Das Hummeljahr

Das neue Hummeljahr beginnt für einige Hummelarten bereits Ende Februar, Anfang März, wenn die ersten Sonnenstrahlen die Erde erwärmen. Die im Vorjahr begattete Hummelkönigin krabbelt aus der auftauenden Erde heraus, in die sie sich im Vorjahr eingegraben hatte. Eingrabtiefe liegt je nach Bodenbeschaffenheit zwischen 5 bis 15 cm.

Nicht jede Hummelkönigin überlebt den Winter

Von zehn überwinternden Hummelköniginnen erreicht im Durchschnitt oft nur eine einzige das Frühjahr und gründet erfolgreich ein Volk. Die Ursachen für diese hohe Sterblichkeit sind vielfältig. Häufig spielen Witterungseinflüsse eine entscheidende Rolle, etwa anhaltende Temperaturwechsel im Winter, bei denen der Boden wiederholt auftaut und erneut gefriert. Auch Überschwemmungen im Frühjahr können überwinternde Königinnen gefährden.

Jede Hummel, die bereits im zeitigen Frühjahr zu beobachten ist, ist eine Königin. Nach dem Ende der Winterruhe beginnt für sie eine entscheidende Phase ihres Lebens, denn sie muss einen geeigneten Nistplatz finden und ein neues Hummelvolk gründen. Hummelfreunde können sie dabei wirkungsvoll unterstützen, indem sie geeignete Nistmöglichkeiten bereitstellen und so den erfolgreichen Start eines neuen Hummelvolkes erleichtern.

info hummelViele Gartenbesitzer räumen ihren Garten so gründlich auf, dass einfach keine Möglichkeit zur Ansiedlung von Hummeln und andere für den Garten nützliche Lebewesen besteht.

Nachdem sich die Hummelkönigin aus ihrem Winterquartier im Boden herausgearbeitet hat, nimmt sie zunächst ein ausgiebiges Sonnenbad, um ihre Körpertemperatur zu erhöhen und wieder aktiv zu werden. Anschließend besucht sie die ersten blühenden Pflanzen, um Nektar aufzunehmen und ihre erschöpften Energiereserven aufzufüllen. Deshalb ist es besonders wichtig, dass bereits im zeitigen Frühjahr ausreichend Trachtpflanzen als Nahrungsquelle zur Verfügung stehen.

Während der Winterruhe hat die Königin einen großen Teil ihrer gespeicherten Energie verbraucht. Der energiereiche Nektar liefert die notwendigen Kohlenhydrate, um ihre Flugaktivität aufrechtzuerhalten und die Gründung eines neuen Hummelvolkes vorzubereiten. Der eiweißreiche Blütenpollen spielt ebenfalls eine wichtige Rolle: Er wird zunächst für die Entwicklung der Eierstöcke benötigt und später als wertvolle Nahrung für die heranwachsenden Larven.

Bei der Nahrungssuche bevorzugt die Hummelkönigin häufig dunklere Blüten. Diese erwärmen sich durch die Sonneneinstrahlung schneller als helle Blüten und können der Hummel zusätzliche Wärme liefern. Zwischen den Blütenbesuchen legt sie deshalb immer wieder Ruhepausen ein und nutzt sonnige Plätze zum Aufwärmen, beispielsweise warme Steine, Holzflächen oder von der Sonne aufgeheizte Hauswände.

Die Nestsuche der Nestgründerin

Nach einigen Tagen intensiver Nahrungsaufnahme beginnt die Hummelkönigin mit der Suche nach einem geeigneten Unterschlupf, um dort ihr Nest zu gründen und ein neues Hummelvolk aufzubauen.

Die Königin wird in dieser Phase als Nestgründerin bezeichnet. Bei der Suche nach einem geeigneten Nistplatz fliegt sie oft nur wenige Zentimeter über dem Boden und bewegt sich dabei auffallend langsam. Dieser Suchflug dient dazu, mögliche Nistgelegenheiten aufzuspüren und genau zu untersuchen. Dabei werden beispielsweise kleine Hohlräume im Erdreich, Spalten zwischen Steinen oder andere geschützte Verstecke angeflogen. Auch Schattenstellen werden von nistplatzsuchenden Hummelköniginnen gezielt überprüft, da sie Hinweise auf geeignete, geschützte Nistplätze geben können.

info hummelDie Königin wird sehr bald ein Nest bauen und ihre erste „Brutwabe“ anlegen und Eier legen.

