Hummel Ammen

Als Ammen werden die Arbeiterinnen bezeichnet, die im Nest bleiben und sich um Eier, Larven und Puppen kümmern, statt selbst Nektar oder Pollen zu sammeln. Wie bei allen Innentätigkeiten im Hummelnest handelt es sich dabei nicht um einen festen Beruf, sondern um eine Aufgabe, die vor allem kleinere Arbeiterinnen übernehmen, während größere eher als Sammlerinnen ausfliegen. John B. Free beschrieb 1955, dass sich viele Arbeiterinnen im Lauf ihres Lebens auf eine dieser Rollen festlegen, ein Teil des Volkes aber mehrfach zwischen Brutpflege und Sammelflug wechselt, je nachdem, was das Nest gerade dringender braucht.

Zwei Grundstrategien der Larvenfütterung

Bereits der britische Hummelforscher Frederick Sladen unterschied 1912 zwei grundsätzlich verschiedene Fütterungsstrategien, die sich bis heute in der Einteilung der Hummelarten wiederfinden. Bei den sogenannten Pollenlagerern, zu denen unter anderem die Dunkle Erdhummel zählt, lagern die Ammen Pollen in eigenen Wachstöpfen fernab der Brutzellen und tragen ihn portionsweise mit dem Mund zu den Larven, gemischt mit Nektar und Speicheldrüsensekret. Bei den sogenannten Taschenbauern dagegen, etwa der Ackerhummel oder der Gartenhummel, legen die Arbeiterinnen kleine Wachstaschen direkt neben die Larvengruppe und füllen dort feste Pollenklumpen ein, von denen sich die Larven unmittelbar selbst bedienen.

Folgen der beiden Strategien für die Larven

Diese unterschiedliche Fütterweise hat spürbare Folgen. Bei Taschenbauern konkurrieren mehrere Larven direkt um denselben Pollenvorrat in ihrer gemeinsamen Tasche, wodurch die Körpergröße der später schlüpfenden Arbeiterinnen stärker schwankt als bei Pollenlagerern, wo die Ammen die Verteilung genauer steuern können. Bei beiden Strategien gilt jedoch ein weiterer Faktor: Margaret Couvillon und Anna Dornhaus zeigten 2009 an der Amerikanischen Hummel (Bombus impatiens), dass Larven, die im Zentrum des Nests liegen, häufiger gefüttert werden als Larven am Rand, einfach weil die Ammen bei ihren Wegen durchs Nest öfter an ihnen vorbeikommen. Larven im Zentrum entwickeln sich dadurch im Schnitt zu größeren Arbeiterinnen als ihre Geschwister am Rand des Nests, ein Nebeneffekt der Nestgeographie, der die spätere Aufgabenteilung mitbestimmt, da größere Tiere eher zu Sammlerinnen werden.

info hummelOb eine Hummellarve später zur kräftigen Sammlerin oder zur kleineren Nestarbeiterin heranwächst, hängt auch schlicht davon ab, wo sie im Nest lag. Larven im Zentrum werden von den Ammen häufiger versorgt und dadurch tendenziell größer als Larven am Rand.

Temperaturregulation der Brut: Heizen und Kühlen als getrennte Aufgaben

Neben der Fütterung gehört das Warmhalten der Brut zu den wichtigsten Aufgaben der Ammen. Eier, Larven und Puppen entwickeln sich am besten bei Nesttemperaturen zwischen etwa 28 und 32 Grad Celsius. Um das zu erreichen, setzen sich Arbeiterinnen auf die Brutzellen und erzeugen durch Zittern ihrer Flugmuskulatur Wärme, während bei Überhitzung andere Arbeiterinnen durch Flügelfächeln für Kühlung sorgen. Kim Gardner, Robin Foster und Sean O’Donnell zeigten 2007 an Bombus huntii, dass diese beiden Rollen bemerkenswert festgelegt sind: Heizerinnen heizen, Kühlerinnen kühlen, und diese Aufgaben sind nicht ohne Weiteres austauschbar. Wurden die aktiven Heizerinnen aus dem Nest entfernt, übernahmen nicht etwa die Kühlerinnen deren Aufgabe. Stattdessen steigerten die verbliebenen Heizspezialistinnen ihren Einsatz. In derselben Studie waren es eher kleinere Arbeiterinnen, die sich um die Klimaregulierung kümmerten, während größere Tiere stärker auf die Nahrungsversorgung des Volkes ausgerichtet waren.

Weitere Aufgaben im Innendienst

Neben Fütterung und Temperaturregulation gehören zu den Aufgaben im Nestinneren auch das Entfernen toter Larven, verendeter Arbeiterinnen und von Kotresten sowie das ständige Ausbessern und Erweitern der Wachszellen, in denen sich die Brut entwickelt. Diese Tätigkeiten lassen sich in der Praxis nicht immer scharf von der eigentlichen Brutpflege trennen, da dieselben Arbeiterinnen oft mehrere dieser Aufgaben nacheinander erledigen, je nachdem, was im Moment im Nest anfällt.

Bedeutung für das Volk

Wie schnell sich ein Hummelvolk von wenigen Arbeiterinnen zu einer großen Kolonie mit hunderten Tieren entwickeln kann, hängt maßgeblich von der Qualität der Brutpflege ab. Schlecht oder unregelmäßig gefütterte Larven entwickeln sich langsamer, werden kleiner oder sterben ganz, was das Wachstum des gesamten Volkes bremst. Da ein Hummelvolk nur eine einzige Saison Zeit hat, um von der einzelnen Gründerkönigin zu einem Volk mit ausreichend vielen Arbeiterinnen und schließlich zu neuen Königinnen und Drohnen heranzuwachsen, entscheidet die Arbeit der Ammen mit über den Fortpflanzungserfolg des gesamten Volkes.

Quellen

  • Sladen, F. W. L. (1912): The Humble-Bee, Its Life-History and How to Domesticate It. Macmillan.
  • Free, J. B. (1955): The division of labour within bumblebee colonies. Insectes Sociaux 2, S. 195 bis 212.
  • Gardner, K. E., Foster, R. L., O’Donnell, S. (2007): Experimental analysis of worker division of labor in bumblebee nest thermoregulation (Bombus huntii, Hymenoptera: Apidae). Behavioral Ecology and Sociobiology 61, S. 783 bis 792.
  • Couvillon, M. J., Dornhaus, A. (2009): Location, location, location: larvae position inside the nest is correlated with adult body size in worker bumble-bees (Bombus impatiens). Proceedings of the Royal Society B 276(1666), S. 2411 bis 2418.
  • Goulson, D. (2010): Bumblebees: Behaviour, Ecology, and Conservation. 2. Auflage, Oxford University Press.

Bewerte diesen Beitrag

(1 Bewertungen gesamt. Ø 5,00 / 5)
  • Dieses Thema hat 0 Antworten sowie 1 Teilnehmer und wurde zuletzt vor 1 Tag, 8 Stunden von StefanStefan aktualisiert.
  • Du musst angemeldet sein, um auf dieses Thema antworten zu können.