Welche Hummel ist denn das?

Um eine Hummelart zu bestimmen, schaut man vor allem auf die Farben ihres Pelzes. Wichtig sind dabei die Streifen auf dem Rücken und die Farbe der allerletzten Hinterleibsspitze. Da sich viele Hummelarten sehr ähnlich sehen, hilft genaues Hinsehen dabei, sie voneinander zu unterscheiden. So lernt man die fleißigen Insekten im eigenen Garten im Handumdrehen besser kennen. Die folgenden sechs Arten gehören zu den häufigsten heimischen Hummeln und lassen sich, wissenschaftlich sicher nicht ganz exakt, bereits anhand dieser Merkmale recht gut unterscheiden:

Das Hinterteil ist weiß

Hinterteil weiß, die Brust der Hummel ist braun: Baumhummel
Hinterteil weiß, die Brust der Hummel hat hinter dem Kopf einen gelben Streifen und der Hintern hat einen weiteren gelben Streifen: Erdhummel
Hinterteil weiß, die Brust der Hummel hat zwei gelbe Streifen und der Hintern hat einen weiteren gelben Streifen: Gartenhummel

Das Hinterteil ist rötlich oder orange

Hinterteil rötlich oder orange, der Körper ist ansonsten komplett schwarz oder hat nur wenige gelbe Haare: Steinhummel
Hinterteil rötlich oder orange, die Brust der Hummel hat hinter dem Kopf einen gelben Streifen und der Hintern hat ebenfalls einen gelben Streifen: Wiesenhummel
Hinterteil rötlich oder orange, die Brust der Hummel ist komplett braun und der Hinterleib weist drei gelbe Streifen auf: Ackerhummel

Genauer hingeschaut

Die meisten Menschen bestimmen eine Hummel zuerst über ihre Farbmuster: schwarz mit gelben Binden und weißem Hinterleibsende, oder schwarz mit orangerotem Hinterleib. Für einen groben Überblick funktioniert das gut, an seine Grenzen stößt dieser Ansatz jedoch bei Arten, die einander stark ähneln. So tragen mehrere Erdhummelarten dasselbe Grundmuster aus zwei gelben Binden und weißem Hinterleibsende, ohne dass jede von ihnen tatsächlich die Dunkle Erdhummel, Bombus terrestris, ist. Erst der Vergleich weiterer Merkmale wie der Kopflänge oder der genauen Ausdehnung und Helligkeit der gelben Querbinden erlaubt eine sichere Zuordnung, wobei die durchschnittlichen Größenunterschiede zwischen den Arten im Einzelfall oft wenig weiterhelfen.

Ein Bestimmungsschlüssel ohne totes Material

Für diese feinere Unterscheidung existiert seit 2010 ein eigener Feldbestimmungsschlüssel für die Hummeln Österreichs, Deutschlands und der Schweiz, verfasst von Joseph Gokcezade, Barbara-Amina Gereben-Krenn, Johann Neumayer und Harald Krenn und erstmals veröffentlicht in den Linzer biologischen Beiträgen. Später erschien das Werk zusätzlich als eigenständiges Buch im Quelle und Meyer Verlag und liegt inzwischen in dritter Auflage vor. Das besondere Merkmal dieses Schlüssels: Er kommt ohne das Töten der Tiere aus. Bestimmt wird ausschließlich anhand der Behaarungsfarbe und einiger weiterer äußerlich sichtbarer Merkmale, die sich mit einer einfachen Lupe erkennen lassen, während klassische entomologische Bestimmungsschlüssel oft feinste anatomische Details erfordern, die nur am toten, präparierten Tier sichtbar sind.

info hummelDer Feldbestimmungsschlüssel unterscheidet nicht nur zwischen den Arten, sondern auch zwischen Königinnen, Arbeiterinnen und Drohnen derselben Art, deren Färbung und Größe teils deutlich voneinander abweichen kann.