Ob eine Nistmöglichkeit von einer Hummelkönigin angenommen wurde, lässt sich sehr gut beobachten.

  • Fliegt die Hummel jetzt sogleich davon, war der untersuchte Nistplatz nicht gut genug.
  • Verlässt die Nestgründerin einen zuvor ausgewählten Nistplatz, richtet sie sich zunächst noch einmal zum Nesteingang aus und prägt sich dessen Lage ein. Anschließend beginnt sie mit dem charakteristischen Orientierungsflug. Dabei schwebt sie zunächst mehrmals direkt vor dem Eingang hin und her. Danach steigt sie in immer größer werdenden Schleifen auf, wobei sich die Flughöhe stetig erhöht, bis sie den Nistplatz schließlich verlässt. Dieses Verhalten zeigt, dass die Königin den Niststandort angenommen hat. Der sogenannte Orientierungsflug dient dazu, sich die genaue Lage des Nestes einzuprägen. Auf diese Weise kann sie den Eingang später zuverlässig wiederfinden, auch wenn der Nistplatz für den Menschen unscheinbar wirkt und kaum auffällt.

Nach etwa 20 bis 45 Minuten kehrt die Hummelkönigin häufig zu ihrem neu ausgewählten Nistplatz zurück. Den Eingang findet sie dabei nicht immer sofort, sucht jedoch gezielt weiter, bis sie ihn wiederentdeckt hat. Vor ihrem ersten Abflug hat sie den Nesteingang mit einem Duftstoff markiert. Diese Duftmarkierung unterstützt die Hummelkönigin dabei, den Standort des Nestes zuverlässig wiederzufinden.

Gelegentlich führt die Königin beim ersten Rückflug noch einmal einen kurzen Orientierungsflug durch, bevor sie endgültig im Nest verschwindet. Dieses Verhalten ist in der Regel nur beim ersten Wiederanflug zu beobachten. Bei späteren Flügen erkennt sie den Eingang meist sofort und kann ihn ohne längere Suche anfliegen.


Der erste Rückflug zum Nistplatz kann jedoch deutlich länger dauern. In manchen Fällen vergehen mehrere Stunden oder sogar einige Tage, bevor die Hummelkönigin zurückkehrt. Bleibt sie länger als drei Tage aus, ist davon auszugehen, dass sie nicht wieder kommt. Während ihrer Suchflüge und Erkundungen ist die Königin zahlreichen Gefahren ausgesetzt. Neben natürlichen Feinden wie Vögeln und anderen Tieren stellt auch der Straßenverkehr eine erhebliche Gefahr dar, da viele Insekten durch Zusammenstöße mit Fahrzeugen ums Leben kommen.

info hummelEine der größten Gefahren für Hummeln während des gesamten Jahres ist der unsachgemäße Einsatz von Insektenschutzmitteln.

Nach ihrer Rückkehr zum Nistplatz verbringt die Hummelkönigin zunehmend mehr Zeit im Nest. Aus vorhandenem Isolationsmaterial errichtet sie zunächst eine kleine Nestkugel, die etwa die Größe einer Walnuss erreicht und einen Durchmesser von ungefähr zwei Zentimetern hat. Diese schützende Hülle dient dazu, Wärmeverluste zu verringern und ein geeignetes Klima für die Entwicklung der ersten Brut zu schaffen.

Vorbereitungen zur Brut

Die Nestgründerin legt von Beginn an einen kleinen Futtervorrat für die Nachtstunden und Schlechtwetterperioden an. Dieser Vorrat ist besonders wichtig, damit auch bei ungünstiger Witterung keine Nahrungsknappheit im Nest entsteht. Bei niedrigen Temperaturen produzieren viele Pflanzen weniger Nektar, und die Suche nach ausreichend Nahrung kostet die Königin viel Zeit und Energie.

