Hitze in der Puppenphase verkürzt das Leben von Hummeln

Hitze im Nest schadet Hummeln auch dann, wenn sie sie zunächst überstehen. Das zeigt eine Laborstudie von Maximilian Mandlinger und Christoph Kurze von der Universität Regensburg, die im September 2026 erschienen ist. Die Forscher setzten Puppen täglich mehrere Stunden hohen Temperaturen aus. Weniger Tiere schlüpften, und bei denen, die schlüpften, war das Sterberisiko später als erwachsene Hummel doppelt so hoch wie bei Artgenossen, die bei normaler Bruttemperatur herangewachsen sind. Untersucht wurde die Dunkle Erdhummel (Bombus terrestris).

Warum gerade die Puppe

In der Puppe wird die Larve zur fertigen Hummel umgebaut. Flügel, Fühler, Beine und Flugmuskulatur entstehen in wenigen Tagen neu, bei Arbeiterinnen dauert das acht bis neun Tage, bei Männchen neun bis zehn. Die Autoren halten diese Phase für den Abschnitt der Entwicklung, der auf Störungen von außen am empfindlichsten reagiert.

Normalerweise sorgen die Arbeiterinnen dafür, dass die Brut gleichmäßig warm bleibt. Hummelvölker halten die Nesttemperatur je nach Art bei 30 bis 35 Grad, die Brut selbst liegt meist etwa zwei Grad darüber. An kalten Tagen heizen die Arbeiterinnen mit ihrer Flugmuskulatur, an heißen Tagen fächeln sie Luft durch das Nest. Diese Kühlung hat Grenzen. Genau diesen Fall hat das Regensburger Team im Labor nachgestellt: Tagsüber versagt die Kühlung, nachts kehrt das Nest auf seine übliche Temperatur zurück.

So lief der Versuch

Die Forscher hielten zehn Hummelvölker aus einer kommerziellen Zucht im Labor. Aus diesen Völkern entnahmen sie Larven im letzten Larvenstadium und zogen sie einzeln in künstlichen Brutzellen aus dem 3D-Drucker auf. Bis zur Verpuppung fütterten sie die Larven zweimal täglich mit einem Brei aus Pollen, Zuckerlösung und Hefe. Sobald eine Larve sich verpuppt hatte, wurde sie gewogen und per Zufall einer von drei Gruppen zugeteilt:

  • Kontrollgruppe: gleichbleibend 34 Grad, das entspricht der üblichen Bruttemperatur der Dunklen Erdhummel
  • zwölf Stunden 37 Grad, dann zwölf Stunden 34 Grad, im Wechsel bis zum Schlupf
  • zwölf Stunden 38 Grad, dann zwölf Stunden 34 Grad, im Wechsel bis zum Schlupf

Insgesamt gingen 403 Puppen in den Versuch. Frisch geschlüpfte Hummeln aus den Völkern selbst bildeten eine vierte Vergleichsgruppe. Alle geschlüpften Tiere lebten danach einzeln in belüfteten Röhrchen bei 25 Grad, mit Zuckerlösung und Pollen nach Belieben. Einmal am Tag wurde nachgesehen, welche Tiere gestorben waren. Anschließend vermaßen die Forscher jede Hummel unter dem Mikroskop, prüften Flügel und Fühler auf Verformungen und bestimmten den Fettgehalt des Körpers.

Die 37 und 38 Grad sind Temperaturen im Nest, direkt an der Brut. Sie beschreiben nicht die Lufttemperatur an einem heißen Sommertag, sondern den Zustand, der entsteht, wenn ein Volk sein Nest an einem solchen Tag nicht mehr ausreichend kühlen kann.

Weniger Hummeln schlüpften

In der Kontrollgruppe schlüpften aus 132 Puppen 102 erwachsene Tiere, rund drei Viertel. In der Gruppe mit 37 Grad waren es 82 von 125, in der Gruppe mit 38 Grad nur 78 von 146, also etwa die Hälfte. Die Studie drückt das als Verringerung gegenüber der Kontrolle aus: 15 Prozent weniger geschlüpfte Tiere bei 37 Grad, 30 Prozent weniger bei 38 Grad. Schwerere Puppen hatten dabei bessere Aussichten, den Schlupf zu erreichen. Die Dauer der Puppenruhe veränderte die Hitze nicht.