Doppelgängergruppen als eigene Kategorie

Der Schlüssel fasst Arten mit ähnlichem Erscheinungsbild bewusst zu Doppelgängergruppen zusammen, statt jede Art einzeln und isoliert zu behandeln. Eine solche Gruppe bilden etwa die schwarz gefärbten Arten mit teilweise oder vollständig rotem beziehungsweise orangefarbenem Hinterleib, zu denen mehrere seltene und deshalb besonders schwer zu unterscheidende Arten zählen. Bei ihnen liefert der genaue Beginn der roten Färbung am Hinterleib ein wichtiges Bestimmungsmerkmal, das im Feld allerdings nicht immer leicht zu erkennen ist und gelegentlich erst unter der Lupe oder anhand eines scharfen Fotos sichtbar wird. Für die praktische Bestimmung vor Ort ist zudem hilfreich, dass in keinem einzelnen Gebiet jemals alle heimischen Arten gleichzeitig vorkommen, wodurch sich die Zahl der tatsächlich infrage kommenden Doppelgänger meist deutlich verringert.

Wie viele Arten es überhaupt zu unterscheiden gilt

Zur genauen Artenzahl kursieren je nach Quelle und Erhebungsjahr leicht unterschiedliche Angaben. Der Feldbestimmungsschlüssel selbst geht von 47 Hummelarten in Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammen aus, andere Quellen nennen für Deutschland allein Zahlen zwischen 36 und 41 Arten, je nachdem ob und wie ausgestorbene oder nur vereinzelt nachgewiesene Arten mitgezählt werden. Diese Schwankungen sind kein Widerspruch, sondern spiegeln unterschiedliche Bezugsräume und Stichtage wider, an die sich jede Bestimmungsarbeit halten sollte, um Vergleiche nachvollziehbar zu machen.


Feldbestimmungsschlüssel für die Hummeln Deutschlands, Österreichs und der Schweiz Download:
Feldbestimmungsschlüssel für die Hummeln Deutschlands, Österreichs und der Schweiz
(externer Link, PDF-Datei)


In seiner aktuellen Ausgabe ist dieser Feldbestimmungsschlüssel auch im gut sortierten Buchhandel zu finden:

  • Feldbestimmungsschlüssel für die Hummeln Deutschlands, Österreichs und der Schweiz
    Joseph Gokcezade, Barbara-Amina Gereben-Krenn und Johann Neumayer, 3., durchgesehene Auflage, Quelle & Meyer, 2023, 56 Seiten, ISBN 978-3-494-01958-1.

Quellen

  • Gokcezade, J. F., Gereben-Krenn, B.-A., Neumayer, J. und Krenn, H. W. (2010): Feldbestimmungsschlüssel für die Hummeln Österreichs, Deutschlands und der Schweiz (Hymenoptera, Apidae), Linzer biologische Beiträge, 42(1), S. 5 bis 42
  • Quelle und Meyer Verlag: Feldbestimmungsschlüssel für die Hummeln Deutschlands, Österreichs und der Schweiz, www.quelle-meyer.de
  • Spektrum der Wissenschaft: Buchkritik zu Feldbestimmungsschlüssel für die Hummeln Deutschlands, Österreichs und der Schweiz, www.spektrum.de
  • Wildbienen.de, Hans-Jürgen Martin: Hummel-Bestimmung, www.wildbienen.de/hua-best.htm
  • Wildbienen.de, Hans-Jürgen Martin: Hummel-Arten, www.wildbienen.de/hua-intr.htm

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    Beiträge
  • #62856
    Ploeschpopo
    Forenmitglied