Der Zeitfaktor spielt bei der Gründung eines Hummelvolkes eine entscheidende Rolle. Verlässt die Königin das Nest über längere Zeit, kann die Brut auskühlen. Dies kann die Entwicklung der Eier, Larven und Puppen verlangsamen oder sogar gefährden. Deshalb muss die Königin ihre Nahrungssuche und die Versorgung der Brut sorgfältig aufeinander abstimmen.

Die Nahrung, die sie von den Blüten sammelt, besteht hauptsächlich aus Nektar und Blütenpollen. Der Nektar liefert Kohlenhydrate und damit die notwendige Energie für die Königin. Er wird in einem kleinen Wachsbau gespeichert, dem sogenannten Nektartopf, den die Königin selbst angelegt hat. Im Gegensatz zu eingedicktem Honig ist Hummelnektar sehr flüssig und kann dadurch besonders schnell aufgenommen werden. Er dient der Königin als Energiequelle für ihre Flugaktivität und als „Heizstoff“ für die Erwärmung des Brutnestes.

Der eiweißreiche Blütenpollen wird in speziellen Vorratsbehältern gelagert. Bei manchen Arten, wie beispielsweise der Erdhummel, geschieht dies in sogenannten Pollentöpfen, während andere Arten, etwa die Ackerhummel, den Pollen in besonderen Taschen am Nest einlagern. Der Pollen ist vor allem für das Wachstum und die Entwicklung der heranwachsenden Jungtiere von großer Bedeutung.

Baumaterial Hummelnest

Als Baumaterial für den Nestbau verwenden Hummeln vor allem Wachs, Pollen und Nektar. Diese Bestandteile werden miteinander vermischt und zu einer formbaren Masse verarbeitet. Das Wachs wird von den Hummeln mithilfe spezieller Wachsdrüsen am Hinterleib ausgeschieden und anschließend zum Aufbau des Nestes verwendet.

Aus diesem Material entstehen die verschiedenen Bestandteile des Hummelnestes, darunter die Nektartöpfe zur Speicherung von Nahrung sowie die Eiwiegen, in denen sich die Eier und später die Larven entwickeln. Gemeinsam bilden diese Strukturen den charakteristischen Wabenbau des Hummelnestes.

Anordnung im Hummelnest

Direkt hinter dem Nesteingang befindet sich in der kleinen Nestkugel häufig zunächst der Nektartopf. In kurzer Entfernung dazu liegt die erste Brutwabe mit den ersten Eiwiegen. Dabei handelt es sich um mit Wachs verschlossene Zellen, in denen sich mehrere junge Larven gemeinsam entwickeln.

Die Hummelkönigin sitzt während der Brutpflege auf der Brutwabe und hält durch ihre Körperwärme die notwendige Temperatur aufrecht. Ähnlich wie eine brütende Vogelmutter bedeckt sie dabei die Brut und versorgt die heranwachsenden Larven mit Wärme und Nahrung.

Die für die Entwicklung der Brut erforderliche Temperatur entsteht durch den Stoffwechsel der Königin und später auch der Larven. Durch die Umsetzung von Nektar und Pollen wird Energie freigesetzt, die als Wärme in das Nest abgegeben wird. Zusammen mit einer geeigneten Luftfeuchtigkeit entsteht dadurch das nesttypische Mikroklima, das für die erfolgreiche Entwicklung der Hummelbrut entscheidend ist.

Eierablage und Larvenentwicklung im Hummelnest

Die Königin legt auf einen Pollenteppich, vermischt mit Nektar, ihre ersten Eier und baut aus dem Pollen – Nektargemisch ihre erste Eiwiege.

Bevor die Königin die Eiwiege mit Wachs verschließt, legt sie bis zu acht länglich geformte, cremefarbene Eier hinein. Diese sind etwa zwei Millimeter dick und ungefähr fünf Millimeter lang. Das Verschließen der Eiwiege nimmt nur wenige Minuten in Anspruch.

