt ihre Nester fast ausnahmslos unterirdisch an, oft auffällig tief. Als Nistplatz dienen verlassene Baue von Nagetieren, etwa von Mäusen. Damit unterscheidet sich die Art von der nah verwandten Bombus pensylvanicus, die ihre Nester bevorzugt ebenerdig oder nur knapp unter der Bodenoberfläche errichtet, und von Bombus griseocollis, die sowohl oberirdisch als auch ebenerdig oder unterirdisch nistet.

Flugzeiten und Nahrungspflanzen

In Illinois wurden Königinnen von April bis Oktober beobachtet, Arbeiterinnen von April bis September und Männchen im August. Bombus fraternus gehört zu den kurzrüsseligen Hummelarten. Zu den regelmäßig besuchten Pflanzen zählen Herbstastern (Symphyotrichum), Indianernesseln (Monarda), Sumacharten (Rhus) und Kratzdisteln (Cirsium). Weitere dokumentierte Nahrungspflanzen sind Seidenpflanzen (Asclepias), Präriekleearten (Dalea), Prachtscharten (Liatris), Steinkleearten (Melilotus), Igelköpfe (Ratibida) und Goldruten (Solidago).

Bestand und Gefährdung

Die Internationale Naturschutzunion IUCN hat für ihre Rote-Liste-Einschätzung aus dem Jahr 2014 die relative Häufigkeit von Bombus fraternus zwischen 1912 und 2012 in Zehnjahresschritten ausgewertet und dabei einen deutlichen, statistisch nahezu signifikanten Rückgang festgestellt. Setzt sich dieser Trend fort, halten es die Gutachter für möglich, dass die Art innerhalb von 80 bis 90 Jahren ausstirbt. Die US-Umweltorganisation Center for Biological Diversity bezifferte in ihrem Antrag auf Unterschutzstellung vom Juli 2022 den Rückgang seit 2011 auf 56 Prozent der Häufigkeit, verbunden mit einem Verlust von 24 Prozent des Verbreitungsgebiets an dessen nördlichem, westlichem und südlichem Rand.

Als Ursachen nennt der Antrag unter anderem den Verlust von Grasland durch intensivere Landwirtschaft, den Einsatz von Pestiziden, Herbiziden, Fungiziden und Insektiziden, die Ausbreitung invasiver Pflanzen, Beweidung und Mahd zur falschen Zeit, veränderte Feuerregime sowie Konkurrenz durch Honigbienen und kommerziell gehaltene Hummeln. Hinzu kommen Krankheitserreger wie die Mikrosporidien der Gattung Nosema, Trypanosomen der Gattung Crithidia und verschiedene Viren, außerdem der Verlust genetischer Vielfalt und der Klimawandel. Der U.S. Fish and Wildlife Service veröffentlichte im Januar 2024 eine sogenannte 90-Day Finding und kam zu dem Schluss, dass der Antrag ausreichend fundierte Hinweise enthält. Damit wurde eine formale Prüfung eingeleitet, ob Bombus fraternus unter dem Endangered Species Act als gefährdet gelistet werden soll. Eine abschließende Entscheidung darüber steht noch aus.

Quellen

  • U.S. Fish and Wildlife Service: Southern Plains Bumble Bee (Bombus fraternus), Species Profile, fws.gov
  • Xerces Society for Invertebrate Conservation: Southern Plains Bumble Bee, Species Profile
  • Hatfield, R., Jepsen, S., Thorp, R., Richardson, L. & Colla, S. (2014): Bombus fraternus. The IUCN Red List of Threatened Species, Supporting Information
  • Bumblebee Conservation Trust: Bumblebees of the World Blog Series #4, Bombus fraternus
  • Illinois Department of Natural Resources (2025): Southern Plains Bumble Bee, Biodiversity of Illinois
  • Neylon, J., Stange, L., Fasulo, T. R. & Mallinger, R.: Bumble Bees of Florida, EENY-050/IN207, UF/IFAS Extension
  • Federal Register (25.01.2024): Endangered and Threatened Wildlife and Plants; 90-Day Findings for 10 Species
  • Wyoming Natural Diversity Database: Field Guide, Bombus fraternus (unter Bezug auf die Petition des Center for Biological Diversity, 2022)
  • Wikimedia
  • discoverlife.org

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Stefan

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Töging am Inn (Südostbayern), 398m
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