Welche Hummel ist denn das?
Um eine Hummelart zu bestimmen, schaut man vor allem auf die Farben ihres Pelzes. Wichtig sind dabei die Streifen auf dem Rücken und die Farbe der allerletzten Hinterleibsspitze. Da sich viele Hummelarten sehr ähnlich sehen, hilft genaues Hinsehen dabei, sie voneinander zu unterscheiden. So lernt man die fleißigen Insekten im eigenen Garten im Handumdrehen besser kennen. Die folgenden sechs Arten gehören zu den häufigsten heimischen Hummeln und lassen sich, wissenschaftlich sicher nicht ganz exakt, bereits anhand dieser Merkmale recht gut unterscheiden:
Das Hinterteil ist weiß



Das Hinterteil ist rötlich oder orange



Genauer hingeschaut
Die meisten Menschen bestimmen eine Hummel zuerst über ihre Farbmuster: schwarz mit gelben Binden und weißem Hinterleibsende, oder schwarz mit orangerotem Hinterleib. Für einen groben Überblick funktioniert das gut, an seine Grenzen stößt dieser Ansatz jedoch bei Arten, die einander stark ähneln. So tragen mehrere Erdhummelarten dasselbe Grundmuster aus zwei gelben Binden und weißem Hinterleibsende, ohne dass jede von ihnen tatsächlich die Dunkle Erdhummel, Bombus terrestris, ist. Erst der Vergleich weiterer Merkmale wie der Kopflänge oder der genauen Ausdehnung und Helligkeit der gelben Querbinden erlaubt eine sichere Zuordnung, wobei die durchschnittlichen Größenunterschiede zwischen den Arten im Einzelfall oft wenig weiterhelfen.
Ein Bestimmungsschlüssel ohne totes Material
Für diese feinere Unterscheidung existiert seit 2010 ein eigener Feldbestimmungsschlüssel für die Hummeln Österreichs, Deutschlands und der Schweiz, verfasst von Joseph Gokcezade, Barbara-Amina Gereben-Krenn, Johann Neumayer und Harald Krenn und erstmals veröffentlicht in den Linzer biologischen Beiträgen. Später erschien das Werk zusätzlich als eigenständiges Buch im Quelle und Meyer Verlag und liegt inzwischen in dritter Auflage vor. Das besondere Merkmal dieses Schlüssels: Er kommt ohne das Töten der Tiere aus. Bestimmt wird ausschließlich anhand der Behaarungsfarbe und einiger weiterer äußerlich sichtbarer Merkmale, die sich mit einer einfachen Lupe erkennen lassen, während klassische entomologische Bestimmungsschlüssel oft feinste anatomische Details erfordern, die nur am toten, präparierten Tier sichtbar sind.
Doppelgängergruppen als eigene Kategorie
Der Schlüssel fasst Arten mit ähnlichem Erscheinungsbild bewusst zu Doppelgängergruppen zusammen, statt jede Art einzeln und isoliert zu behandeln. Eine solche Gruppe bilden etwa die schwarz gefärbten Arten mit teilweise oder vollständig rotem beziehungsweise orangefarbenem Hinterleib, zu denen mehrere seltene und deshalb besonders schwer zu unterscheidende Arten zählen. Bei ihnen liefert der genaue Beginn der roten Färbung am Hinterleib ein wichtiges Bestimmungsmerkmal, das im Feld allerdings nicht immer leicht zu erkennen ist und gelegentlich erst unter der Lupe oder anhand eines scharfen Fotos sichtbar wird. Für die praktische Bestimmung vor Ort ist zudem hilfreich, dass in keinem einzelnen Gebiet jemals alle heimischen Arten gleichzeitig vorkommen, wodurch sich die Zahl der tatsächlich infrage kommenden Doppelgänger meist deutlich verringert.
Wie viele Arten es überhaupt zu unterscheiden gilt
Zur genauen Artenzahl kursieren je nach Quelle und Erhebungsjahr leicht unterschiedliche Angaben. Der Feldbestimmungsschlüssel selbst geht von 47 Hummelarten in Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammen aus, andere Quellen nennen für Deutschland allein Zahlen zwischen 36 und 41 Arten, je nachdem ob und wie ausgestorbene oder nur vereinzelt nachgewiesene Arten mitgezählt werden. Diese Schwankungen sind kein Widerspruch, sondern spiegeln unterschiedliche Bezugsräume und Stichtage wider, an die sich jede Bestimmungsarbeit halten sollte, um Vergleiche nachvollziehbar zu machen.
Download:
Feldbestimmungsschlüssel für die Hummeln Deutschlands, Österreichs und der Schweiz
(externer Link, PDF-Datei)
In seiner aktuellen Ausgabe ist dieser Feldbestimmungsschlüssel auch im gut sortierten Buchhandel zu finden:
- Feldbestimmungsschlüssel für die Hummeln Deutschlands, Österreichs und der Schweiz
Joseph Gokcezade, Barbara-Amina Gereben-Krenn und Johann Neumayer, 3., durchgesehene Auflage, Quelle & Meyer, 2023, 56 Seiten, ISBN 978-3-494-01958-1.
Quellen
- Gokcezade, J. F., Gereben-Krenn, B.-A., Neumayer, J. und Krenn, H. W. (2010): Feldbestimmungsschlüssel für die Hummeln Österreichs, Deutschlands und der Schweiz (Hymenoptera, Apidae), Linzer biologische Beiträge, 42(1), S. 5 bis 42
- Quelle und Meyer Verlag: Feldbestimmungsschlüssel für die Hummeln Deutschlands, Österreichs und der Schweiz, www.quelle-meyer.de
- Spektrum der Wissenschaft: Buchkritik zu Feldbestimmungsschlüssel für die Hummeln Deutschlands, Österreichs und der Schweiz, www.spektrum.de
- Wildbienen.de, Hans-Jürgen Martin: Hummel-Bestimmung, www.wildbienen.de/hua-best.htm
- Wildbienen.de, Hans-Jürgen Martin: Hummel-Arten, www.wildbienen.de/hua-intr.htm
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Stefan aktualisiert.
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