Nach etwa drei bis vier Tagen schlüpfen die ersten Larven. Zu Beginn nehmen sie das am Boden der Eiwiege bereitgestellte Nektar Pollen Gemisch auf. Anschließend öffnet die Königin die Brutwabe an einer bestimmten Stelle, dem sogenannten Futterfenster. Durch diese Öffnung werden die Larven mit weiterer Nahrung versorgt. Später übernehmen auch ältere Arbeiterinnen diese Aufgabe.

Das Larvenfutter besteht aus einem nährstoffreichen Gemisch aus Pollen und Nektar, das die Königin aufnimmt, im Körper verarbeitet und anschließend wieder hervorwürgt. Diese Nahrung wird den Larven direkt angeboten. Nach der Fütterung verschließt die Königin die Brutwabe erneut, damit die für die Entwicklung der Brut notwendige Temperatur von etwa 31 °C erhalten bleibt.

Die Larven werden mehrmals innerhalb eines Tages mit Nahrung versorgt, um ihr schnelles Wachstum und ihre Entwicklung sicherzustellen.

Brüten der Hummelkönigin

Die Eiwiege wird von der Hummelkönigin Tag und Nacht bebrütet und dadurch kontinuierlich mit Wärme versorgt. Dabei verändert die Königin regelmäßig ihre Position auf der Brutwabe, damit alle Eier und späteren Larven gleichmäßig erwärmt werden und sich optimal entwickeln können.

Die notwendige Bruttemperatur erzeugt die Königin durch ihren Stoffwechsel, also durch die Umsetzung energiereicher Nahrung. Zusätzlich kann sie durch Muskelzittern besonders viel Wärme erzeugen. Dabei entkoppelt sie ihre Flügel vom normalen Flugmechanismus und lässt die kräftigen Flugmuskeln ohne Flügelbewegung schnell vibrieren. Die dabei entstehende Wärme wird direkt an die Brut abgegeben.

Zwischendurch nimmt die Königin Nahrung aus dem nahe gelegenen Nektartopf auf und verlässt das Nest nur für kurze Zeit, um weiteren Nektar und Pollen zu sammeln. In der Regel dauert diese Abwesenheit nicht länger als etwa eine halbe Stunde. Durch die gute Isolierung des Wabenbaus sinkt die Temperatur während dieser kurzen Zeit nur geringfügig ab.

Während der gesamten Brutentwicklung erweitert und repariert die Königin ständig die Brutwabe. Nach dem Schlupf der ersten Arbeiterinnen übernehmen auch diese Aufgaben. Da die heranwachsenden Larven schnell wachsen, muss die Brutwabe immer wieder angepasst und vergrößert werden. Entstehende Öffnungen werden mit einer Mischung aus Wachs, Pollen und Nektar verschlossen und die Larvenwiegen dadurch fortlaufend erweitert.

Die Larven durchlaufen während ihres Wachstums mehrere Häutungen, da ihre ursprüngliche Larvenhülle mit zunehmender Größe zu eng wird. Anfangs wachsen mehrere Larven gemeinsam in einer Brutkammer heran. Später benötigt jede einzelne Larve eine eigene Zelle. Die Königin baut deshalb um die heranwachsenden Larven einzelne Wachshüllen, wodurch die zunächst gemeinsame Larvenwiege in getrennte, aber weiterhin miteinander verbundene Brutzellen umgewandelt wird.

Nach etwas mehr als sieben Tagen sind die Larven vollständig entwickelt. Sie spinnen sich anschließend einen Seidenkokon, in dem die Verpuppung stattfindet. Die Puppenruhe dauert je nach späterer Funktion unterschiedlich lange: Arbeiterinnen benötigen etwa neuneinhalb Tage, Drohnen ungefähr elf Tage und Jungköniginnen bis zu dreizehneinhalb Tage bis zum Schlupf.