Die Folgen zeigen sich erst später

Der eigentliche Befund betrifft die Tiere, die geschlüpft sind. Hummeln, die als Puppe täglich zwölf Stunden bei 38 Grad verbracht hatten, starben als erwachsene Tiere deutlich früher, Arbeiterinnen wie Männchen. Statistisch lag ihr Sterberisiko doppelt so hoch wie in der Kontrollgruppe. Das bedeutet nicht, dass sie nur halb so lange lebten. Es heißt, dass zu jedem Zeitpunkt ihres Lebens die Wahrscheinlichkeit, in nächster Zeit zu sterben, etwa doppelt so groß war. Bei 37 Grad war das Risiko um knapp 40 Prozent erhöht, ein Ergebnis, das nur knapp statistisch gesichert ist.

Die Autoren haben geprüft, ob schon die Aufzucht im Labor die Hummeln schwächt. Tiere, die bei 34 Grad in den künstlichen Brutzellen herangewachsen waren, lebten genauso lange wie Tiere, die im eigenen Volk geschlüpft waren. Der Unterschied geht also auf die Hitze zurück und nicht auf die Laborbedingungen.

info hummelVerformte Flügel oder Fühler waren in der Studie ein zuverlässiges Warnzeichen. Hummeln mit solchen Schäden hatten ein 2,4-fach erhöhtes Sterberisiko, und zwar unabhängig davon, in welcher Temperaturgruppe sie sich entwickelt hatten.

Verkrüppelte Flügel, unveränderte Körpergröße

Bei 38 Grad schlüpften 3,6-mal so viele Hummeln mit verformten Flügeln wie in der Kontrollgruppe. Bei 37 Grad war der Anstieg zu gering, um ihn statistisch abzusichern. Eine Hummel mit stark verformten Flügeln kann nicht fliegen und fällt für das Sammeln aus, ein flugunfähiges Männchen hat kaum Aussicht auf eine Paarung. Bei verformten Fühlern fanden die Forscher dagegen keinen gesicherten Zusammenhang mit der Temperatur. Über die Fühler nehmen Hummeln Blütenduft, Nestgenossinnen und Paarungspartner wahr. Die Autoren verweisen auf eine frühere Studie aus Würzburg, nach der Hitzewellen den Geruchssinn erwachsener Arbeiterinnen verschlechtern. Den Geruchssinn der eigenen Versuchstiere haben sie nicht getestet.

Keinen Unterschied zwischen den Temperaturgruppen fanden die Forscher bei Kopfbreite, Körpergröße, Schlupfgewicht und Gewichtsverlust während der Puppenruhe. Auch der Fettkörper, der Energiespeicher der Hummel, war am Lebensende bei allen Gruppen gleich groß. Die Hitze macht die Tiere also weder kleiner noch schwächt sie die Energiereserven. Die Autoren vermuten deshalb, dass die Schäden im Aufbau oder im Stoffwechsel des Körpers selbst liegen, also während der Umwandlung in der Puppe entstehen und danach nicht mehr zu beheben sind. Welcher Mechanismus dahintersteht, klärt die Studie nicht.

Die Arbeit knüpft an eine Vorgängerstudie derselben Arbeitsgruppe von 2025 an. Dort waren Puppen fünf Tage lang durchgehend 38 Grad ausgesetzt. Die Folgen fielen damals noch stärker aus, mehr Puppen starben und mehr Tiere hatten verformte Flügel. Beide Arbeiten zusammen weisen 38 Grad als kritische Schwelle für die Entwicklung der Dunklen Erdhummel aus.

Welche Hummeln stärker betroffen sein dürften

Die Dunkle Erdhummel nistet meist unter der Erde. Der Boden puffert Hitze ab, deshalb erreichen solche Nester extreme Temperaturen seltener. Die Studie hält diesen Schutz ausdrücklich für begrenzt, nicht für vollständig. Als stärker gefährdet nennen die Autoren Arten, die oft oberirdisch nisten, namentlich die Baumhummel (Bombus hypnorum) und die Ackerhummel (Bombus pascuorum). Dazu kommen Arten, die Hitze schlechter vertragen als die Dunkle Erdhummel, etwa die Steinhummel (Bombus lapidarius) und die Alpenhummel (Bombus alpinus), und die Zuchtvölker, die in Gewächshäusern zur Bestäubung eingesetzt werden. Die Dunkle Erdhummel selbst gilt als eher hitzeverträglich. Wenn schon sie bei 38 Grad Schaden nimmt, liegt die Schwelle bei empfindlicheren Arten vermutlich niedriger. Geprüft hat die Studie das nicht.

