Bombus affinis

Hummeln aus aller Welt

Bombus affinis, im Englischen als Rusty Patched Bumble Bee bekannt, wurde 1863 von Ezra Townsend Cresson beschrieben. Der deutsche Name Rostfleckige Hummel leitet sich von einem charakteristischen Merkmal ab: Arbeiterinnen und Männchen tragen auf dem zweiten Hinterleibssegment einen bräunlich orangefarbenen Fleck, der bei Königinnen fehlt. Dieser Fleck ermöglicht auch Laien eine relativ sichere Unterscheidung von ähnlichen Hummelarten, sofern das Tier ruhig genug sitzt, um das Segment zu erkennen.

Bombus affinisDer Kopf ist bei allen drei Kasten vollständig schwarz behaart. Der Thorax trägt überwiegend gelbe Behaarung mit einem schwarzen Streifen zwischen den Flügelbasen. Arbeiterinnen erreichen eine Körperlänge von 10 bis 16 Millimetern, Königinnen 20 bis 22 Millimetern und Männchen 13 bis 17 Millimetern. Die vergleichsweise lange Behaarung isoliert die Tiere und erlaubt ihnen, bereits Anfang April und noch Ende September bei niedrigen Temperaturen zu fliegen. Bombus affinis zählt zu den kurzrüsseligen Hummelarten und sammelt Pollen und Nektar an einem breiten Spektrum von Blütenpflanzen, darunter Sonnenblumen, Astern, Goldruten und Geißblattarten.

info hummelBei einer Grabung in Michigan wurde ein einzelnes unterirdisches Nest von Bombus affinis mit 227 lebenden Individuen freigelegt, der höchste je für diese Art dokumentierte Wert und deutlich mehr als die durchschnittlich 72 Tiere, die bei vergleichbaren Grabungen anderer Hummelarten in derselben Untersuchung gezählt wurden.

Historische und aktuelle Verbreitung

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet erstreckte sich über 28 US-Bundesstaaten, den District of Columbia sowie die kanadischen Provinzen Ontario und Québec, vom Osten der Vereinigten Staaten über den oberen Mittleren Westen bis in die Ausläufer der Appalachen. Vor den 1990er Jahren zählte die Art zu den häufig beobachteten Hummeln dieser Region.

Seit Ende der 1990er Jahre ist ein starker Rückgang dokumentiert. Der U.S. Fish and Wildlife Service stellte in seiner Bewertung von 2016 fest, dass die Art historisch an 926 Fundorten nachgewiesen worden war, seit 1999 aber nur noch an 103 Fundorten, ein Rückgang von 88 Prozent. Andere Auswertungen beziffern den Rückgang von Bestandsgröße und Verbreitungsgebiet auf rund 87 bis 90 Prozent seit den späten 1990er Jahren. Aktuell gilt die Art nur noch in 13 US-Bundesstaaten sowie in Ontario als bodenständig nachgewiesen, mit Schwerpunkten im oberen Mittleren Westen und in Teilen der Appalachen.

Lebensweise und Nistverhalten

Wie andere Hummelarten durchläuft Bombus affinis einen einjährigen Koloniezyklus. Begattete Königinnen überwintern einzeln in einer Erdkammer, vermutlich in Waldgebieten mit lockerem, gut durchlässigem Boden. Im Frühjahr, meist zwischen Mitte April und Ende Mai, verlassen sie das Winterquartier und suchen zunächst blühende Frühjahrspflanzen auf, um Energiereserven aufzubauen. Anschließend wählen sie einen Nistplatz, häufig einen verlassenen Nagerbau ein bis vier Fuß unter der Erdoberfläche.

Die Königin legt zunächst bis zu 12 Eier auf einem Vorrat aus Pollen und Nektar ab und versorgt die ersten Larven allein. Sobald die ersten Arbeiterinnen schlüpfen, übernehmen diese Nahrungssuche und Brutpflege, während die Königin sich auf die Eiablage konzentriert. Von Juli bis September bringt die Kolonie Männchen und neue Königinnen hervor. Diese verlassen das Nest, wobei Männchen Strecken von bis zu acht Kilometern zurücklegen können, um sich mit Individuen aus anderen Kolonien zu paaren. Alte Königin, Arbeiterinnen und Männchen sterben vor Wintereinbruch, nur die neu begatteten Jungköniginnen überleben in Diapause bis zum folgenden Frühjahr. Die Kolonie ist insgesamt von April bis Oktober aktiv, wobei Dauer und Zeitpunkt von Temperatur, Niederschlag und Blühzeitpunkt der Umgebung abhängen.

