Bombus abnormis
Bei den meisten Hummeln sind die Männchen kleiner als die Königin und größer als die Arbeiterinnen. Bei Bombus abnormis fällt der Abstand ungewöhnlich aus: Königinnen messen 17 Millimeter, Männchen 15, Arbeiterinnen dagegen nur 11 bis 12.
Bohuslav Tkalců beschrieb die Art 1968 nach einer Königin, die im Naturkundemuseum London liegt. Es ist eine Art, die im östlichen Himalaya endemisch ist und dort als selten gilt.
Eine Trennung, die erst die Gene bestätigten
Die nächste Verwandte ist Bombus bryorum, eine Art derselben Untergattung. Ob beide getrennt sind oder nicht, war lange offen. Auswertungen von COI-Genabschnitten haben den Artstatus inzwischen bestätigt.
Wie eng die beiden beieinander liegen, zeigt das Merkmal, über das man sie trennt. Es sitzt am Kopf, auf der Fläche zwischen der Vertiefung um das seitliche Punktauge und dem Innenrand des Facettenauges. Bei Bombus abnormis ist diese Fläche fast auf ganzer Breite sehr dicht mit kleinen Punkten übersät, bei der Vergleichsart nicht. Dasselbe Merkmal gilt für Weibchen und Männchen.
Kleine Völker, früher Abschluss
Die Art gehört zur Untergattung Pyrobombus. Deren Völker bleiben meist klein und haben ihre Entwicklung schon im früheren Teil des Sommers abgeschlossen. Nester liegen unterirdisch, an der Oberfläche oder in Hohlräumen über dem Boden. Ältere Larven werden einzeln in getrennten Zellen aufgezogen, nicht gemeinsam in Wachstaschen. Die Männchen fliegen feste, mit Duftstoffen markierte Bahnen ab.
Die Zunge ist kurz, entsprechend werden flache Blüten angeflogen. Arbeiterinnen dieser Untergattung sind oft besonders klein und besuchen kleine Blüten, an denen sie kopfüber hängen.
Verbreitung
Die Art ist im östlichen Himalaya endemisch. Ihr Kernlebensraum ist blütenreiches Grasland der subalpinen Stufe, und dort ist sie selten.
Endemisch und selten zugleich bedeutet, dass der weltweite Bestand dieser Hummel an einem Landschaftsgürtel in einer einzigen Gebirgsregion hängt.
Was fehlt
Die eben genannten Merkmale der Untergattung sind für Bombus abnormis nicht überprüft. Es gibt kein beschriebenes Nest, keine Angabe zur Volksstärke, keinen dokumentierten Nestjahresablauf, keine beobachtete Paarung und keine Liste besuchter Blüten. Ein Bestandstrend liegt nicht vor.
Im östlichen Himalaya gibt es keine Arbeitsgruppe, die Hummelnester sucht, und keine über Jahre laufende Kartierung. Bei einer seltenen Art im subalpinen Grasland kommt hinzu, dass die Vegetationszeit dort wenige Wochen dauert und die Fundorte schwer erreichbar sind. Was vorliegt, sind Sammlungsbelege und die daraus abgeleitete Verbreitungskarte.
Quellen
- Williams P.H. 2022. The Bumblebees of the Himalaya. An Identification Guide. Abc Taxa 21, CEBioS und Königlich Belgisches Institut für Naturwissenschaften, Brüssel. Frei abrufbar über abctaxa.naturalsciences.be
- Tkalců B. 1968. Neue Arten der Unterfamilie Bombinae der paläarktischen Region (Hymenoptera, Apoidea). Sborník entomologického oddelení Národního musea v Praze 65: 21 bis 51
- Williams P.H., Ito M., Matsumura T. & Kudo I. 2010. The bumblebees of the Nepal Himalaya (Hymenoptera: Apidae). Insecta Matsumurana 66: 115 bis 151
- Burger F., Creutzburg F., Hartmann J. & Hartmann M. 2009. Die Hummeln von Nepal (Insecta: Hymenoptera: Apidae: Bombus). In: Hartmann M. & Weipert J. (Hrsg.) Biodiversität und Naturausstattung im Himalaya III, Erfurt: 455 bis 462
- Williams P.H., Tang Y., Yao J. & Cameron S. 2009. The bumblebees of Sichuan (Hymenoptera: Apidae, Bombini). Systematics and Biodiversity 7: 101 bis 190