Beobachtungen am eigenen Hummelkasten

Baumhummeln fächeln bei 36 Grad am Eingang eines HummelkastensEin Hummelkasten im Garten ist ein oberirdisches Nest. Ihm fehlt der Schutz des Bodens, und bei direkter Sonne heizt er sich schnell auf. Auf pollenhoeschen.de ist ein Fall aus dem Juli 2015 dokumentiert: Bei 36 Grad im Schatten saßen am Eingang eines Kastens mit einem Baumhummelvolk bis zu 15 Arbeiterinnen und fächelten Luft in den Laufgang. So sieht es aus, wenn ein Volk gegen die Hitze arbeitet. Die Arbeiterinnen, die fächeln, fehlen beim Sammeln und bei der Brutpflege. Wie warm es dabei an den Puppen wurde, wissen wir nicht.

Für Hummelkästen heißt das: Sie gehören in den Schatten, besonders über die Mittagsstunden. Die Regensburger Ergebnisse zeigen, dass Hitze im Nest auch dann schadet, wenn das Volk sie scheinbar übersteht. Die Folgen treten erst Tage oder Wochen später auf, wenn die geschlüpften Tiere früher sterben.

Was die Studie nicht zeigt

Die Autoren nennen die Grenzen ihrer Arbeit selbst. Der Temperaturverlauf im Labor vereinfacht eine echte Hitzewelle stark, mit genau zwölf Stunden Hitze und zwölf Stunden 34 Grad, Tag für Tag gleich. Untersucht wurde nur eine Art, und die Tiere stammten aus einer kommerziellen Zucht. Die erwachsenen Hummeln lebten allein in ihren Röhrchen. In der 38-Grad-Gruppe starben besonders viele Tiere in den ersten zwei Wochen, und die Autoren halten es für möglich, dass die fehlende Gesellschaft von Nestgenossinnen dazu beitrug. Wie lange solche Hummeln in einem echten Volk leben, bleibt offen.

Umgekehrt kann die Laborstudie manche Belastung gar nicht erfassen, die im Freiland dazukommt. In einem überhitzten Nest fächeln Arbeiterinnen, statt zu sammeln und Larven zu füttern. Die Larven bekommen dann womöglich weniger Futter, und in der Studie hatten leichtere Puppen schlechtere Aussichten zu schlüpfen. Hitze und Futtermangel könnten sich im Nest also gegenseitig verstärken. Die Autoren halten es für möglich, dass heutige Vorhersagemodelle zum Rückgang der Bestäuber solche verzögerten Schäden unterschätzen, weil sie bisher kaum berücksichtigt werden.

Quellen

  • Mandlinger, M. M. & Kurze, C. (2026): Cyclic thermal stress during pupation triggers irreversible carry-over effects in a key pollinator. Communications Biology 9: 1228, doi 10.1038/s42003-026-10940-3 (Volltext ausgewertet, eingereicht am 19.12.2025, angenommen am 02.09.2026)
  • Mandlinger, M. M. & Kurze, C. (2026): Datensatz und Auswertungsskript zur Studie, Zenodo, doi 10.5281/zenodo.18298098
  • Laußer, S. & Kurze, C. (2025): Impact of thermal stress during pupal development in a key pollinator. Proceedings of the Royal Society B 292: 20252029, doi 10.1098/rspb.2025.2029 (Angaben nach der Darstellung in Mandlinger & Kurze 2026)
  • Kevan, P. G., Rasmont, P. & Martinet, B. (2024): Thermodynamics, thermal performance and climate change: temperature regimes for bumblebee (Bombus spp.) colonies as examples of superorganisms. Frontiers in Bee Science 2, doi 10.3389/frbee.2024.1351616 (zitiert nach Mandlinger & Kurze 2026)
  • Weidenmüller, A., Kleineidam, C. & Tautz, J. (2002): Collective control of nest climate parameters in bumblebee colonies. Animal Behaviour 63: 1065 bis 1071 (zitiert nach Mandlinger & Kurze 2026)
  • Nooten, S. S., Korten, H., Schmitt, T. & Kárpáti, Z. (2024): The heat is on: reduced detection of floral scents after heatwaves in bumblebees. Proceedings of the Royal Society B 291: 20240352 (zitiert nach Mandlinger & Kurze 2026)
  • pollenhoeschen.de (05.07.2015): VIDEO: 36 Grad im Schatten, pollenhoeschen.de/hummeln-und-hitze/
  • Foto: pollenhoeschen.de, eigene Aufnahme vom Juli 2015. Baumhummeln (Bombus hypnorum) fächeln am Eingang eines Hummelkastens

Bewerte diesen Beitrag

Keine Bewertungen bisher