Große Erdhummel (Bombus magnus)

Bombus magnus Die Große Erdhummel besiedelt vor allem offene, wenig bewaldete Landschaften. Ihr Schwerpunkt liegt in großen Heidegebieten, die stellenweise von lichten Wäldern durchsetzt sein können. Sie kommt bis in Höhenlagen von 1500 Metern vor und zeigt in weiten Teilen Europas, insbesondere in Großbritannien, eine deutliche Bindung an Hochheiden und Moorgebiete. Im Englischen trägt sie deshalb den Namen „northern white-tailed bumblebee”, nördliche Weißschwanzhummel.

In Deutschland gilt Bombus magnus als sehr selten. Bekannte Vorkommen beschränken sich auf einzelne Populationen im Raum Berlin, um Nürnberg und in der Lüneburger Heide. Auch für Norddeutschland liegen kaum belastbare Nachweise vor, was nicht zuletzt an der schwierigen Unterscheidung von den verwandten Arten liegt. In Österreich fehlt die Art vollständig.

info hummelLange Zeit galt Bombus magnus nicht als eigenständige Art, sondern als Farbvariante der Hellen Erdhummel. Erst molekulargenetische Untersuchungen der mitochondrialen DNA konnten in den 2000er Jahren zeigen, dass es sich tatsächlich um zwei getrennte Arten handelt.

Merkmale und Abgrenzung von ähnlichen Arten

Die Grundfarbe des dicht behaarten Körpers ist schwarz. Auf dem vorderen Thorax verläuft eine goldgelbe Querbinde, eine zweite, etwa 2 mm breite Binde sitzt auf dem zweiten Hinterleibssegment. Die Segmente 4 bis 6 sind grauweiß gefärbt. Kopf und Rüssel sind vergleichsweise kurz, die Königin misst 9 bis 10 mm Rüssellänge, Arbeiterinnen 8 bis 9 mm.

große erdhummelBombus magnus zählt zusammen mit der Hellen Erdhummel (Bombus lucorum), der Dunklen Erdhummel (Bombus terrestris) und der Kryptarum-Erdhummel (Bombus cryptarum) zum sogenannten Weißschwanzhummel-Komplex. Diese vier Arten sind sich äußerlich derart ähnlich, dass eine sichere Bestimmung im Feld kaum möglich ist, auch erfahrenen Fachleuten gelingt sie oft nur eingeschränkt. Als einziges brauchbares äußeres Merkmal gilt die Länge der Thoraxbinde: Bei der Großen Erdhummel reicht sie etwa 2 mm über den Flügelansatz hinaus, bei der Hellen und der Dunklen Erdhummel endet sie dagegen genau am Flügelansatz. Bei der Kryptarum-Erdhummel reicht die Binde nur rund 1,5 mm darüber hinaus, sodass die Abgrenzung zu dieser Art selbst mit diesem Kriterium unsicher bleibt.

Bombus magnusWegen dieser Schwierigkeiten greift die Forschung auf zusätzliche Bestimmungsmethoden zurück. Dazu zählen der Vergleich bestimmter Sinnesorgane auf den Fühlern, die Analyse von Duftstoffen aus den Labialdrüsen der Männchen und molekulargenetische Untersuchungen der mitochondrialen DNA. Erst diese Verfahren erlaubten es, Bombus magnus zuverlässig als eigenständige Art von der Hellen Erdhummel abzugrenzen, mit der sie lange Zeit nicht unterschieden wurde.

