Bombus citrinus

Hummeln aus aller Welt

Bombus citrinus zählt zur Untergattung Psithyrus innerhalb der Gattung Bombus. Tiere dieser Untergattung gründen keine eigenen Völker, sondern dringen in bestehende Nester anderer Hummelarten ein und überlassen diesen die gesamte Versorgung des eigenen Nachwuchses. Die Art ist im östlichen Nordamerika beheimatet und trägt ihren englischen Namen lemon cuckoo bumble bee wegen der zitronengelben Behaarung von Thorax und vorderen Hinterleibssegmenten.

Weibchen von Bombus citrinus sammeln keinen Pollen und besitzen dementsprechend auch keine Körbchen an den Hinterschienen. Ein aus dieser Art hervorgehendes Volk besteht ausschließlich aus Jungweibchen und Männchen, eine Arbeiterinnenkaste bringt die Art nicht hervor. Diese Nachkommen wachsen in den übernommenen Nestern der Wirtsarten heran und werden von deren Arbeiterinnen versorgt.

info hummelIn einer älteren Untersuchung im Raum Boston waren 14,3 Prozent von 49 untersuchten Nestern der Common Eastern Bumble Bee (Bombus impatiens) durch Bombus citrinus befallen. Ein einzelnes Wirtsvolk zieht damit nicht selten den kompletten Nachwuchs einer fremden Art groß, statt eigene Königinnen hervorzubringen.

Bestimmungsmerkmale

Bombus citrinusWeibchen erreichen eine Körperlänge von etwa 17 bis 21 Millimetern, Männchen bleiben mit 13 bis 15 Millimetern deutlich kleiner. Bei den Weibchen ist der Thorax gelb behaart, die gelbe Färbung reicht bei vielen Tieren bis auf das vierte oder fünfte Hinterleibssegment. Das Gesicht trägt überwiegend schwarze Haare, durchsetzt mit einzelnen gelben Haaren im Bereich des Scheitels. Zwischen den Flügelbasen fehlt bei dieser Art meist die schwarze Querbinde, die bei einigen verwandten Kuckuckshummeln vorhanden ist. Die Außenseite der Hinterschienen ist gewölbt und vollflächig behaart, ein Pollenkörbchen fehlt vollständig.

Männchen unterscheiden sich durch eine schwarze Kopfbehaarung, eine schwarze Spitze des Hinterleibs sowie einen schwarzen Fleck oder Streifen zwischen den Flügelbasen. Thorax und vordere Hinterleibshälfte sind bei ihnen überwiegend gelb.

  • Körperlänge: Weibchen 17 bis 21 mm, Männchen 13 bis 15 mm
  • Hinterleibsbreite: Weibchen 7 bis 9,5 mm, Männchen 5 bis 6 mm
  • Gesichtsbehaarung: Weibchen überwiegend schwarz, Männchen schwarz

Verwechslungen sind mit anderen nordamerikanischen Kuckuckshummeln möglich. Bei Bombus fernaldae zeigen Weibchen zusätzlich gelbe Haare auf dem ersten Hinterleibssegment. Männchen von Bombus perplexus lassen sich durch gelbe Behaarung erkennen, die weiter über den Hinterleib reicht. Weibchen von Bombus rufocinctus können in der Farbverteilung ähneln, besitzen aber im Unterschied zu Bombus citrinus ein Pollenkörbchen, da sie zu den nestbauenden Arten gehören.

Wirtsarten und Verbreitung

Bombus citrinusAls Wirte dienen vor allem drei Hummelarten: die Common Eastern Bumble Bee (Bombus impatiens), die Half-black Bumble Bee (Bombus vagans) und die Two-spotted Bumble Bee (Bombus bimaculatus). Molekulare Datierungen legen nahe, dass sich die parasitäre Beziehung zu Bombus vagans bereits vor etwa 13 bis 5 Millionen Jahren entwickelte, während die Beziehung zu Bombus impatiens mit rund 2 Millionen Jahren deutlich jünger ist. Eine Untersuchung von Fisher aus dem Jahr 1985 stellte zudem fest, dass die Erfolgsrate bei der Übernahme von Nestern zwischen beiden Wirtsarten unterschiedlich ausfällt, was auf einen unterschiedlichen Grad der Anpassung an die jeweilige Wirtsart hindeutet.

Bombus citrinus kommt vor allem im Nordosten der Vereinigten Staaten vor, das Verbreitungsgebiet reicht bis ins südliche Kanada und im Westen bis North Dakota. Vereinzelte Vorkommen erstrecken sich auch in Teile des Mittleren Westens und des Südostens der USA.