Von der Eiablage bis zur vollständig entwickelten Hummel vergehen daher unterschiedliche Zeiträume. Arbeiterinnen benötigen etwa 20 Tage, Drohnen rund 24 Tage und Jungköniginnen ungefähr 27 Tage. Erst nach dieser Entwicklung ist die Hummel als flugfähiges Vollinsekt vollständig ausgebildet.

Die Entwicklung vom Ei über die Larve und Puppe bis zur fertigen Hummel zeigt den beeindruckenden Gestaltwandel, die sogenannte Metamorphose, der zu den faszinierendsten Vorgängen im Leben der Hummeln gehört.

Schlüpfen der ersten Arbeiterinnen

Da die schlupfbereiten Hummeln ihren Puppenkokon nicht immer selbstständig verlassen können, übernimmt zunächst die Königin die Schlupfhilfe. Sie öffnet den Kokon vorsichtig mit ihren Mundwerkzeugen und erweitert die Öffnung, sodass die junge Hummel schlüpfen kann. Später übernehmen auch die Arbeiterinnen des Innendienstes diese Aufgabe und unterstützen die nachfolgenden Generationen beim Verlassen ihrer Kokons.

info hummelBei einem verlassenen Hummelnest findet man öfters steckengebliebene Hummeln, die es nicht geschafft haben sich aus den Kokon zu befreien. Ursache: Es war keine Innendienstarbeiterin mehr verfügbar, die Schlupfhilfe hätte leisten können.

Die ersten Arbeiterinnen eines jungen Hummelvolkes sind häufig etwas kleiner als die später geschlüpften Arbeiterinnen aus den folgenden Brutwaben. Mit dem Erscheinen der ersten Generation verändert sich das Leben im Nest grundlegend, denn die Königin erhält nun Unterstützung durch ihren Nachwuchs und eine klare Arbeitsteilung entsteht.

Die Königin reduziert ihre Sammelflüge deutlich und verlässt das Nest nur noch selten. Ihre Hauptaufgaben bestehen nun in der Eiablage und der Betreuung der Brut. Die Versorgung des Volkes mit Nahrung übernehmen zunehmend die Arbeiterinnen. Während einige von ihnen als Sammlerinnen Nektar und Pollen eintragen, kümmern sich andere als sogenannte Ammen um die Aufgaben im Nest.

Vor allem kleinere Arbeiterinnen übernehmen häufig den Innendienst. Sie unterstützen die Königin bei der Brutpflege, füttern die Larven und helfen dabei, die Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Nest konstant zu halten.

Im Hummelvolk gibt es fortlaufend zahlreiche Aufgaben zu erledigen. Nahrungsvorräte wie Nektar und Pollentöpfe müssen angelegt werden, die heranwachsenden Larven benötigen regelmäßige Pflege, und der Wabenbau wird ständig erweitert, repariert und an die wachsende Brut angepasst.

Der erste Ausflug der Arbeiterinnen

Die ersten Arbeiterinnen, die das Nest verlassen, führen zunächst einen Orientierungsflug durch. Dabei prägen sie sich die Lage des Nestes ein, damit sie später sicher zurückkehren können. Von den erwachsenen Hummeln eines Volkes beteiligt sich jedoch nicht jede an den Sammelflügen. Etwa ein Drittel verlässt regelmäßig das Nest, während die übrigen Arbeiterinnen im Nest bleiben und dort wichtige Aufgaben übernehmen.

Bei ihren Sammelflügen tragen die Hummeln Nektar und Pollen ein. Der Blütenpollen wird häufig durch Vibration aus den Staubbeuteln der Blüten gelöst. Dieses sogenannte Vibrationssammeln erzeugt ein charakteristisches, hohes Summgeräusch, das bei manchen Blüten deutlich wahrnehmbar ist.

Die gelösten Pollenkörner bleiben zunächst im Haarkleid der Hummel hängen. Mit den mittleren Beinen streicht sie den Pollen nach hinten und sammelt ihn an den Hinterbeinen. Dort entsteht am speziellen Sammelapparat des dritten Beinpaares das typische „Pollenhöschen“. Je nach Pflanzenart können diese Pollenvorräte unterschiedliche Farben aufweisen und dadurch sehr auffällig erscheinen.