Königinnen

  • Flugzeit: Mitte April bis Ende Mai
  • Körperlänge: 19–22 mm
  • Flügelspannweite: 38–42 mm
  • Rüssellänge: 9–10 mm

Arbeiterinnen

  • Flugzeit: Anfang Mai bis Anfang September
  • Körperlänge: 11–17 mm
  • Flügelspannweite: 22–34 mm
  • Rüssellänge: 8–9 mm

Drohnen

  • Flugzeit: Ende Juli bis Ende September
  • Körperlänge: 14–16 mm
  • Flügelspannweite: 29–33 mm
  • Rüssellänge: ca. 8 mm

Nestgründung und Volksentwicklung

Ab Mitte April erwachen die überwinterten Königinnen aus der Diapause und beginnen mit der Nistplatzsuche. Bombus magnus legt ihr Nest unterirdisch an, meist in verlassenen Mäusenestern, und zählt damit zu den Nestbeziehern. Zunächst baut die Königin einen Nektartopf aus Wachs, danach folgen die ersten Waben und die Eiablage. Ab Anfang bis Mitte Mai schlüpfen die ersten Arbeiterinnen.

Den Höhepunkt erreicht ein Volk Ende Juli oder Anfang August. Von diesem Zeitpunkt an schlüpfen keine weiteren Arbeiterinnen mehr, sondern ausschließlich Jungköniginnen und Drohnen. Mit dem Ende der Flugzeit der Drohnen Ende September erlischt das Nest. Ein Volk kann bis zu 300 Tiere umfassen. Bombus magnus bildet nur eine Generation pro Jahr und gilt damit als univoltin.

Nahrung und besuchte Pflanzen

Bombus magnusBombus magnus ernährt sich von Nektar, ihre Brut wird mit Pollen versorgt. Die Art gilt als polylektisch, sie besucht also Blüten aus vielen verschiedenen Pflanzenfamilien. Zu den bevorzugten Trachtpflanzen gehören Taubnesseln, Esparsette, Hauhechel, Heidekraut, Springkraut, Robinie, Rotklee und andere Leguminosen, Herzgespann sowie Weidenkätzchen.

Als Pollenstorer legt die Große Erdhummel sowohl Nektar als auch Pollen in alten, leeren Kokons als Vorrat an, statt beides ausschließlich in eigens gebauten Wachszellen zu lagern. Ein weiteres Merkmal der Art ist der ungewöhnlich tiefe Brummton der Königinnen.

Gefährdung und Schutzstatus

In der deutschen Roten Liste gefährdeter Arten wird die Große Erdhummel in Kategorie 2 als stark gefährdet eingestuft. International schätzt die IUCN den Bestand zwar insgesamt als nicht gefährdet ein, in Mitteleuropa ist die Art jedoch auf wenige isolierte Vorkommen beschränkt. Da sie in vielen Regionen bevorzugt Hochheiden und Moore besiedelt, gilt sie als eine der Arten, die von den Auswirkungen des Klimawandels auf diese Lebensräume besonders betroffen sein dürfte.

Ob die Nester der Großen Erdhummel von den erdhummelparasitierenden Kuckuckshummelarten Bombus bohemicus und Bombus vestalis übernommen werden, gilt bislang nicht als gesichert.

Quellen

  • Eberhard von Hagen, Ambros Aichhorn: Hummeln bestimmen, ansiedeln, vermehren, schützen. Fauna Verlag, Nottuln
  • wildbienen.de, Hans-Jürgen Martin: Hummel-Arten, wildbienen.de/hua-intr.htm
  • nearBees: Die Große Erdhummel, nearbees.de/blog/grosse-erdhummel
  • Smagy: Große Erdhummel (Bombus magnus), smagy.de
  • NABU Niedersachsen: Norddeutsche Hummelarten im Porträt, niedersachsen.nabu.de
  • Bild: Wikipedia, de.wikipedia.org/wiki/Große_Erdhummel
  • inaturalist.org
  • inaturalist.org
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  • #75904
    Stefan
    Admin
    Beitragsersteller
      • DE 84513
      • 398 m

      Danke @Frederik für dieses weitere Artenportrait, entschuldige bitte dass es etwas gedauert hat bis es online war. :pfeif:

      #75918
      Frederik
      Forenmitglied
        • DE 53347
        • 136 m

        Kein Problem :)

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