      <p style=”text-align: right;”>Hallo Minja, habe heute eine ähnliche Frage gestellt und bei mir sind es auch Baumhummeln, vielen lieben Dank an Frederik für die Bestimmungshilfe. Ich freu mich total über das Volk (habe mir die letzten drei Jahre ein Hummelvolk im Garten gewünscht und auch eine Misthilfe aufgestellt, das haben diese Wohl als Wink mit dem Zaunpfahl aufgefasst) und genieße gerade das abendliche Brummen, unsere Klinker sind dunkel und abends sind sie auch kräftig am Belüften.    :hummel: :) ich hoffe, es wird ihnen nicht zu heiß. Ich wünsche dir ebenfalls eine erfolgreiche “WG”</p>

      #62863
      Minja

        Ja, die Hitze ist recht bedrohlich, ich kann leider nichts konkretes tun, beschatten geht da leider nicht. Sonst haben sie immer an der anderen Hausseite genistet, da ging keiner dran vorbei und es war nur die Morgensonne die ihnen einen Besuch erstattete.

        Vielleicht kann ich morgen ein Brett über der Tür anbringen, dann sehen sie mich nicht ganz so nah. Wird schon, denke ich…

        Deinen Mitbewohnern auch nur das beste!

         

        #62883
        Matze
        Forenmitglied

          Hallo Leute

          Ich brauche mal eure Einschätzung. Ich habe in Oberstdorf ein Naturbegeistertes Ehepaar kennengelernt. Sie haben mich um eine Artbestimmung gebeten. Ich bin da aber eher weniger gut wenn es kniffelig wird. Fundort nähe Oberstdorf, 770 Meter Höhe in ihrem Garten an einer Minze.

          Gruß Martin

          Foto/Video:
          #62896
          Martin
          Forenmitglied

            Sieht etwas komisch aus, kann aber eigentlich nur eine Gartenhummel Königin sein.

            #62898
            Matze
            Forenmitglied

              Ich finde den Kopf ein bischen kurz, soweit man das auf den Bildern sehen kann.

              Ein Freund meinte subterranus ist auch möglich ???

              #62908
              Martin
              Forenmitglied

                Mir ist der Kopf lang genug und damit zu lang für subterraneus. Gilt auch für die Behaarung.

                #63646
                angelbombus
                Forenmitglied

                  Da ja vielerorts dieses Jahr wenige Hummeln gibt möchte ich hier anfragen ob es sich bei der Hummel auf dem Mohn, Foto ist von heute, sich um eine neue kleinere Arbeiterin eines neuen Erdhummelnestes (?) handeln könnte.  Sie ist nur etwa murmelgroß gewesen, das sieht man auch an den Staubgefäßen des Klatschmohns.

                  Dazu ist heute noch eine größere dickere Erdhummel (?) auf meiner Tischdecke gelandet. Königin, Drohn oder Arbeiterin eines ersten Nestes noch?  Sie war mindestens dreimal so groß wie die kleine Hummel auf dem Klatschmohn. Also wie die großen Erdhummeln, die im Frühjahr oft herumfliegen. Siehe dazu auch das zweite Foto.

                  Ich habe keine belegten Hummelnistkästen in meinem Garten, aber da doch diese Hummeln momentan in meinem Garten unterwegs sind, muss es ja irgendwo ein Naturnest geben.

                  Über die Art- und Geschlechtsbestimmung und ob die kleine Hummel auf dem Klatschmohn eine neue Arbeiterin von einem zweiten Nest in diesem Jahr sein könnte, würde ich mich freuen.

                  Foto/Video:
                  #63678
                  Martin
                  Forenmitglied

                    Ja, das sind beides Erdhummeln und beide sehen sie ziemlich frisch aus. Ob die Größe unbedingt ein Hinweis auf eine zweite Generation ist, lässt sich so einfach nicht sagen. Kann theoretisch auch andere Gründe haben, warum Arbeiterinnen kleiner ausfallen: Späte Nestgründung, schlechte Versorgung.

                    #63806
                    angelbombus
                    Forenmitglied

                      @Martin, danke für die Bestimmungshilfe.