Für Hummeln ist ein reichhaltiges Blütenangebot in der Nähe des Nestes von großer Bedeutung. Als besonders leistungsfähige Bestäuber können sie große Mengen an Nahrung transportieren. Nektar kann dabei bis zu 90 Prozent ihres eigenen Körpergewichtes ausmachen, während die gesammelten Pollenpakete bis zu etwa 20 Prozent des Körpergewichtes erreichen können.

Lange Flugstrecken zwischen Nest und Nahrungsquellen erhöhen den Energieaufwand und verschlechtern die Energiebilanz des Volkes. Besonders für junge Hummelköniginnen nach der Winterruhe ist eine gute Versorgung mit nahe gelegenen Blütenpflanzen entscheidend, da ihre erfolgreiche Nestgründung stark von einem effizienten Umgang mit den verfügbaren Energiereserven abhängt.

Nicht nur im Frühjahr während der Nestgründung, sondern auch im weiteren Jahresverlauf benötigen Hummeln ein kontinuierliches Blütenangebot. Besonders problematisch sind Zeiten mit wenigen Blüten, sogenannte Trachtlücken, beispielsweise nach der Mahd von Wiesen. Deshalb sind vielfältige Blühpflanzen sowohl in Gärten und Siedlungsbereichen als auch in der offenen Landschaft von großer Bedeutung.

Bei der Nahrungssuche zeigen Hummeln eine ausgeprägte Blütenstetigkeit. Haben sie eine ergiebige Pflanzenart entdeckt, besuchen sie bevorzugt weitere Blüten derselben Art. Dieses Verhalten spart Zeit und Energie, da die Hummeln den Aufbau der Blüten bereits kennen und dadurch schnell zu den Nektarien und Staubbeuteln gelangen können.

Unterteilung der Hummeln

Bei den Hummeln lassen sich, zwei verschiedene Gruppen unterscheiden, Pocketmaker (z.B. langrüsselige Arten wie Ackerhummel und Gartenhummel) und Pollenstorer (kurzrüsselige Hummelarten wie z.B. Erdhummeln und Baumhummeln). Diese unterscheidet sich im Brutverhalten.

  • Pocketmaker: Ihre besonderen Pollentaschen aus Wachs, sog. Pockets (Pollentasche), sind seitlich unter der Larvenwiege angebaut. In diese taschenförmigen Hohlräume werden die Pollenvorräte von den heimkehrenden Sammlerinnen/ Arbeiterinnen eingefüllt und eingestampft. Die Larven bedienen sich selbst: Sie fressen von oben/ hinten, vom Pollenvorrat aus den Hohlraum in den Pflegehummeln Nachschub von vorn einfüllen. Es sieht aus wie in eine halbaufgezogene Schublade. Lediglich Nektar muss den Larven von ihren Ammen vor die Mundöffnung gespuckt werden.
  • Pollenstorer: Arbeiterinnen dieser Hummelgruppe befüllen und speichern den Pollen in leere Puppenzellen oder in speziell gebaute Pollentöpfe. (vergleichbar einem Fingerhut beim Nähen) Mit ihren Mandibeln (Mundwerkzeugen) zerkleinern sie die vom „Transportdienst“ eingeflogenen Pollenpakete („Höselpollen“) und drücken sie fest – wie Marzipanmasse -, damit keine Hohlräume entstehen und damit die Oberfläche der Futterpaste verkleinert wird; Ergebnis: das verdirbt nicht (a) und die Speicherkapazität für Futtervorräte wird optimal und effizient genutzt (b).

Arbeiterinnen, die sich im Nest hauptsächlich um die Versorgung und Pflege der Brut kümmern, werden als Ammen bezeichnet. Sie entnehmen Pollen aus den Vorratslagern und bereiten daraus zusammen mit Nektar die Nahrung für die heranwachsenden Larven.