Übernahme des Wirtsnests

Ein Weibchen findet ein geeignetes Nest, indem es den chemischen Spuren folgt, die Arbeiterinnen der Wirtsart beim Verlassen und Anfliegen des Nestes hinterlassen. Anschließend sucht es das Nest häufig noch einmal auf, um dessen Eignung zu prüfen, bevor es tatsächlich eindringt. Beim Eindringen kann es am Nesteingang von Arbeiterinnen erkannt und angegriffen werden. Gelingt es dem Weibchen dagegen, sich chemisch an das Duftprofil des Wirtsvolkes anzugleichen, bleibt es zunächst unentdeckt.

Im Nestinneren tötet das Weibchen die Wirtskönigin sowie deren Eier und Larven. Die Vorherrschaft über die verbliebenen Arbeiterinnen sichert es durch wiederholtes aggressives Verhalten: Es reibt seinen Körper an den Arbeiterinnen und greift sie mit Mandibeln und Vorderbeinen. Dieses Verhalten dient zugleich dazu, den eigenen Körpergeruch auf die Arbeiterinnen zu übertragen, sodass diese das eindringende Weibchen fortan als zugehörig behandeln. Von diesem Zeitpunkt an legt ausschließlich das Weibchen von Bombus citrinus Eier, während die Arbeiterinnen des Wirtsvolkes Nahrung beschaffen und die Brut versorgen.

Nahrungssuche und Erscheinungszeit

Vor der Übernahme eines Nestes sucht ein Weibchen selbst Blüten auf, da es zu diesem Zeitpunkt noch auf eigene Nahrungsaufnahme angewiesen ist. Beobachtet wurde die Nutzung von Astern, Disteln, Wasserdost-Arten (Eupatorium), Prachtscharten (Liatris), Bergminzen (Pycnanthemum) sowie Goldruten. Nach erfolgreicher Nestübernahme entfällt die eigene Nahrungssuche weitgehend, da die Arbeiterinnen des Wirtsvolkes diese Aufgabe übernehmen.

In Illinois wurden Weibchen von April bis Oktober beobachtet. Diese lange Flugzeit erklärt sich daraus, dass fertile Weibchen sowohl im Frühjahr auf der Suche nach einem geeigneten Wirtsnest unterwegs sind als auch im Spätsommer und Herbst als frisch geschlüpfte Jungweibchen vor der Überwinterung.

Gefährdung und Schutzstatus

Die IUCN führt Bombus citrinus als nicht gefährdet. Da die Art aber vollständig von ihren Wirtsarten abhängt, wirken sich Rückgänge bei Bombus impatiens, Bombus vagans oder Bombus bimaculatus unmittelbar auch auf den Bestand des Parasiten aus. Einzelne US-Bundesstaaten führen die Art in ihren Naturschutzplänen daher gesondert, unter anderem mit Verweis auf eingeschleppte Krankheitserreger aus kommerziellen Hummelzuchten sowie auf den Verlust geeigneter Lebensräume für die Wirtsarten.

Quellen

  • U.S. Fish & Wildlife Service: Lemon Cuckoo Bumble Bee (Bombus citrinus), https://www.fws.gov/species/lemon-cuckoo-bumble-bee-bombus-citrinus
  • Illinois Department of Natural Resources, Wild About Native Bees: Lemon Cuckoo Bumble Bee, https://dnr.illinois.gov/education/wildaboutpages/wildaboutinvertebrates/wildaboutnativebees/family-apidae/wabwlemoncuckoobumblebee.html
  • Discover Life: Bombus citrinus, mit Datenauszügen aus Mitchell, T. B. (1962): Bees of the Eastern United States, und Laverty, T. M. & Harder, L. D. (1988): The Bumble Bees of Eastern Canada, Canadian Entomologist 120: 965 bis 987, https://www.discoverlife.org/20/q?search=Bombus+citrinus
  • Montana Field Guide: Common Eastern Bumble Bee (Bombus impatiens), mit Verweis auf Fisher, R. M. (1985): Evolution and host specificity: dichotomous invasion success of Psithyrus citrinus in colonies of its two hosts, Canadian Journal of Zoology 63: 977 bis 981, sowie Plath, O. E. (1934) und Colla u. a., https://fieldguide.mt.gov///speciesDetail.aspx?elcode=IIHYM24290
  • Vermont Atlas of Life: Lemon Cuckoo Bumble Bee (Bombus citrinus), https://val.vtecostudies.org/projects/vtbees/bombus-citrinus/
  • discoverlife.org
  • inaturalist.org

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Stefan

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Töging am Inn (Südostbayern), 398m
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