                      #64395
                      angelbombus
                      Forenmitglied

                        Ich habe noch eine Frage, obwohl ich ja noch keine Expertin in sachen Hummeln bin, spricht es sich aber schon rum, dass ich mich mit Hummeln beschäftige. Eine besorgte Nachbarin schickte mir folgendes Foto mit einer Hummel mit Milben. Der eine Flügel ist schon angefressen.

                        Die Hummel wird so sicher lange nicht mehr leben, aber trotzdem interessiert mich

                        1. die Art, Vermutung Gartenhummel (?)

                        sowie

                        2. Königin, Drohn, Arbeiterin oder Jungkönigin (Prinzessin)?

                        Ich habe bei mir im Garten einige Hummeln im Garten herumfliegen, die dieser optisch sehr ähneln, daher vermute ich, es kann doch nicht eine Jungkönigin sein—- oder doch? Denn wenn es so ist, dann fliegen bei mir im Garten einige rum. Foto ist von heute, 25.07.2021

                        Foto/Video:
                        #64418
                        osmia
                        Forenmitglied
                          • 30539
                          • 80m

                          :) sieht nach einer Kuckuckshummel aus (vielleicht bombus vestalis) Das wird sicherlich eine Jungköniginnen sein, die sich mit den Milben in die Diapause zurückzieht und im nächsten Jahr fressen die Milben im Hummelnest den Abfall.

                          Du hast wahrscheinlich recht, dass sie mit dem Flügel nicht lange machen wird.

                          #64419
                          Ueli
                          Forenmitglied
                            • CH-5000
                            • 370 m

                            Wer frisst denn an den Flügeln? Wachsmottenraupen, Vögel, sonstige Parasiten? Ich hatte kürzlich auch eine Erdhummel mit ausgefransten Flügeln, die nicht mehr abheben konnte. Dachte zuerst an DWV, sieht aber eher abgenutzt/abgefressen aus.

                            Foto/Video:
                            #64690
                            angelbombus
                            Forenmitglied

                              Leider hat hier noch keiner auf unsere Frage nach den (abgefressenen ?)  Flügeln reagiert. Woran liegt das? Kann es sich keiner erklären? Oder hatte noch keiner Zeit dafür?

                              Um aber hier beim Thema zu bleiben wollte ich hier auch nach einer Artbestimmung fragen. Kann mir einer hier sagen, welche Hummelart auf meinem Foto sammelt? Ist es eventuell ein Drohn?

                              Foto/Video:
                              #64697
                              janfo
                              Moderator
                                • DE 34233
                                • 246 m

                                Sieht nach Wiesenhummel aus, von der Größe her könnte es sogar eine Jungkönigin sein, da die Art generell relativ klein ist.

                                Die Flügel könnten auch verletzt sein, das kann viele Ursachen haben. Ob es eine Wollbiene war oder sie irgendwo hängen geblieben ist. Die Milben an sich sind nicht gefährlich für die Hummel (außer es werden so viele, dass sie nicht mehr richtig fliegen kann), die nutzen sie nur als Transportmittel. Aber ja, die Hummel mit dem kaputten Flügel wird wohl nicht lange überleben.

                                Wüsste jetzt kein Tier was an Flügeln fressen würde. Denke das sind eher Verletzungen.

                                #64710
                                Frederik
                                Forenmitglied
                                  • DE 53347
                                  • 136 m

                                  @angelbombus

                                  Auf dem Foto ist meiner Ansicht nach ein Steinhummeldrohn.

                                  Zu den abgenutzten Flügeln: wenn eine Arbeiterin oder Altkönigin schon lange sammelt, nutzen die Flügel ab. Das ist ganz natürlich und hat nichts mit Flügel fressenden Tieren zu tun ;)

                                  Bei meiner Gartenhummelkönigin waren die Flügel zum Beispiel schon sehr zerfranst, als dann die ersten Arbeiterinnen kamen.

                                  LG Frederik

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