Bei Pollenstorerarten wird die Brut über ein spezielles Futterfenster versorgt. Dabei öffnen die Ammen die Wachshülle der Larvenwiege und geben den Larven das nährstoffreiche Nektar Pollen Gemisch. Anschließend wird die Öffnung wieder verschlossen, damit die Temperatur und das Klima innerhalb der Brutwabe erhalten bleiben.

Da die Larven während ihrer Entwicklung kontinuierlich wachsen, müssen die Larvenwiegen regelmäßig erweitert und an die zunehmende Größe der Brut angepasst werden.

Weiterentwicklung des Hummelvolkes

Wenn ein Hummelvolk ausreichend Arbeiterinnen hervorgebracht hat und die Nahrungsvorräte gut gefüllt sind, beginnt die Königin mit der Aufzucht der Geschlechtstiere. Zunächst legt sie unbefruchtete Eier, aus denen sich die männlichen Hummeln, die Drohnen, entwickeln. Anschließend legt sie befruchtete Eier, aus denen die zukünftigen Jungköniginnen hervorgehen.

Die Eier von Arbeiterinnen und Jungköniginnen unterscheiden sich äußerlich nicht. Entscheidend ist die Versorgung der Larven: Larven, aus denen später Königinnen entstehen, erhalten besonders viel Pollen und Nektar. Dadurch entwickeln sie sich länger und werden größer als Arbeiterinnen.

Drohnen

Die Königin kann steuern, ob sie befruchtete oder unbefruchtete Eier ablegt. Sobald die ersten Drohnen schlüpfen, erreicht das Hummelvolk den Höhepunkt seiner Entwicklung. Die Drohnen bleiben zunächst noch einige Tage im Nest, um sich an den Nahrungsvorräten zu stärken und die vollständige Entwicklung ihrer Spermien sicherzustellen.

Anschließend verlassen sie das Nest endgültig. Drohnen beteiligen sich nicht an der Brutpflege und sammeln weder Pollen noch Nektar. Sie ernähren sich ausschließlich von Nektar, können dabei aber wie die weiblichen Hummeln zur Bestäubung von Blüten beitragen. Erkennbar sind Drohnen unter anderem an ihren längeren Fühlern, den größeren Augen und einem auffälligen Haarbüschel am Kopf. Im Gegensatz zu den weiblichen Hummeln besitzen sie keinen Stachel.

Die Drohnen suchen nach geeigneten Plätzen, an denen sie Jungköniginnen begatten können. Dabei kann es vorkommen, dass eine Jungkönigin von mehreren Drohnen begattet wird. Während der Paarung verhaken sich die Geschlechtsorgane beider Tiere miteinander. Die Königin kann ihren Stachel dabei nach oben wegklappen, sodass der Drohn nicht verletzt wird. Die Begattung kann bis zu einer halben Stunde dauern. Wenige Tage danach stirbt der Drohn, da seine Aufgabe mit der Weitergabe seiner Gene erfüllt ist.

Die Stimmung kippt im Hummelnest

Nach dem Höhepunkt des Hummeljahres verändert sich das soziale Gefüge im Nest. Der Duftstoff der Altkönigin, die sogenannten Pheromone, nimmt ab. Diese Botenstoffe haben zuvor verhindert, dass Arbeiterinnen eigene Eier entwickeln und ablegen. Nun beginnen einzelne Arbeiterinnen mit der Eiablage. Aus diesen unbefruchteten Eiern entstehen jedoch ausschließlich Drohnen, da männliche Hummeln durch Jungfernzeugung entstehen.

Mit dem Nachlassen der Kontrolle durch die Altkönigin gerät die Ordnung im Hummelvolk zunehmend aus dem Gleichgewicht. Arbeiterinnen beginnen teilweise, die Eier der Königin zu fressen, während die Königin versucht, die von Arbeiterinnen gelegten Eier zu entfernen. Schließlich verliert die Königin ihre beherrschende Stellung im Volk. Sie wird von den Arbeiterinnen aus dem Nest gedrängt oder getötet und anschließend aus dem Nest entfernt.

