Bombus breviceps
Bombus breviceps zählt zu den häufigsten Hummelarten in weiten Teilen Süd- und Ostasiens. Ihr Verbreitungsgebiet reicht vom Himalaya über Nepal, Bhutan und den äußersten Norden Indiens bis nach China, Laos, Myanmar, Thailand und in den Nordwesten Vietnams. In diesem Raum tritt sie häufig gemeinsam mit anderen Hummelarten auf und stellt vielerorts einen großen Teil der beobachteten Individuen.
Die Art gehört zur Untergattung Alpigenobombus, einer Gruppe überwiegend gebirgsbewohnender Hummeln. Deren Weibchen besitzen ein auffälliges Merkmal: kräftige Mandibeln mit sechs großen, gleichmäßig angeordneten Zähnen. Mit diesem Werkzeug beißen sie Löcher in die Kronröhren langröhriger Blüten und gelangen so von außen an den Nektar, ohne den vorgesehenen Weg über den Blüteneingang zu nehmen. Diese als Nektarraub bezeichnete Strategie ist unter Hummeln verbreitet, bei Alpigenobombus-Arten aber ein regelmäßiges Verhalten und keine Ausnahme.
Färbung und Mimikry
Bombus breviceps trägt sehr dunkle, bräunliche Flügel mit dunkelbraunen Adern und kurzer Behaarung. Die Weibchen sind am Rücken schwarz behaart, häufig mit orangefarbenen Binden am vorderen und hinteren Rand des Rückenpanzers. Das erste Hinterleibssegment ist gelb gefärbt.
Das Farbmuster der Art verändert sich deutlich über ihr Verbreitungsgebiet. Im westlichen und zentralen Teil, etwa im Himalaya, besitzt sie einen schwarzen Rückenpanzer. In den südöstlichen Regionen, etwa in Südostasien, tritt dagegen eine Form mit orangefarbener Bänderung auf dem Rückenpanzer auf. Manche Populationen zeigen zusätzlich einen schwarzen Hinterleibsabschluss. Diese Variation lässt Bombus breviceps in jeder Region der jeweils dort besonders häufigen Hummelart ähneln.
Nahrungspflanzen und Bestäubungsleistung
Die Art gilt als polylektisch und sammelt Pollen an einer großen Bandbreite von Pflanzen. Insgesamt wurden Besuche an 47 Pflanzenarten dokumentiert, am häufigsten an Crotalaria assamica und an der Brombeerart Rubus alceaefolius.
Wirtschaftliche Bedeutung besitzt Bombus breviceps als Hauptbestäuberin des Schwarzen Kardamoms (Amomum subulatum) im indischen Sikkim. Die geringe Körpergröße erlaubt es den Tieren, in die enge Blütenröhre der Kardamompflanze einzudringen und dabei Pollen aufzunehmen, den sie anschließend zwischen verschiedenen Pflanzen verteilen. Diese Fremdbestäubung trägt maßgeblich zum Fruchtansatz der Kulturpflanze bei.
Koloniebiologie und Volksentwicklung
Königinnen von Bombus breviceps beginnen ihre Koloniegründung ab Ende März. Arbeiterinnen sind von Anfang Mai bis Mitte Dezember auf Nahrungssuche unterwegs, was der Art im Vergleich zu vielen anderen Hummelarten eine lange Saison verschafft. Nach der Eiablage vergehen etwa 27 Tage bis zum Schlupf einer erwachsenen Hummel: vier Tage im Eistadium, zwölf Tage als Larve und elf Tage als Puppe.
In Laborzucht wurde die Koloniegründungsrate wildgefangener Königinnen mit 86,5 Prozent ermittelt. Ein Volk kann außergewöhnlich groß werden und zwischen 60 und 660 Arbeiterinnen sowie 100 bis 920 Männchen hervorbringen. Im direkten Vergleich mit der nah verwandten Art Bombus friseanus benötigt Bombus breviceps deutlich länger, um Koloniegrößen von 30, 60 oder 80 Arbeiterinnen zu erreichen, und auch der erste Schlupf von Männchen und Jungköniginnen setzt später ein. Erreicht ein Volk jedoch seine volle Größe, liegt die Zahl der produzierten Arbeiterinnen und Männchen bei Bombus breviceps im Schnitt deutlich über der von Bombus friseanus.
Parasiten
Bombus breviceps dient der Wollbiene Mutilla europaea, einer parasitisch lebenden Verwandten der Goldwespen, als Wirt. Bei dieser Art durchlaufen die Larven ihre Entwicklung als Parasitoide in den Nestern der Hummel. Der Nachweis gelang sowohl im Freiland als auch in Laborvölkern, in denen sich zudem die Ausbreitungsfähigkeit des Parasiten innerhalb einer Kolonie beobachten ließ.
Quellen
- Williams, P. H., An, J., Dorji, P., Huang, J., Jaffar, S., Japoshvili, G., Narah, J., Ren, Z., Streinzer, M., Thanoosing, C., Tian, L., Orr, M. C. (2023): Bumblebees with big teeth: revising the subgenus Alpigenobombus with the good, the bad and the ugly of numts (Hymenoptera: Apidae). European Journal of Taxonomy, 892: 1–65, doi.org/10.5852/ejt.2023.892.2283
- Liang, C., Ding, G., Huang, J., Zhang, X., Miao, C., An, J. (2020): Characteristics of the Two Asian Bumblebee Species Bombus friseanus and Bombus breviceps (Hymenoptera: Apidae). Insects, 11(3): 163, doi.org/10.3390/insects11030163
- Deka, T. N., Sudharshan, M. R., Saju, K. A. (2011): New record of bumble bee, Bombus breviceps Smith as a pollinator of large cardamom. Current Science, 100(6): 926–928
- Wikipedia (englisch): Bombus breviceps, en.wikipedia.org/wiki/Bombus_breviceps
- Wikipedia (englisch): Alpigenobombus, en.wikipedia.org/wiki/Alpigenobombus
- Foto: Simba (simbason), Beobachtung vom 24.05.2026, 中国贵州省黔西南布依族苗族自治州兴义市. inaturalist.org/observations/371578964, Lizenz CC BY-NC 4.0, creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0, unverändert
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Stefan aktualisiert.
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