Ursachen des Bestandsrückgangs

Die genaue Ursache des schnellen Rückgangs ab den 1990er Jahren ist bis heute nicht abschließend geklärt, da er einsetzte, bevor systematische Hummelerfassungen üblich waren. Der Hummelforscher Robbin Thorp stellte die Hypothese auf, dass in kommerziellen Aufzuchtbetrieben eingesetzte Hummeln der Art Bombus impatiens mit einer virulenten Variante des Mikrosporidiums Nosema bombi infiziert waren, die ursprünglich von der europäischen Dunklen Erdhummel Bombus terrestris stammte. Über den Kontakt kommerziell aufgezogener mit wildlebenden Hummeln könnte sich der Erreger auf Bombus affinis und weitere nordamerikanische Arten ausgebreitet haben. Spätere wissenschaftliche Untersuchungen stützten wesentliche Teile dieser Hypothese und belegten, dass kommerziell gehandelte Hummeln zur Verbreitung von Nosema bombi in Wildpopulationen beigetragen haben.

Die aktuelle Bestandsbewertung des U.S. Fish and Wildlife Service geht von einem Zusammenwirken mehrerer Faktoren aus: Krankheitserreger, der Einsatz von Insektiziden und Fungiziden, Lebensraumverlust und -verschlechterung, Konkurrenz durch nicht heimische und kommerziell gehaltene Hummeln sowie die Folgen des Klimawandels. Eine Untersuchung von Pollenproben aus Museumssammlungen der Jahre 1913 bis 2013 ergab dabei keinen Hinweis darauf, dass eine Verringerung der genutzten Blütenpflanzenarten den Rückgang ausgelöst hat, da sich die genutzte Bandbreite an Pollenquellen über den gesamten Untersuchungszeitraum kaum veränderte.

Schutzstatus und Schutzmaßnahmen

Am 10. Januar 2017 nahm der U.S. Fish and Wildlife Service Bombus affinis in die Liste der gefährdeten Arten nach dem Endangered Species Act auf. Damit wurde sie die erste Hummelart, die im Kernland der Vereinigten Staaten unter diesem Gesetz geschützt wurde. Bereits 2016 waren sieben hawaiianische Maskenbienenarten der Gattung Hylaeus gelistet worden, für Hummeln auf dem nordamerikanischen Festland war es jedoch ein erstmaliger Schritt. In Kanada wurde die Art 2010 im Rahmen des Species at Risk Act als gefährdet eingestuft, die International Union for Conservation of Nature führt sie seit 2015 als vom Aussterben bedroht.

Der U.S. Fish and Wildlife Service hat seither Zonen mit hohem und niedrigem Vorkommenspotenzial kartiert, um Genehmigungen für Forschungsfänge zu steuern und Bundesbehörden bei der Prüfung von Bauvorhaben im Sinne des Endangered Species Act zu unterstützen. Ehrenamtliche Meldungen über Portale wie Bumble Bee Watch tragen dazu bei, verbliebene Vorkommen außerhalb der bekannten Kernräume zu erfassen. Der Erhalt naturnaher, blütenreicher Flächen von April bis September innerhalb eines Umkreises von etwa 800 Metern um mögliche Nistplätze gilt dabei als zentrale Voraussetzung für das Überleben verbliebener Kolonien.

Quellen

  • U.S. Fish and Wildlife Service: Rusty Patched Bumble Bee (Bombus affinis), https://www.fws.gov/species/rusty-patched-bumble-bee-bombus-affinis
  • Xerces Society for Invertebrate Conservation: Rusty Patched Bumble Bee, https://xerces.org/endangered-species/species-profiles/at-risk-bumble-bees/rusty-patched-bumble-bee
  • Federal Register: Endangered and Threatened Wildlife and Plants; Endangered Species Status for Rusty Patched Bumble Bee, 11. Januar 2017, https://www.federalregister.gov/documents/2017/01/11/2017-00195/
  • Animal Diversity Web: Bombus affinis, https://animaldiversity.org/accounts/Bombus_affinis/
  • Minnesota Wood-Nesting Bee Atlas: Bombus affinis, https://minnesotabeeatlas.umn.edu/species-guide/bees/bombus/bombus-affinis
  • Illinois Department of Natural Resources: Rusty-patched Bumble Bee, https://dnr.illinois.gov/education/wildaboutpages/wildaboutinvertebrates/wildaboutnativebees/family-apidae/wabwrustypatchedbumblebee.html
  • Scholar Valparaiso University (The Great Lakes Entomologist): Observations on Colony Size in Bumblebees (Bombus spp.), https://scholar.valpo.edu/cgi/viewcontent.cgi?article=1299&context=tgle
  • USGS: A century of pollen foraging by the endangered rusty patched bumble bee, https://www.usgs.gov/publications/a-century-pollen-foraging-endangered-rusty-patched-bumble-bee-bombus-affinis
  • IUCN Red List: Bombus affinis, Hatfield et al. 2015, https://www.iucnredlist.org/species/44937399/46440196
  • Bild: USGS Bee Inventory and Monitoring Lab from Beltsville, Maryland, USA – Bombus affinis, F, side, sky meadows, virginia_2014-09-22-18.05.02 ZS PMax, Public Domain, Link
  • inaturalist.org

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Stefan

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Töging am Inn (Südostbayern), 398m
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