Jungköniginnen

Während das Hummelnest zugrunde geht, bereiten sich die begatteten Jungköniginnen auf die Überwinterung vor. Häufig tragen sie dabei Milben mit sich, die bereits im Nest vorhanden sind. Viele dieser Milben leben nicht parasitisch, sondern erfüllen eine wichtige Funktion als Abfallverwerter, indem sie beispielsweise organische Reste und Kot verwerten. Sie haften häufig am Körper der Jungköniginnen und gelangen so in deren Winterquartier. Im folgenden Frühjahr können sie gemeinsam mit der Königin ein neues Nest erreichen und dort erneut als Teil der Nestgemeinschaft auftreten.

Vor der Winterruhe nimmt die Jungkönigin noch ausreichend Nektar und Pollen auf, um Energiereserven aufzubauen. Anschließend sucht sie sich einen geschützten Platz in lockerer Erde und verbringt dort die kalte Jahreszeit. Im Frühjahr beginnt mit ihr ein neuer Hummelzyklus. Auch Jungköniginnen aus Hummelpensionen oder künstlichen Nisthilfen überwintern außerhalb des alten Nestes. Hummelköniginnen kehren nicht in ihr ursprüngliches Nest zurück, sondern gründen im folgenden Jahr ein eigenes neues Volk.

Quellenangaben:

  • Helmut und Margrit Hintermeier (1994)
    Bienen, Hummeln, Wespen im Garten und in der Landschaft
    Obst- und Gartenbauverlag – München: ISBN 3-87596-098-X
  • Günter R. Witte & Juliane Seger (1999)
    Arbeitsmappe, Hummeln brauchen blühendes Land
    WESTARP WISSENSCHAFTEN: ISBN 3-89432-098-2
  • Günter R. Witte & Juliane Seger, Norbert Häfner (1989)
    Hummelschauanlagen, Ein praxisgerechter Weg zu prophylaktischem Naturschutz über Denken und Handeln in Beziehungszusammenhängen, Arbeitshilfe des Schulbiologiezentrums Hannover
  • Ein besonderer Dank an Karsten Grotstück, Jürgen Börner, Prof. Dr. Günter R. Witte

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  • Autor
    Beiträge
  • #79512
    Stefan
    Admin
    Beitragsersteller
      • DE 84513
      • 398 m

      Schade. Ich dachte wer austeilen kann, der kann auch einstecken.

      Schau bitte hier mal zum Thema Mineralien:

      Allgemeine Fragen

      Könnte es das sein?

      Grüße Stefan :winken:

      #79519
      HP
      Forenmitglied
        • DE 22927
        • 50 m

        Es geht hier nicht um Austeilen und Einstecken. Ich bin es einfach satt nachzuschauen, ob es wohl eine Antwort gegeben hat und immer wieder feststellen zu müssen, daß da nichts kommt. Aufkommende Fragen bezüglich der Hummeln selbst werde ich versuchen anderweitig zu klären. Ich mache mir durchaus Gedanken zu den liebgewonnenen Brummern. Und stelle auch einiges in Frage.

        Danke für den Hinweis bezüglich der Mineralien. Werde es mir durchlesen.

        Bleibe natürlich hier dabei.

        Schönen Abend

        HP

         

         

         

        #79520
        Martha
        Forenmitglied
          • CH
          • 545 m

          @HP22927   Deine Frage zu den Mineralien ist ja sehr interessant.
          Wenn vielerorts Zuckerwasser gefüttert wird und die Sammlerinnen sich dann nur noch aus diesen Töpfen bedienen, haben die Jungköniginnen ganz sicher ein grosses Defizit an Mineralien, denn solche brauchen sie mehr, als wir ahnen. :?

          #79521
          HP
          Forenmitglied
            • DE 22927
            • 50 m

            Danke Martha, ich hoffe mit meiner Vermutung Recht zu haben. Denn als ich die 2 Erdhummeljungköniginnen mit dem Verhalten von nematodenverseuchten Tieren gesehen habe, war mir nicht sehr wohl. Ich habe leider nicht weiter zugeschaut. Weiß also nicht, wie es weiter ging. Aber Nematoden schließe ich eigentlich aus.

            LG in die Schweiz

            HP

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